GSM-, UMTS-, LTE- & 5G-Frequenzen in Deutschland im Überblick

9 Minuten
Damit ein Handy Daten übertragen oder telefonieren kann, kommen verschiedene Frequenzen zum Einsatz. Entscheidend ist dabei, dass das Handy möglichst alle Frequenzen unterstützt, die in Deutschland zum Einsatz kommen. Nur so lässt sich das Maximale aus dem Netz holen. Wir geben dir einen Überblick über alle Mobilfunk-Frequenzen in Deutschland.
Ein Sendemast in einem Waldgebiet
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki

In den 1990er Jahren war die Mobilfunk-Landschaft in Deutschland noch übersichtlich: Nicht nur, dass es wenige Netzbetreiber gab, es gab auch nur einen Frequenzbereich, den Telekom und Vodafone-Vorgänger D2 Mannesmann nutzen konnten: Frequenzen um 900 MHz. Erst mit dem Start von E-Plus und später Viag Interkom kamen mit dem 1800-MHz-Band weitere Frequenzen hinzu und Kunden mussten darauf achten, nach Möglichkeit ein Dual-Band-Handy zu kaufen. Heute gibt es mit GSM, UMTS und LTE drei verschiedene Netzstandards von drei Netzbetreibern, unzählige Tarife und zig unterschiedliche Mobilfunk-Frequenzen. Dabei ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten, welche Anbieter welche Frequenzen einsetzen und welche Frequenzbereiche vor allem bei LTE künftig noch wichtig werden. Und mit 5G ist der nächste Netzstandard schon gestartet.

Welche GSM-Frequenzen nutzen Anbieter in Deutschland?

Das erste GSM-Netz ging im Sommer 1992 an den Start. Seitdem hat sich weltweit und auch in Deutschland eine Menge getan. Doch GSM gehört längst noch nicht zum alten Eisen. 2015 erst haben die drei Mobilfunkanbieter Millionenbeträge auf den Tisch gelegt, um die Frequenzen weiterhin benutzen zu dürfen. Bis heute werden sie vor allem für GSM-Netze eingesetzt. Denn im deutschen Netz sind immer noch viele alte, reine Telefonie-Handys im Einsatz. Zudem bietet das GSM-Netz die beste Netzabdeckung in Deutschland. Und auch in zahlreichen Maschine-2-Maschine-Modulen kommt GSM zum Einsatz. Die deutschen Netzbetreiber denken daher auch nicht darüber nach, GSM abzuschalten. Allerdings werden die Frequenzen künftig in Teilen wohl für LTE genutzt werden. Die Telekom hat heute schon einen Teil der Frequenzen für eine bessere LTE-Abdeckung abgezweigt.

Genutzt werden bei GSM bis heute die gleichen Frequenzbänder wie vor 20 Jahren. Das bedeutet, dass Frequenzen um 900 MHz und um 1800 MHz zum Einsatz kommen. Die Unternehmen konzentrieren sich darauf, das GSM-Netz in die Regionen um 900 MHz zu verlagern, da sie die 1800er-Frequenzen für LTE benötigen. Die Telekom nutzt schon heute keine Frequenzen um 1800 MHz mehr für GSM. Auch Vodafone setzt weitere Teile seines Frequenzspektrums im 1800-MHz-Bereich für LTE ein. O2 hat lange Zeit noch auf GSM 1800 gesetzt, sendet inzwischen aber auch vor allem LTE auf diesen Frequenzen.

Im 900-MHz-Band kommt bis heute vornehmlich GSM zum Einsatz, alle Anbieter verfügen hier über 2 x 10 MHz Spektrum. Die Telekom hat 2 x 5 MHz zusätzlich ersteigert, diese nutzt sie für LTE. Aber auch bei O2 und Vodafone kommt inzwischen LTE in dem ehemaligen GSM-Frequenzband zum Einsatz.

Welche UMTS-Frequenzen werden in Deutschland genutzt?

UMTS war der erste ernstzunehmende Breitband-Standard für Mobilfunknetze in Deutschland. Zwar gab es vorher schon Möglichkeiten, Daten per Handy zu übertragen, doch waren diese weder schnell noch massenmarktfähig. Der eine oder andere mag sich noch an Dienste wie i-mode erinnern.

Doch der Standard ist ein Auslaufmodell. Das liegt zum einen am wenig effizienten Standard im Vergleich zu LTE. Zumindest die Telekom bereitet sich schon auf eine Abschaltung von 3G vor: Ein entsprechender Passus ist in den AGB verankert. Dabei ist die Telekom der einzige Netzbetreiber, der seine UMTS-Frequenzen noch in vollem Umfang für UMTS nutzt.

Alle Netze verfügen über mindestens 2 x 9,9 MHz Spektrum, das bis Ende 2020 nutzbar ist, O2 sogar über 2 x 19,8 MHz. Alle Netzbetreiber haben sich jedoch Frequenzen ab 2021 neu ersteigert. Dass hier aber noch lange UMTS gesendet wird, darf bezweifelt werden. Darüber hinaus verfügen alle Anbieter über ungepaartes Frequenzspektrum. Da hier der Rückkanal fehlt, lässt sich das Frequenzspektrum im in Deutschland üblichen FDD-Verfahren, das eine Frequenz für den Down- und eine Frequenz für den Uplink voraussetzt, nicht einsetzen.

Welche LTE-Frequenzen nutzen Telekom, Vodafone und O2?

LTE ist der Datenübertragungsstandard der Gegenwart und auch der Zukunft. Er wird auch für die 5G-Netze noch bis auf Weiteres gebraucht. Denn im ersten Schritt ist 5G ein Non-Stand-Alone-Netz, kann also nur dort funktionieren, wo es auch LTE gibt. Und auch langfristig wird LTE weiterhin das Haupt-Mobilfunknetz in Deutschland bleiben, sagen Experten. Entsprechend wichtig ist es somit, das richtige LTE-Netz und das richtige LTE-Handy zu wählen.

Bei LTE werden in Deutschland schon heute mehrere Frequenzbänder eingesetzt. Die Anbieter haben dafür unterschiedliche Strategien gewählt, wie sie welche Regionen versorgen. Weltweit gibt es fast 40 verschiedene LTE-Frequenzbänder. Der Hintergrund ist, dass über Jahrzehnte versäumt wurde, die Frequenzbänder weltweit einheitlich zu gestalten und somit verschiedene Dienste auf verschiedenen Frequenzen genutzt werden.

Welche LTE-Bänder und LTE-Frequenzen gibt es in Deutschland?

Wir beleuchten an dieser Stelle die verschiedenen möglichen LTE-Frequenzen in Deutschland und schätzt deren Wichtigkeit für den Kauf eines neuen Handys ein. Aktuelle Flaggschiffmodelle kommen zwar mit der Unterstützung nahezu aller erdenklichen Frequenzbänder auf den Markt, doch wer ein Gebraucht-Handy oder ein Einsteigergerät kauft, kann nicht damit rechnen, alle Bänder nutzen zu können.

LTE Band 1 um 2,1 GHz / 2100 MHz

Diese LTE-Frequenzen werden heute noch häufig für UMTS genutzt. Doch an einigen Standorten sind bei Vodafone und O2 auch schon Sender mit LTE-Standard in diesem Frequenzbereich aktiv. Im Telekom-Netz konnten deutschlandweit noch keine Band-1-Sender beobachtet werden

  • Einschätzung: LTE Band 1 sollte bei Handys im Netz von Vodafone und O2 an Bord sein. Telekom-Kunden können Band 1 derzeit vernachlässigen.

LTE Band 3 um 1,8 GHz / 1800 MHz

Das LTE Band 3 wird auf ehemaligen GSM-Frequenzen realisiert. Die Telekom setzt im Wesentlichen auf diese LTE-Frequenzen, wenn sie ihr Netz in Städten aufrüstet. Mittlerweile ist die Abdeckung mit diesem Band schon sehr gut. Auch Vodafone setzt bereits einen großen Teil seiner Frequenzen in diesem Bereich für LTE ein, ist in Sachen Netzabdeckung aber noch hinter der den Bonnern zurück. O2 setzt diese Frequenzen vor allem in Metropolregionen ein.

  • Einschätzung: LTE Band 3 sollte von jedem Handy unterstützt werden, das in Deutschland verwendet wird.

LTE Band 7 um 2,6 GHz / 2600 MHz

Rein physikalisch bedingt ist das LTE Band 7 ein reines Stadtnetz. Die Ausdehnung der Funkwellen ist schlecht, doch können die Netzbetreiber relativ leicht zusätzliche Kapazitäten schaffen, um stark frequentierte Orte zu versorgen. Das wird auch bei allen drei Netzbetreibern konsequent getan.

  • Einschätzung: LTE Band 7 sollte von jedem Handy unterstützt werden, das in Deutschland verwendet wird.

LTE Band 8 um 0,9 GHz / 900 MHz

Die bisherigen GSM-Frequenzen für LTE einsetzen: Mit diesem Trick hat die Telekom 2017 die Branche überrascht. Zwar lassen sich aufgrund des eingesetzten kleinen Spektrums von nur 5 MHz keine großen Reichweiten erzielen, doch können die Bonner relativ einfach viele Kunden mit LTE versorgen. Das Band 8 ist vor allem in Gebäuden aber auch auf dem Land immer häufiger anzutreffen – inzwischen auch bei den anderen Netzbetreibern.

  • Einschätzung: LTE Band 8 sollte für Telekom-Kunden im Handy Pflicht sein, Kunden anderer Netzbetreiber sollten das Frequenzband aber dennoch nicht vernächlässigen

LTE Band 20 um 0,8 GHz / 800 MHz

Das Band 20 ist so etwas wie das Rückgrat der LTE-Netze. Mit diesen LTE-Frequenzen aus der sogenannten Digitalen Dividende realisieren alle drei Netzbetreibern die Abdeckung in der Fläche. Vodafone und O2 setzen dieses Bereich auch in den Großstädten ein, die Telekom hat die Metropolen lange Zeit nicht mit diesen Frequenzen versorgt, nutzt sie nun aber auch zunehmend. Doch so wichtig dieser Frequenzbereich ist: Gerade bei einigen China-Handys fehlt das LTE Band 20. Vorsicht!

  • Einschätzung: LTE Band 20 ist Pflicht in Deutschland.

LTE Band 28 um 0,7 GHz/700 MHz

Die LTE-Frequenzen um 700 MHz stammen aus der Digitalen Dividende II. Ihre Versteigerung erfolgte bereits 2015. Nutzbar waren sie aber nicht, da die DVB-T-Sender sie noch belegten. Auch mit einigen Nachbarländern gibt es noch offene Fragen bezüglich der Nutzung in Grenznähe.

Niedrige Frequenzbänder wie dieses um 700 MHz sind technisch ideal, um möglichst günstig eine möglichst gute Abdeckung auch in ländlichen Regionen zu gewährleisten. Die Telekom hat Anfang 2019 angekündigt, die Frequenzen deswegen auch schon für LTE zu nutzen und so Funklöcher zu schließen. Auch O2 und Vodafone haben entsprechende Pläne. Sofern sie bei den Netzbetreibern für LTE und nicht direkt für 5G zum Einsatz kommen, werden die Frequenzen primär der Kapazitätserweiterung auf dem Land und der Inhaus-Versorgung dienen.

  • Einschätzung: LTE Band 28 ist ein sinnvolles Frequenzband in einem neuen Smartphone oder Tablet, aber (noch) kein K.O.-Kriterium, sollte es nicht unterstützt werden.

LTE Band 32 um 1,5 GHz / 1500 MHz

Dieses spezielle Frequenzband kann nur von Telekom und Vodafone eingesetzt werden, da nur diese Frequenzen in diesem Bereich ersteigert haben. Allerdings: Die Frequenzen lassen sich technisch bedingt nur als Datenturbo in eine Richtung einsetzen, sie haben keinen Rückkanal. Es ist damit zu rechnen, dass diese LTE-Frequenzen weniger bei Handys oder Smartphones zum Einsatz kommen, sondern vielmehr bei DSL-Ersatzlösungen wie Homespots oder Hybrid-Lösungen, um das Datenaufkommen aus den „normalen“ Mobilfunknetzen fernzuhalten.

  • Einschätzung: LTE Band 32 spielt beim Handykauf derzeit keine Rolle.

Welche LTE-Frequenzen heute und in Zukunft wichtig?

7 von 40 möglichen Frequenzbänder spielen heute oder in Zukunft in Deutschland bei LTE eine Rolle. Beim Handykauf gilt es – vor allem bei Importhandys – auf diese Frequenzen zu achten. Am wichtigsten ist, dass Band 20, Band 7 und Band 3 unterstützt werden. Häufig werden diese auch als B20, B7 oder B3 abgekürzt. Nutzer sollten auch auf Band 8 (B8) und Band 1 (B1) achten. Auch die Unterstützung von Band 28 (B28) schadet nicht. Band 32 (B32) wird eher nicht bei mobilen Anwendungen zum Einsatz kommen.

Welche 5G-Frequenzen gibt es?

2019 kamen mit der Versteigerung der 5G-Frequenzen neue Frequenzen ins Spiel. In Deutschland ging es zunächst um Frequenzen zwischen 3,4 und 3,8 GHz. 5G ist aber auf sehr viel mehr Frequenzen möglich. Dabei gibt die jeweilige Frequenz samt des jeweiligen zur Verfügung stehenden Spektrums auch die Anwendung vor.

So hoffen die Mobilfunkanbieter beispielsweise auf weitere Frequenzbereiche um 26 und 60 GHz. Diese sollen für Breitband-Zugänge als Alternative zur Glasfaser genutzt werden. Damit sind es zwar strenggenommen Mobilfunkfrequenzen, sie werden aber nicht in einem Handy genutzt. Der Grund dafür: Die Frequenzen funktionieren praktisch nur, wenn es eine direkte Sichtverbindung zwischen Antenne und Empfänger gibt. Bei mobilen Geräten kann das nicht funktionieren.

Umgekehrt stünde beispielsweise das 700-MHz-Band auch für 5G bereit. Statt LTE Band 28 könnten die Frequenzen für 5G zum Einsatz kommen. In diesem Fall sprechen die Fachleute dann vom Frequenzband N28. Es wird aber auch eine Mischform beider Standards auf den gleichen Frequenzen möglich sein.

Nach der Auktion im Sommer 2019 haben nun vier Netzbetreiber Frequenzen in dem 3,5-GHz-Spektrum, die nun genutzt werden können, um erste 5G-Netze anzubieten.

Alle relevanten Mobilfunkfrequenzen im Überblick

FrequenzbereichAnbietergepaartes SpektrumNetzstandardZuteilungsdauer
700 MHzTelekom2 × 10 MHzLTE Band 28 für 2019 geplant, künftig auch 5G Band N2831.12.2033
Vodafone2 × 10 MHzkünftig 5G Band N28, LTE Band 28 möglich31.12.2033
Telefónica2 × 10 MHzkünftig 5G Band N28, LTE Band 28 möglich31.12.2033
800 MHzTelekom2 × 10 MHzLTE Band 2031.12.2025
Vodafone2 × 10 MHzLTE Band 2031.12.2025
Telefónica2 × 10 MHzLTE Band 2031.12.2025
900 MHzTelekom2 × 15 MHzGSM & LTE Band 831.12.2033
Vodafone2 × 10 MHzGSM31.12.2033
Telefónica2 × 10 MHzGSM31.12.2033
1500 MHzTelekom1 × 10 MHz (ungepaart)LTE Band 3231.12.2033
Vodafone1 × 10 MHz (ungepaart)LTE Band 3231.12.2033
1800 MHzTelekom2 × 30 MHzLTE Band 3teilweise 31.12.2033, teilweise 31.12.2025
Vodafone2 × 25 MHzGSM & LTE Band 331.12.2033
Telefónica2 × 20 MHzGSM & LTE Band 3teilweise 31.12.2033, teilweise 31.12.2025
2100 MHz
(aktuell)
Telekom2 × 9,9 MHzUMTS31.12.2020
Vodafone2 × 14,85 MHzUMTS, teilweise LTE Band 131.12.2020, teilweise 31.12.2025
Telefónica2 × 34,65 MHzUMTS, teilweise LTE Band 131.12.2020, teilweise 31.12.2025
2100 MHz
(künftig)
Telekom2 x 20 MHzLTE Band 1 oder 5Gab 01.01.2021
Vodafone2 x 20 MHzLTE Band 1 oder 5Gab 01.01.2021 (2 x 15 MHz), ab 01.01.2026 ( 2 x 5 MHz)
Telefónica2 x 10 MHzLTE Band 1 oder 5Gab 01.01.2021 (2 x 5 MHz), ab 01.01.2026 ( 2 x 5 MHz)
1&12 x 10 MHzLTE Band 1 oder 5Gab 01.01.2026
2600 MHzTelekom2 × 20 MHzLTE Band 7 (2 × 20 MHz)31.12.2025
Vodafone2 × 20 MHzLTE Band 7 (2 × 20 MHz)31.12.2025
Telefónica2 × 20 MHzLTE Band 7 (2 × 20 MHz)31.12.2025
1&1 (Überlassung von Telefónica)2 × 10 MHzLTE Band 7 (2 × 10 MHz)31.12.2025
3400 – 3700 MHzTelekom90 MHz5G Band N782040
Vodafone90 MHz5G Band N782040
Telefónica70 MHz5G Band N782040
1&150 MHz5G Band N782040
3700 – 3800 MHzIndustrieunternehmen100 MHz5G Band N78Vergabe per Antrag
26 GHzoffen offen5G Band N85Vergabe offen
60 GHzoffenoffen5GVergabe offen

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3 KOMMENTARE

  1. Laut Liste hat 1&1 kein Band unter 2100MHz, wie wollen die mit Band 1 und n78 ländliche Regionen oder generell flächendeckend ausbauen?

    Bei VF DE, o2 und dT gibt es immerhin Band 28 700MHz, das für 5G NR verwendet werden kann und diese Räume versorgen kann.

  2. zum einen kommt so ziehmlich jedes handy aus fern ost zum anderen merkt der endbenutzer eh nie welches band gerde aktiv ist aber die infos sind sehr gut verständlich für leien…

  3. Gross- und Kleinschreibung erhöhen die Lesbarkeit eines Posts und zeugen von der Gratifikation des Kommentierenden, und Nicht-Profis – also Laien werden anders geschrieben 😉

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