Mobilfunk 2020: Die größte Überraschung vermeldet O2-Mutter Telefónica

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Wie haben sich die Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland (O2) und Vodafone im vergangenen Jahr mit Blick auf die Kundenzahlen entwickelt? Genau dieser Frage sind wir nachgegangen. Und am überraschendsten ist dabei nicht einmal das in Summe stärkste Wachstum bei der Telekom.
Mobilfunk-Mast im Sonnenlicht
Mobilfunk ist und bleibt in Deutschland ein Renner.Bildquelle: Vodafone

Mit der Vorstellung der jüngsten Quartalsberichte haben die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland als deutsche Mobilfunk-Netzbetreiber das Jahr 2020 endgültig abgeschlossen. Damit ist auch ein finaler Blick auf die Kundenentwicklungen der Konzerne möglich. Und da wird relativ schnell deutlich: Für die Deutsche Telekom lief das vierte Quartal nicht nur finanziell überaus erfolgreich, sondern auch mit Blick auf das Kundenwachstum. Die größte Überraschung verbuchte im vergangenen Jahr aber die O2-Mutter Telefónica für sich.

Deutsche Telekom: Starkes Wachstum im Mobilfunk in 2020

Deutscher Marktführer unter den Mobilfunk-Netzbetreibern ist weiterhin die Deutsche Telekom. In Summe ist es dem Bonner Unternehmen im Jahr 2020 gelungen, mehr als 2,3 Millionen neue Kunden zu gewinnen. Neben knapp 1,6 Millionen neuen Prepaid-Kunden stehen auch fast 750.000 neue Vertragskunden in den Telekom-Bilanzen für das vergangene Jahr.

Besonders erfolgreich war das Unternehmen unter der Leitung von Tim Höttges bei der Gewinnung neuer Vertragskunden im vierten Quartal. Allein 293.000 Kunden entschieden sich zwischen Oktober und Dezember für einen werthaltigen Laufzeitvertrag des Bonner Unternehmens. Das war das stärkste Plus an Vertragskunden seit vielen Quartalen.

Verstärkt profitiert die Telekom in diesem Zusammenhang von Kombi-Tarifen, bei denen Festnetz- und Mobilfunk-Anschluss aus einer Hand realisiert werden. Inzwischen nutzen bereits mehr als 5 Millionen Kunden der Telekom einen solchen MagentaEins-Tarif.

Insgesamt standen Ende Dezember rund 48,5 Millionen Mobilfunkanschlüsse in den Telekom-Bilanzen. Rund 26 Millionen Vertragskunden standen dabei knapp 22,5 Millionen Prepaid-Kunden gegenüber.

Telefónica: Kein Anbieter gewinnt mehr Vertragskunden

Telefónica Deutschland kann vor allem mit voller Zufriedenheit auf die Entwicklung im Vertragskundengeschäft blicken. Denn unter den drei deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern fiel das Wachstum in diesem Segment im Jahr 2020 bei der O2-Mutter am stärksten aus.

Insbesondere das Plus von 435.000 Vertragskunden im Weihnachtsquartal war eine echte Überraschung. Es war das mit Abstand stärkste Wachstum in diesem Segment in den vergangenen Jahren. Unter anderem die Unlimited Free Tarife von O2, bei denen es keine Beschränkung des mobilen Datenvolumens mehr gibt, dürften beim starken Vertragskundenwachstum eine ziemlich entscheidende Rolle gespielt haben. Und weil Telekom und Vodafone dieses Tarifsegment bisher nur halbherzig bespielen, dürfte Telefónica auch in den kommenden Quartalen noch von einem überdurchschnittlich hohen Wachstum profitieren – bis die beiden D-Netz-Wettbewerber reagieren.

In Zahlen ausgedrückt konnte Telefónica die Basis an Vertragskunden im vergangenen Jahr um rund 1 Million auf knapp 23,6 Millionen steigern. Gleichzeitig verlor der Konzern aber auch tausende Prepaid-Kunden. Unterm Strich mehr als 800.000. Standen Ende 2019 noch 20,1 Millionen Nutzer einer Prepaid-Karte in den Telefónica-Bilanzen, waren es Ende 2020 nur noch knapp 19,3 Millionen. Ende des vergangenen Jahres wies Telefónica Deutschland knapp 44,3 Millionen Mobilfunkanschlüsse aus.

Vodafone: Die Nummer 3 in Deutschland wächst im Mobilfunk langsamer

Die Zeiten, in denen sich Vodafone mit Blick auf die Kundenzahlen größter Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland nennen durfte, sind endgültig vorbei. Auch 2020 fiel das Wachstum im direkten Vergleich mit den beiden Wettbewerbern überschaubar aus. Binnen eines Jahres verbesserte sich der Kundenbestand um 908.000 auf zuletzt rund 30,7 Millionen.

Neben 455.000 neuen Vertragskunden konnte Vodafone hierzulande im vergangenen Jahr auch den Bestand an Prepaid-Kunden um 453.000 steigern. Das führte letztlich dazu, dass Ende Dezember rund 19 Millionen Vertragskunden und 11,7 Millionen Prepaid-Kunden in den Vodafone-Bilanzen verbucht waren.

Und was ist mit freenet und United Internet?

Neben zahlreichen Mobilfunk-Discountern spielen auch Freenet und United Internet (1&1) am deutschen Mobilfunkmarkt noch eine wichtige Rolle. Und während Freenet im Jahr 2020 mit Marken wie mobilcom-debitel, freenet Mobile und klarmobil.de um 180.000 auf insgesamt knapp 7,1 Millionen Postpaid-Kunden wachsen konnte, fiel das Wachstum bei United Internet noch deutlich besser aus.

Während United Internet bereits intensiv den Start eines vierten Mobilfunknetzes in Deutschland plant, kletterte die Kundenzahl des Unternehmens im Jahr 2020 im Schnitt um mehr als 100.000 Kunden pro Quartal an. So zumindest während der ersten drei Quartale des vergangenen Jahres. Die Zahlen für das vierte Quartal legt United Internet erst am 25. März vor. Ende September konnte der Konzern auf knapp 10,4 Millionen Mobilfunkkunden blicken. Inzwischen dürften es mehr als 10,5 Millionen sein.

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