Realme 8 Pro im Test: Konkurrenz für Xiaomi und Co. im Anmarsch – oder?

8 Minuten
108-Megapixel-Kamera, ausdauernder Akku und neueste Anschlüsse für weniger als 300 Euro. Realme will es mit dem 8 Pro zeigen. Kann dieses Preis-Leistungs-Verhältnis auch in der Praxis funktionieren? Das klärt der Test.
Realme 8 Pro von hinten auf einem Holztisch
Realme 8 Pro offiziell vorgestelltBildquelle: Simone Warnke/inside digital

Ein neuer Hersteller drängt auf den deutschen Markt: Realme. Das chinesische Startup tritt in die Fußstapfen von Huawei, Xiaomi und Co. und will sich derzeit vor allem mit günstigen Preisen Aufmerksamkeit verschaffen. Es ist schon längst kein Geheimnis mehr, dass gute Smartphones kein Vermögen kosten müssen. So auch das Realme 8 Pro, das neue Aushängeschild des Herstellers. Doch was hat das 8 Pro auf dem Kasten?

Realme 8 Pro: Diese Technik steckt drin

War das Design bei den Vorgängern mit Glasrückseite und schmaler Kamerafassung vielmehr Massenware, will man sich mit dem 8 Pro von der Konkurrenz absetzen. Der Werbeslogan „Dare to Leap“ druckt Realme in Großbuchstaben auf die Rückseite und platziert dem gegenüber eine große, quadratische Kameraaussparung. Darin sitzen vier einzelne Objektive, die leicht aus dem Gehäuse herausstehen. Anstelle von Glas kommt beim neuen Spitzenmodell nun Kunststoff mit Diamantschliff zum Einsatz. Neben Schwarz kannst du das Realme 8 Pro auch in Blau oder Gelb ergattern.

Realme Realme 8 Pro
Realme 8 Pro Front
Software Android 11
Prozessor Qualcomm Snapdragon 720G
Display 6,4 Zoll, 1.080 x 2.400 Pixel
Arbeitsspeicher 6 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 12032x9024 (108,6 Megapixel)
Akku 4.500 mAh
induktives Laden
USB-Port 3.1 Typ C
IP-Zertifizierung
Gewicht 176 g
Farbe Schwarz, Blau, Gelb
Einführungspreis 279 €
Marktstart 31. März 2021

Ein Blick unter die Haube offenbart teils ältere Bauteile, die laut Hersteller vor allem eins sein sollen: nützlich. Aktualität ist in diesem Fall also zweitrangig. Somit treibt der Qualcomm Snapdragon 720G aus dem Frühjahr 2020 das Realme 8 Pro an, wodurch Realme dem Nutzer die Chance auf 5G verwehrt. Der Achtkerner kommt auf eine Taktrate von bis zu 2,3 GHz und kann Prozesse in einen 6 respektive 8 GB großen Arbeitsspeicher auslagern. Intern fasst der Speicher 128 GB, kann allerdings mittels microSD-Karte um bis zu 256 GB aufgestockt werden.

Darüber hinaus besitzt das Smartphone ein Super-AMOLED-Display mit einer Display-Diagonale von 6,4 Zoll sowie Full-HD-Auflösung. Abstriche müssen Nutzer in puncto Bildwiederholungsrate machen, denn die liegt bei 60 Hz und kann nicht verändert werden. Neben einem 4.500 mAh starken Akku kann das Realme 8 Pro letztlich einen USB-C-Anschluss, eine echte Dual-SIM-Option, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse und Bluetooth 5 sein Eigen nennen. Softwareseitig ist Android 11 in Kombination mit dem eigenen UI Realme 2.0 installiert. So viel zur Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Das schauen wir uns an – vor allem mit dem Blick auf die Quad-Kamera.

  • Hardware-Bewertung im Überblick
    • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
    • Display: 4 von 5 Sternen
    • Ausstattung: 3 von 5 Sternen
    • Kamera: 3 von 5 Sternen
    • Software: 4 von 5 Sternen
    • Akku: 3,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen

Tops und Flops des Realme 8 Pro

108-Megapixel-Kamera – und was noch?

Das offensichtliche Highlight des Realme 8 Pro ist die Quad-Kamera mit der 108-Megapixel-Hauptkamera. Deswegen die harten Fakten auf einen Blick:

  • Hauptkamera mit 108 Megapixeln, f/1.8 Blende, PDAF, Samsung HM2-Sensor
  • Ultraweitwinkelkamera mit 8 Megapixel, f/2.25 Blende, 119 Grad Blickwinkel
  • Makrokamera mit 2 Megapixeln, f/2.4 Blende, 4 cm Distanz
  • Schwarz-Weiß-Kamera mit 2 Megapixeln, f/2.4 Blende
  • Frontkamera mit 16 Megapixeln, f/2.45 Blende, Sony IMX471 Sensor, AI-Unterstützung

Realme nutzt den HM2-Sensor von Samsung, das Nachfolgemodell des Sensors, der unter anderem in der Galaxy-S20-Serie verbaut ist. Auch das Konkurrenzmodell Xiaomi Redmi Note 10 Pro arbeitet beispielsweise mit der Lösung von Samsung. Dabei arbeitet das Realme 8 Pro mit Pixel-Binning, es rechnet also neun Pixel zu einem zusammen. Dadurch soll das Objektiv mehr Licht einfangen können, in erster Linie unter schwierigen Lichtbedingungen. Im Vergleich zum Vorgänger Realme 7 Pro sollst du so auch den Sternenhimmel besser fotografieren können.

Die Quad-Kamera des Realme 8 Pro im Detail
Was kann die 108-Megapixel-Hauptkamera?

Neben den technischen Bauteilen will Realme zusätzlich mit allerhand Software auftrumpfen. So soll das Modell beim Zoom mit einem 3-fachen Ultra-Zoom mit  Digitalkameras sowie einem optischen Zoom mithalten können. Auch ein Tilt-Shift-Modus und der Dual-Video-View ist mit an Bord. Aktivierst du letzteren, kannst du sowohl die Front- als auch Hauptkamera zur Videografie nutzen.

Quad-Kamera: Das läuft gut…

Standardmäßig ist in der Kamera-App nicht die 108-Megapixel-Auflösung eingestellt, sondern 12 Megapixel per Pixel-Binning. Sie muss im Menü aktiviert werden. Den Unterschied zwischen Standard- und „Highend“-Kamera offenbart sich in erster Linie im Detail: Fotos, die mit 12 Megapixeln geschossen wurden, verlieren vor allem in der Tiefe schnell Schärfe. Details verpixeln. Da kann die 108-Megapixel-Auflösung mehr aus dem Motiv holen und auch beim hineinzoomen in das Bild Konturen bewahren. Farben fängt das Realme 8 Pro natürlich ein.

Der Nachtmodus beziehungsweise Sternenmodus will Realme optimiert haben. Fotografierst du den Himmel im normalen Modus, siehst du wenig überraschend fast nichts. Der Sternenmodus kann hier ein wenig Licht ins Dunkel bringen und ein paar Sterne ablichten – sofern welche zu sehen sind. Das Rauschen und der Detailverlust aufgrund der Dunkelheit nehmen jedoch ebenfalls zu. Ähnlich wie beim Realme 7 Pro, kann die Makrokamera ebenfalls beim Nachfolger überzeugen. An den Nahaufnahmen gibt es im Prinzip nichts zu beanstanden – es sei denn, die Beleuchtung ist schlecht.

Drei Mal den Nachthimmel am Rande eines Daches fotografiert.
Rechts: Sternenmodus; Mitte: Standardeinstellung; Links: Nachtmodus

Selfie-Fans kommen mit der 16-Megapixel-Kamera auf der Front auf ihre Kosten. Die Fotos sind detail- und farblich kontrastreich. Der Porträtmodus kreiert ein nettes Bokeh, schafft es aber nicht, kleine Einzelheiten – wie etwa Haare – vernünftig auszuarbeiten.

…und das läuft schlecht

Zwei Objektive sind noch übrig, unter anderem das Ultraweitwinkelobjektiv. Das verschafft dir einen größeren Blickwinkel – und das war es auch schon. Die Fotos wirken ein wenig unausgegoren, vor allem an den Rändern verzerrt. Je nach Lichteinfall sehen die Farben auf dem Foto matt aus und die Schärfe nimmt ab. Das Vierte im Bunde, das Schwarz-Weiß-Objektiv, ist vielmehr eine Spielerei und unterstützt die Fotografie nicht merklich.

Beim Zoom hält Realme an der digitalen Version fest, will aber laut eigenen Aussagen trotzdem auf dem Niveau einer Digitalkamera liegen. Das lässt sich nicht bestätigen: Zoomt man nur fünffach an ein Objekt heran, ist das Ergebnis noch überraschend gut. Alles, was darüber hinaus geht, produziert nur noch eine breiige Pixelmasse.

Der Akku hält sein Versprechen – aber…

Auch der 4.500 mAh große Akku sticht aus den technischen Spezifikationen des Realme 8 Pro heraus. Realme verspricht ein besseres Energiemanagement, das einerseits durch mehrere Akku-Zellen geschehen soll. Andererseits kommt das Smartphone mit der 50 Watt SuperDart Charge-Schnellladetechnik, mit der das Gerät innerhalb von 17 Minuten 50 Prozent geladen werden können soll. Zusätzlich sind weitere Modi in den Einstellungen zur Akkueinsparung zu finden.

Tatsächlich kann sich das Realme 8 Pro als Spitzenreiter von anderen, von uns getesteten Smartphones absetzen – zum Beispiel deutlich vor das Samsung Galaxy S21 Ultra oder auch das OnePlus 9 Pro. Die Akkulaufzeit, die wir mit der App PCMark ermittelt haben, beträgt rund 16 Stunden – ein Top-Wert. Im Vergleich: Das Galaxy S21 Ultra kam mit einem 5.000 mAh großen Akku im Test auf nur 9,5 Stunden Laufzeit. Die Ausdauer bestätigt sich auch im Alltag.

Enttäuschend ist dagegen allerdings die SuperDart Charge-Schnellladetechnik mit 50 Watt. Und das, obwohl ein 65W-Netzteil beiliegt. Anstatt 50 Prozent schafft das Smartphone innerhalb von 17 Minuten nur 40 Prozent Akkuladung aufzuladen. Ist das 8 Pro gänzlich entleert und muss vollständig aufgeladen werden, braucht es über eine Stunde. Schnell ist anders.

Leistung und Performance entpuppen sich als Enttäuschung

Was als nützlich bezeichnet wird, zeigt sich in der Praxis in Kombination mit anspruchsvollen Bauteilen als Flop. Im Falle des Realme 8 Pro ist das der Snapdragon 720G. Obgleich der Mittelklasse-Chip von Qualcomm keinesfalls schlecht ist und für den alltäglichen Gebrauch ausreicht, macht sich beim Realme-Smartphone eine gewisse Trägheit bemerkbar. Vor allem bei der 108-Megapixel-Kamera. Nutzt man sie, muss man sich auf längere Ladezeiten einstellen – sowohl beim Öffnen der Kamera als auch bei der Verarbeitung der Bilder. Auch bei der Installation von Apps oder beim Laden von 3D-Spielen gerät das Realme 8 Pro immer wieder ins Stocken.

Realme 8 Pro mit aktivem Display auf einem Holztisch
Das 6,4 Zoll große Display des Realme 8 Pro

Die normale Bedienung – sprich das Scrollen durchs Menü, Internetseiten und Ähnliches – läuft aber flüssig.

Fazit: Massenware zum kleinen Preis

Am Ende bleiben gemischte Gefühle bestehen, wenn man über das Realme 8 Pro nachdenkt. Präsentiert der Hersteller sein neues Spitzenmodell als Revolution, kann es auf den ersten Blick noch überzeugen. Auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch einige Schwächen. Dazu zählen etwa die deutlich spürbare Trägheit des Prozessors, der einigen Aufgaben – wie der Kamera – nicht gewachsen zu sein scheint. Realme spart im Detail und verwehrt dem Nutzer letztlich nicht nur 5G, sondern unter anderem auch ein Display mit schnellerer Abtastrate.

Nichtsdestotrotz kann das ausgesprochene Highlight – die Kamera – ihr Versprechen halten und liefert im Vergleich bessere Fotos. Auch die Frontkamera sowie die Software machen im Alltag Spaß. Der Akku ist ein absoluter Dauerbrenner und versorgt dich mindestens über zwei Tage lang mit Strom, ohne dass das Realme 8 Pro aufgeladen werden muss.

Realme schafft in der U-300-Euro-Preisklasse letztlich einen starken Konkurrenten für Hersteller wie Xiaomi, Oppo und Co. Für Otto-Normal-Verbraucher ist das Realme 8 Pro ein zuverlässiger Begleiter, der summa summarum ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Fakt ist aber auch: Wer auf die 108-Megapixel-Kamera verzichten kann, wäre mit dem Realme 7 Pro genauso gut bedient.

Das spricht für das Realme 8 Pro

Testsiegel Realme 8 Pro
  • gute Kamera
  • günstiger Preis
  • ausdauernder Akku
  • Platz für drei Karten (2x SIM- und 1x microSD-Karte)

Das spricht gegen das Realme 8 Pro

  • stolpernde Performance
  • billige Haptik
  • einige Abstriche im Detail
  • kein 5G
  • keine IP-Zertifizierung

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