Paradedisziplin versaut: Das OnePlus Nord N10 5G enttäuscht im Test

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Das neue OnePlus Nord N10 5G ist nur 30 Euro günstiger als das originale OnePlus Nord und muss dafür auf einiges verzichten. Lohnt sich das rund 370 Euro teure Smartphone dennoch, oder solltest du lieber die Finger davon lassen? Wir haben uns das OnePlus Nord N10 5G genauer angeschaut.
Bildquelle: Timo Brauer

Das OnePlus Nord war ein echter Preis-Leistungs-Hit: 90 Hertz AMOLED-Bildschirm, Snapdragon 765G und 5G-Support zu einem Preis von 400 Euro sind bis heute ungeschlagen. Nun erweitert OnePlus die Nord-Serie um zwei weitere Smartphones. Das OnePlus Nord N10 5G unterstützt, wie der Name bereits vermuten lässt, ebenfalls den neuen Mobilfunkstandard, setzt aber auf einen schwächeren Snapdragon 690 Prozessor. Auch beim Display hat man gespart und verbaut ein IPS-Panel, statt der teureren AMOLED-Technik. Wir haben das OnePlus Nord N10 5G getestet.

Der erste Eindruck des OnePlus Nord N10 5G

In der Box findet sich neben dem Smartphone noch ein 30 Watt Netzteil und ein USB-A auf USB-C Ladekabel. Auf ein Case verzichtetet OnePlus im Gegensatz zu anderen chinesischen Herstellern wie Xiaomi oder Oppo.

Äußerlich wirkt das OnePlus Nord N10 5G wie jedes gewöhnliche Mittelklasse-Smartphone. Auf OnePlus-typische Design-Merkmale wie den schmalen Kamera-Steg wurde verzichtet. Stattdessen erinnert das OnePlus Nord N10 5G mit seinem Kunststoff-Rahmen und seiner glänzenden Plastik-Rückseite an ein Galaxy A51.

Die Rückseite des OnePlus Nord N10 5G

An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Die seitlichen Tasten des Smartphones haben einen festen Druckpunkt und uns sind keine Verarbeitungsmängel aufgefallen.

Beim Display hat OnePlus gespart

Das Display des OnePlus Nord N10 5G misst 6,49 Zoll und bietet eine Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixeln. Die Rahmen sind schmal gehalten und tragen nur an der Unterseite etwas auf. Die Frontkamera ist unauffällig in einem kleinen Loch im Displayrand untergebracht.

Statt AMOLED muss das OnePlus Nord N10 5G mit einem IPS-Bildschirm ohne HDR10-Support auskommen. Die Auflösung ist jedoch scharf genug und die Farbdarstellung realistisch. Einzig die Helligkeit fällt zu niedrig aus. Ein Always-On-Display oder eine Benachrichtigungs-LED sind nicht vorhanden. Leider hat OnePlus beim Nord N10 auf eine Widevine L1 Zertifizierung verzichtet. So kann man trotz Full-HD-Display Filme bei Netflix und Co. nur mit maximal 720p streamen und herunterladen.

Erstaunlich leistungsstark

Der neue Snapdragon 690 muss sich bei der Performance nicht verstecken. Mit einem Antutu-Score von 278.814 liegt das OnePlus Nord N10 5G nur rund 33.000 Punkte hinter dem OnePlus Nord. Zusammen mit satten 6 Gigabyte Arbeitsspeicher kann das Smartphone uns im Test mit einer guten Performance überzeugen. Auch große Apps und Spiele starten schnell und laufen flüssig. In der nahen Zukunft sollte man mit dieser Ausstattung nicht so schnell an seine Grenzen kommen. Wäre da nicht ein Problem.

OnePlus Nord N10 5G bekommt nur ein Update

Auf dem OnePlus Nord N10 5G kommt Android 10 zusammen mit der eigenen Oberfläche Oxygen OS 10.5.5 zum Einsatz. Sie ist äußerlich an pures Android angelegt, besitzt aber ein paar zusätzliche Features und beschleunigte Animationen.

Leider sind uns während des Tests einige Probleme in der Software aufgefallen. So werden Gesten vereinzelnd nicht erkannt und einige Apps starten nur im verkleinerten Modus, ohne die komplette Bildschirmlänge auszunutzen. In den dazugehörigen Einstellungen werden die entsprechenden Apps jedoch gar nicht angezeigt, wodurch das Problem vom Nutzer nicht gelöst werden kann. Ähnliche Probleme kann mein Kollege Michael mit seinem OnePlus 8 Pro ebenfalls berichten. Hier muss OnePlus dringend nachbessern.

Überhaupt nicht nachvollziehbar und in dieser Preisklasse unüblich ist, dass es nur ein einziges Android Update für das OnePlus Nord N10 5G geben soll. Nach dem Update auf Android 11 soll es also noch zwei Jahre in unregelmäßigen Abständen Sicherheitsupdates geben und sonst nichts. Diese Tatsache konnte uns Head of Strategy Europa Manager Tuomas Lampen in einem Interview bestätigen.

Ausstattung des OnePlus Nord N10 5G im Test

Die restliche Ausstattung ist teilweise besser als beim „originalen“ OnePlus Nord, bietet aber weniger Auswahlmöglichkeiten. So stehen dir nun satte 128 Gigabyte Speicher zur Verfügung, die sich zudem per MicroSD-Karte erweitern lassen. Hierbei verlierst du jedoch die Möglichkeit eine zweite SIM-Karte verwenden zu können.

Die in Deutschland relevanten 5G-Bänder N1 und N78 werden beide unterstützt. mmWave-Frequenzen können mit dem OnePlus Nord N10 5G nicht genutzt werden, diese stehen in Deutschland in den kommenden Jahren jedoch sowieso noch nicht zur Verfügung. Bei LTE fehlt lediglich das Band 32, welches von Telekom und Vodafone in Bereichen mit hoher Netzauslastung verwendet wird, um die Netzkapazität zu erweitern.

WLAN wird seltsamerweise nur im älteren WiFi 5 Standard unterstützt, obwohl der verbaute Chip eigentlich Wi-Fi 6 ermöglichen sollte. Bluetooth 5.1 und NFC sind jedoch an Bord. Sogar ein klassischer 3,5 Millimeter Klinkenanschluss ist vorhanden.

Die Hardware-Wertung im Detail:

  • Gehäuse: 3,5 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 3,5 von 5 Sternen
  • Software: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 3,5 von 5 Sternen

→ Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Die Kamera des OnePlus Nord N10 5G ausprobiert

Die 64 Megapixel-Hauptkamera des OnePlus Nord N10 5G macht bei Tag gute Fotos mit hoher Schärfe und realitätsgetreuen Farben. Bei Nacht sehen die Fotos auf dem kleinen Smartphone-Display zwar noch gut aus, können auf größeren Display-Flächen aber nicht mehr überzeugen. Zudem steht noch eine Ultraweitwinkel-Kamera mit 8 Megapixeln zur Verfügung. Eine Makrokamera und ein Tiefensensor mit jeweils zwei Megapixel dienen als Lückenfüller, um auf die Quad-Kamera zu kommen. Auf der Vorderseite steht eine 16 Megapixel-Kamera für Selfies zur Verfügung.

Die Kameras im Überblick:

  • Hauptkamera: 64 Megapixel; f/1,8 Blende
  • Ultraweitwinkel-Kamera: 8 Megapixel; f/2,3 Blende; 119° Sichtfeld
  • Makro-Kamera: 2 Megapixel; f/2,4 Blende
  • Tiefensensor: 2 Megapixel; f/2,4 Blende
  • Frontkamera: 16 Megapixel; f/2.1 Blende

Gute Lauf-, kurze Ladezeit

Der 4.300 mAh große Akku hat eine etwas höhere Kapazität als das „original“ OnePlus Nord. Durch den Mehrverbrauch des IPS-Displays kommt das Smartphone so dennoch auf eine ungefähr gleiche Akkulaufzeit. Damit ist das OnePlus Nord N10 5G kein Laufzeit-Wunder, bringt einen aber mühelos durch den Tag. Das Aufladen geht mit dem proprietären Warp-Charge Standard und dem mitgelieferten Ladegerät sehr flott. In etwas unter 40 Minuten ist der leere Akku wieder zu 80 Prozent gefüllt. Eine komplette Ladung dauert etwas weniger als eine Stunde.

Fazit: Schwer zu empfehlen

Mit einem Preis von 369 Euro ist das OnePlus Nord N10 gerade einmal 30 Euro günstiger als das klar besser ausgestattete „originale“ OnePlus Nord. Durch die schlechtere Kamera und den Verzicht auf ein AMOLED-Display ist es schwer das OnePlus Nord N10 5G zu empfehlen. Hier solltest du lieber die 30 Euro mehr in die Hand nehmen und zum „originalen“ Nord greifen. Dieses bietet auch eine deutlich bessere Update-Politik.

Letztere ist beim OnePlus Nord N10 5G ein großer Kritikpunkt, der es unmöglich macht, das Smartphone zu empfehlen. Klar haben viele Smartphone-Hersteller im Bereich Update-Versorgung einiges nachzubessern. Aber als Hersteller direkt nach Marktstart anzukündigen, dass es nur ein einziges Update auf das sowieso schon veröffentlichte Android 11 geben wird und anschließend noch zwei Jahre lang unregelmäßig Sicherheitsupdates erscheinen ist eine echte Frechheit. OnePlus setzt hier ein absolut falsches Zeichen was die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit von Smartphones angeht. Und das ist absolut untypisch. Denn bisher war OnePlus einer der Musterschüler in diesem Bereich.

Xiaomi hat beispielsweise das über zwei Jahre alte 180 Euro-Smartphone Redmi 6 Pro mit dem aktuellen MIUI 12 ausgestattet und versorgt das Smartphone weiterhin mit Sicherheitsupdates. Hier verspricht man nichts, liefert aber dennoch. Samsung macht es noch transparenter und hat angekündigt das 369 Euro teure Galaxy A51 und alle teureren Smartphones ganze 3 Jahre mit Updates zu versorgen.

Pros des OnePlus Nord N10 5G:

  • erweiterbarer Speicher
  • 90 Hertz Display

Contras des OnePlus Nord N10 5G:

  • schwache Update-Politik
  • Zusatz-Kameras ohne Mehrwert
  • Software mit kleinen Fehlern

Alternativen

Wie bereits genannt, ist das „originale“ OnePlus Nord die naheliegendste Alternative. Das Smartphone kostet lediglich 30 Euro mehr, ist dafür mit einem 90 Hertz AMOLED-Bildschirm ausgestattet und bietet einige weitere Vorzüge. So gibt es ein Always-On-Display, einen besseren Prozessor, mehr unterstütze LTE-Bänder und eine längere Update-Versorgung.

Wenn du mehr Wert auf eine gute Kamera als auf die schnelle Bildwiederholrate legst, solltest du dir das Samsung Galaxy A71 einmal genauer anschauen. Das Smartphone kommt ebenfalls mit einer 64 Megapixel Hauptkamera, die uns im Test auch bei Nachtaufnahmen überzeugen konnte. Zudem sind die Ultraweitwinkel-Kamera und die Makro-Kamera deutlich potenter. Auf 5G musst du bei diesem Smartphone jedoch verzichten.

Wenn dir 5G bereits wichtig ist, könnte auch das Xiaomi Mi 10T Lite das richtige Smartphone für dich sein. Dieses verfügt über ein 120 Hertz IPS-Display und den aktuell besten Mittelklasse-Prozessor Snapdragon 765G mit der benannten 5G-Unterstützung.

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