Festnetzanbieter im Test: Dieser Anbieter schockt die Telekom

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Telekom gegen den Rest aus Deutschland. So lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen, was den großen Festnetz-Test der Fachzeitschrift "connect" ausmacht. Und hier gibt es jetzt zwei neue große Sieger. Die Telekom ist keiner von beiden.
Symbolbild Mensch telefoniert mit dem Festnetz
Im Festnetz-Test der Fachzeitschrift "connect" gab es 2020 neue Sieger.Bildquelle: Adobe Stock

Der große Festnetz-Test 2020 vom Fachmagazin „connect“ ist abgeschlossen. Und wie schon im Jahr 2019 hat überraschend nicht die Deutsche Telekom den Sieg geholt, sondern ein Wettbewerber. Für die Telekom besonders bitter: Obwohl der Vorjahressieger Unitymedia nach der Fusion mit Vodafone nicht mehr zur Wahl stand, konnte der Bonner Marktführer den Sieg trotzdem nicht einfahren. Stattdessen hat 1&1 die Telekom überflügelt, nachdem das Unternehmen aus dem Westerwald vor einem Jahr noch auf dem dritten Platz und damit hinter der Telekom gelandet war.

1&1 schlägt die Telekom – Das sind die Gründe

In der Endabrechnung der bundesweit operierenden Anbieter konnte sich 1&1 von den „connect“-Testern als Endnote ein „sehr gut“ abholen. Von 1.000 maximal möglichen Punkten kam 1&1 auf 902. Das waren 13 mehr als am Ende die Telekom für sich verbuchen konnte (889 Punkte, „sehr gut“). Auf dem dritten Platz landete im Jahr 2020 Telefónica Deutschland mit der Kernmarke O2. Und das nur knapp hinter der Telekom (882 Punkte, „sehr gut“).

Bei 1&1 lobten die Tester vor allem die kurzen Verbindungszeiten. Auch beim Highspeed-Internet habe der Provider, der gerade in Begriff ist, ein eigenes 5G-Netz in Deutschland aufzubauen, durch überragende Leistungen überzeugen können. Bei Web-Services (Aufruf von Internetseiten, Zugriff auf DNS- und Gaming-Server sowie Fotobuch-Uploads) erreichte 1&1 gemeinsam mit O2 die besten Leistungen. Nur bei den Crowdsourcing-Analysen, Messungen aus Nutzertests über die Breitbandmessungs-Apps der Bundesnetzagentur, waren die Ergebnisse nur befriedigend.

Kunden von der Deutschen Telekom können unterdessen von der besten Sprachqualität profitieren. Kein anderer Anbieter erreichte im Test bessere Werte. Entscheidende Punkte verlor die Telekom laut „connect“ bei Highspeed-Internetmessungen. Gut waren die Ergebnisse in der Crowdsourcing-Kategorie, durchwachsen bei den Web-Services.

Telefónica Deutschland (O2) konnte sich ebenso wie Vodafone im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Bei O2 sehen die Tester noch Verbesserungspotenzial beim Verbindungsaufbau und Sprachlaufzeiten sowie beim Crowdsourcing. Als herausragend beurteilt das Fachmagazin die Leistungen in der Kategorie Highspeed-Internet und bei den Web-Services. „Insbesondere die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten gezeigt, wie wichtig ein starkes und zuverlässiges Festnetz für jeden Kunden ist. Auf unser Netz ist Verlass – das zeigt das Testergebnis eindrucksvoll“, sagt Mallik Rao, Technikchef von Telefónica Deutschland.

Vodafone konnte im Test mit sehr guten Telefonie- und Internet-Leistungen überzeugen. Probleme machten zum Teil langsame Webseitenaufrufe und hohe YouTube-Antwortzeiten. Zudem machte ein getesteter Kabelanschluss bei Uploads Schwierigkeiten.

Nicht 1&1 hat das beste Festetz, sondern…

Feiern lassen darf sich aber nicht nur 1&1, sondern auch ein regionaler Anbieter: EWE. Denn EWE kommt mit insgesamt 909 Punkten auf ein noch besseres Gesamtergebnis als der große, namhafte Wettbewerber.

Das vor allem in Norddeutschland bekannte Unternehmen überzeugt nach Einschätzung der Tester nicht nur mit kurzen Verbindungsaufbau- und Sprachlaufzeiten, sondern trumpft auch in der Kategorie Highspeed-Internet auf und erzielt sehr gute Resultate bei den Crowdsourcing-Analysen. Bei den Web-Services zeigen sich jedoch lange Ladezeiten und langsame Gaming-Pings.

Auf den weiteren Plätzen der regionalen Anbieter landen Vorjahres-Regionalsieger M-net (906 Punkte, „sehr gut“), NetCologne (878 Punkte, „sehr gut“) und Pyur / Tele Columbus (773 Punkte, „gut“). M-net überzeugte mit den kürzesten Verbindungsaufbauzeiten des gesamten Tests und auch die Highspeed-Internet-Tests schnitten nach Urteil der Tester hervorragend ab. Schnelle Gaming-Pings inklusive. „Auch wenn es diesmal um Haaresbreite nicht zum Testsieg gereicht hat, freuen wir uns ungemein über dieses Topergebnis. Es bestätigt einmal mehr, wie gut wir technisch aufgestellt sind und wie stark unsere Anschlüsse performen“, sagt Hermann Rodler, Technischer Geschäftsführer von M-Net. Die vergleichbar schlechten Crowdsourcing-Ergebnisse schiebt M-Net auf langsamere ADSL-Leitungen in ländlichen Gebieten. „Der Fokus unserer Ausbaustrategie liegt klar auf Glasfaser“, erklärt Rodler.

NetCologne schneidet vor allem bei der Performance seiner Internetanschlüsse sehr gut ab. Crowdsourcing-Daten bescheinigen NetCologne so gute Werte wie bei keinem anderen der getesteten Anbieter. Tele Columbus – im vergangenen Jahr noch mit „befriedigend“ bewertet – bietet eine sehr hohe Performance bei Datentests. Allerdings kann Volllast dazu führen, dass die Download-Bandbreiten einbrechen.

So wurde getestet

Die „connect“ führte den neuen Festnetz-Test des Jahres 2020 erneut in Zusammenarbeit mit dem Netztestpartner zafaco durch. Dafür nahmen automatisierte Testsysteme in 52 Städten rund 3,9 Millionen Messungen von Telefonie, Datenübertragungen, Web-Services und Web-TV vor. Der Test fand zwischen dem 11. Mai und 7. Juni statt.

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5 KOMMENTARE

  1. Lustig, dass Crowdsurfing nicht höher bewertet wird. Ich denke, dass hier die wichtigeren Ergebnisse geliefert werden, gerade im Bezug auf die Surfgeschwindigkeit zu hohen Lastzeiten sind diese Werte wesentlich interessanter.

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