Samsung Galaxy Note 10+ im Test: Huawei muss sich warm anziehen

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Die drei Kameras des Note 10+ haben unterschiedliche Brennweiten.Bildquelle: Blasius Kawalkowski
Das Samsung Galaxy Note 10+ ist 0,4 Zoll größer als sein Vorgänger. Mit einer Displaydiagonale von fast 7 Zoll begibt es sich somit an die Grenze zum Tablet-Land. Zudem gibt es das Note 10+ in mehreren Ausführungen: von der edlen Business-Version im schwarzen Glasmantel bis zur verspielten Variante mit blauem S-Pen und einer auffälligen Rückseite, die in Regenbogenfarben leuchtet wie Aufkleber in einem Stickeralbum aus den 90er Jahren. Doch was kann das Galaxy Note 10+ sonst noch? Und warum spart Samsung, trotz des hohen Preises, an vielen Stellen?

Fünf Kameras, 12 GB Arbeitsspeicher, 4.300 mAh und rund 4,4 Millionen organische Leuchtdioden bei einer Bildschirmdiagonalen von 6,8 Zoll: Mit dem Galaxy Note 10+ zeigt Samsung, was es aktuell im High-End-Segment abliefern kann. Doch günstig ist das Paket nicht. Die Koreaner verlangen mindestens 1.100 Euro. Der Hardware-Check gibt Aufschluss über die Leistung und Ausstattung des Note 10+.

Samsung Galaxy Note 10+ im Hardware-Test: So gut ist die Technik

Von Quad-Kamera über ein halbes TB Speicherplatz bis hin zum Exynos 9825, dem aktuellen Top-Prozessor aus Samsungs Halbleitersparte: Das Datenblatt des Spitzenklasse-Smartphones spuckt einige Superlative aus. Findigen Analysten und Vergleichern dürfte aber auch aufgefallen sein, dass der Smartphone-Hersteller aus Fernost auf einige technische Finessen verzichtet. Allen voran: Das Galaxy Note 10+ ist das erste Modell der Galaxy-Note-Reihe, dem ein Klinkenanschluss fehlt. Als einer der letzten Hersteller im Premium-Segment schmeißt nun also auch Samsung hin und setzt auf Ton aus der USB-C-Dose.

Samsung Galaxy Note 10+
Samsung Galaxy Note 10+
Software Android 9.0
Prozessor Exynos 9825
Display 6,8 Zoll, 1.440 x 3.040 Pixel
Arbeitsspeicher 12 GB
interner Speicher 1.000 GB
Hauptkamera 5312x2988 (15,9 Megapixel)
Akku 4.300 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung IP68 (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 198 g
Farbe Schwarz (Aura Black), Weiß (Aura White), Aura Glow
Einführungspreis Galaxy Note 10+ (512 GB): 1199 €, Galaxy Note 10+ (256 GB): 1099 €
Marktstart 23. August 2019

Kam das Galaxy S10+ noch mit zwei Kameras auf der Vorderseite in die Hände des Narzissten, setzt Samsung beim Note 10+ den Rotstift an. Sowohl ein zweites Objektiv als auch der Irisscanner wurden über Bord geworfen. Ebenfalls verschwunden: der Bixby-Button. Das jedoch dürfte vielen Nutzern in die Karten spielen, war und ist die assistierende Software-Lösung der Koreaner doch nicht sonderlich beliebt. Stattdessen rückt der Ein- und Austaster an seine Stelle und macht die rechte Flanke frei. Somit greift man anfangs ziemlich oft ins Leere, wenn man das Smartphone sperren möchte.

ModellBenchmark-Wert
AnTuTu
Benchmark-Wert
Geekbench
Akkutest GFX-Bench
(Displaytime-Minuten, hochgerechnet)
Samsung Galaxy Note 10+347.948Multi-Core: 10.465
Single-Core: 4.559
424,2
Samsung Galaxy S10322.666Multi-Core: 10.437
Single-Core: 4.524
285,3
Google Pixel 3a158.175Multi-Core: 5.182
Single-Core: 1.639
348,3
Referenz-Modelle
OnePlus 7 Pro373.849Multi-Core: 10.929
Single-Core: 3.428
258,5
Motorla Moto G7 Power258.397Multi-Core: 4.460
Single-Core: 1.242
423,5

Das Display des Galaxy Note 10+ gehört zu den besten, die ein Hersteller derzeit in ein Smartphone einbauen kann. Nur aufgrund der hohen Referenz von Sony (das Xperia 1 löst Inhalte in 4K auf) lässt das Note 10+ ein paar Zähler liegen.

Die Hardware-Wertungen im Einzelnen:

  • Design und Verarbeitung: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung und Leistung: 4,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 5 von 5 Sternen
  • Software und Multimedia: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 5 von 5 Sternen

Galaxy Note 10+ im Test: Die Stärken und Schwächen des High-End-Smartphones

Die Performance wurde mittels des Benchmark-Tests von AnTuTu in der Version 7.2 gemessen. Und hier landet das Galaxy Note 10+ mit 347.948 Punkten auf dem zweiten Platz hinter dem OnePlus 7 Pro – wenn man ausschließlich den Android-Markt als Lehre benutzt. Das iPhone XS Max und das iPhone XR quetschen sich bei der Gesamtbetrachtung allerdings auch noch dazwischen.

Samsungs Sparmaßnahmen greifen auch beim Akku. Bot man beim Galaxy S10, S10+ und S10e noch das sogenannte Wireless PowerShare an, hat man diese Funktion beim Note 10+ weggelassen. Hinter der englischen Bezeichnung versteckt sich die Möglichkeit, andere Geräte wie Wearables oder auch Smartphones kabellos aufzuladen. Vielleicht hat Samsung festgestellt, dass kaum jemand diese Funktion des rückwärtigen Ladens nutzt. Vielleicht wurde der Platz im Inneren aufgrund des S-Pens aber auch knapp. Ersteres jedoch erscheint wahrscheinlicher.

5 Kameras und der Kampf mit Huawei um die Pole Position

Hinsichtlich der Kameraausstattung zieht Samsung mit der Konkurrenz gleich. Auf der Rückseite finden Hobbyfotografen insgesamt vier Kameras – drei davon sind für die Aufnahme von Bild und Video zuständig, eine dient ausschließlich zur Tiefenmessung (ToF). Dabei adaptiert Samsung das, was der Markt diktiert: ein Weitwinkel-, ein Ultraweitwinkel- und ein Teleobjektiv decken einen hohen Brennweitenbereich ab. Die Südkoreaner erledigen ihren Job allerdings so gut, dass auch die Kameraexperten von DxOMark das Galaxy Note 10+ vor dem Huawei P30 Pro sehen. In der Praxis äußert sich das unter anderem in einer natürlicheren Farbgebung sowie einer wesentlich schlichteren und realitätstreueren Nachbearbeitung durch die Software. Darüber hinaus sind die Fotos schärfer – insbesondere an den Rändern.

Foto aufgenommen mit der Telekamera des Galaxy Note 10+

Beim Vergleich der Frontkameras wird der Unterschied noch deutlicher. Während das Huawei 30 Pro matschige und unscharfe Selfies abliefert, sobald man das Smartphone etwas näher ans Gesicht hält, wirken die Fotos, die der Sensor des Note 10+ aufnimmt im Vergleich überirdisch. Selbst bei schwierigen Bedingungen mit Gegenlicht kann die Frontkamera des Samsung-Flaggschiffs überzeugen.

Selfie-Vergleich: Links Samsung Galaxy Note 10+ und rechts Huawei P30 Pro

Haptik und Design des Galaxy Note 10+

Samsungs Note-Reihe stand in den vergangenen Jahren für kantiges und schweres Design. Das verändert sich mit dem Note 10+. Die Größe des Smartphones ist immer noch beeindruckend; die Display-Diagonale von 6,8 Zoll spürt man in der Hand deutlich. Die Rahmen um den Bildschirm jedoch sind im Gegensatz zu den Vorgänger-Generationen geradezu zierlich. Der Silber-glänzende Rahmen (bei der schwarzen Version eher dunkelgrau) hat spielerische Radien und lässt das große Gerät ohne markante Kanten in der Hand versinken.

Umwickelt man das Galaxy Note 10+ nicht mit einer Hülle, wird man die flache Bauweise mögen. Die Nervenenden in den Fingern übermitteln dem Gehirn das Gefühl von Glas. Soweit nichts Neues im Jahr 2019. Die „Aura Glow“-Ausgabe des Note 10+ zeigt jedoch, dass Samsung auch bei High-End in Kombination mit Business verspielt sein kann.

Auffällig ist die Anordnung der Tasten. Will man das Smartphone in den Standby-Modus versetzen, findet der Daumen der rechten Hand keinen Anhaltspunkt geschweige denn den zuständigen Taster. Das mag zunächst fremd erscheinen, dürfte aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase völlig normal werden. Das Note 10+ ist ohnehin kein Gerät für die Einhandbedienung.

Der S-Pen – das Zünglein an der Waage

Zu Beginn des Jahres gab es Gerüchte, die dem S-Pen des Galaxy Note 10+ eine integrierte Kamera nachsagten. Daraus ist aber nichts geworden. Vielleicht ja beim Galaxy Note 11. War die Entwicklung des Stiftes beim Galaxy Note 9 noch revolutionär, gibt es aktuell nur wenig Neues. In der vergangenen Generation machte Samsung den S-Pen Bluetooth-fähig. Somit kann der Stift als Fernauslöser für die Kamera oder als Fernbedienung für Spotify fungieren.

Nach wie vor gilt: Der Stylus macht schon bei der herkömmlichen Bedienung Sinn und verbessert die Präzision, insbesondere bei der Navigation in Texten mit kleiner Schrift sowie bei Grafikaufgaben oder Bildbearbeitung. Hinzu kommen die hauseigenen und auf den Stift optimierten Apps zum Einsatz. Sie erscheinen, sobald der Stift aus seinem Schacht hervorgeholt wird und umfassen Notizen, Screenshot-Optionen, Live-Nachrichten und eine Übersetzungs-Funktion, bei der ein Text mit dem Stift markiert und daraufhin in einer anderen Sprache ausgegeben wird. Eine weitere Produktivitätshilfe ist die Notiz-Funktion auf dem Sperrbildschirm. Stift raus, schreiben, speichern und die Notiz ist hinterlegt.

Per Geste zum Ziel?

Neu ist die Gestensteuerung. Samsung nennt sie S Pen Actions. Die bereits beschriebene Fernsteuerung wird damit erweitert. Nun lassen sich Fotos mit einem Klick auf die Taste des S-Pens nicht nur aufnehmen. Hält man den Taster gedrückt und bewegt den Stift von oben nach unten, lässt sich beispielsweise von der Rück- auf die Frontkamera umschalten. Bei einer drehenden Handbewegung wird – je nach Richtung – hinein- oder herausgezoomt.

Samsung Galaxy Note 10+ im Test – das Fazit

Vor einem Jahr hieß es hier bei inside digital: Samsung Galaxy Note 9 im Test: Besser geht’s nicht. Das galt zum damaligen Zeitpunkt. Dass es besser geht, zeigt Samsung mit dem Galaxy Note 10+. Unnötige Funktionen wie das umgekehrte kabellose Laden und der Bixby-Button wurden gestrichen. Dafür haben die Koreaner hinsichtlich der Kameraausstattung aufgerüstet. Und zwar so, dass das Note 10+ aus dem Stand die höchste Marke überspringt und die Latte höher legt.

Einige dürften der zum Opfer gefallenen Klinkenbuchse nachtrauern. Bluetooth in der Version 5.0 aber erlaubt – entsprechende Kopfhörer vorausgesetzt – einen ebenfalls guten Klang bei der Musikwiedergabe. Schade für all diejenigen, die ein paar gute Kopfhörer mit Klinke besitzen, ist, dass Samsung keinen Adapter dem Lieferumfang beilegt. Ein Cent-Artikel, der so manchem einen weiteren Kauf erspart hätte.

Der Akku des Galaxy Note 10+ machte im Test eine hervorragende Figur, was der GFX-Benchmark-Test bestätigte. Ebenfalls überragend: der Ton bei der Wiedergabe über die Bordlautsprecher. Der Sound wird nicht nur am unteren Ende des Smartphones durch einige längliche Bohrungen im Rahmen gepresst. Nein, auch das Display ist ein Lautsprecher.

Pro

  • Überragendes Display
  • Aktuell beste Kameraausstattung
  • Hervorragende Akkulaufzeit
  • Brillanter Ton

Contra

  • Kein Klinkenanschluss mehr
  • Adapter von USB-C auf Klinke nicht beiliegend
  • Nur Hybrid-Fach statt Slot für 2 SIM- und eine MicroSD-Karte

Galaxy Note 10+ kaufen

Das Galaxy Note 10+ gibt es in drei Versionen: Alle haben 12 GB Arbeitsspeicher. Hinzu kommen wahlweise 256 (1.099 Euro) oder 512 GB Speicher (1.199 Euro). Das dritte Modell kommt mit dem Mobilfunkstandard der Zukunft: 5G. Während die ersten beiden Varianten Dual-SIM-fähig sind, unterstützt das 5G-Note nur eine SIM-Karte. Wer über eine Anschaffung eines Note 10+ mit 5G nachdenkt: Noch lohnt sich die Investition nicht, da es momentan kein flächendeckendes 5G-Netz gibt. Man kann getrost auf die nächste Note-Generation warten, bis es so weit ist.

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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

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1 KOMMENTAR

  1. „…auch das Display ist ein Lautsprecher.“ Bedeutet dies dass kein klassischer Lautsprecher den Gespächston ans Ohr des Hörers ausgibt sondern dass dies mittels Knochenschall-Technik geschieht? Gigaset hatte das ja schonmal versucht, mit eher schlechtem Ergebnis. Wie ist der Telefonie-Klang beim Note 10?

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