Wasserdichte Handys mit IP67 und IP68: Das bedeuten die Schutzklassen

6 Minuten
IP68 oder IP67: Beim Kauf eines neuen Smartphones findet man immer häufiger eine der beiden Bezeichnungen auf der Verpackung. Doch was bedeuten diese IP-Schutzklassen eigentlich? Wann ist das Smartphone wirklich wasserdicht und wann nur gegen Regen und Spritzwasser geschützt? Unser Ratgeber zeigt es dir.
Rückseite des Apple iPhone 11 Pro
Rückseite des Apple iPhone 11 ProBildquelle: Blasius Kawalkowski

Es waren einst japanische Smartphone-Hersteller wie Sony und Panasonic, die ihre Smartphones wasserdicht machten. Keine schlechte Idee ist der Wasserschaden beim Smartphone doch die zweithäufigste Schadensursache. Das Dramatische daran: Während bei einem Displaybruch (der am häufigsten auftretende Defekt) das Handy meist weiter funktioniert oder spätestens nach einem Displaywechsel den Dienst wieder aufnimmt, erleidet das Smartphone bei ungewolltem Tauchgang im Klo oder der Badewanne häufig einen Totalschaden. Das bedeutet auch, dass sämtliche lokal gespeicherte Daten weg sind.

Ob Android-Smartphone oder iPhone: Mittlerweile machen die meisten Hersteller ihre Geräte wasserdicht. Zu erkennen ist das an der Angabe IP67 oder IP68 auf der Verpackung des Geräts. Es gibt aber nicht nur wasserdichte Handys. Auch Hersteller von Kopfhörern oder Bluetooth-Lautsprechern setzen auf wasserdichte Gehäuse und lassen ihre Geräte IP-zertifizieren.

Huawei P30 Pro besitzt eine IP68-Zertifizierung

IP67 und Co.: Was bedeuten die Zahlen der IP-Schutzklassen?

Die Bezeichnung IP steht für “International Protection” und wird von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (kurz: IEC) vergeben. Im englischen Sprachraum wird die Abkürzung manchmal auch mit “Ingress Protection” (Schutz gegen Eindringen) übersetzt. Die beiden Zahlen hinter der IP Schutzart geben an, wie widerstandsfähig das Gehäuse eines elektronischen Gerätes gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern wie Sand und Staub (erste Ziffer) und von Wasser (zweite Ziffer) ist. Wasserdicht ist hierbei nicht gleich wasserdicht. Unterschieden wird zwischen wasserabweisend, wasserresistent und wasserfest.

Steht statt einer der Ziffern ein X oder eine 0, wurde das Gerät nur gegen eine der beiden Schutzgrade gemessen. Beispiel: Die Angabe IPX7 bedeutet, dass ein Gerät zwar in Wasser untergetaucht werden kann. Es wurde jedoch nicht getestet, ob es staubdicht ist.
IP Schutzklassen – so wird der Code gelesen:

Die erste Kennziffer

DIN EN 60529 Wie gegen Staub geschützt?
0Kein Schutz
1Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ab 50 mm & Schutz gegen den Zugang mit dem Handrücken
2Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ab 12,5 mm & Schutz gegen den Zugang mit einem Finger
3Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ab 2,5 mm & Schutz gegen den Zugang mit einem Werkzeug
4Geschützt gegen feste Fremdkörper mit einem Durchmesser ab 1 mm & Schutz gegen den Zugang mit einem Draht
5Geschützt gegen Staub in nicht schädigender Menge & vollständiger Schutz gegen Berührung
6Staubdicht & vollständiger Schutz gegen Berührung

Die zweite Kennziffer

DIN EN 60529Wie gegen Wasser geschützt?
0Kein Schutz
1Schutz gegen Tropfwasser
2Schutz gegen fallendes Tropfwasser (bei bis zu 15° Neigung)
3Schutz gegen fallendes Sprühwasser (bis 60° gegen die Senkrechte)
4Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
5Schutz gegen allseitiges Strahlwasser
6Schutz gegen allseitiges starkes Strahlwasser
7Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen (30 Minuten lang in bis zu einem Meter tiefes Wasser)
8Schutz gegen dauerndes Untertauchen in 1,5 Meter Tiefe
9Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- oder Dampfreinigung

Smartphones mit mehreren Schutzklassen: was bedeutet IP65/68?

Handys werden in verschiedenen Labortests auf ihre IP Schutzklassen untersucht. Die Angabe IP68 bedeutet, dass das Smartphone zwar gegen dauerhaftes Untertauchen (bei Apple teilweise zeitweiliges Untertauchen) geschützt ist. Jedoch ist es nicht automatisch gegen Strahlwasser geschützt, was die Zertifizierung IP65 aussagt. Gibt ein Hersteller wie Sony bei einem Handy wie dem Xperia 1 also die Schutzklassen IP65/68 an, wurde das Gerät auf beide Verfahren hin überprüft.

Wasserdichte Smartphones: Vorsicht bei anderen Flüssigkeiten

Das Samsung Galaxy S10+ oder das Apple iPhone 11 Pro etwa sind nach der Schutzart IP68 zertifiziert. Das heißt, dass die Smartphones komplett staubgeschützt und wasserdicht sind. Die Voraussetzung ist, dass alle Abdeckungen sowie das Gehäuse richtig verschlossen sind.

Handys mit einer IP-Klasse, die als zweite Kennziffer eine 7 am Ende haben, sind gegen ein kurzzeitiges Wasserbad geschützt und überstehen auch einen heftigen Regenschauer unbeschadet. Während gewöhnliche Handys ohne Schutz wahrscheinlich direkt einen Defekt erleiden würden, halten wasserdichte Handys es zudem schon mal aus, wenn du über ihnen ein Getränk verschüttest. Doch Vorsicht! Im Labor wird auf das Eindringen von Wasser getestet, nicht wie sich das Android-Smartphone oder iPhone gegenüber einer Maß Bier verhält.

Übrigens: Wenn du wissen möchtest, ob auch dein Smartphone gegen schädigende Einflüsse von außen geschützt ist, findest du auf inside digital die passende Geräteliste zu wasserdichten Handys.

Warum der Staubschutz bei Smartphones wichtig ist

Parallel zu der Eigenschaft der Wasserdichtigkeit sind Smartphones in der Regel auch staubdicht. Wahrlich richten kleine Staubkörner in dem Innenleben eines Handys nicht viel Zerstörung an, doch meist sind IP-zertifizierte Geräte auch gegen größere Objekte als Staub geschützt. Auch wenn das nicht das ganz große Verkaufsargument für die Hersteller darstellt, so ist diese Eigenschaft zumindest für diejenigen interessant und sinnvoll, die beispielsweise berufsbedingt mit Resten von feinporigen Baukomponenten in Berührung kommen. Vorteilhaft ist auch, dass feine Staubpartikel, anders als früher, nicht mehr den Weg hinter das Display finden und die Ansicht der Bildschirminhalte entsprechend nicht mehr stören können.

Outdoor-Smartphones: Mehr als nur ein wasserdichtes Handy

Die größte Zielgruppe für staubdichte Smartphones findet sich also eher auf der Baustelle oder beim Extremsport. Hier sind Outdoor-Smartphones gute Begleiter. Und keine Sorge: Hinkten diese Panzerhandys früher dem normalen Smartphone weit hinterher, sind sie heute auf einem vergleichbar hohen technischen Niveau, wie unser Outdoor Handy Ratgeber zeigt. Sie haben sogar viele weitere Eigenschaften, die sie nahezu unzerstörbar machen.

Outdoor-Smartphones zeigen sich besonders widerstandsfähig und robust, trotzen mit Leichtigkeit Stößen, Vibrationen, Stürzen und extremen Temperaturen. Damit sind sie, oft mit einer Gummiummantelung überzogenen, schwerer und klobiger.

Darauf musst du trotz IP-Zertifizierung trotzdem achten

Die Zertifizierung von Smartphones mit einer Schutzart nach dem IP-Standard ist nicht nur werbewirksam, sondern ermöglicht Käufern auch einen objektiven Vergleich über die Staub- und Wasserdichtigkeit. Auch wenn Handys vollkommenen Schutz gegen Staub und dauerhaftes Untertauchen versprechen, solltest du mit den Geräten nicht die Tiefen des Meeres erkunden. Das liegt nicht etwa an der Tiefen-Beschränkung, sondern daran, dass sich der gesamte IP-Standard auf den Einsatz in Frischwasser bezieht. Das aggressive Salzwasser (und auch Chlor oder andere Chemikalien) greift Dichtungen an. So kann es sein, dass Wasser es innerhalb kurzer Zeit doch ins Innere des Smartphones schafft.

Wenn durch Selbstverschulden das Gerät durch Salzwasser beschädigt wird, kommen die Hersteller für eine Reparatur oder ein Ersatzgerät nicht auf. Auch sonst greift die Garantie der Hersteller nur, wenn du bestimmte Anweisungen, die im Kleingedruckten in den allgemeinen Bestimmungen nachzulesen sind, befolgst. Es ist beispielsweise immer darauf zu achten, dass alle Anschlüsse und Abdeckungen fest verschlossen sind.

Stets im Hinterkopf solltest du behalten, dass die Tests zur Einstufung in den IP-Code unter idealen Laborbedingungen und mit fabrikneuen Geräten stattfinden. Mit anderen Worten: Statt Cola verwenden die Tester Wasser. Die Geräte wurden nicht in fünf Metern Tiefe, sondern nur in einem Meter tiefem Wasser getestet. Im ruhigen Prüfbecken gab auch keine großen Aufwirbelungen, die durch spielende Kindern im Planschbecken entstehen konnten.

Gebrauchte Geräte verlieren mit der Zeit auf natürliche Weise sukzessive ihren Schutz. Abgenutzte Dichtungen und kleine Stöße, die zu winzigen Rissen führen, beeinträchtigen die Schutzfunktion. Mit einem zwei Jahre alten Handy solltest du also – trotz IP-Zertifizierung – aus diesem Grund nicht mehr ganz so sorglos umgehen.

Deine Technik. Deine Meinung.

1 KOMMENTAR

  1. Ich habe zur Zeit ein Samsung S8. leider kann ich der obigen Zertifizierung gar nicht zustimmen. Bei kürzester Zeit (einige Sekunden) unter Wasser Warnmeldungen am Handy. Davor hatte ich ein Xperia Z5 premium – hier stimmt die Zertifizierung – konnte sogar unter Wasser fotografieren – werde wieder umsteigen

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