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DSL-Abschaltung wegen Glasfaser: Was du jetzt wissen musst

5 Minuten
DSL über die Telefondose war jahrzehntelang der Standard für schnelles Internet in Deutschland. Doch nun steht die Technologie vor dem Aus. Immer mehr Anbieter setzen auf Glasfaser. Was musst du zur DSL-Abschaltung wissen?
Eine Computertastatur mit einer VDSL-Taste
Eine Computertastatur mit einer VDSL-TasteBildquelle: Deutsche Telekom

Zunächst einmal gilt es, zu entwarnen. Niemand muss dieser Tage Angst haben, dass der eigene DSL-Anschluss morgen plötzlich nicht mehr funktioniert. Dennoch sollte man das Bestreben, die DSL-Technik und damit das Kupfernetz abzuschalten, nicht einfach abtun. Denn der Tag, an dem es kein DSL mehr in Deutschland gibt, wird kommen. Die Frage ist nur: wann?

Bundesnetzagentur will Weg für DSL-Aus ebnen

Die Bundesnetzagentur hat im Frühjahr 2025 mit einem Impulspapier den regulatorischen Weg bereitet, wie das Kupfernetz langfristig abgeschaltet werden kann. Daraus ist inzwischen ein Regulierungskonzept entstanden. Doch was bedeutet das konkret? Die Telekom, die aktuell als marktbeherrschendes Unternehmen gilt, kann eigenständig entscheiden, wann sie Teile ihres Kupfernetzes außer Betrieb nimmt. Aber: Auch Wettbewerber könnten diese Abschaltung beantragen, wenn sie ihre Glasfasernetze in definierten Regionen entsprechend ausgebaut haben.

Voraussetzung für die Abschaltung durch die Telekom ist eine Anzeige bei der Bundesnetzagentur – mindestens ein Jahr im Voraus. Danach prüft die Behörde, ob der Wechsel fair abläuft: Alternative Angebote müssen bereitstehen, Kündigungsfristen angemessen sein, und es darf keine Diskriminierung zwischen Kunden geben. Im Gespräch sind dabei stets kleine Abschaltgebiete – beispielsweise die Einzugsbereiche einzelner VDSL-Verteilerkästen – aber zusammengefasst zu Bezirken oder Gemeinden. Das soll die Vermarktung und Kommunikation erleichtern.

Warum soll DSL abgeschaltet werden?

DSL basiert auf dem alten Kupfernetz der Telekom. Dieses Netz wurde ursprünglich für Telefonie gebaut – und ist heute technisch überholt. Es hat mehrere Nachteile:

  • Begrenzte Bandbreite: Bei klassischen DSL-Anschlüssen liegt die Obergrenze bei 16 Mbit/s, mit VDSL sind es maximal 250 Mbit/s – unter idealen Bedingungen. Der Upstream ist auf 40 Mbit/s begrenzt. Man geht davon aus, dass ein Großteil der Haushalte ab spätestens 2035 nicht mehr mit 250 Mbit/s auskommen werden.
  • Die Latenz ist deutlich höher, was bei späteren VR- und Echtzeit-Anwendungen nachteilig ist.
  • Hoher Energieverbrauch: Kupferleitungen benötigen deutlich mehr Strom als Glasfaser, was angesichts steigender Energiekosten zunehmend zum Problem wird.
  • Doppelstruktur: Viele Anbieter haben in den vergangenen Jahren teure Glasfasernetze gebaut. Parallelbetrieb mit dem alten Kupfernetz ist wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Kurzum: Glasfaser gilt als Technik der Zukunft. Sie ermöglicht heute schon Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s bis 10 Gbit/s, ist robuster und verbraucht weniger Energie. Klar ist aber auch: Die Bandbreiten von mehr als 1 Gbit/s braucht heute niemand zu Hause. Entsprechend schwer ist es für die Betreiber, Kunden zu gewinnen. Wie viel Bandbreite du heute zu Hause brauchst, haben wir dir in einem Ratgeber zusammengestellt.

Ist meine Internetverbindung betroffen?

Wahrscheinlich ja – aber nicht sofort. Wenn dein Internetrouter über eine klassische TAE-Telefondose (Telefondose) mit der Wand verbunden ist, nutzt du DSL oder VDSL – also das Kupfernetz. Nach aktuellen Schätzungen sind noch rund 60 Prozent der Internetanschlüsse in Deutschland darüber realisiert. Alternativ könntest du auch einen Kabelanschluss nutzen, dann hat deine Anschlussdose runde Stecker. Obwohl Kabelnetze auch auf Kupfer basieren, sind sie nicht von einer Abschaltung betroffen.

Wichtig: Eine Abschaltung betrifft dich nicht über Nacht. Die Telekom hat angekündigt, dass keine plötzlichen Kündigungen oder Abschaltungen erfolgen werden. Jeder Kunde soll die Möglichkeit haben, rechtzeitig auf eine Alternative umzusteigen. Zudem kann eine Abschaltung ohnehin erst erfolgen, wenn bei dir Glasfasernetze ausgebaut wurden.

Wann wird DSL abgeschaltet?

Einen bundesweiten Stichtag gibt es nicht. Stattdessen erfolgt die Abschaltung schrittweise, Gebiet für Gebiet – teilweise womöglich bis in die 2040er-Jahre hinein. Laut Bundesnetzagentur müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Abschaltung muss unterm Strich drei Jahre im Voraus ankündigt werden
  • Ein Alternativanschluss muss bereitstehen
  • Zwei Jahre vor Abschaltung wird kein DSL mehr vermarktet
  • Zum Zeitpunkt der Ankündigung (x minus drei Jahre) müssen bereits 80 Prozent der Haushalte eine Glasfaserleitung in der Wohnung (!) liegen haben. Die drei Jahre sollen für eine Nachverdichtung genutzt werden.
  • Bevor das alles beginnt, muss aus dem Regulierungskonzept ein Regulierungsrahmen und geltendes Gesetz werden.

Was ist mit Glasfaser – ist das die Lösung?

Ja, Glasfaser ist langfristig die Nachfolgetechnologie. Allerdings gibt es dabei ein Problem: In vielen Fällen endet die Glasfaser nur am Bürgersteig („Homes Passed“), aber nicht im Haus („Homes Connected“). Wer einen Glasfaseranschluss will, muss also oft noch Bauarbeiten auf dem Grundstück oder im Haus dulden. Das dauert nach der Bestellung erfahrungsgemäß einige Wochen bis schlimmstenfalls Monate oder Jahre. Ein weiteres Problem: Manche Hausbesitzer verweigern den Anschluss, obwohl Mieter ihn nutzen möchten. Solche Fälle erschweren die flächendeckende Umstellung.

Wird Internet jetzt teurer?

Das kommt darauf an. Kunden, die bisher sehr langsame DSL-Tarife genutzt haben (z. B. 16 Mbit/s), müssen beim Wechsel auf Glasfaser häufig auf einen teureren Tarif mit mindestens 50 oder 100 Mbit/s ausweichen. Der Grund: 16 Mbit/s-Anschlüsse gibt es per Glasfaser schlichtweg nicht. Dafür bekommt man aber auch mehr Leistung. In vielen Fällen sind Glasfaseranschlüsse im Preisvergleich sogar günstiger als VDSL, wenn man Tarife mit gleicher Bandbreite gegenüberstellt. Wichtig zu verstehen: Glasfaser heißt nicht automatisch Gigabit-Anschluss und somit auch nicht automatisch teuer.

Muss ich jetzt aktiv werden?

Wenn bei dir in der Straße Glasfaser verlegt wird, ist das ein guter Zeitpunkt, dich mit dem Thema zu beschäftigen. Vor allem Hausbesitzer sollten überlegen, ob und wann ein Glasfaseranschluss sinnvoll ist – für den eigenen Bedarf, aber auch für den Immobilienwert.

Bestehende DSL-Verträge werden nicht gekündigt, solange kein Alternativanschluss bereitsteht. Du musst dich also nicht sorgen, plötzlich offline zu sein. In jedem Fall wird dein Anbieter mehrmals mit dir Kontakt aufnehmen, sollte eines Tages bei dir eine Umstellung und Abschaltung anstehen. Dann solltest du tatsächlich aktiv werden. Unbemerkt und „über Nacht“ wird dir aber niemand deinen DSL-Anschluss abschalten.

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1 KOMMENTAR

  1. Nutzerbild Kasper, Andrea

    Muß die Umstellung auf Glasfaser vom Hauseigentümer selbst bezahlt werden?
    Kann es eine zwangsweise Glasfaserumstellung geben, die von den Haushalten selbst bezahlt werden muß?

    Antwort

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