5G bei 1&1: Schwierige Verhandlungen 

3 Minuten
Seit Mittwochabend ist klar, dass sich bei United Internet das Geschäft weiter positiv entwickelt. Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch die Planungen zum Aufbau eines eigenen 5G-Netzes. Ein paar Einblicke dazu gewährte am Donnerstag Konzernchef Ralph Dommermuth im Rahmen einer Telefonkonferenz.
Ralph Dommermuth
Bildquelle: United Internet

Rückblick: Seit Mitte 2019 ist klar, dass 1&1 Drillisch, eine Tochtergesellschaft von United Internet, als vierter deutscher Mobilfunk-Netzbetreiber agieren möchte. Im Rahmen einer von der Bundesnetzagentur durchgeführten Frequenzauktion sicherte sich der Anbieter damals wertvolles Frequenzspektrum für den Aufbau eines eigenen 5G-Netzes in Deutschland. Doch vor 2021 ist mit dem tatsächlichen Aufbau eines eigenen Mobilfunknetzes nicht zu rechnen. Das machte Dommermuth am Donnerstag noch einmal deutlich.

United Internet muss hart um National Roaming verhandeln

Vor allem eine Sache gestaltet sich für United Internet als schwierig. Weil das Unternehmen als neuer Netzbetreiber in Deutschland nicht vom Start weg ein flächendeckendes Mobilfunknetz anbieten kann, ist es zumindest vorübergehend darauf angewiesen, auf ein anderes deutsches Netz zugreifen zu dürfen. Stichwort: National Roaming.

Entsprechende Verhandlungen mit der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland laufen aktuell, gestalten sich nach Angaben von Dommermuth aber „nicht leicht.“ Zwar seien kleine Fortschritte durchaus zu verzeichnen, doch „die drei Netzbetreiber haben es nicht eilig“, klagt der ehrgeizige Unternehmer und unterstreicht diese Aussage mit einem konkreten Datum: Ursprünglich hatte United Internet geplant, die Verhandlungen zum National Roaming bis Ende September 2019 abschließen zu können.

Was für Dommermuth auf der einen Seite höchst unzufriedenstellend ist, gestaltet sich aus Perspektive der etablierten Netzbetreiber als gar nicht mal ungewöhnlich. Zum einen dürften Telekom & Co. wenig Interesse daran haben, United Internet besonders schnell Zugriff auf die eigenen Netze zu gewähren. Außerdem sind natürlich auch finanzielle Fragen zu klären. Und da hat niemand der Beteiligten etwas zu verschenken. Hinzu kommt: Noch immer laufen nach Angaben von Dommermuth Klagen gegen die Auflagen zur eigentlich bereits abgeschlossenen Frequenzauktion. Ergebnis offen.

Appell: Mit gutem Willen ist viel möglich

Der United-Internet-Chef zeigte sich am Donnerstag aber trotzdem vorsichtig optimistisch, dass die Planungen für den 5G-Netzaufbau seines Unternehmens im Laufe des Jahres abgeschlossen werden können. Zwar müsse man noch an vielen Stellschrauben drehen, die neben der Frage der genauen Finanzierung wichtig seien, doch es könne in Bezug auf die laufenden Verhandlungen auch durchaus schnell gehen. Dommermuth appellierte in diesem Zusammenhang an den guten Willen seiner Wettbewerber.

Sollte wider Erwarten keine Einigung möglich sein, kann sich United Internet übrigens auf eine Art Schlichtungsverfahren verlassen. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, als Schiedsrichter das den 1&1-Wettbewerbern auferlegte Verhandlungsgebot zu überwachen. Wer sich nicht kooperativ zeigt, muss mit Sanktionen durch die Behörde rechnen.

Wer baut das 1&1-Mobilfunknetz?

Noch offen ist auch, mit welchem Ausrüster United Internet sein 5G-Netz in Deutschland aufbauen wird. Vorverhandlungen seien zwar schon abgeschlossen, doch konkrete Planungen seien erst möglich, wenn die wichtige Frage geklärt ist, auf welches Netz man im National Roaming zugreifen könne. „Wir sind noch nicht so weit, dass wir in die letzte Runde einsteigen können. Je nachdem wie die genauen Bedingungen sind, bauen wir ein unterschiedliches Netz“, führte Dommermuth weiter aus.

Finanziell wird United Internet allein mit Blick auf die Lizenzkosten der 5G-Frequenzen jährlich spürbar belastet. Für die ersteigerten 3,6-GHz-Frequenzen muss der Konzern aus dem Westerwald jedes Jahr bis 2030 61 Millionen Euro an die Bundesnetzagentur zahlen. Für die ersteigerten Frequenzen im 2-GHz-Bereich sind zwischen 2025 und 2030 pro Jahr 67 Millionen Euro zu zahlen.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL