Netflix prüft radikale Änderung: Nutzerschwund hat Konsequenzen

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Rückläufige Nutzerzahlen, ein stark gefallener Aktienkurs und immer mehr Wettbewerber zwingen den Video-on-Demand-Dienst Netflix zum Umdenken. Und das könnte schon bald weitreichende Folgen für Serienfans haben.
Netflix-Logo auf einem Notebook vor dunklem Hintergrund.
Netflix prüft eine radikale Änderung im Streaming-Programm.Bildquelle: Bernardo Ramonfaur / Shutterstock.com

Bei Netflix läuft es schon seit einigen Monaten nicht mehr rund. Einerseits, weil der Streamingdienst aus den USA zunehmend gegen das Teilen von Nutzeraccounts vorgeht, aber auch, weil die hohe Inflation immer mehr Abonnenten dazu zwingt, Geld zu sparen. Die Folge: Sie kündigen ihren Netflix-Zugang. Das möchte der Video-on-Demand-Dienst aber natürlich möglichst vermeiden und denkt jetzt offenbar darüber nach, eine beliebte Funktion zu deaktivieren. Das berichtet CNBC.

Komplette Serienstaffel auf Abruf: Netflix prüft Änderung

Bisher läuft es in der Regel so: Netflix kündigt die Verfügbarkeit einer neuen Produktion oder der Fortsetzung einer schon bekannten Serie an und Nutzer haben auf einen Schlag die Möglichkeit, alle Folgen der Staffel zu konsumieren. Binge-Watching ist das Stichwort. Genau dieses Modell könnte aber schon bald der Geschichte angehören. Künftig könnte bei Netflix die Regel greifen, dass nur noch Stück für Stück neue Serien-Episoden zu sehen sind – mit wöchentlich lediglich einer einzelnen neuen Folge.

Im Fall der vierten Staffel von „Stranger Things“ würde das beispielsweise bedeuten, dass ein Netflix-Abo über drei Monate laufen müsste. Denn die vierte Staffel umfasst insgesamt neun Episoden. Wer nichts verpassen und zu den ersten Zuschauern gehören möchte, müsste sein Abo also über neun Wochen laufen lassen. Die Alternative wäre, bis zum Ende der jeweiligen Staffel zu warten, um dann alle Folgen am Stück zu streamen. Dann läuft man aber unter Umständen Gefahr, im Internet in fiese Spoiler-Fallen zu tappen.

Immer mehr Wettbewerber

Dass Netflix darüber nachdenkt, seine Streaming-Strategie anzupassen, ist unter anderem damit zu begründen, dass die Video-on-Demand-Plattform längst nicht mehr Alleinunterhalter auf dem Markt ist. Immer neue Anbieter kommen dazu – jüngst kündigte auch Paramount+ seinen Deutschlandstart an – und ziehen mehr und mehr Kunden ab.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Im April musste Netflix einen Kundenrückgang von 200.000 zahlenden Nutzern verkünden. Für das laufende Quartal rechnet der Anbieter nach eigenen Angaben sogar mit rund zwei Millionen Kündigungen. Der Aktienkurs brach nach Vorlage der jüngsten Zahlen binnen kürzester Zeit von etwa 320 auf rund 200 Dollar ein. Und sollten die Kundenzahlen weiter sinken, dürfte es für Investoren weiter alles andere als rosig laufen.

Netflix muss sich neu aufstellen, um zu bestehen

Die Abkehr der Binge-Watching-Möglichkeit bei neuen Inhalten wäre insofern ein für Nutzer überraschender, aber aus Unternehmenssicht durchaus nachvollziehbarer Schritt. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, wonach Netflix in Zukunft auch ein günstigeres Abo mit geschalteter Werbung anbieten könnte, um neue, preissensible Kunden zu gewinnen. Auch das galt für viele Jahre als vollkommen ausgeschlossen, ist am Ende des Tages aber nur eine Konsequenz aus dem stetig weiter wachsenden Konkurrenzdruck.

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3 KOMMENTARE

  1. Michele

    Nur allein wegen Binge Watching ist Netflix so groß geworden.
    Sollte es ernsthaft so werden, dass es von jeder Serie nur noch wöchentlich eine Folge gibt, wird dies der absolute Todesstoß für Netflix werden. Und das nebenbei auch noch mit einer Preiserhöhung. Pff…und die Tatsache, dass Netflix andauernd Serien nach der ersten Staffel mit einem gewaltigen Cliffhänger absetzt.
    Noch mehr kann man ja gar nicht falsch machen. Selbst Schuld sag ich da nur

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  2. Andre

    Genau meine Meinung (!) … aber exakt. Mehr kann man wirklich nicht falsch machen… Ich hasse es, immer nur ein Folge z.Zt. sehen zu können. Wenn dem so ist, fange ich eine Staffel gar nicht erst an. Schwebe auch schon über dem Kündigungsbutton … und das nach wirklich jahrelanger Mitgliedschaft im höchsten Account …

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  3. Sam

    Die Anbieter müssen sich nicht wundern, wenn alle wieder den verstaubte Piratenhut hervorholen und ins weite Internet Meer stechen, um nicht ganz legale Quellen anzufahren. Netflix war OK, mittlerweile müsste man etwa 5-10 Abos lösen, um alle interessanten Serien zu sehen. Aber sie richten sich so in Grund und Boden und sind selber schuld, wenn die Piraterie wieder Salonfähig wird…

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