Tech-Riesen unter Druck: Telekom, Vodafone und Co. blasen zur Attacke

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Amazon, Google, Netflix, Facebook - die Liste an namhaften Tech-Giganten aus den USA ist lang. Und all diese Firmen nutzen für ihre Plattformen die Infrastruktur der örtlichen Netzbetreiber - kostenlos. Das soll sich ändern.
Netzwerk Symbolbild
Unzählige Daten werden über das Internet ausgetauscht. Große Tech-Firmen müssen für den Netzausbau nichts bezahlen. Das soll sich ändern.Bildquelle: Alexander Sinn / Unsplash

Die Tech-Giganten aus den USA dürfen sich über Millionen von Nutzern freuen. Jeden Monat aufs Neue. Allein in Deutschland kommt etwa Google laut einer Analyse von Semrush auf fast 1 Milliarde Zugriffe monatlich. Bei YouTube sind es rund 350 Millionen, bei Amazon und Facebook etwa 300 Millionen Besucher. Und mit diesen virtuellen Gästen wird auf den Plattformen natürlich Geld verdient. Viel Geld, wie ein Blick in aktuelle Quartalszahlen zeigt.

Telekom, Vodafone und Co. schielen auf Milliarden-Gewinne von Big Tech

Beispiel Google: Im dritten Quartal machte der Tech-Riese einen Nettogewinn in Höhe von 18,9 Milliarden US-Dollar. Facebook erreichte im gleichen Zeitraum einen Gewinn in Höhe von 9,2 Milliarden Dollar. Und selbst bei Netflix waren es zuletzt noch fast 1,5 Milliarden Dollar Quartalsgewinn. Unter anderem diese Geldtöpfe wollen nun die großen europäischen Telekommunikationskonzerne anzapfen. Sie argumentieren: Ohne ihre Netze gäbe es gar keine Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Online-Shops oder Videoplattformen.

Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, kritisieren zahlreiche namhafte europäische Telekommunikationsunternehmen, dass die immensen Datenmengen in den Netzen primär den großen Tech-Firmen aus den USA geschuldet seien. Und der steigende Datenhunger der eigenen Kunden habe kontinuierliche Optimierungen und Ausbauten an der Netzinfrastruktur zur Folge. Das wiederum sei mit hohen Kosten verbunden. Kosten, an denen Netzbetreiber wie Deutsche Telekom, Vodafone und elf weitere europäische Unternehmen Google und Co. gerne zu einem gewissen Teil beteiligen würden.

Europäische Netzbetreiber fordern „fairen Beitrag“

Reuters zitiert die Vorstandsvorsitzenden großer europäischer Telekommunikationsunternehmen aus einer gemeinsamen Erklärung mit deutlichen Worten. „Ein großer und wachsender Teil des Netzwerkverkehrs wird von großen US-Plattformen generiert und monetarisiert, aber das erfordert kontinuierliche, intensive Netzwerkinvestitionen und Planung durch den Telekommunikationssektor.“ Ihre Forderung: Die Techgiganten aus den USA sollen sich mit einem „fairen Beitrag“ am Netzausbau beteiligen.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens, das auch der Redaktion von inside digital vorliegt, gehören unter anderem auch Telefónica, Orange, KPN, BT Group, Telekom Austria und Swisscom. Diese und andere Netzbetreiber müssen massiv in 5G-, Glasfaser– und Kabelnetze investieren, um die kontinuierlich wachsenden Verkehre zu Daten- und Cloud-Diensten bewältigen zu können. Auch Video-on-Demand-Dienste von Netflix, Prime Video und Co. tragen ihren Teil dazu bei. Entsprechend ist die jetzt publizierte Forderung, die sich weniger an Google und Co direkt, als vielmehr an die EU-Politik und die zuständigen Wettbewerbskommissare richtet, aus rein wirtschaftlicher Sicht nachzuvollziehen.

Lenken die Tech-Giganten ein?

Die andere Seite der Medaille ist aber sicherlich auch nicht zu vernachlässigen. Ohne die großen Tech-Firmen aus den USA würden Telekom, Vodafone, Telefónica und Co. schließlich deutlich niedrigere Umsätze generieren. Denn ohne die Plattformen der großen Technologieunternehmen wären etwa mobile Datendienste deutlich weniger nachgefragt. Insofern bleibt abzuwarten, wie „Big Tech“ auf die Forderungen aus Europa reagieren wird.

Die Vorsitzenden der europäischen Netzbetreiber, darunter Tim Höttges (Deutsche Telekom), Thomas Arnolder (Telekom Austria) und Urs Schaeppi (Swisscom) fordern „konkrete und sofortige Maßnahmen, um […] weitere technologische Entwicklungen und Innovationen voranzutreiben.“ Es sei wichtig, die passenden Voraussetzungen für eine heimische digitale Infrastruktur zu schaffen. Und dazu gehöre unter anderem auch, in Zukunft im Mobilfunk auf Auktionen im Rahmen von Frequenzversteigerungen zu verzichten. Doch das ist eine ganze andere Geschichte.

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1 KOMMENTAR

  1. Scorpion1982

    Holy macaroni.
    Man Stelle sich jetzt vor man betreibt eine eigene Website/Shop/etc. und soll dann noch Geld an die ISP abdrücken als „Maut“ weil man eben diesen Traffic verursacht hat.
    Darauf wird es hinauslaufen.

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