Bahn streicht Ticket-Verkauf im Zug: Das soll sich ändern

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Bereits vor einer Woche berichteten wir, dass die Deutsche Bahn den Verkauf von Tickets im Zug einstellen will. Nun sickert die Lösung für die Fahrgäste durch, die nicht jedem helfen wird, der spontan mit der Bahn reist und noch kein Ticket hat.
Eine Zugbegleiterin der Bahn kontrolliert das Ticket einer Frau
Ticketkontrolle bei der BahnBildquelle: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

Bislang und wohl noch bis Ende 2021 giltst du bei der  Deutschen Bahn im ICE und Intercity nicht pauschal als Schwarzfahrer, wenn dich der Zugbegleiter bei der Kontrolle ohne Ticket antrifft. Denn ganz offiziell kannst du deine Fahrkarte noch an Bord kaufen – zum sogenannten Bordpreis. Das bedeutet, du zahlst einen deftigen Aufpreis von 17 Euro pro Ticket der Bahn. Außerdem kannst du nur mit Kreditkarte oder Bargeld zahlen, die EC-Karte wird nicht akzeptiert.

Doch wie berichtet, will die Bahn diese Möglichkeit, Tickets zu kaufen, Anfang 2022 abschaffen. Entsprechende Informationen der Eisenbahngewerkschaft EVG bestätigte uns die Deutsche Bahn vergangenen Woche. Gleichzeitig wollte sie sich aber noch nicht dazu äußern, wie Fahrgäste, die in letzter Minute in den Zug steigen, künftig ihr Ticket buchen sollen.

Bahn: Nur 1 Prozent der Fahrgäste nutzen den Bordpreis

Auf Anfrage teilte uns eine Sprecherin der Bahn lediglich mit, dass Tickets im Zug aktuell von weniger als 1 Prozent aller Kunden genutzt werden. „Bei diesen Reisenden handelt es sich um Vielreisende und Geschäftsreisende, die mit unseren Vertriebskanälen gut vertraut sind. Nur im Einzelfall – etwa unter Zeitdruck – greifen diese Kunden mangels Alternativen im Zug auf den Bordverkauf zurück.“ Für diese Kunden arbeite die Bahn an Alternativen. Nur so viel: „Der Ticketkauf an Bord soll einfacher, preiswerter und digitaler werden.“

Der Kauf eines Tickets per App im Zug ist derzeit keine Lösung. Offiziell musst du das Ticket bereits vor Abfahrt des Zuges gebucht haben. Eine Buchung für den Zug, in dem du sitzt, wird zudem technisch unterbunden. Findige Reisende buchen sicher aber die Fahrkarte für den nächsten Zug. Da beim Flexpreis jede Verbindung einer Strecke genutzt werden darf, ist das tariflich zulässig.

Künftig will die Deutsche Bahn die Buchung der Fahrkarte per App ganz offiziell aus dem fahrenden Zug heraus zulassen. Schon ab April soll der Zeitraum für die Möglichkeit der Buchung eines Tickets nach Abfahrt des Zuges auf zehn Minuten erhöht werden. Per App oder am Rechner im Zug kannst du dann die Fahrkarte noch kaufen, auch wenn der Zug schon rollt.

Schwarzfahrer-Prämie für Zugbegleiter?

Keine Lösung ist die Buchung für alle Fahrgäste, die kein Smartphone nutzen. Auch wenn der Akku leer ist oder du gar nicht für die Nutzung der App angemeldet bist, ist die längere Buchungsfrist im Zug für dich keine Alternative zum heutigen Bordpreis. Denn die Konsequenz für dich als Fahrgast könnte lauten, dass du zum Schwarzfahrer wirst, wenn du kein Ticket hast.

Dabei könnte es sogar unverschuldet dazu kommen, etwa wenn im Reisezentrum zu lange Warteschlangen sind oder der Ticket-Automat defekt ist. Diskussionen mit dem Zugbegleiter sind oft müßig. Hinzu kommt, dass der Zugbegleiter künftig nach Angaben der EVG ein eigenes Interesse daran hat, eine sogenannte Fahrpreisnacherhebung auszustellen. Er bekommt demnach 3 Euro dafür.

Bildquellen

  • Ticketkontrolle bei der Bahn: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
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