VDSL, Vectoring und Supervectoring: Was sind die Unterschiede, Vorteile und Nachteile?

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Wer in Deutschland per Festnetz im Internet surft, macht das in aller Regel entweder über Kabel oder DSL beziehungsweise über VDSL. Doch was ist eigentlich VDSL? Was bedeutet Vectoring? Was ist Supervectoring und mit welchem Internetanschluss ist das Internet am schnellsten? Wir zeigen dir alles, was du zu deinem schnellen Internetanschluss wissen musst und warum dein Router dabei eine wichtige Rolle spielt.
Eine Computertastatur mit einer VDSL-Taste
Bildquelle: Deutsche Telekom

VDSL ist der Turbo für DSL

VDSL ist, wie der Name schon andeutet, eine spezielle Form von DSL. DSL ist jener Internetzugang, mit dem viele Deutsche seit dem Jahr 1999 nach und nach ins Internet gegangen sind. Die Abkürzung steht für Digital Subscriber Line. Los ging es mit DSL-Anschlüssen mit 768 kBit/s. Doch der Bedarf nach höheren Bandbreiten wuchs nicht zuletzt wegen Video on Demand schnell. Doch bis heute bringen es DSL-Leitungen in aller Regel aber auf nicht mehr als 16 MBit/s.

Für schnelleres Internet musste also neue Technik her. VDSL hat die Deutsche Telekom 2006 in Deutschland eingeführt. Diese Abkürzung steht – wenig originell – für Very High Speed Digital Subscriber Line. Los ging es in zehn Größstädten, zunächst nur für Kunden die TV mitbuchten. Das Angebot, das als T-Home startete und heute als Magenta TV bekannt ist, wollte damals aber noch niemand. Doch es gab schnelles Internet. Bis zu 50 Mbit/s waren möglich.  Schnelleres Internet gab es zu dem Zeitpunkt in Deutschland für Privatkunden nicht.

Doch nicht jeder DSL-Kunde konnte auch VDSL bekommen. Während beim klassischen DSL die Leitung teilweise mehrere Kilometer lang sein konnte, ist sie bei VDSL bedeutend kürzer. Die DSL-Technik, die bis dato nur in den etwa 7.900 Vermittlungsstellen in Deutschland aufgebaut war, musste auf die Bürgersteige rücken. Je kürzer eine Kupferleitung bis zur aktiven Technik (Fachbegriff DSLAM) ist, desto schneller und stabiler ist eine Leitung. Mit VDSL sind in der Praxis bis zu 50 MBit/s im Downstream möglich. Der Upstream liegt bei maximal 10 MBit/s, während normales DSL es auf 1 MBit/s oder 2,4 Mbit/s bringt.

Für VDSL sind andere Modems/Router notwendig als beim reinen DSL. Umgekehrt können VDSL-Modems aber auch DSL-Signale transportieren. Wichtig ist das aber nur noch bei alten Routern. Heute verkaufte Modems beherrschen ohnehin in aller Regel mindestens VDSL sowie DSL (oft übrigens auch als ADSL bezeichnet), manchmal sogar schon die Weiterentwicklungen dieser Übertragungsstandards.

So funktioniert das schnelle Internet

VDSL wurde von der Telekom sowohl in den Vermittlungsstellen als auch in den grauen Kästen auf der Straße (Kabelverzweiger, Kvz oder auch Multifunktionsgehäuse, MFG genannt) technisch realisiert. Andere Anbieter haben sich in den kommenden Jahren oftmals darauf beschränkt, ihre eigene VDSL-Technik in den Vermittlungsstellen einzubauen.

Mit der Technik auf die Straße sind am Ende nur regionale Anbieter gegangen, die Städte oder Regionen mehr oder weniger flächendeckend erschlossen haben. Dabei konnten Telekom und Wettbewerber in Koexistenz nebeneinander ihr VDSL-Netz betreiben. Beide stellten ihre Technik in die Vermittlungsstelle oder auf den Bürgersteig – wobei der Alternativanbieter hierfür einen eigenen grauen Kasten errichten musste. Wer einen Kunden gewann, nutzte die alten Kupferkabel der Telekom – die sogenannte Teilnehmeranschlussleitung -, um diesen Kunden zu versorgen.

Damit VDSL zum Laufen kommt, ist ein größerer Umbau im Netz notwendig. Die bisherigen Kabelverzweiger sind und waren zu klein, um die neue VDSL-Technik aufzunehmen. Denn mit der VDSL-Technik kommt erstmals auch aktive Technik in die Gehäuse. Somit wird dort nicht nur Strom, sondern auch eine Kühlung benötigt. Für den Ausbau von VDSL ist es somit notwendig, den grauen Kasten einerseits mit einer Stromleitung und einer Glasfaserleitung für die Datenverbindung zu versorgen, es muss aber auch der Kasten selber ausgetauscht und vergrößert werden.

Vectoring: Der Turbo für den Turbo

VDSL ist nach nicht einmal zehn Jahren in Deutschland bereits ein Auslaufmodell geworden. Denn mit VDSL Vectoring und VDSL Supervectoring lassen sich weitaus höhere Übertragungsraten als 50 MBit/s im Downstream erreichen. VDSL Vectoring ermöglicht 100 Mbit/s. Möglich wird das über eine Art Gegenstör-Signal. Es filtert elektromagnetische Störungen aus der Leitung und verbessert so die Qualität der Verbindung. Bekannt ist dieses Phänomen von Noice-Cancelling-Kopfhörern, die ebenfalls mit Gegensignalen die Umgebungssignale ausblenden.

VDSL 100 war lange Zeit ausgerechnet im direkten Umfeld der Vermittlungsstellen nicht zu haben. Der Grund war gleichermaßen technisch wie regulatorisch: Alternative Anbieter mussten ihre Technik abbauen und ihren Kunden kündigen, damit die Telekom ihre Technik aufbauen konnte. Nur in einigen wenigen Gebieten in Deutschland erhielten Alternative Anbieter den Zuschlag zum Ausbau.

Mit Vectoring können Kunden je nach Länge der genutzten Kupferdoppelader Bandbreite von bis zu 100 MBit/s im Downstream und bis zu 40 MBit/s im Upstream nutzen. Man spricht hier von VDSL 100. Bemerkenswert ist der Upstream, der in Zeiten von Youtube-Videos und Datenspeicherung in der Cloud immer wichtiger wird. Er ist ein wichtiges Argument für die Vectoring-Technik. Im Downstream gibt es gegenüber dem klassischen VDSL eine Verdopplung, im Upstream eine Vervierfachung.

Für Vectoring-Anschlüsse sind Modems notwendig, die Vectoring verarbeiten können. Das sind jedoch nahezu alle heute verkauften Geräte, die zumeist auch direkt einen WLAN-Router an Bord haben.

Supervectoring: Und noch einmal schnelleres VDSL

DSL, VDSL, VDSL Vectoring – doch es geht noch weiter. Inzwischen gibt es VDSL Supervectoring. Technisch wird bei VDSL und Vectoring auf der Kupferleitung zwischen Kunde und Technik ein Frequenzbereich bis 17 MHz genutzt. Bei Supervectoring wird dieses Frequenzband bis 35 MHz erweitert. Daher auch die technische Bezeichnung VDSL Supvervectoring 35b.

Die Telekom vermarktet Anschlüsse mit bis zu 250 MBit/s. Diese werden aber nur geschaltet, wenn der Kunde mindestens 175 MBit/s erreichen kann. Ist seine Leitung schlechter, kann er Supervectoring nicht buchen. Stattdessen steht normales Vectoring mit bis zu 100 MBit/s zur Verfügung. Der Upstream ändert sich mit Supervectoring übrigens nicht. Er bleibt bei maximal 40 MBit/s.

Der Umbau im Netz auf von VDSL zu Vectoring oder Supervectoring ist vergleichsweise einfach. Die Netzbetreiber müssen lediglich ein aktives Netzbauteil, so genannte Linecards, austauschen. Dieses Bauteil ist zwar nicht günstig, der Aufwand es auszutauschen aber überschaubar. Wichtig aber: Dein Vectoring-Router kann nicht automatisch Supervectoring.

Was ist der Unterschied zwischen VDSL, Vectoring und Supervectoring?
Bildquelle: 1&1

Wieso ist mein Internet-Anschluss langsam?

Wenn es an einem Anschluss zwar VDSL mit bis zu 50 MBit/s gibt, aber kein Vectoring oder gar Supervectoring, kann das unterschiedliche Gründe haben. Beispielsweise liegt es an alten Förderprogrammen, bei denen nur VDSL gebaut werden durfte. Möglicherweise lohnt sich aber auch der Austausch der Technik vor Ort rechnerisch nicht.

Wenn du aber 100 oder gar 250 Mbit/s buchen kannst, aber eine deutlich langsamere Leitung hast, dann hat das andere Gründe. Möglicherweise ist deine Leitung gestört oder die Kupferstrecke zu lang. Auch ist es möglich, dass die Leitung überbucht ist. Denn auch bei VDSL teilst du dir die Leitung mit deinen Nachbarn. Streamen und downloaden diese zu viel und die ist Glasfaserleitung zum Verteiler überbucht, dann wird deine Leitung langsamer.

Ist VDSL ein Glasfaser-Anschluss?

Die Telekom spricht, wenn sie VDSL-Zugänge meint, oftmals von Glasfaser-Anschlüssen. Dabei handelt es sich jedoch um eine Telekom-Definition. Denn Glasfaser kommt bei VDSL auch bei den Erweiterungen mit Vectoring oder Supervectoring nur bis zum Kabelverzweiger auf der Straße zum Einsatz. Auf den letzten (mehreren hundert) Metern kommt jedoch die alte Kupferleitung – die sogenannte letzte Meile – zum Einsatz. Kritiker sprechen gar von einem Ausquetschen dieser Leitung, die nie für diese Datenraten vorgesehen war.

Auch bei klassischem DSL kommt streng genommen Glasfaser zum Einsatz, hier jedoch nur bis zur Vermittlungsstelle. Die meisten Branchenexperten lassen die Definition Glasfaseranschluss erst gelten, wenn die Glasfaser mindestens im Gebäude des Kunden liegt (FTTB/FTTH). Allerdings lässt sich die bis zum Kabelverzweiger verlegte Glasfaserleitung später relativ leicht nutzen, um den echten Glasfaserausbau anzugehen.

Zwischen VDSL, Vectoring und Supervectoring gibt es im Hinblick auf den Glasfaserausbau übrigens keine Unterschiede. Die Glasfaserleitung wird bei einem VDSL-Ausbau auf dem Bürgersteig immer in den selben Verteilerkasten verlegt. Der Unterschied ist die im Kasten verwendete aktive Technik.

Wer bietet VDSL an?

Zahlreiche Anbieter in Deutschland bauen VDSL und VDSL Vectoring aus. Es gibt dafür komplexe, regulatorische Verfahren die regeln, welcher Anbieter wo ausbauen darf. Das größte Unternehmen ist dabei die Deutsche Telekom. Grundsätzlich kann der Kunde dann bei diesem Anbieter seinen Anschluss buchen oder einen anderen Provider beauftragen, die Leitung zum jeweiligen Tarif dieses Anbieters zu schalten. So sind beispielsweise VDSL-Angebote von 1&1 oder O2 technisch in aller Regel Anschlüsse der Telekom.

Dort wo die Telekom nicht ausbaut, sondern andere Anbieter investiert haben, ist die Auswahl oftmals noch etwas eingeschränkt, da die Anbieter untereinander oftmals keine Verträge haben. Das wird sich perspektivisch jedoch ändern. Die Telekom kauft beispielsweise zunehmend VDSL-Leitungen bei ihren Wettbewerbern ein und vermarktet sie unter eigenem Namen.

Vodafone hingegen verkauft dort, wo es geht, vor allem seine Kabelleitungen, über die sich sogar noch höhere Geschwindigkeiten realisieren lassen. Dort wo es kein Kabelnetze gibt, bekommen die Kunden dann einen DSL-Anschluss oder eben VDSL-Tarife angeboten.

Was sind die Vor- und Nachteile von VDSL?

Der Vorteil von VDSL gegenüber dem veralteten DSL liegt auf der Hand: Es ist deutlich schneller. Wenn du zusätzlich noch Vectoring oder Supervectoring bekommen kann, gast du in Sachen Geschwindigkeit erst einmal ausgesorgt. Gleichzeitig ist dort, wo VDSL mit 50 bis 250 MBit/s ausgebaut wurde, ist die Nachfrage nach echtem Glasfaser gering. Das könnte langfristig zu einem Problem werden, wenn diese Datenraten von Nöten sind.

Gleichzeitig ist es mit VDSL möglich, deutlich schneller deutlich mehr Haushalte mit höhere Download-Geschwindigkeiten zu versorgen, als es mit einem echten Glasfaserausbau möglich wäre. Der Grund liegt auf der Hand: Es müssen deutlich weniger neue Leitungen in die Erde verlegt werden. Denn es muss nur der Kasten auf dem Bürgersteig mit Glasfaser versorgt und umgebaut werden, nicht jedes einzelne Haus.

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