Mogelpackung WLAN: So langsam ist dein WLAN-Router wirklich

5 Minuten
WLAN mit bis zu 1.733 Mbit/s, Gigabit-WLAN oder 1.200 Mbit/s Dual-Band WLAN: Diese oder ähnliche Werbefloskeln findest du bei vielen WLAN-Routern. Doch diese Angaben sind Mogelpackungen. Tatsächlich ist dein WLAN viel langsamer als versprochen. Wir zeigen dir, wie langsam – und warum das so ist.
Symbolbild: WLAN-Geschwindkeit
Symbolbild: WLAN-GeschwindkeitBildquelle: Thorsten Neuhetzki

Generell gilt: Alle Hersteller werben bei ihren WLAN-Angaben mit sogenannten Brutto-Datenraten. Das ist im Grunde vergleichbar mit den Geschwindigkeiten beim Internet-Zugang oder Handynetz – nur dass diese sich theoretisch erreichen lassen. Beim WLAN hingegen hast du rein technisch gar keine Chance, die beworbenen Brutto-Datenraten als Netto-Datenrate in der Praxis auf deinem Rechner oder Smartphone zu bekommen.

Die Brutto-Datenraten enthalten auch Steuer- und Verwaltungdaten. Dieser sogenannte Overhead-Traffic wird zum Betrieb des WLAN-Netzes gebraucht. Das heißt, die Daten werden übertragen, die Frequenzen belegt. Doch praktisch nutzen kannst du die Datenraten nicht. Das heißt also, wenn ein Hersteller mit einer WLAN-Geschwindigkeit von 1.733 Mbit/s oder 1,7 Gbit/s wirbt, wirst du niemals diese Datenrate in einem Speedtest messen können. Im konkreten Beispiel wird dein Messwert bei maximal 860 Mbit/s liegen.

Wovon ist die WLAN-Geschwindigkeit abhängig?

Generell wird die in der Praxis nutzbare WLAN-Geschwindigkeit von drei technischen Dingen bestimmt:

  • Dem WLAN-Standard
  • Der Anzahl der Datenströme
  • Der eingesetzten Kanalbandbreite

Wichtig dabei ist stets das Zusammenspiel zwischen Router und Endgerät. Es bringt dir also nichts, wenn du einen Highend-Router hast, aber ein Billig-Smartphone mit einem mehrere Jahre alten WLAN-Chip betreibst. Umgekehrt gilt das gleiche: Der beste Highend-Rechner bringt dir nichts, wenn der WLAN-Router nichts taugt. Doch worauf musst du nun achten? Wir erklären es dir.

Der richtige WLAN-Standard

Kennst du noch Begriffe wie WLAN 802.11n oder WLAN 802.11b? Dann kennst du dich schon recht gut aus. Für viele Nutzer waren diese Standards jedoch zu kompliziert. Deshalb hat man sich darauf verständigt, die WLAN-Standards namentlich zu vereinfachen. Im Wesentlichen spielen heute drei Standards noch eine Rolle: WLAN N (auch als WLAN 4 bezeichnet), WLAN AC (oder auch WLAN 5) sowie das neue WLAN AX (oder auch WLAN 6). Es gibt noch weitere Standards, die lassen wir an dieser Stelle aber außer acht.

Generell gilt: Die Standards sind abwärtskompatibel. Das heißt: Ein Router mit WLAN 6 kann auch Endgeräte mit WLAN 4 oder 5 mit Daten versorgen und ein WLAN-6-Handy kann sich an einem WLAN 4-Router anmelden. Allerdings  „verliert“ die Übertragung dann die Features des besseren Standards – sprich: Die Übertragung wird langsamer.

Die Datenströme

Vielleicht hast du schon einmal den Begriff MiMo gehört. Die Abkürzung steht für Multiple Input, Multiple Output. Sehr untechnisch beschrieben bedeutet das, dass durch Codierverfahren je nach Variante mehrerer Datenströme auf der gleichen Frequenz teils über mehrere Antennen geschickt werden. Dadurch gibt es zwischen Router und Gerät mehrere Verbindungen gleichzeitig, was die Datenrate steigert. Die neuesten Geräte unterstützten MU-MIMO, das ist ein Multi-User-Mimo. Hier schickt der Router gleichzeitig Daten an mehrere Geräte im Netz, was noch einmal die Effizienz erhöht – vor allem wenn viele Geräte viel Traffic generieren.

Die Kanalbandbreite

Bei WLAN spricht man stets vom 2,4 und 5 GHz Band als Frequenz. Doch innerhalb dieser Frequenzen gibt es mehrere Kanäle. Das bedeutet, dass es im 2,4 GHz-Band ein Spektrum von 60 MHz gibt und im 5 GHz-Band insgesamt 340 MHz. WLAN-Router können bis zu 160 MHz davon belegen. Je breiter das belegte Spektrum, desto höher die Datenrate. Allerdings: nur wenn auch das Endgerät dieses unterstützt, bringt dir das hohe Datenraten. Angegeben wird das Spektrum in den technischen Spezifikationen als HE160 für 160 MHz, HE80 für 80 MHz und so weiter. Der Unterschied in der Praxis kann eklatant sein.

Deine Nachbarn

Ein weiterer Faktor, wie schnell dein WLAN am Ende ist, sind auch deine Nachbarn. Denn WLAN ist ein Shared Medium. Du teilst dir zwar nicht dein WLAN mit deinen Nachbarn, aber die Frequenzen. Und wenn deine Nachbarn bereits viel Datenverkehr über die Luft schicken bleibt für deinen Router weniger Kapazität. Mehr dazu haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zusammengestellt. Last not least sinkt übrigens auch die tatsächlich nutzbare Datenrate mit wachsender Entfernung zum Router.

Theorie und Praxis: Das liefert dein WLAN wirklich

WLAN-StandardDatenströmeKanalbandbreiteBeworbene Datenratetheoretische, tatsächliche maximale Datenrate
WLAN AX (WLAN 6)2x2160 MHz2400 Mbit/setwa 1440 Mbit/s
80 MHz1200 Mbit/setwa 720 Mbit/s
40 MHz600 Mbit/setwa 360 Mbit/s
20 MHz300 Mbit/setwa 180 Mbit/s
1x1160 MHz1200 Mbit/setwa 720 Mbit/s
80 MHz600 Mbit/setwa 360 Mbit/s
40 MHz300 Mbit/setwa 180 Mbit/s
20 MHz150 Mbit/setwa 90 Mbit/s
WLAN AC (WLAN 5)4x480 MHz1733 Mbit/setwa 860 Mbit/s
40 MHz800 Mbit/setwa 360 Mbit/s
20 Mhz347 Mbit/setwa 175 Mbit/s
3x380 MHz1300 Mbit/setwa 600 Mbit/s
40 MHz600 Mbit/setwa 300 Mbit/s
20 MHz289 Mbit/setwa 130 Mbit/s
2x2160 MHz1733 Mbit/setwa 860 Mbit/s
80 MHz866 Mbit/setwa 430 Mbit/s
40 MHz400 Mbit/setwa 200 Mbit/s
20 MHz173 Mbit/setwa 85 Mbit/s
1x1160 MHz866 Mbit/setwa 430 Mbit/s
80 MHz433 Mbit/setwa 215 Mbit/s
40 MHz200 Mbit/setwa 100 Mbit/s
20 MHz86 Mbit/setwa 40 Mbit/s
WLAN N (WLAN 4)4x440 MHz600 (64 QAM) oder 800 Mbit/s (256 QAM)etwa 240 (64 QAM) oder 320 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz288 Mbit/setwa 120 Mbit/s
3x340 MHz450 (64 QAM) oder 600 Mbit/s (256 QAM)etwa 180 (64 QAM) oder 240 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz216 Mbit/setwa 90 Mbit/s
2x240 MHz300 (64 QAM) oder 400 Mbit/s (256 QAM)etwa 120 (64 QAM) oder 160 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz144 Mbit/setwa 60 Mbit/s
1x140 MHz150 (64 QAM) oder 200 Mbit/s (256 QAM)etwa 60 (64 QAM) oder 80 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz72 Mbit/setwa 30 Mbit/s

Datenquelle: AVM

Wie finde ich heraus, wie schnell mein WLAN ist?

Ein wenig Know-how gehört dazu, um du erfahren, wie schnell die Kombination aus Router und Endgerät wirklich ist. Am einfachsten geht es, wenn du beispielsweise eine FritzBox von AVM als Router nutzt. In den aktuellen Versionen der Betriebssoftware siehst du in den WLAN-Einstellungen, mit welchen Parametern dein Endgerät gerade mit deinem Router verbunden ist.

Hier kannst du den WLAN-Standard, die Kanal-Bandbreite, die Anzahl der Datenströme und weitere Parameter wie das Frequenzband und Multi-User-MiMo ablesen. Auch eine Datenrate gibt die Fritzbox an. Es ist die Brutto-Datenrate.

WLAN-Angaben in der Fritzbox
WLAN-Angaben in der Fritzbox

An deinem Windows-PC kannst du in den Einstellungen den Netzwerkstatus aufrufen. Unter „Status“ und Eigenschaften siehst du dann die Verbindungsparameter.

Am Smartphone kannst du dir beispielsweise die Fritz!App WLAN installieren. Sie ist zwar von AVM, funktioniert aber auch mit anderen WLAN-Routern. Sie zeigt dir ebenfalls die Brutto-Datenrate an. Mit der Funktion „WLAN messen“ ermittelst du dann aber, wie leistungsfähig die Verbindung tatsächlich ist.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. In ihrem Artikel fehlt noch die Angabe wieviele Antennen ein Gerät gleichzeitig nutzen kann. Und ob Bluetooth eine dieser Antennen evtl auch exklusiv beansprucht, wenn es aktiviert ist.

  2. „Im konkreten Beispiel wird dein Messwert bei maximal 860 Mbit/s liegen.“
    Logisch, es gibt aktuell halt keine Endgeräte die mehr als 2 Antennen haben und damit begrenzt es halt auf 866 MBits/s. Liegt aber doch nicht am Router. Testet halt mit zwei Endgeräten.

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