Motorola Moto G 5G Plus im Test: Dein zukunftssicherer Plastikfreund

9 Minuten
Da ist ein neues Motorola-Smartphone im Anmarsch. Mit dem Moto G 5G Plus mischt der Hersteller nicht nur die Mittelklasse auf, sondern greift insbesondere Samsungs Galaxy-A-Serie an. Man will mit einem niedrigen Preis und 5G punkten. Doch reicht das, um zu überzeugen?
Motorola Moto G 5G Plus Front

Motorola kämpft sich langsam, aber sicher aus der Bedeutungslosigkeit auf dem Smartphone-Markt heraus. Der ehemalige Handy-Titan sorgte mit dem Motorola Edge und Edge+ in diesem Jahr bereits für Aufsehen. Nun bringt Motorola ein weiteres Smartphone in den Handel, das vor allem den Mobilfunkstandard 5G bezahlbar macht. Der Hersteller selbst bewirbt das Moto G 5G Plus mit dem Slogan: „Heute schon bereit für morgen.“ Ob damit nur 5G gemeint ist oder ob das Smartphone noch mehr Highlights bietet, zeigt der Test.

Moto G 5G Plus: Diese Feature geben dir Highend-Gefühl

5G ist wie gesagt also die eine Sache. Die derzeitige Problematik mit dem neuen Mobilfunkstandard: 5G ist bis dato nur geringfügig in Deutschland verfügbar. Außerdem muss für die Nutzung ein Mobilfunkvertrag mit 5G-Unterstützung her. Hast du beides nicht zur Hand, hilft alles nichts: Du wirst weiterhin im 4G-Netz unterwegs sein.

Zu den weiteren Highlights des Moto G 5G Plus gehört ein großzügig bemessener Akku mit 5.000 mAh Kapazität. Auch ein 20-Watt-Ladegerät zwecks Schnellladefunktion ist mit dabei. Im Hinblick auf 5G-Unterstützung und das große Display dürfte der Energielieferant auch nicht kleiner sein. Das Moto G 5G Plus besitzt einen 6,7 Zoll großen LTPS-Bildschirm im 21:9-Format, der mit Full-HD+-Qualität Inhalte darstellt. Für die Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards sowie für die Leistung sorgt der Snapdragon 765G. Der Qualcomm-Chipsatz ist die aktuellste Wahl für diesjährige Mittelklasse-Geräte. Mit insgesamt acht Kernen kommt er auf eine Taktrate von bis zu 2,3 GHz. Weiterhin bietet das Smartphone eine Quad-Kamera auf der Rückseite und eine Dual-Kamera auf der Front.

Motorola Moto G 5G Plus
Motorola Moto G 5G Plus
Software Android 10
Prozessor Qualcomm Snapdragon 765
Display 6,7 Zoll, 1.080 x 2.520 Pixel
Arbeitsspeicher 4 GB
interner Speicher 64 GB
Hauptkamera 8000x6000 (48,0 Megapixel)
Akku 5.000 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung
Gewicht 207 g
Farbe Blau, Violett
Einführungspreis 349 €
Marktstart August 2020

Die weitere Ausstattung ist relativ schnell abgehandelt: Hardwareseitig stehen wahlweise 4 oder 6 GB RAM sowie 64 oder 128 GB interne Speicherkapazität zur Verfügung – die Entscheidung liegt bei dir. Motorola ermöglicht mittels Micro-SD-Karte jedoch eine Speichererweiterung von bis zu 1 TB – also genug Platz für Bilder, Videos und Co. Android 10 hält als Betriebssystem her – ein Update auf Android 11 ist hier sicher – und ist mit der eigenen Nutzeroberfläche „My UX“ überzogen. NFC, Bluetooth 5.1 und USB-C sind ebenfalls mit von der Partie. Der Fingerabdrucksensor sitzt à la Sony-Manier im Power-Button an der rechten Gehäuseseite.

Das ist die pure Hardware-Bewertung im Einzelnen:

  • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
  • Display: 4 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 3,5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Praxistest: Das bekommst du mit dem Moto G 5G Plus

Design: Ist Kunststoff noch Zeitgemäß?

Dass Motorola sich von dem kantigen Design, das sich viele Jahre durch die Produktpalette zog, verabschiedet hat, ist nicht mehr neu. Auch das Moto G 5G Plus präsentiert sich in einem modernen und zeitlosen Gewand. Das Display ist fast randlos – wenn auch im Vergleich breitere Ränder an den Seiten bestehen bleiben –, die Dual-Selfie-Kamera ist in das Panel eingelassen. Die Hauptkamera mit vier Objektiven ist quadratisch in einem Separee angeordnet, das ein wenig aus dem Gehäuse heraussteht.

  • Design-Manko: Sowohl der Power-Button als auch die Lautstärkewippe sind recht hoch am Gehäuserand angebracht. Hier hätte Motorola gut getan, die Tasten ein wenig tiefer zu platzieren. Mit einer Hand lässt sich das Gerät so nur schwer bedienen.

Der Punkt, weswegen das Äußere des Moto G 5G Plus behandelt werden soll, ist nicht das aufregende Design. Vielmehr geht es um das Material: Anstelle von Metall oder Glas greift Motorola hier zu Kunststoff. Für viele ist das das einzig wahre, da Plastik im Vergleich zu Glas weniger rutschig und schmutzanfällig ist. Man muss dem Smartphone zwar zugestehen, dass es sich dennoch hochwertig anfühlt – nicht zuletzt wegen des hohen Gewichts von 207 Gramm. Dennoch ist Plastik kein zeitgemäßes Material mehr, schon gar nicht für ein gehobenes Mittelklasse-Handy. Hinzu kommt: Das Moto G 5G Plus ist nicht IP-zertifiziert, sondern besitzt nur ein „wasserabweisendes Design“.

Großer Akku mit großem Versprechen

Auf einen 5.000 mAh großen Akku können viele Smartphones nur aus weiter Ferne bestaunen. Motorola hat allerdings meist ein Händchen dafür und verbaut dem Moto G 5G Plus ein großzügig bemessenes Exemplar. Das merkt man allerdings auch: Das Smartphone liegt dadurch nicht nur recht schwer in der Hand, sondern ist auch dick. Dass ein großer Akku nicht automatisch ein breites Gehäuse erfordert, hat beispielsweise LG mit dem LG Velvet gezeigt.

Die theoretische Ausdauer des Akkus ermittelt der Benchmark GFXBench. Hier kommt das Moto G 5G Plus nur mittelmäßig weg: Das Smartphone kommt umgerechnet auf eine Laufzeit von knapp 7 Stunden. Damit liegt es auf Augenhöhe mit dem Honor 9X (4.000 mAh) und dem OnePlus 8 Pro (4.510 mAh). Mit dem Moto G8 Power Lite, einem Modell aus gleichem Hause, kann das Moto G 5G Plus allerdings laut GFXBench-Werten nicht mithalten. Das Lite-Handy kommt mit gleicher Akkugröße auf fast 9 Stunden Ausdauer und liegt damit im Mittelfeld der Top 20 Smartphones mit guter Akkuleistung.

  • Übrigens: Das Moto G 5G Plus lässt sich mit einem 20-Watt-Netzteil rasant wieder aufladen. Dank der Schnellladetechnologie lädt es innerhalb von knapp einer Stunde 50 Prozent wieder auf.

Dass die Theorie aber nicht immer der Realität entspricht und die alltägliche Nutzung nicht immer spiegeln kann, zeigt der Praxistest. Ein aktiver Tag wurde mit dem Moto G 5G Plus im Rahmen des Tests simuliert. 3D-Spiele, Videos, Surfen, Social-Media-Aktivitäten und Fotos schießen brachten das Gerät nur wenig ins Schwitzen. Nach acht Stunden bei aktivierter 90-Hz-Bildwiederholungsrate stehen noch 76 Prozent in der Akkuzeile. Nach 16 Stunden im Standby-Modus verbleiben für den nächsten Tag ebenfalls noch 72 Prozent Akkuladung.

Vier Objektive für ein Hallelujah

Laut Motorola soll das Moto G 5G Plus dazu in der Lage sein, Fotos in DSLR-Qualität aufzunehmen. Das darf bezweifelt werden. Ob die Fotoergebnisse dennoch gut sind, liest du weiter unten im Text. Doch zunächst zu den harten Fakten:

  • Hauptkamera: 48 Megapixel mit Quad-Pixel-Technik, f/1,7
  • Ultraweitwinkelkamera: 8 Megapixel, f/2,2, 118-Grad-Weitwinkel
  • Tiefensensor: 2 Megapixel, f/2,2
  • Makro-Vision: 5 Megapixel, f/2,2, Fokusabstand 2 Zentimeter
  • Dual-Front-Kamera: 16 Megapixel samt 8-Megapixel Ultraweitwinkelobjektiv

Die sogenannte Quad-Pixel-Technik ist mittlerweile in vielen Smartphone-Kameras integriert. Das bedeutet, dass die Kamera de facto mit 48 Megapixeln Fotos aufnimmt. Da sie aber vier Pixel zu einem zusammenrechnet, kommt man dann letztlich auf 12 Megapixel. Laut Herstellerangaben soll das Moto G 5G Plus vier Mal mehr Licht aufnehmen als Motorola-Smartphones bisher. Davon soll vor allem der Nachtmodus profitieren. Spiegelt sich das in den Fotos wider?

Kamera des Moto G 5G Plus im Test

Heutzutage gibt es nur noch in seltenen Fällen Smartphones, dessen Kameras sich als absolut unwürdig erweisen. In der Regel taugen sie mindestens für Schnappschüsse. So auch beim Moto G 5G Plus. Die Quad-Kamera eignet sich für Schnappschüsse im Alltag und Momentaufnahmen im Urlaub. Ihre Stärke zeigt die Kamera einerseits bei guten Lichtverhältnissen und bei weitläufigen Motiven. Hier kommen die satten Farben und der schön ausgearbeitete Kontrast deutlich zum Tragen. Je nach Lichteinfall überzeichnet das Moto G 5G Plus die Farben allerdings ein wenig und stellt sie zu grell dar. Bei Selfies nimmt der intensive Farbton hingegen ein wenig ab, die Bilder wirken teils ein wenig matt.

Motorola Moto G 5G Plus Kamerafotos
Bei Landschaftsbildern zeigt das Moto G 5G Plus seine Stärken. Den Zoom kann man hingegen vergessen.

Nahaufnahmen kannst du entweder mit dem normalen Foto-, aber auch mit dem Makromodus schießen. Der Unterschied: Der Makromodus schafft einen eindeutigeren Fokus und nimmt ein Detail konkreter ins Visier. Außerdem kannst du dann mit dem Moto G 5G Plus sehr nah an das Motiv herangehen, ohne dass der Fokus wild herumtanzt. Im normalen Modus ist der Fokus recht schwammig gesetzt; ein weicher Bokeh-Effekt wird aber auch dann beschert.

Motorola Moto G 5G Plus Kamerafotos
Links: Im Makromodus spielt der Fokus und Bokeh-Effekt ein bisschen verrückt. Rechts: Der normalen Fotomodus erzeugt auch einen netten weichen Bokeh.

Die Nachtsicht des Motorola-Handys ist zweifelhaft. Die Schwarz- und Blautöne sind im normalen Fotomodus relativ kontrastreich. Auch helle Stellen, wie Beleuchtungen und Lichtreflexe im Wasser, sind recht scharf eingefangen und fransen zu den Seiten hin nur wenig aus. Allerdings rauschen große, dunkle Flächen und wenn man weiter ins Bild hineinzoomt, sieht man, dass Details ebenfalls schnell verloren gehen. Der aktive Nachtmodus macht das Foto zwar insgesamt heller, aber auch deutlich verpixelter. Apropos verpixeln: Aufgrund des fehlenden Teleobjektivs ist der Zoom des Moto G 5G Plus nur bedingt zu gebrauchen.

Motorola Moto G 5G Plus Kamerafotos
Links: Der Nachtmodus macht das Bild zwar heller, es bleibt aber verpixelt. Rechts: Im normalen Modus bleibt das Fotos sehr dunkel.

Testfazit zum Motorola Moto G 5G Plus

Das Moto G 5G Plus ist ein klassisches Mittelklasse-Smartphone, das alle nötigen Funktionen, die man für den Alltag braucht, besitzt und sie mit ein paar Highlights aufpimpt. 5G ist aktuell zwar nicht für jeden brauchbar, aber langfristig gesehen die Funktion der Zukunft. Auch der Akku mit 5.000 mAh Größe ist stattlich wie ausdauernd und der restlichen Ausstattung des Smartphones angemessen. Was Motorola im Übrigen stets gut umsetzt, ist die Software. Der Hersteller schafft eine sinnvoll ergänzende Nutzeroberfläche, die sich auf verschiedene Nutzer und Situationen anpassen lässt.

Die Kamera liefert insgesamt gute Ergebnisse, kommt aber bei Weitem nicht an Topmodelle wie das Samsung Galaxy S20 Ultra heran. Sie zeigt vor allem bei abnehmendem Licht und beim zoomen ein paar Mängel. Schade ist zudem der Einsatz von Kunststoff im Gehäuse sowie die fehlende IP-Zertifizierung.

Pros des Motorola Moto G 5G Plus

  • Ausdauernder AkkuMotorola Moto G 5G Plus Testsiegel
  • Gut ergänzende Software
  • Solide Kamera
  • 5G-Ausstattung trotz günstigem Preis

Kontras des Motorola Moto G 5G Plus

  • Kunststoff-Gehäuse
  • Keine IP-Zertifizierung

Preis-Leistungs-Tipp

Motorola verlangt für sein zweites 5G-Mittelklasse-Handy rund 350 Euro. Damit ist vor allem die kleinere Speicherversion mit 4 und 64 GB ein Preis-Leistungs-Tipp. Zumal man den internen Speicher des Moto G 5G Plus um bis zu 1 TB erweitern kann. Für das Modell mit 6 und 128 GB Kapazität werden 50 Euro mehr fällig, es kostet also knapp 400 Euro.

Bildquellen

  • Motorola Moto G 5G Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G 5G Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G 5G Plus im Test: Simone Warnke
  • Motorola Moto G 5G Plus Testsiegel: Michael Stupp
  • Motorola Moto G 5G Plus im Test: Simone Warnke
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4 KOMMENTARE

  1. @Simone Warnke
    Kannst Du mir erklären, wie ein Smartphone das ein HD+ 21:9 Display verbaut hat, eine Auflösung von 1080×1920 haben kann?

    Leute, wirklich, solche Fehler sollte man sich wirklich nicht erlauben, ansonsten verliert jeder Artikel massiv an Glaubwürdigkeit.

    • Hallo Killermob,

      danke für deine Kommentare. Da ich im Text selbst nichts davon geschrieben habe, gehe ich davon aus, dass du dich mit der
      Angabe zur Display-Auflösung auf unser Datenblatt beziehst. Dort ist tatsächlich ein Fehler unterlaufen, danke für den Hinweis!

      Viele Grüße

  2. und wenn wir schon dabei sind:
    Der Snapdragon 765 besitzt tatsächlich 8 Kerne, aber im Gegensatz zu einer Intel CPU sind das nicht 8 gleiche Kerne mir gleicher Architektur und Leistung.
    Der Snapdragon 765 SoC hat zwei Cluster, einen Cortex A76 mit einem 2,3 GHz und einem 2,2 GHz Kern, und einen Cortex A55 Cluster mit sechs 1,8GHz Kernen.

  3. My UX ist keine eigenen Nutzeroberfläche wie EMUI, MIUI oder OneUI, sondern nur die altbekannte Moto Experiences (früher als Moto Actions bekannt) und die Möglichkeit der optischen Anpassung der Oberfläche.

    Wäre es eine Nutzeroberfläche (Engl. User-Interface) wäre der Name My UI.

    UND noch eine Frage, warum muss ein Smartphone, damit es für einen gewissen Preis passend wertig erscheint, eine Rückseite aus Glas besitzen?
    Ist Glas nicht genau das Material, welches als besonders zerbrechlich gilt, auch wenn man das Wort Gorilla davor setzt?
    Ich war sehr begeistert, als ich gelesen hatte, dass dieses Moto endlich wieder eine Kunststoffrückseite besitzt. Denn dadurch wird das Gerät weniger anfällig für Beschädigungen bei einem Sturz.
    Aber anscheinend ist es wohl „IN“ sich ein super wertiges Smartphone zu kaufen und diese gleich in einem hässlichen TPU Bumper oder noch hässlicheres Flip Case zum verstecken.
    Oder täusche ich mich da? Wie viele iPhone 11 Besitzer habt ihr in freier Wildbahn mit einem nakten iPhone gesehen? Die kann man an einer Hand abzählen, die Masse der Leute hat ihr iPhone/Galaxy S20 in einem Case, damit es mehr als einen Sturz zu Boden übersteht.

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