OnePlus 9 im Test: Top-Smartphone für unter 700 Euro?

6 Minuten
Ein Smartphone der Spitzenklasse für 699 Euro? Das will OnePlus mit dem OnePlus 9 schaffen. Doch kann das gelingen? Und welche Opfer muss man im Vergleich zum OnePlus 9 Pro bringen? Der Test deckt die Schwächen auf.
OnePlus 9
OnePlus 9 im Test: Top-Smartphone für unter 700 Euro?Bildquelle: Blasius Kawalkowski

Neben dem OnePlus 9 Pro hat OnePlus auch ein Flaggschiff Light vorgestellt. So werden auf den ersten Blick die Unterschiede und möglichen Nachteile des OnePlus 9 gegenüber der Pro-Version womöglich gar nicht deutlich. Doch ein Vergleich lohnt sich. Denn das OnePlus 9 ist mit rund 700 Euro zwar 200 Euro günstiger als sein professioneller Kumpan. Doch dafür muss es letztlich irgendwo Abzüge geben. Schauen wir uns mal die Technik im Detail an.

OnePlus 9 Pro im Test: Das beste Android-Smartphone des Jahres?

Die Hardware des OnePlus 9 im Test

Das OnePlus 9 besitzt ein 6,55 Zoll großes AMOLED-Display, das mit 1.080 x 2.400 Pixel auflöst. Somit lassen sich Filme in Full-HD-Qualität ansehen. Die Bildwiederholfrequenz beträgt 120 Hz, was flüssigere Bildläufe ermöglicht. Was den Chipsatz angeht, setzt OnePlus auf High-End. Zum Einsatz kommt der Snapdragon 888 von Qualcomm, dem – je nach Modell – 8 oder 12 GB Arbeitsspeicher zur Seite stehen. In der günstigeren Version bietet das OnePlus 9 einen internen Speicher von 128 GB, die teurere Variante hat 256 GB. Eine Erweiterung des Datendepots via microSD-Karte ist unmöglich.

Darüber hinaus besitzt das OnePlus 9 drei Kameras, und einen 4.500-mAh-Akku, der sich per Warp Charge binnen einer halben Stunde von 0 auf 100 Prozent füllen soll. Ob Bluetooth 5.2 inklusive aptX, 5G oder WLAN ax – hinsichtlich der Verbindungsstandards gibt es fast nichts auszusetzen. Wer noch mehr Daten braucht, schaut in unser Datenblatt des OnePlus 9. Die Bewertung im Einzelnen:

  • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4 von 5 Sternen
  • Kamera: 4,5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 4 von 5 Sternen
  • Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen

Das Design: genial einfach und doch besonders

Wie das Pro-Modell bringt OnePlus auch das normale 9er in drei Varianten in den Handel. Als Käufer hast du die Wahl zwischen den Farben Schwarz, Hellblau und eine Art Helllilablausilber mit Rotstich – OnePlus nennt es „Winter Mist“, ungeachtet dessen, was der deutsche Käufer dabei versteht. Während ebendiese und die schwarze Version eine glänzende Rückseite aufweisen ist das hellblaue Modell matt. Es ist deutlich, dass OnePlus auch dieses Jahr hinsichtlich des simplen und zugleich genialen Designs auf Zurückhaltung setzt. Poppige Farben waren bei den Chinesen noch nie angesagt. Vielmehr legt man Wert auf die Beschaffenheit und die Haptik. Schade ist, dass es das OnePlus 9 nicht, wie sein Pro-Pendant, mit einer sandartigen Rückseite gibt.

Eine der Farben des neuen OnePlus-Smartphones
Eine der Farben des neuen OnePlus-Smartphones

Die Kameras des OnePlus 9

Zur Kamera-Ausstattung des OnePlus 9 gehören drei Kameras auf der Rückseite und ein Objektiv an der Front. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Die dritte Kamera unter dem Weitwinkel- und Ultraweitwinkelobjektiv ist nur für die Tiefenschärfe und einen unscharfen Hintergrund verantwortlich. Dem OnePlus 9 fehlt demnach ein Teleobjektiv. Der Zoom erfolgt also ausschließlich digital. Doch dieser kann sich sehen lassen, wie das folgende Bild zeigt.

Fotos gemacht mit dem OnePlus 9
Ultraweitwinkel, Weitwinkel und Digitalzoom des OnePlus 9

Zwar hat das OnePlus 9 keine dedizierte Makro-Kamera. Es lassen sich aber dennoch fantastische Nahaufnahmen machen. Die Schärfe ist ebenso beeindruckend wie die realitätsgetreuen Farben. Viel Licht ist jedoch für rauscharme Bilder notwendig.

Foto gemacht mit dem OnePlus 9
Makroaufnahme

Beim Porträt-Modus ist viel Licht noch wichtiger. Wer in Innenräumen mit Glühlampenlicht Menschen ablichten will, der muss mit Farbrauschen und Unschärfe leben. Vor allem dann, wenn die Person nicht stillsteht, sondern etwa ein spielendes Kind ist. Unser Tipp: Auf den Porträt-Modus verzichten und die „normale“ Hauptkamera nutzen.

Die Hasselblad-Farben und was das Display damit zu tun hat

Die Besonderheit der beiden diesjährigen OnePlus-Smartphones ist die Kooperation mit Hasselblad. Das schwedische Unternehmen wurde 1841 gegründet und gehört zu den besten Kamera-Herstellern der Welt. Für viele Profi-Fotografen führt kein Weg an den Kameras von Hasselblad vorbei. Dass OnePlus bei seinen Top-Smartphones schon seit jeher viel Wert auf qualitativ hochwertige Kameras gelegt hat, ist bekannt. Mit Hasselblad als Kooperationspartner will man die Qualität noch einmal höher schrauben. Allerdings liefert Hasselblad keine Hardware-Komponenten wie Linsen oder gar ein ganzes Objektiv. Vielmehr liefern die Kamera-Experten beim OnePlus 9 eine softwareseitige Farbkalibrierung, die Fotos natürlichere Farben verleihen soll. Erst in den nächsten Smartphone-Genrationen soll Hasselblad in die Hardware-Entwicklung einsteigen und Linsenstandards und optische Systeme liefern.

Drei Kameras, von denen zwei Fotos machen können
Drei Kameras, von denen zwei Fotos machen können

Der Test zeigt: Während die Software hinsichtlich der Farben bei anderen Herstellern oft übertriebt, bleibt beim OnePlus 9 alles natürlich – auch bei Aufnahmen im Nachtmodus. Sollten dir die Farben trotzdem zu intensiv erscheinen, liegt das an der Einstellung des Displays. Im Menü kannst du unter „Display“ und „Erweitert“ bei der Bildschirmkalibrierung die Farben von „Lebendig“ auf „Natürlich“ umschalten und schon siehst du auf Fotos ein Abbild der Realität.

Toll ist auch, dass Bilder, die mit dem Ultraweitwinkelobjektiv entstehen, zu den Rändern hin scharf bleiben. Auch hier haben andere Hersteller von Top-Smartphones deutlich mehr Probleme. Fotos, die etwa mit der Ultraweitwinkelkamera des Samsung Galaxy S21 Ultra entstehen, zeigen an den Rändern eine deutliche Unschärfe.

Ultraweitwinkel und Weitwinkelaufnahme mit Nachtmodus
Ultraweitwinkel und Weitwinkelaufnahme mit Nachtmodus

Die Akkulaufzeit und die blitzschnelle Aufladung

Einen Tag ohne Stromquelle – das schafft das OnePlus 9. Mehr aber nicht unbedingt. Im Test, den wir mit der Anwendung von PCMark durchführten, kam das Smartphone auf eine praxisnahe Laufzeit von gut 10 Stunden. Das heißt, dass du 10 Stunden das Gerät aktiv nutzen kannst, ehe du es wieder aufladen musst. Und hier erlebst du ein wahres Wunder. Innerhalb von nur 15 Minuten am Ladegerät ist der Akku des OnePlus 9 Pro von 0 auf 63 Prozent seiner Kapazität aufgeladen. In 30 Minuten ist der zuvor komplett leere Akku wieder bei 100 Prozent. Ein Schlag ins Gesicht aller Nutzer von Spitzenmodellen wie dem Samsung Galaxy S21 oder Apple iPhone 12, die anderthalb Stunden warten müssen, bis ihre Akkus voll sind.

Unterschiede gegenüber dem OnePlus 9 Pro

Mit 699 Euro ist das OnePlus 9, das am 26. April in den Handel kommt, 200 Euro günstiger als das Pro-Modell. Dafür muss man als Käufer aber auch einige Abstriche machen. Das günstigere OnePlus-Smartphone ist beispielsweise nicht wasserdicht. Zudem fehlt dem OnePlus 9 eine Telekamera. Der Zoom erfolgt hier also ausschließlich digital. Ein weiterer vermeintlicher Nachteil: Das Display ist an den Kanten flacher und nicht so abgerundet wie das des OnePlus 9 Pro. Zudem ist die Auflösung minimal niedriger, liegt aber dennoch auf einem vollkommen ausreichendem Niveau.

Das Display des OnePlus 9
Das Display des OnePlus 9

OnePlus 9 im Test: das Fazit

Bekommt man mit dem OnePlus 9 ein Top-Smartphone für unter 700 Euro? Nicht ganz. Das Gerät spielt zweifelsfrei in der Oberklasse mit. Vor allem die Warp-Charge-Aufladung macht Eindruck. Und auch die beiden Kameras liefern eine gute, wenn auch nicht überragende Leistung ab. Wer den Aufpreis von 200 Euro für die Pro-Version aber in Kauf nimmt, bekommt hier und da noch ein bisschen mehr. Merkt man das aber im Alltag? Vermutlich nicht.

Pro

OnePlus 9 Testsiegel
  • Turboaufladung: von 0 auf 100 Prozent in 30 Minuten
  • Schnellladegerät im Lieferumfang
  • Gute Weit- und Ultraweitwinkelkamera
  • Schneller Prozessor
  • Tolles Display

Contra

  • Keine Speichererweiterung
  • Größte Speichervariante nur mit 256 GB
  • Teleobjektiv fehlt
  • Nicht wasserdicht

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