Datenkrake Smart TV: Diese App sammelt Nutzerdaten von über 46 Millionen TV-Geräten

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Wie gern Hersteller und Anbieter über das Verhalten ihrer Nutzer Bescheid wissen, ist weithin bekannt. Was viele Nutzer von Smart TVs jedoch nicht ahnen: Auch clevere Fernseher können regelrechte Datenkraken sein. Diese App verwandelt über 46 Millionen TVs in Datensammel-Maschinen.
Datenkrake Smart TV - diese App sammelt Nutzerdaten von über 46 Millionen TV-Geräten
Datenkrake Smart TV - diese App sammelt Nutzerdaten von über 46 Millionen TV-GerätenBildquelle: Photo by Wang John on Unsplash

Unsere Daten werden täglich bei vielen Gelegenheiten durch unterschiedliche Anbieter gesammelt. Eine dieser Apps verwandelt unwissentlich die Fernseher vieler Benutzer in reinste Datenkraken von Smart-TVs. Das Schlimmste daran: Sie findet sich auf über 46 Millionen Smart TVs von 24 Herstellern.

Datenkrake Smart TV: Pixel werden auf Hardwareebene analysiert

Grundsätzlich ist es keine Neuheit, dass unsere Daten gesammelt werden und dabei auch bei TV-Herstellern oder Streaming-Diensten landen. Es gibt jedoch große Unterschiede darin, welche Software Daten wie sammelt und analysiert. Auf über 46 Millionen Smart TVs ist die App Samba TV vorinstalliert. Darunter befinden sich auch TV-Modelle vieler bekannter Hersteller, zu denen Sony, Panasonic, Philips, Toshiba, TCL sowie viele weitere zählen. Insgesamt 24 Smart TV-Marken setzen auf Samba TVs Datenanalyse.

Samba TV stellt dabei einen sogenannten ACR-Dienst dar. Hinter dem Begriff ACR verbirgt sich „Automatic Content Recognition“, zu Deutsch also eine automatische Inhaltserkennung. Samba TV gilt als einer der Pioniere in diesem Geschäftsmodell und sammelt bereits seit 2008 fleißig Daten über nutzerbasierte Inhalte. Das große Problem an Samba TV liegt darin, dass die App die dargestellten Pixel auf deinen Fernseher dabei auf Hardwareebene analysiert. Dadurch werden nicht nur Dateien darüber gesammelt, welche Serien oder Filme du dir bei einem Streaming-Dienst ansiehst. Sowohl Videospiele, DVDs und Blu-Ray als auch private Fotos und Filmaufnahmen können von der Software ausgewertet werden.

Im Prinzip kann Samba TV Informationen über alles sammeln, was du jemals auf deinem Smart TV wiedergibst. Mithilfe dieser Daten werden unter anderem die Programmvorschläge auf deinem Smart TV unterbreitet. Allerdings sind die integrierten Vorschlagoptionen deines Fernsehers längst nicht alles, was mit den Daten geschieht. So verwundert es nicht, dass es Samba TV in erster Linie darum geht, ein möglichst genaues Werbeprofil über dich zu erstellen und das für eigene Werbezwecke zu verwenden. Samba TV teilt nach entsprechender Genehmigung deine Daten mit vielen seiner Partner, wozu auch Werbedienstleister wie Google und Amazon zählen.

Samba-TV wird von über 24 TV-Herstellern verwendet
Samba-TV wird von 24 TV-Herstellern verwendet

Samba Picture Perfect – Bildoptimierung auch ohne Werbenutzung?

Womöglich bist du mit einer weiteren Entwicklung von Samba TV bereits in Berührung gekommen, nämlich der Samba Perfect Picture Technologie. Hier setzt Samba TV mit Samba AI auf eine künstliche Intelligenz, die Bilder auf deinem Smart TV in Echtzeit für dich optimiert. Das soll ein besseres grafisches Erlebnis auf deinem Fernseher liefern. Auch hier soll die Echtzeitanalyse der Pixel auf deinem Bildschirm ins Spiel kommen, bisher gibt es jedoch keinerlei Hinweis dafür, dass dazu zwingend deine Werbezustimmung erforderlich ist. Samba Picture Perfect soll nach Angaben des Unternehmens auch vollständig ohne bestehende Internetverbindung nutzbar sein. Du musst deine Daten also nicht erst an Samba TV übermitteln, um das Bild deines Smart TVs verbessern zu lassen. Dennoch ist ein gesundes Maß an Skepsis bei einer Software eines Werbeunternehmens wohl gerechtfertigt.

Datenkrake Smart TV – muss das sein?

Grundsätzlich verspricht Samba TV sich bei all seinem Datensammeln stets an die geltenden Datenschutzrichtlinien zu halten. Nach Angaben des Unternehmens gilt das ebenso für die im internationalen Vergleich deutlich striktere Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Was genau Samba alles über dich herausfinden will, kannst du dir jederzeit in der Datenschutzerklärung des Unternehmens sehen. Trotz aller Versprechungen von Samba TV hat es einen bitteren Beigeschmack, wie viele der Nutzungsdaten dauerhaft in deinem Smart TV erhoben werden.

Glücklicherweise bist du keineswegs gezwungen, dem Datensammeln von Samba TV zuzustimmen. Selbst wenn du bei der Einrichtung deines Smart TVs unwissentlich der Nutzung deiner Daten zugestimmt hast, kannst du deine Zustimmung jederzeit widerrufen. Die dafür vorgesehenen Einstellungen finden sich in den Benutzermenüs deines Smart TVs. Je nach TV-Modell und Hersteller kann die Navigation unterschiedlich ausfallen. Während Sony die Menüpunkte mit ‚Samba Interactive TV‘ auflistet, bezeichnet Panasonic sie etwa als ‚Samba TV Privacy Manager‘. Es kann daher etwas dauern, bis du die gewünschte Option in deinem TV-Modell gefunden hast. Lass dich davon jedoch nicht abschrecken, wenn du verhindern möchtest, dass weitere deiner Nutzungsdaten gesammelt werden.

Wie steht es um Fernseher anderer namhafter Hersteller wie Samsung und LG?

Wer die Aufzählung der jeweiligen Smart TV Hersteller bei Samba TV gesehen hat, mag kurzzeitig aufgeatmet haben, da sich weder Samsung noch LG unter den Nutzenden befinden. Allerdings trügt der Rückschluss an dieser Stelle, denn sowohl LG als auch Samsung sammeln ebenso Nutzerdaten bei der Verwendung ihrer TV-Modelle. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern setzen sie dabei jedoch nicht auf externe Dienstleister wie Samba TV, sondern verfügen über eigene Optionen. Bei Samsung sind diese ein Teil von Samsung TV Plus, während LG eine ACR-Funktion namens Live Plus besitzt. Zum Glück lassen sich diese ähnlich wie Samba TV direkt im Menü deiner Fernseher deaktivieren. Selbst wenn dein TV-Hersteller nicht unter den Nutzern von Samba TV gelistet ist, lohnt sich also ein genauer Blick auf die Menüeinstellungen.

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