Wer überlegt, auf eine Wärmepumpe umzusteigen, hat dabei die Wahl zwischen verschiedenen Arten. Welche Formen des modernen Heizsystems zur Verfügung stehen, haben wir bereits in diesem Ratgeber für dich erörtert. Sole-Wärmepumpen gelten dabei als die effizienteste Form. Doch wie groß sind die Vorteile einer Sole-Wärmepumpe tatsächlich im Vergleich zu ihren Nachteilen? Wir haben mit Edgar Timm, Director R+D der ait-group in einem Interview über Solewärmepumpen gesprochen. Zur ait-group gehören unter anderem die bekannten Wärmepumpen-Hersteller alpha innotec und NOVELAN sowie der Hersteller von Kälte- und Klimatechnologie KKT chillers.
1. Welche Vor- und Nachteile haben Sole-Wärmepumpen?
Sole-Wärmepumpen – auch Erdwärmepumpen genannt – zeichnen sich durch besonders hohe Effizienz und Betriebssicherheit aus. Einer der größten Vorteile liegt in der Nutzung der vergleichsweise konstanten Temperaturen im Erdreich. Diese gleichmäßigen Bedingungen ermöglichen das ganze Jahr über stabile Leistungswerte – auch bei Minusgraden im Winter.
Ferner können Sole-Wärmepumpen nicht nur effizient heizen, sondern auch sehr kostengünstig kühlen: Bei der sogenannten passiven Kühlung wird lediglich Umwälztechnik genutzt – die eigentliche Wärmepumpe bleibt dabei ausgeschaltet. Dadurch lässt sich die Raumtemperatur mit minimalem Energieeinsatz senken.
Ein weiterer Pluspunkt: Sole-Wärmepumpen benötigen keine Außeneinheit. Das spart Platz, vermeidet Geräuschemissionen und ist optisch unauffällig – ein Vorteil gerade in dicht bebauten oder gestalterisch anspruchsvollen Wohnumfeldern.
Zudem sind Sole-Wärmepumpen besonders vielseitig. Sie lassen sich mit unterschiedlichen Wärmequellen kombinieren, etwa mit Erdsonden, Flächen- oder Grabenkollektoren, Eisspeichern oder auch PVT-Kollektoren, die zusätzlich die Photovoltaikleistung steigern können. Fachgerecht erschlossene Wärmequellen haben eine sehr lange Lebensdauer, werten die Immobilie auf und können beim Tausch der Wärmepumpe weiter genutzt werden.
Der einzige nennenswerte Nachteil ist der höhere Aufwand bei der Erschließung der Wärmequelle – insbesondere bei Erdsondenbohrungen. Diese Investition amortisiert sich jedoch über die Jahre durch den effizienteren Betrieb.

2. In welchen Fällen macht es Sinn, auf ein Sole-Gerät zu setzen, und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Sole-Wärmepumpen sind dann besonders sinnvoll, wenn eine geeignete Wärmequelle gut erschließbar ist. Bei ausreichend Platz kann etwa ein Flächenkollektor vergleichsweise kostengünstig installiert werden – insbesondere bei Neubauten oder bei der Neugestaltung von Außenanlagen.
Auch bei kalten Nahwärmenetzen in Neubaugebieten, bei Quartierslösungen oder bei der Nutzung bestehender Erdwärmesonden bietet sich der Einsatz von Sole-Wärmepumpen an. Nicht zuletzt sind sie eine überzeugende Lösung, wenn außen keine sichtbare oder hörbare Technik installiert werden soll. Grundsätzlich gelten für Sole-Wärmepumpen die gleichen Voraussetzungen wie für andere Wärmepumpenarten: ein möglichst gut gedämmtes Gebäude und eine geeignete Wärmeverteilung.
3. Wie schneiden Sole-Wärmepumpen im Vergleich zu Luft- und Wasser-Wärmepumpen bei Effizienz, Lebensdauer und Förderfähigkeit ab?
Sole-Wärmepumpen erreichen durch die konstanten Temperaturen des Erdreichs höhere Jahresarbeitszahlen als Luft/Wasser- oder Wasser/Wasser-Systeme. Dadurch arbeiten sie effizienter und senken die Betriebskosten deutlich. Hinzu kommt: Die Technologie ist langlebig. Die Lebensdauer ist im Vergleich zu Luftwärmepumpen oft um einige Jahre höher – auch, weil keine mechanisch beanspruchte Außeneinheit vorhanden ist.
Was die Förderung betrifft: Neben den Bundesprogrammen, etwa der KfW, bieten viele Bundesländer wie zurzeit unter anderem NRW zusätzliche Förderungen für die Erschließung der Wärmequelle – beispielsweise pro Bohrmeter. Es lohnt sich, mit dem Installateur vor Ort zu prüfen, welche Fördermöglichkeiten im jeweiligen Bundesland greifen.
4. Warum wird die Technologie auch für den Gebäudebestand zunehmend interessanter?
Im Gebäudebestand gewinnen Sole-Wärmepumpen vor allem im Rahmen ganzheitlicher Sanierungskonzepte an Bedeutung – etwa bei der Umsetzung kalter Nahwärmenetze, Quartierslösungen oder Etagenheizungen im mehrgeschossigen Wohnbau.
Ein klarer Vorteil im Bestand: Es gibt keine außen aufgestellten Geräteeinheiten, die optisch stören oder schalltechnisch kritisch sein könnten. Auch die monovalente Betriebsweise – also ohne Zusatzheizung – ist mit Sole-Wärmepumpen in der Regel problemlos möglich. Und: Bei größeren Objekten lassen sich verschiedene Wärmequellen kombinieren – was zusätzliche Flexibilität bei der Planung und Umsetzung bietet.
5. Mit welchen Kosten müssen Hausbesitzer für eine Sole-Wärmepumpe rechnen?
Die Gerätekosten einer Sole/Wasser-Wärmepumpe sind mit denen einer Luft/Wasser-Wärmepumpe vergleichbar. Für ein typisches Einfamilienhaus mit einem Leistungsbedarf von rund 10–12 kW kommen beispielsweise Geräte wie unsere alpha innotec WZSV 92 oder die neue Hybrox 11 infrage.
Hinzu kommt die Erschließung der Wärmequelle – sei es über Erdsonden, Flächenkollektoren oder andere Systeme. Der damit verbundene Mehraufwand macht sich jedoch durch niedrigere Betriebskosten bezahlt. Ein zusätzlicher Vorteil: Wenn im Sommer Kühlbedarf besteht, lässt sich mit einer Sole-Wärmepumpe fast kostenlos für angenehme Raumtemperaturen sorgen – und gleichzeitig regeneriert sich die Wärmequelle.

6. In welchen Gebieten kann eine Sole-Wärmepumpe nicht installiert werden?
Einschränkungen gibt es insbesondere in Wasserschutzgebieten sowie in Regionen mit sehr felsigem Untergrund oder geringer Wärmeleitfähigkeit – etwa bei trockenen, sandigen Böden. In solchen Fällen sollte die Wirtschaftlichkeit sorgfältig geprüft werden – oder alternative Wärmequellen beziehungsweise andere Wärmepumpentechnologien zum Einsatz kommen.
7. Wie lange dauert die Installation einer Sole-Wärmepumpe im Vergleich zu anderen Wärmepumpentypen?
Die Geräteinstallation selbst ist bei Sole-Wärmepumpen oft einfacher als bei Luft/Wasser-Systemen – denn es entfällt die Montage einer Außeneinheit samt Fundament oder Wandbefestigung. Aufwändiger ist allerdings die Erschließung der Wärmequelle, beispielsweise durch Bohrungen oder das Verlegen eines Flächenkollektors. Diese Arbeiten erfordern eine sorgfältige Planung, lohnen sich jedoch durch die hohe Betriebseffizienz und die langfristige Zuverlässigkeit der Anlage.
