Telekom versorgt O2-Sendemasten mit Glasfaser

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Unerwarteter Schulterschluss in der Mobilfunk-Branche: Die Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland (O2) arbeiten künftig beim Netzausbau zusammen. Die Telekom wird 5.000 O2-Sendemasten an ihr Glasfasernetz anschließen, damit O2 seine Kunden besser versorgen kann.
O2 Sendemast auf einem Dach
Bildquelle: Telefónica

Die beiden Unternehmen bündeln so nach eigenen Angaben ihre Kräfte, um den Ausbau ihrer Mobilfunknetze zu beschleunigen. Mindestens 5.000 Standorte von Telefónica wird die Telekom mit ihrer Glasfaserinfrastruktur anbinden. Das allerdings wird nicht von heute auf morgen geschehen. Beide Unternehmen sprechen von einer langfristigen Partnerschaft.

Auch für die Telekom hat der Deal einen Vorteil: Sie kann die daraus erzielten Synergien unmittelbar für den eigenen Netzausbau nutzen, heißt es. Daraus lassen sich zwei Rückschlüsse ziehen: Einerseits kann die Telekom Einnahmen, die sie durch die Nutzung ihrer ohnehin vorhandenen Infrastruktur erzielt, nutzen und ihr Netz noch weiter ausbauen. Andererseits ist auch denkbar, dass die Telekom auch Telefónica-Sendemasten versorgt, die bisher überhaupt keine Glasfaseranbindung haben. Das ist nur bei wenigen Sendern der Fall, da die Telekom einen Großteil ihrer Standorte schon mit Glasfaserleitungen versorgt hat und oft auch andere Netzbetreiber diese Sendemasten mitnutzen. Verlegt die Telekom nun im Auftrag von Telefónica neue Leitungen, so könnte sie diese auch nutzen, um beispielsweise ihre Festnetzinfrastruktur weiter auszubauen.

Telekom und Telefónica: Es ist nicht die erste Partnerschaft

Die jetzt bekanntgegebene Partnerschaft zwischen Telekom und O2 ist übrigens nicht die erste. Schon zum Start des O2-Netzes, damals noch als Viag Interkom bekannt, arbeiteten die Unternehmen zusammen. Kunden von Viag Interkom konnten durch ein National Roaming viele Jahre das Netz der Telekom mitnutzen. So hatte Viag Interkom mehr Zeit für ihren Netzausbau. Im Jahr 2011 schlossen die beiden Unternehmen einen sogenannten „Mobile Backhaul“-Vertrag ab. Der Backhaul in einem Mobilfunknetz bindet die in der Fläche verteilten Basisstationen, also Mobilfunkantennen, an das Netzzentrum an. Die aktuelle Vereinbarung setzt darauf auf und erweitert die Zusammenarbeit deutlich.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Partnerschaft der beiden größten Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland: Derzeit werden die Vergabebedingungen für die 5G-Lizenzen ausgehandelt. Die beiden Netzbetreiber wollen offenbar signalisieren, dass es auch ohne Regulierung eine Zusammenarbeit der Netzbetreiber geben kann. Sie wehren sich gegen Schritte wie ein verpflichtendes National Roaming.

Telefónica arbeitet mit weiteren Partnern zusammen

Telefónica  arbeitet bei der Anbindung der eigenen Sender nicht nur mit der Telekom zusammen. So lässt der Münchner Anbieter beispielsweise zahlreiche Sender, die an Autobahnen stehen, durch den Partner NGN anschließen. inside handy hat in einer Reportage über die Umsetzung der Glasfaseranbindung berichtet. Hier werden mindestens 1.500 Sendemasten angebunden. Somit kann Telefónica 7.500 der geplante, 26.000 Standorte über Partnerschaften per Glasfasernetz anschließen. Ein Sprecher betonte aber, dass es weitere Gespräche mit anderen Partnern gibt.

Für die Kunden von Telekom und O2 wird sich hinsichtlich Vertragsinhalten oder Rufnummern nichts ändern – beide Mobilfunknetze werden weiterhin separat voneinander bestehen. Allerdings dürften mittelfristig die Datenraten für O2-Kunden höher werden, wenn die Sender mittels Glasfaser versorgt werden. Für den Betrieb und die Überwachung des Glasfasernetzes ist die Telekom zuständig.

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