Keine Zukunft: Plug-in-Hybride vor dem Aus

3 Minuten
Sie wurden vom Gefühl her gerade erst auf dem Massenmarkt eingeführt, doch jetzt droht ihnen bereits das zeitnahe Aus. Die Rede ist von Pkw mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Wegen vielerorts bereits rückläufiger Absatzzahlen bahnt sich in der Automobilindustrie die nächste Zeitenwende an.
Mercedes-Benz GLC (2022)
Der Mercedes-Benz GLC wird einer der letzten Plug-in-Hybride des Herstellers sein.Bildquelle: Mercedes-Benz

Nicht weniger als drei neue Plug-in-Hybrid-Modelle (PHEV) stellte Mercedes kürzlich für den Kassenschlager GLC vor. Neben der C-Klasse sind die GLC- und GLK-Modelle die absatzstärksten Fabrikate des Stuttgarter Pkw-Herstellers. Sie sollen in der jüngst präsentierten Neuauflage mit einem modernen Hybrid-Antrieb punkten. Neben einem Verbrennungsmotor kommt in den GLC-Modellen des Jahrgangs 2022 auch eine E-Maschine zum Einsatz. Sie gestattet eine WLTP-Reichweite von bis zu 120 Kilometern.

Klingt ein wenig so, als würden PHEV-Antriebe bei Mercedes einen hohen Stellenwert genießen. Schließlich lag die Reichweite von Plug-in-Hybrid-Autos vor nicht allzu langer Zeit noch bei gerade einmal etwa 50 Kilometern. Die Entwicklung schreitet also mit großen Schritten voran. Doch laut Informationen des „Handelsblatt“ könnten Plug-in-Hybride in Deutschland schneller vor dem Aus stehen, als bisher erwartet wurde.

Mercedes kappt die Entwicklung neuer Plug-in-Hybrid-Modelle

Interne Pläne sollen belegen, dass Mercedes bereits damit begonnen hat, das Angebot an teilelektrifizierten Autos radikal zusammenzustreichen. Nach den neuen GLC-Modellen sollen nur noch die E-Klasse im kommenden Jahr und einzelne Coupé-Derivate einen Doppelantrieb erhalten. Danach ist dem Vernehmen nach Schluss. Das „Handelsblatt“ will aus Konzernkreisen erfahren haben, dass schon ab der nächsten Generation an Kompaktwagen – die Markteinführung ist für 2024 geplant – nur noch vollelektrische Varianten und Benziner mit 48-Volt-Technik eine Rolle spielen sollen.

Ein Grund dürfte sein, dass bei Mercedes die Bedenken vor einem Minusgeschäft wachsen. Denn die Nachfrage an Plug-in-Hybriden könnte in den kommenden Jahren stark zurückgehen – getrieben durch politische Entscheidungen. Während Käufer reiner Elektroautos in Deutschland auch in Zukunft mit einer staatlichen Förderung rechnen können, sehen Pläne von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine Förderung von PHEV-Pkw schon ab 2023 nicht mehr vor.

Sollte Habeck dieses Vorhaben wirklich durchsetzen, könnten teilelektrische Fahrzeuge für potenzielle Käufer schnell unattraktiv werden. Zumindest, wenn die Plug-in-Hybride auch in Zukunft spürbar teurer als Verbrenner bleiben. Man kann aber davon ausgehen, dass viele Pkw-Hersteller die Preise für ihre PHEV-Modelle senken, wenn die Nachfrage an den Autos aufgrund ausbleibender Subventionen einbricht.

Experten halten Zukunft der Plug-in-Hybride für fraglich

Autoexperte Matthias von Alten vom Beratungshaus Publicis Sapient sagte dem „Handelsblatt“, dass eine Zukunft von Plug-in-Hybriden „mehr als fraglich“ sei. „Sie haben nur eine geringe elektrische Reichweite, verbrauchen wegen ihres hohen Gewichts viel Treibstoff und verfügen aufgrund der Batterie über weniger Stauraum als Verbrenner.“

Auch klassische Zahlen belegen, dass Plug-in-Hybriden ein schnelleres Aus drohen könnte, als bisher angenommen. Beispiel Mercedes: Während der Absatz von Plug-in-Hybriden im ersten Quartal 2022 nur um 8 Prozent wuchs, betrug das Wachstum bei Elektroautos satte 210 Prozent. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann verlassen mehr reine Elektroautos die Fertigungsstätten von Mercedes als Modelle mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Bei Volkswagen und Audi ist dieser Punkt nach Informationen der Wirtschaftszeitung sogar schon erreicht. Bei BMW ergebe sich ein ähnliches Bild wie bei Mercedes. Dort war der Absatz von PHEV-Modellen zuletzt im Jahresvergleich sogar schon rückläufig. Wirtschaftsminister Habeck hat es also mehr oder weniger in der Hand, ob PKW mit Plug-in-Hybrid-Technologie in Deutschland noch eine Zukunft haben. Zieht er ab 2023 wie geplant den Förderstecker, dürfte die Industrie entsprechend reagieren und noch schneller auf die vollständige E-Mobilität umsatteln.

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9 KOMMENTARE

  1. Karl

    Stimmt schon, die Technik ist nicht gerade sinnvoll, so wie sie gerade in Betrieb ist, genauso wie die komplette Elektrifizierung nicht wirklich überdacht ist. Sinnvolle Erfindungen wie z.B. das Wasserauto (es wurde darüber sogar in Zeitschriften damals berichtet) setzen sich nicht durch weil sie nicht profitabel für die Großkonzerne sind.

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  2. Stefan Scherer

    Wasserstoff-PKWs setzen sich deswegen nicht durch, weil sie kostbare Energie in rauhen Mengen verschleudern. Im Gegensatz dazu sind vollelektrische PKW zu 100% alltagstauglich und mit realistischen Reichweiten zwischen 300-500km auch langstreckentauglich. Und mit der eigenen Steckdose fahren sie derzeit für unter 5 Euro 100km weit (bei uns aufgrund PV sogar unter 2 Euro).
    Wer weiterhin auf niemals massentauglich werdenden PKW mit Wasserstoff wartet oder sogar auf die völlig sinnfrei PHEV-Technologie setzt, den bestraft halt die Tankstelle und das Finanzamt.

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  3. Frei

    Nur wenn man in der Citi wohnt, wo dort E-Auto- laden?
    Eigenen Kabel von der 6 Etage auf die Strasse runter lassen?
    Verluste bei 11 / 22 kW bei der Kabel- Länge?
    Oder mit eigener Zeit bezahlen bei Umweg über E-Tanke? Nein danke.

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  4. Frei

    2020 + 2021 waren solche Autos in 2 Jahre Leasing mit 20 000 km fast geschenkt. Mit BAFA ab 20 € / Monat mit Leasingfaktor bei 0,1.
    Heute mehr als das 4-fache.
    Was hat die teurer gemacht?

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    • Frei

      Beispiele:
      https://www.mydealz.de/search?q=lf+0%2C1

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  5. Frei

    Ab 2023 soll es weniger BAFA für Hybride geben!
    Und die Mindest- Akku-Kapazität wird erhöht.
    Daher werden ab 2023 Hybride deutlich teurer, und auch bei Hersteller unbeliebter.

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  6. Stefan S

    Wasserstoff wird definitiv kommen, aber im Nutzfahrzeugsektor. Es macht auch wenig Sinn, während der Erntezeit einen Mähdrescher 8 Stunden an ein Windrad zu hängen.
    Bei LKW verhält es sich ähnlich. Die Rasthöfe sind sowie schon überfüllt- wenn dann noch Ladestationen gesucht werden müssen, ist alles verloren.
    Schlecht ist natürlich auch, wenn alle ihre Autos nachts laden- da sind die PV Anlagen keine große Hilfe.

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    • Frei

      Wasserstoff hat schlechten Wirkungsgrad und es dauert lange bis Infrastruktur da ist.
      Und H Piplines sind teurer als Kabel.

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  7. Hubert Kuepper

    Herr Scherer,
    Dann nennen sie mir Mal einen PKW, der 500km Reichweite rein elektrisch! Auch im Sommer mit Aircon und im Winter bei minus 10 Celsius Fahrt, ohne an die Ladebuchse zu müssen.
    Da wird es eine handvoll von geben, die liegen aber momentan im 6 stellingen Eurobereich.
    Ich vergleiche da mal schnell meinen ultra sauberen Hyundai H1 für 23.500 Euro. 170 PS Turbodiesel mit Harnsäure Einspritzung. Mit seinem 85 Liter Tank schaffe ich es locker mit einer Tankfüllung von Aachen bis Österreich.
    Für die Langstrecke sind die Batterien unserer E Autos einfach ( noch ) nicht ausgereift. Als Zweitwagen sollte er reichen mit 250km Reichweite…. Aber die Problematik ist ja noch viel weitreichender. Es sind nicht nur die unausgereift en, viel zu teuren Batterien. Auch die Lademöglichkeiten sind nicht gegeben! Leider verfügt nicht jeder über ein Eigenheim mit PV Anlage und ( wieder teuren Speicher )! In der Realität sieht es so aus, dass 80% aller PKW Nutzer Ladestationen am Haus bräuchten, welche niemals mit der vorhandenen Infrastruktur realisiert werden können. Die Erdleitungen der Netzbetreiber sind schlicht weg nicht vorhanden.
    Kommen wir zum Schluss noch auf den Umweltaspekt. Die Befürworter der E Technologie, vergessen immer gerne die Belastungen, bedingt durch die Produktion der Batterie Zellen einzubrechen.
    Die Umweltbelastung Z.B. durch Feinstaub ist durch Aufwirbelung und Abrieb von Bremsen, größer als dich Abgas/Ruß. Wir haben mit Katalysatoren und Abgasfilter den saubersten und effizientesten Antrieb mit Dieselmotoren.

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