Netzausbau bei 1&1: Das ist der Plan für LTE & 5G - und Bestandskunden

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Es ist so weit: 1&1 startet mit dem Ausbau seines eigenen Netzes. Neben der Telekom, Vodafone und Telefónica wird es dann einen vierten Netzbetreiber geben für LTE & 5G geben. Wir fassen alle bekannten Details zusammen.
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Bei 1&1 werden die Weichen für die Zukunft gestellt.Bildquelle: 1&1

1&1 startet einerseits bei Null, hat also bis heute kein eigenes Mobilfunknetz. Andererseits startet man aber auch nicht bei Null. Denn die Einführung eines eigenen 1&1 Netzausbaus ist von langer Hand geplant, entsprechend konnte man über einen langen Zeitraum viele Vorbereitungen treffen. Was der Anbieter außerdem schon mitbringt, ist ein großer Kundenstamm von mehreren Millionen Nutzern. Sie befinden sich derzeit im O2-Netz. Sie werden mit dem regulären Start des Netzes Nutzer des 1&1-Netzes.

Die Voraussetzungen

Zu 1&1 gehört auch die 1&1 Versatel. Versatel war einst ein eigenständiger Anbieter, der in weiten Teilen Deutschlands Glasfasernetze aufgebaut hat. 51.721 Kilometer Länge hat dieses Netz heute, es erreicht 250 Städte – darunter 19 der 25 größten Städte Deutschlands. Es wird heute unter anderem für die Anbindung von Geschäftskunden genutzt. Künftig versorgt es auch die eigenen Mobilfunkmasten

1&1 hat sich zudem die notwendigen Frequenzen für ein eigenes Mobilfunknetz gesichert. Stand heute (August 2021) hat 1&1 zwei verschiedene Frequenzbereiche zur Verfügung. Das sind die „klassischen“ 5G-Frequenzen um 3,5 GHz. Und bis Ende 2025 kann der Anbieter Frequenzen im Bereich um 2,6 GHz nutzen. Diese sind aufgrund verschiedener EU-Auflagen eine Überlassung von Telefónica. Erst ab 2026 kann man Frequenzen im Bereich um 2,1 GHz nutzen.

Was bedeutet das für den 1&1 Netzausbau? Faktisch kann es bis Ende 2025 das eigene Handynetz von 1&1 nur in (Groß-)städten geben. Denn die verfügbaren Frequenzen haben nur eine Reichweite von wenigen hundert Metern. Um eine Innenabdeckung zu erreichen, müssen die Sendemasten zudem sehr nah beieinanderstehen. Das Durchdringen von Wänden ist mit diesen Frequenzen schnell kompliziert.

Erst ab 2026 ist dann damit zu rechnen, dass 1&1 sein Netz auch in ländlichere Gebiete bringt. Die 2,1 GHz-Frequenzen sind die alten UMTS-Frequenzen. Entsprechend kann auch die Abdeckung zwar deutlich besser, aber nicht überragend sein. Bei künftigen Frequenz-Vergabeverfahren wird 1&1 weitere Frequenzen einkaufen müssen.

Empfang wirst du mit 1&1 aber in ganz Deutschland haben. Denn 1&1 hat ein Abkommen über National Roaming mit O2 abgeschlossen. Sprich: Dort, wo das neue LTE- beziehungsweise 5G-Netz nicht zur Verfügung steht, wird sich das Handy in das O2-Netz einbuchen. Hier steht dann allerdings nur LTE (sowie GSM) zur Verfügung. Kein 5G. Im 1&1-Netz wiederum wird es kein GSM geben.

Die Auflagen

Bis Ende 2022 muss 1&1 mindestens 25 Prozent der deutschen Haushalte mit seinem Netz versorgen können. Also etwas mehr als 10 Millionen Haushalte. Das Netz wird in Metropolen wie Berlin, München, Hamburg und dem Ruhrgebiet starten. Weitere deutsche Städte mit einer hohen Haushaltsdichte sind wahrscheinlich. Dass man zusätzlich 1.000 Standorte mit 5G versorgen muss, ist im Vergleich zur Abdeckung mit den genannten Frequenzen fast das kleinere Problem.

Der Zeitplan

Bis Mai 2021 arbeitet 1&1 den National-Roaming-Vertrag mit Telefónica im Detail aus. Im Sommer 2021 hat Unternehmens-Chef Ralph Dommermuth weitere Details zum Ausbau und Zeitplan verraten. So sei es möglich, dass das Netz im ersten Schritt als Festnetz-Ersatzprodukt startet (Fix Wireless Access). In den Städten und Stadtteilen, in denen die ersten Sendemasten stehen, könnten Kunden dann einen schnellen Internetanschluss als Alternative zu DSL und Kabel buchen. Das Produkt entspricht dann im Prinzip einem Vodafone Gigacube oder ähnlichen Produkten.

Vermutlich erst in einem zweiten Schritt wird dann auch die echte Mobilfunknutzung Einzug ins Netz erhalten. Der Grund dafür ist unter anderem, dass bis dahin noch die Vorbereitungen für das National Roaming mit O2 laufen müssen, verriet Dommermuth. Es sei also möglich, dass ein viertes Mobilfunknetz erst Ende 2022 oder auch erst 2023 in Deutschland startet.

Der Netzausbau

Das neue Netz wird vollständig von Rakuten aufgebaut und geplant. Es soll bis Ende 2030 in 390 Städten direkt verfügbar sein, der Rest Deutschlands wird durch O2 im National Roaming abgedeckt. 1&1 plant mit 12.000 Antennenstandorten, an denen dann in der Regel mehrere Antennen hängen. So kommt man zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich auf etwa 36.000 Antennenelemente und kann 50 Prozent der Haushalte versorgen. Zum Vergleich: Die Telekom als vielmaliger Testsieger verfügt über 32.000 Standorte in ganz Deutschland.

An den Standorten werde man ausschließlich Antennen verbauen, die 5G mit Gigabit-Datenraten liefern können. Außerdem wird jeder Sendemast auch LTE ausstrahlen. Alle Sendemasten werden direkt an das Glasfasernetz angebunden. Die ersten Sendemasten sollen noch 2021 entstehen. Dass es so spät wird erklärt der Unternehmenschef mit den langwierigen Verhandlungen mit den anderen Netzbetreibern über ein National Roaming.

Die Besonderheiten

Dommermuth betonte die Besonderheit des Netzes, das auf OpenRAN-Technologie setzt. Vorort wird nur eine Antenne stehen. Die sonst übliche Technik am Standort, die in Schränken am Boden oder auf dem Dach zu finden ist, entfällt.

1&1 will sie in insgesamt 550 Rechenzentren verlagern. Dadurch sollen Wartung und Aussteuerung des Netzes effizienter werden. Für das Kernnetz sind vier zentrale Rechenzentren vorgesehen. Zudem lassen sich die Rechenzentren für Edge-Computing nutzen, sodass Dommermuth optimistisch ist, sehr niedrige Latenzzeiten liefern zu können. Auch Umrüstungen oder Wartungen an den Basisstationen der Antennen sind nach Angaben von 1&1 obsolet und können durch Software-Aktualisierungen durchgeführt werden.

Der 1&1-Partner Rakuten hat im April 2020 als Neueinsteiger in Japan das weltweit erste kommerzielle vollständig virtualisierte OpenRAN-Mobilfunknetz gestartet. Von dieser Erfahrung und Expertise wird 1&1 nun profitieren. Rakuten ist auch für die Gesamt-Performance des 1&1 Mobilfunknetzes verantwortlich. 1&1 wird Zugriff auf die Steuerungsplattform haben. Nach Medienberichten überweist 1&1 den Japanern in den nächsten zehn Jahren für die Arbeit als Generalunternehmer zwischen 1,9 und 2,3 Milliarden Euro.

Bestandskunden

1&1 wird Bestandskunden der 1&1 und Drillisch auf das neue Netz umstellen. „Wir werden ab diesem Tag, an dem wir unser Netz freischalten und das National Roaming anbieten können, keinen Kunden mehr als virtueller Netzbetreiber im Netz der Telefónica schalten“, sagte 1&1-Chef Ralph Dommermuth unserer Redaktion. Mehr noch: Es ist ein Umzug aller Kunden in das neue 1&1-Netz geplant. Das soll über einen technischen Trick geschehen. Die wichtigste Information für die Kunden dabei: Es ist kein Austausch der SIM-Karte notwendig.

Die Kunden werden über ein auf den SIM-Karten befindliches zweites SIM-Karten-Profil in das neue Netz migriert. Diese Aktivierung erfolge Over the Air (OTA). Dabei bekommen die Bestandskunden der zahlreichen Marken die notwendigen Daten per SMS geschickt. Das Handy verarbeitet diese und bucht sich dann im 1&1-Netz ein. Dort, wo dieses dann noch nicht verfügbar ist, arbeitet das Handy weiterhin mit dem O2-Netz zusammen.

Fährt der betreffende Kunde dann in eine Region, in der 1&1 sein Netz schon ausgebaut hat, bucht sich das Handy dann automatisch dort ein – auch wenn es ein Drillisch-Vertrag von Marken wie WinSIM, simply & Co. ist. Ein 5G-Handy ist dafür nicht notwendig, 1&1 will alle Sendemasten auch mit LTE versorgen. Allerdings: Einen Ausbau von GSM als Basisnetz für die Telefonie ist nicht geplant.

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