Galaxy S10+ im Test: Samsungs teures Meisterstück

21 Minuten
Das Galaxy S10+ ist Samsungs Spitzenmodell für das Jahr 2019. Besser, schneller und innovativer als all seine Vorgänger soll es sein. Und nach Möglichkeit auch als die Konkurrenz. Doch wie gut ist das teuerste Galaxy-Modell aller Zeiten wirklich? Der Test verrät es.
Samsung Galaxy S10+ in der Hand

Wer einen Blick auf die technischen Daten wirft, wird schnell feststellen: Das Galaxy S10+ besitzt High-End-Komponenten der allerersten Güte. Neben fünf Kameras und dem Infinity-O-Display ist es der bis zu 12 GB große Arbeitsspeicher, der in Auge fällt. Hinzu kommen die neuesten Verbindungsstandards wie LTE Cat.20 und ein 6,4 Zoll großer WQHD+-Bildschirm, der neben dem Fingerabdrucksensor zwei Objektive in der rechten oberen Ecke beherbergt.

Die technischen Daten in der Übersicht

Samsung Galaxy S10+
Samsung Galaxy S10+
Software Android 9.0 Pie
Prozessor Exynos 9820
Display 6,4 Zoll, 1.440 x 3.040 Pixel
Arbeitsspeicher 8 GB, 12 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 5312x2988 (15,9 Megapixel)
Akku 4.100 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung IP68 (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 175 g
Farbe Ceramic White, Ceramic Black
Einführungspreis 12 GB /1 TB: 1599 €, 8 / 512 GB: 1249 €
Marktstart 8. März 2019

Das Design des Galaxy S10+

Befreit man das Galaxy S10+ aus der Verpackung und nimmt es in die Hand, erscheint das Smartphone mit seinen Ausmaßen von 157,6 x 74,1 x 7,8 mm ziemlich wuchtig. Und das ist es auch. Im Vergleich zum Galaxy Note 9 ist es nur vier Millimeter kürzer. Da Samsung aber in beiden Modellen einen 6,4 Zoll großen Bildschirm einbaut, wird ersichtlich, dass es beim Galaxy S10+ weniger Rand um den Bildschirm gibt. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben die Koreaner die Frontkamera aus der Bildschirmeinrahmung entfernt und sie – gleich doppelt – ins Display eingesetzt.

Schaltet man das Gerät ein und das Display erstrahlt, fällt das Kamera-Duo gar nicht so sehr auf. Das liegt aber an dem von Samsung clever ausgewählten Hintergrundbild, das nach oben rechts hin dunkler wird. Alle anderen vorinstallierten Hintergrundbilder sind ähnlich gestaltet. Das südkoreanische Unternehmen möchte den Fokus von der Frontkamera also ablenken. Nicht zu Unrecht: Denn hat man ein insgesamt helles Bild, stolpern die Augen immer wieder über das langgezogene “Loch” im Display – zumindest am Anfang. Wie bei einer Notch sieht man aber auch die Display-Ausstanzung irgendwann nicht mehr.

Vergleicht man das Galaxy S10+ mit seinem Vorgänger, fallen vor allem Unterschiede auf der Rückseite auf. Im Detail ist es der Kamerabereich, den Samsung neu gestaltet hat. Statt zwei sind es nun drei Objektive, die die Koreaner im Gehäuse eingelassen haben. Statt vertikal ordnen die verantwortlichen Designer das Trio horizontal an. Zudem ist die Sensor-Armada weniger zerklüftet. Denn auch der Pulssensor wandert – samt LED – in das Kameramodul. Wer den Fingerabdrucksensor sucht, wird auf der Vorderseite fündig. Wurde diese biometrische Entsperrmethode beim Galaxy S9+ von einem haptisch wahrnehmbaren Sensor auf der Rückseite begleitet, lässt sich das Galaxy S10+ per Anhalten eines Fingers oder Daumens auf dem Display entsperren.

Apropos Rückseite: Die ist aus einem Keramik-Verbundstoff gefertigt. Samsung gibt an, dass die Härte dieses Materials die eines Stahlnagels überflügelt und die Entwicklung einen großen Schritt in Richtung der Härte von Diamant gemacht hat. So spannend wie sich das Material technisch auch anhört, so gleichbedeutend ist es in der Hand mit Glas zu setzen. Hinzu kommen Metall als Werkstoff für Gehäuse und Rahmen, ähnliche Radien wie beim Vorgänger und ein an den Längskanten abgerundetes Display: Dreht und wendet man das Galaxy S10+, lassen sich kaum Unterschiede zur 2018er-Generation wahrnehmen.

Verarbeitung

Das Galaxy S10+ ist der Niederländer unter den Smartphones. Denn: Deutschlands Nachbarn zählen im Durchschnitt zu den größten Menschen der Welt. Zwar gibt es durchaus noch größere Smartphones als das Galaxy S10+. Das Bild soll aber die dennoch enorme Größe des High-End-Boliden hervorheben. Selbst Menschen mit großen Händen müssen ihre Finger ordentlich strecken, wenn sie das Smartphone mit einer Hand bedienen wollen.

Was die Haptik angeht, erwartet Besitzer eines Galaxy S9+ nichts Neues. Einen Schnitzer erlaubt sich Samsung jedoch: Der Rahmen ist an den kurzen Seiten einen Hauch breiter als das Gerät ansich. Das bedeutet, dass die Rahmenkanten deutlich spürbar sind, wenn man vom Display hin nach außen streicht. Wer jedoch plant, das Galaxy S10+ mit einer Schutzhülle zu ummanteln, muss sich hier keine Gedanken machen.

Die Taster auf der linken Seite sind nur mit Mühe zu erreichen. Insbesondere Rechtshänder dürften Probleme haben, mit dem Zeigefinger die Lautstärke – etwa bei einem Telefonat – zu erhöhen. Hinzu kommt: Statt die Lautstärke zu verändern, betätigt man als ungeübter Nutzer eines Samsung-Smartphones doch immer wieder den Bixby-Button. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man sich einen Film ansieht oder ein Spiel spielt. Denn auf Knopfdruck wird die laufende App verlassen und Samsungs Sprachassistent drängt sich in den Vordergrund. Samsung schafft aber zumindest die Möglichkeit, die Taste anders zu belegen. Mehr dazu unter “Software und Multimedia” weiter unten im Test.

 

Ob Bohrungen für Mikrofone und Klinkenanschluss, die in den Rahmen gefrästen Längsöffnungen für den Lautsprecher oder die bündig abschließende SIM- und MicroSD-Karten-Schublade: die Verarbeitung ist auf Top-Niveau. Alles andere wäre bei einem Smartphone, das bis zu 1.600 Euro auf die Preiswaage bringt, enttäuschend und inakzeptabel.

Zwar ist das Design des Galaxy S10+ eher Mode von der Stange. Dennoch enttäuscht Samsung nicht und schafft mit dem Aussehen einen Wiedererkennungswert, an dem sich mittlerweile auch Huawei orientiert. Insbesondere die Kameraaussparung im Display ist ein Blickfänger – wenn auch nicht revolutionär zu betrachten.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Display des Galaxy S10+

Zunächst die Fakten: Der Bildschirm des Galaxy S10+ misst 6,4 Zoll, löst mit 1.440 x 3.040 Pixeln auf und basiert auf Samsungs AMOLED-Technologie. Das Display-Format beläuft sich auf ein Verhältnis von 19:9. Auf den ersten Blick fällt die kräftige aber ausgewogene Farbdarstellung auf. Außerdem ist die Display-Helligkeit auf höchster Stufe immens.

Das attestieren dem Galaxy S10 auch die Experten von DisplayMate: “Das Galaxy S10 hat das innovativste und leistungsfähigste Smartphone-Display, das wir jemals im Labor getestet haben.” In vielen Unterkategorien bricht der Bildschirm sämtliche Rekorde. DisplayMate stellt insbesondere die höchste absolute Farbgenauigkeit und die höchste erreichbare Helligkeit heraus.

Testsiegel Samsung Galaxy S10+

Der praktische Test von inside handy bestätigt die Laborergebnisse von DisplayMate. Im Vergleich zu anderen Smartphones mit OLED-Display ist der Galaxy-S10-Bildschirm noch etwas heller. Die Blickwinkelstabilität ist hervorragend. Es spielt keine Rolle, zu welcher Seite man das Gerät kippt – das Display gibt die Farben unverfälscht und mit nahezu keinem Verlust der Helligkeit wieder. Auch Kontraste und Farbübergänge sind hervorragend.

Wer, trotz perfekter werkseitiger Einstellungen, mit der Farbwiedergabe nicht zufrieden sein sollte, kann im Menü diverse Parameter wie den Weißabgleich verändern. Zudem ist auch ein Blaulichtfilter an Bord, der unter anderem die müden Augen schont. Von Werk aus stellt Samsung die Auflösung auf Full-HD+ ein, was sich vor allem auf die Akkulaufzeit auswirken sollte. Wer die volle Pixelpower haben möchte, muss in den Display-Einstellungen auf WQHD+ umschalten.

Display-Einstellungen des Samsung Galaxy S10+

Wer beim Display keine Kompromisse eingehen will, findet mit den Bildschirmen des Galaxy S10 und Galaxy S10+ Meisterstücke vor. Besser geht es derzeit nicht.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

In Deutschland liefert Samsung das Galaxy S10+ statt mit Qualcomms Snapdragon 855 mit einem Prozessor aus Eigenentwicklung aus. Der Exynos 9820 baut auf acht Kernen auf, die in drei Cluster, also drei Partitionen, unterteilt sind. Vier Cortex-A55-Kerne sorgen für einen sparsamen Umgang mit der Grundlast des Smartphones. Dazu kommen zwei Kerne vom Typ Cortex-A75. Die Spitze des Leistungsberges bilden zwei „Custom CPU“, die einzeln 20 Prozent schneller sein sollen, als die Vergleichskerne im Samsung Exynos 9810. Zusammengeschaltet sind laut Samsung 40 Prozent mehr Leistung drin.

Das gesamte System on a Chip (SoC) wird im 8nm-LPP-FinFET-Prozess gefertigt und mit einer GPU, also einer Grafikeinheit, mit dem Namen ARM Mali-G76 MP 12 ergänzt. Eine NPU ist ebenfalls mit an Bord. Sie soll für die nötige künstliche Intelligenz sorgen, die bei Smartphone-Herstellern derzeit ziemlich angesagt ist.

Hinzu kommt: LTE Advanced Pro Cat.20. Auf 5G verzichtet Samsung beim Galaxy S10+. Jedoch wird es im Laufe des Jahres ein Modell mit 5G geben. Da in Deutschland 5G momentan aber eher eine Zukunftsvision ist und Netzbetreiber LTE noch nicht flächendeckend verfügbar machen können, ist ein Smartphone mit 5G-Modul derzeit sinnlos – was zum Beispiel Sony erkannt hat. Selbst LTE Cat.20 mit 3 Gbit/s im Download ergibt hierzulande in der Praxis keinen Sinn.

Galaxy S10+ im Benchmark-Test

Wie aber machen sich die einzelnen technischen Bauteile in der Praxis bemerkbar? Im Benchmark-Test von AnTuTu kommt das Galaxy S10+ in der Version mit 8 GB Arbeitsspeicher auf hervorragende 335.132 Punkte. Damit zieht es mit knappem Vorsprung am Galaxy S10 vorbei und nimmt im Android-Lager das Zepter in die Hand. Nur Apples aktuelle iPhone-Generation rund um das iPhone XS Max (knapp 365.000 Punkte) schneidet besser ab.

UmfeldModellBenchmark-Wert
TestgerätSamsung Galaxy S10+335.132
 
OnePlus 6T296.028
direkte KonkurrentenHuawei Mate 20 Pro249.187
Samsung Galaxy Note 9246.735
 
Asus ROG Phone299.279
bisherige ReferenzRazer Phone 2286.678
Google Pixel 3 XL285.146
 
 iPhone XS347.068
Apples AntwortiPhone XS Max364.994
 iPhone XR352.333

Der Wert im Benchmark-Test kann ziemlich gut auf die Praxis übertragen werden. Das Galaxy S10+ kommt nie ins Stocken und führt alle Aufgaben schnell und präzise aus.

Der teure Arbeitsspeicher

Für den Test lag der Redaktion das Galaxy S10+ mit 8 GB RAM und 512 GB internem Speicher vor. Für 350 Euro mehr bekommen Käufer das gleiche Smartphone mit 12 GB Arbeitsspeicher und einem Datendepot von 1 TB. Eine Stange Geld für etwas mehr RAM und ROM.

Wer das Galaxy S10+ in der kleineren Version kauft und etwa 80 Euro in eine MicroSD-Karte mit 400 GB investiert, spart gegenüber der großen Galaxy-S10+-Ausführung 270 Euro. Dafür muss man allerdings auf 4 GB Arbeitsspeicher verzichten.

Verbindungsmöglichkeiten des Galaxy S10+

Hinsichtlich seiner Schnittstellen ist das Galaxy S10+ bestens ausgestattet. Neben Bluetooth 5.0 unterstützt das Top-Modell alle vier Satellitensysteme (GPS, Galileo, Glonass, Beidou), bietet einen USB 3.1 Typ-C-Anschluss und hat eine Klinkenbuchse an Bord. Dank IP68-Zertifikat übersteht das Galaxy S10+ nicht nur einen Regenschauer, sondern lässt sich auch dauerhaft in bis zu 1,5 Meter tiefem Wasser etwa als Unterwasserkamera nutzen.

Wer gelegentlich telefoniert, wird vom Galaxy S10+ nicht enttäuscht. Auch im Auto ist das Smartphone aufgrund seiner lauten Lautsprecher als Freisprecheinrichtung zu gebrauchen. Dem Gesprächspartner fällt in diesem Szenario jedoch die hohe Distanz vom Mund zum Apparat auf.

 Samsung Galaxy S10+
HSPA
HSPA+
LTE (Down-max Mbit/s)▲ (2.000 Mbps)
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version5.0
WLAN-Standardsa/b/g/n/ac/ax
QI
Dual-SIM

Volle Punktzahl: Mit High-End-Prozessor samt künstlicher Intelligenz, Speicherplatz satt, den neuesten Verbindungsstandards und auf Wunsch Dual-SIM ist das Galaxy S10+ das Aushängeschild des Smartphone-Marktes. Zudem ist es das derzeit schnellste Android-Handy der Welt.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Die Kamera-Ausstattung des Galaxy S10+

Wie jedes Jahr überholt Samsung die Kameraausstattung in seinem Flaggschiff-Modell. Statt zwei gibt es nun drei Objektive auf der Rückseite. Vorne hingegen verdoppelt sich die Anzahl der Module.

Die drei Kameras auf der Rückseite besitzen unterschiedliche Brennweiten. Damit zieht das Galaxy S10+ mit Smartphones wie dem Huawei Mate 20 Pro oder dem LG V40 ThinQ gleich. Samsung gibt sich selbstsicher und sagt: “Die Kamera der nächsten Generation, die Ihnen professionelle Bilder ermöglicht.” Doch kann die Kameraausstattung des s10+ dieses Versprechen wirklich erfüllen?

Die drei Kameras des Samsung Galaxy S10+

Die Technik

Zunächst die technischen Voraussetzungen: Das Ultra-Weitwinkel-Objektiv besitzt einen 16-Megapixel-Sensor, eine Blende von f/2.2 und erlaubt Aufnahmen mit einem Bildwinkel von 123 Grad. Das Standard-Objektiv ist mit einem 77-Grad-Bildwinkel ebenfalls weitwinklig, bietet eine variable Blende von f/1.5 und f/2.4 und nimmt Fotos mit 12 Megapixeln auf. Die dritte Kamera besteht aus einem Teleobjektiv mit 45-Grad-Bildwinkel, einer Blende von f/2.4 und einem 12-Megapixel-Sensor. Das Normal- und Teleobjektiv sind mit einem optischen Bildstabilisator (OIS) ausgestattet und kamen so auch schon im Galaxy S9+ zum Einsatz.

So gut sind die 5 Kameras des Galaxy S10+

In der Praxis beeindrucken die Fotos mit einer perfekten Schärfe, brillanter Farbtreue und einem ausgewogenem Rauschverhalten. Schaut man sich die Bilder kurz nach dem Abdrücken auf dem Galaxy S10+ an, stellt man fest, dass die Kameras das Motiv so aufnimmt, wie es in der Realität zu sehen ist. Die Farben sind nicht überzogen, wie etwa bei Aufnahmen mit dem Huawei Mate 20 Pro. Schatten und Spitzlichter werden ebenfalls originalgetreu aufgenommen und auf dem Display wiedergegeben.

Auch wenn es dunkel wird, überzeugt die Kameraausstattung des Galaxy S10+. Ist vor dem Drücken des Auslösers das Bild auf dem Display noch voller Farbrauschen, passt die Software im Automatikmodus dieses anschließend an. So verschwinden die Pixel mit falschen Farbangaben nahezu vollends, was sich aber negativ auf die Schärfe auswirkt. Dennoch gelingen auch bei wenig Licht mit einer ruhigen Hand tolle Fotos.

Wer auf Nahaufnahmen steht, wird mit dem Galaxy S10 eine echte Makro-Maschine erhalten. Das Teleobjektiv erlaubt es zwar nicht sonderlich nah an das Motiv heranzutreten – da ist die Naheinstellgrenze des Mate 20 Pro deutlich kürzer -, jedoch entstehen dank langer Brennweite sensationell gute Nahaufnahmen. Im großen Makro-Test deklassiert das Galaxy S10+ Huaweis Mate 20 Pro.

Die Videoqualität

Die Hauptkamera des Galaxy S10+ nimmt Videos maximal in UHD-Qualität (3.840 x 2.160 Pixel) mit 60 fps auf. Was auf dem Datenblatt schon gut aussieht, bestätigt sich in der Praxis. Auch im Videobereich sind die Farben naturgetreu und nicht überspitzt dargestellt. Schnelle Schwenks von hellen in dunkle Bereiche tariert die Software hervorragend aus. Die Schärfe ist brillant. Hinzu kommt der optische Bildstabilisator, der jeder zittrigen Hand entgegen wirkt und das gesamte Filmmaterial eine Qualitätsstufe höher hebt. Selbst bei voller Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde und eingeschaltetem HDR-Modus kann der Nutzer sich auf die Bildstabilisierung verlassen.

Die Mikrofone nehmen den Ton in Stereo auf. Wer sich nach dem Dreh das Video samt Ton ansieht, wird vom Klang positiv überrascht sein.

Hinzu kommt: Die Kameraausstattung des Galaxy S10+ beherrscht Zeitlupenaufnahmen, die bei ausreichend Licht ziemlich gut werden. Neben dem Zeitlupen-Modus gibt es auch die Super-Slow-Mo. Hier erhöht sich die Bildrate auf bis zu 960 fps. Man hat 0,4 Sekunden Zeit, um eine Bewegung einzufangen. Daraus entsteht ein 14 Sekunden langes Video in HD-Auflösung.

Auch die Frontkameras liefern qualitativ hochwertige und scharfe Porträts. Das zweite Objektiv steht jedoch nicht – wie man eventuell vermuten könnte – für eine andere Brennweite. Es bedient lediglich die Software mit Tiefeninformationen, sodass diese im Nachgang beispielsweise ein künstliches Bokeh erzeugen kann.

Die Kamera-App des Galaxy S10+

Die aufgeräumte Kamera-Anwendung gefällt auf Anhieb. Weniger digitale Buttons und weniger Schnickschnack im Live-View machen den Blick frei für das Motiv. Dabei sind keine wichtigen Einstellungen oder gesonderte Optionen weggefallen. Sie verbergen sich lediglich in einer tieferen Menüebene. Wer im Pro-Modus fotografiert, kann nicht nur Parameter wie ISO, Verschlusszeit und Weißabgleich selbst festlegen. Im Kameramenü lässt sich unter “Speicheroptionen”auch das RAW-Format einschalten. Die geschossenen Fotos beanspruchen dann zwar mehr Speicherplatz, lassen sich aber intensiver bearbeiten, da sie mehr Informationen enthalten.

Ob Porträts, Landschaften oder Nahaufnahmen: Die fünf Kameras des Galaxy S10+ verrichten einen überragenden Job. Zudem hat Samsung die App entschlackt, was der einfacheren Nutzung entgegen kommt. Und auch Filme, die man mit dem Top-Modell erstellt, sind tadellos.

Teilwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Wie üblich setzt Samsung bei einem seiner Smartphones auf Android als Betriebssystem. Die Koreaner installieren Android 9 Pie und benetzen das OS mit der brandneuen und hauseigenen Nutzeroberfläche One UI in der Version 1.1.

One UI ist deutlich minimalistischer als das alte “Samsung Experience”. Man hat den Eindruck, dass alles aufgeräumt und übersichtlich ist. Zudem haben die App-Icons ein neues Design erhalten. Apps, die der Nutzer besonders häufig verwendet, stellt One UI prominent an die ersten Stellen in der Auswahlliste der Multitasking-Ansicht. Den App-Drawer erreicht man übrigens vom Homescreen aus mit einem Wisch von unten nach oben oder umgekehrt. Wer sich an diese Gestensteuerung nicht gewöhnen kann oder will kann sich auf dem Startbildschirm eine Schaltfläche anzeigen lassen, über die die App-Übersicht geöffnet wird.

One UI: Samsungs neue Nutzeroberfläche

Auf dem riesigen Display des Galaxy S10+ durchaus praktisch: One UI ermöglicht es, den Bildschirm in zwei Bereiche zu teilen. Einen, in dem Elemente nur dargestellt werden und einen, in dem es möglich ist, zu reagieren beziehungsweise zu interagieren. So lässt sich im oberen Bereich ein Video via Youtube abspielen während unten Google Maps als Navigation den Weg zeigt.

Samsung nennt das Viewing Area und Interaction Area. Dafür muss man das Seitenpanel hervorziehen, dass sich von Werk aus am rechten Display-Rand befindet. Tippt man nun auf ein Plus-Icon, lässt sich im nächsten Schritt ein App-Paar erstellen. Beim nächsten Hervorholen des Seitenpanels wird statt des Plus-Icons dieses App-Paar angezeigt, das nach einem Fingertipp zwei Apps unter- oder nebeneinander öffnet – je nachdem, wie herum man das Handy in der Hand hält.

Darüber hinaus implementiert Samsung einen “Dark Mode” in die Nutzeroberfläche. Im Menü unter “Anzeige” findet sich der “Nachtmodus”, der aus einer hellen eine dunkle Oberfläche macht.

Tschüss Bixby

Screenshot: Bixby-Einstellungen Galaxy S10

Der Bixby-Button gastiert seit dem Galaxy S8 unterhalb der Lautstärkewippe im Rahmen der Top-Modelle Samsungs. Lange Zeit nur in englischer Sprache spricht der digitale Assistent seit einiger Zeit auch Deutsch. Wer aber schon stets mit Google und seinem Assistenten in Kontakt steht oder auf eine Sprachbedienung gar keinen Wert legt, dem war dieser Taster wohl schon immer ein Dorn im Auge. Samsung schafft in der Galaxy-S10-Reihe nun die Möglichkeit, Bixby von der Taste gänzlich zu entfernen. Wer den Taster aber nicht völlig nutzlos lassen möchte, kann ihn auch mit einer anderen Funktion belegen. In den Einstellungen unter den erweiterten Funktionen lassen sich der Bixby-Taste Apps zuordnen, die sich öffnen, sobald man den Knopf drückt. Sinnvoll etwa für einen Schnellstart der Kamera oder eine häufig genutzte Anwendung wie WhatsApp, Kalender oder Spotify.

Ein paar Apps zu viel

Screenshot: Drittanbieter-Apps auf dem Samsung Galaxy S10
Drittanbieter-Apps auf dem Samsung Galaxy S10

Neben vielen eigenen Anwendungen wie einem Taschenrechner, dem Kalender und einem eigenen App-Store, der es sogar auf den Homescreen schafft und bei dem nicht wirklich klar wird, wie er sich vom Goolge Play Store unterscheidet, sind diverse Google-Apps und auch einiges an Bloatware auf dem Galaxy S10+ installiert. Dazu zählen die drei Microsoft-Apps Office, OneDrive und LinkedIn sowie Facebook und Spotify. Dabei können Nutzer nur die Musik-Streaming-App deinstallieren. Alle anderen Apps lassen sich nur deaktivieren. An dieser Stelle gibt es also Punktabzug.

Laut, aber unausgewogen

Weitere Zähler lässt das Galaxy S10+ beim Sound liegen. Zwar verfügt das Gerät über zwei Lautsprecher und sogar Dolby Atmos. Die kleinen Boxen können aber nur mit einer enorm hohen Lautstärke überzeugen. Der Sound besitzt allgemein zu viele Höhen und zu wenig Tiefen und wird sehr unausgewogen durch die Schlitze im Rahmen nach außen gepresst. Immerhin übersteuern die Lautsprecher nicht, wenn man die Lautstärke ans Maximum bringt.

Nahaufnahme: Der Lautsprecher des Samsung Galaxy S10+
Der Lautsprecher des Samsung Galaxy S10+

Bei dem mitgelieferten AKG-Headset ein ähnliches Bild: Laut, aber ohne Bass. Insbesondere bei Rockmusik fehlt es den Kopfhörern an Druck. Zudem muss der Nutzer – wenn er nicht Spotify, Deezer oder eine andere Musik-Streaming-App nutzt – mit Googles “Play Musik” Vorlieb nehmen, die beim erstmaligem Öffnen direkt ein Abonnement für rund zehn Euro im Monat vorschlägt. Klickt man jedoch ein paar Mal auf “Nein” lässt sich die eigene Musik aus der Bibliothek hören.

Zwar lässt sich der Sound mithilfe des Equalizers und der ab Werk ausgeschalteten Option “Dolby Atmos” etwas verbessern. Wirklich gut wird er aber nicht. Ein Pluspunkt: der 3,5-mm-Klinkenanschluss.

Die Entsperrmöglichkeiten

Wie bereits erwähnt ist der Fingerabdrucksensor vom Rücken unter das Display gewandert. Im Test funktionierte er schnell und zuverlässig. Ebenso die Entsperrmethode via Gesichtserkennung. Doch Obacht: Samsung hat in den Einstellungen zur Entsperrung via Gesichtsscan die Option “Schnellere Erkennung” aktiviert. Diese sorgt, wie der Name es bereits verrät, für eine nicht merklich schnellere Entsperrung des Geräts. Andererseits verringert sich jedoch die Sicherheit. So kann es sein, dass das Galaxy S10+ ein Foto oder Video des Gesichts als ebensolches erkennt. Im Test von inside handy zeigte sich, dass es mit einem Foto zwar nicht funktioniert, mit einem Video eines Gesichts hingegen schon. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, deaktiviert die schnellere Erkennung. Und selbst dann ist das Galaxy S10+ sehr schnell entsperrt.

Samsung Galaxy S10 Plus im Hands-On
Fingerabdrucksensor im Display: Samsung Galaxy S10 Plus im Hands-On

Des Weiteren verbannt Samsung erstmals in einem Flaggschiff-Modell die Benchrichtigungs-LED. Das hat zur Folge, dass entgangene Anrufe und Nachrichten nicht durch ein Blinken eines Lämpchens angezeigt werden. Es gibt aber zwei Alternativen.

Kein FM-Radio, keine Benachrichtigungs-LED, kein überzeugender, wenn auch sehr lauter Sound und zu viel vorinstallierte Bloatware: In dieser Kategorie lässt das Galaxy S10+ wertvolle Punkt liegen.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Der Akku des Galaxy S10+

Samsung erhöht die Akkukapazität im Vergleich zum Galaxy S9+ beim aktuellen Spitzenmodell enorm. War es im Vorjahres-Flaggschiff eine Ladung von 3.500 mAh mit der das Handy auskommen musste, sind es beim Galaxy S10+ 4.100 mAh. Außerdem lässt sich das Smartphone per Qi kabellos aufladen.

Huawei hat es vorgemacht, Samsung zieht nach. Das “Umgekehrte Laden ohne Kabel” der Chinesen nennt Samsung “Wireless PowerShare”. Mit dem S10 lassen sich also andere Qi-fähige Smartphones oder Kopfhörer aufladen, indem man die beiden Geräte aufeinander legt.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit musste sich der Energieträger im standardisierten Test der Redaktion bei dauerhaft aktiviertem Bluetooth, WLAN und GPS sowie E-Mail-Push einem 30-minütigen Gespräch, 30 Minuten Musikhören per Webstream sowie 30 Minuten Spielen und einer 30-minütigen HD-Video-Wiedergabe über YouTube stellen. Hinzu kamen die Aufnahme mehrerer Fotos und Videos, das Surfen auf verschiedenen Webseiten und ein Benchmark-Test.

ModellKapazität (mAh)AkkustandVerbrauch
Arbeitstag (8h)Nacht im Standby (16h)Intensivtest (8h)Standby (16h)
Testgerät
Samsung Galaxy S10+4.1007367276
Alternativen
Samsung Galaxy S9+3.500 6656 3410
Huawei P20 Pro4.0006853168
One Plus 6T3.7006656168

Am Ende dieses anspruchsvollen 8-stündigen Arbeitstages ließen sich 73 übriggebliebene Prozent von der Akkuskala ablesen – ein hervorragender Wert. Im Standby-Modus verlor der Akku des Top-Modells sieben Prozentpunkte – ein sehr guter Wert. Nach insgesamt 24 Stunden verblieben somit noch 67 Prozent. Schaltet man GPS und Bluetooth aus, dürfte dieser Wert noch besser ausfallen. Doch auch so erhält das Galaxy S10+ in dieser Kategorie die volle Punktzahl.

Akkulaufzeit des Samsung Galaxy S10+

Teilwertung: 5 von 5

Fazit

Mit dem Galaxy S10+ zeigt Samsung, was es kann. Das Spitzen-Smartphone besitzt ein überragendes Display und eine Kameraausstattung, die ihresgleichen sucht. Hinzu kommt: Die Kombination aus High-End-Prozessor, bis zu 12 GB Arbeitsspeicher und der Software – inklusive Samsungs neuer Benutzeroberfläche One UI – setzt neue Maßstäbe. Das Galaxy S10+ ist zum Testzeitpunkt das schnellste Android-Smartphone der Welt.

Zwar hat sich beim Design gegenüber dem Vorjahresmodell nicht viel verändert, Samsung schafft jedoch einen Wiedererkennungswert, an dem sich auch andere Handyhersteller orientieren. Zudem darf man sich als Galaxy-S10+-Besitzer über eine sehr gute Akkulaufzeit freuen.

Es gibt aber auch die eine oder andere Schwäche. So passen die Lautsprecher nicht ganz zu der restlichen Hardware, die auf Top-Niveau liegt. Sie sind zwar extrem laut, der Sound allerdings ist sehr unausgewogen. Zudem sind einige Drittanbieter-Apps vorinstalliert; nur eine von fünf lässt sich deinstallieren.

Darüber hinaus fehlen ein FM-Radio und eine Benachrichtigungs-LED. Wohl aufgrund von Platzmangel verzichtet Samsung erstmals auf eine Leuchtdiode auf der Vorderseite.

Gesamtwertung: 5 von 5

Testsiegel Samsung Galaxy S10+

Pro

  • Beeindruckendes Display
  • Überragende Kamera-Ausstattung
  • Das schnellste Android-Handy der Welt
  • Sehr gute Akkulaufzeit

Contra

  • Lauter Lautsprecher ohne Dynamik
  • Keine Benachrichtigungs-LED
  • Kein FM-Radio
  • Zu viele Drittanbieter-Apps vorinstalliert

Preis-Leistungs-Verhältnis

Bis zu 1.600 Euro verlangt Samsung für das Galaxy S10+. Damit ist das neue Spitzenmodell der Koreaner eines der teuersten Smartphones auf dem Markt. Selbst die Version mit weniger internem Speicher und RAM schlägt immer noch mit 1.250 Euro zu Buche. Beim Galaxy S9+ blieb man noch unter der 1.000-Euro-Marke.

Zwar bekommt man für die hohe Summe ein Smartphone der Extraklasse. Dennoch ist es empfehlenswert, das Gerät nicht sofort zum Marktstart zu kaufen. Wer einige Wochen ins Land ziehen lässt, kann davon ausgehen, dass er einige Hundert Euro weniger auf den Verkaufstresen blättern muss.

Alternativen

Im Preissegment bis 1.600 Euro gibt es Alternativen wie Sand am Meer. Wer ein Smartphone mit einer ebenso guten Kamera sucht, könnte beim Huawei Mate 20 Pro oder dem Xiaomi Mi 9 fündig werden. Beide Modelle haben von Kamera-Experten wie denen von DxOMark entweder eine gleich hohe oder nur marginal schlechtere Wertung erhalten. Das die Kameras ähnlich gute Fotos ausspucken, zeigt auch ein Vergleich des Galaxy S10+ und Mate 20 Pro.

Wer ein brandneues Smartphone mit der neuesten Technik haben möchte, findet im Xiaomi Mi 9 die derzeit wohl günstigste Alternative, die aber dennoch über High-End-Technik verfügt. Das Smartphone gibt es aktuell beispielsweise bei Media Markt für rund 450 Euro.

Wer noch warten kann, sollte es tun. Einerseits, da der Preis bekanntlich wenige Wochen nach Marktstart deutlich sinkt. Andererseits stellt Huawei Ende März seine P30-Reihe vor. Insbesondere das Huawei P30 Pro könnte eine Alternative und zugleich größte Konkurrenz zum Galaxy S10+ sein.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Kein FM Radio als Negativpunkte wo es das seit sehr vielen Jahren praktisch überhaupt nirgendwo mehr gibt und in Zeiten von Daten Flatrates und Spotify auch keiner mehr braucht, ist irgendwie witzlos. Das hat kaum einer genutzt, weil man dazu immer die Kopfhörer eingesteckt haben muss.

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