1&1 streicht alle Vodafone-Tarife: Die Botschaft ist klar

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Bei 1&1 kannst du ab sofort nicht mehr zwischen Allnet Flats im Vodafone- und Telefónica-Netz auswählen. Denn Vodafone-Tarife sind ab sofort bei 1&1 nicht mehr buchbar. Ein Vorbote auf eine vertiefende Zusammenarbeit mit Telefónica?
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Bei 1&1 werden die Weichen für die Zukunft gestellt.Bildquelle: 1&1

In der Konzernzentrale von 1&1 im westerwaldischen Montabaur laufen in diesen Tagen die Telefondrähte heiß. Der Provider bereitet intensiv den Aufbau eines eigenen 5G-Netzes vor, muss in diesem Zusammenhang aber noch einige Hürden aus der Welt schaffen. Hürden, die gar nicht so leicht zu überwinden sind, wie Konzernchef Ralph Dommermuth immer wieder betont. Und jetzt sorgt 1&1 noch an anderer Stelle für Aufsehen. Denn ab sofort ist es über die Homepage des Anbieters nicht mehr möglich, Mobilfunktarife im Netz von Vodafone zu buchen. Das betrifft sowohl die Allnet-Flats für Smartphones als auch die reinen Datentarife für Notebooks und Tablets.

1&1 streicht die Tarif-Flexibilität

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte auf Anfrage von inside digital bereits am Montag verschickte Informationen für den Fachhandel: „1&1 konzentriert sich in der aktiven Vermarktung auf leistungsstarke Mobilfunk-Tarife. Dabei stehen moderne LTE- und 5G-Tarife mit mobilen Datengeschwindigkeiten von bis zu 225 Mbit/s beziehungsweise 300 Mbit/s im Fokus.“ Online ist es fortan bei 1&1 also nur noch möglich, die Mobilfunktarife im Netz von Telefónica zu ordern. Eine Online-Bestellmöglichkeit der Vodafone-Tarife wird ersatzlos gestrichen. Und das obwohl sie erst vor rund einem Jahr fit gemacht wurden für die LTE-Nutzung. Ergänzend führte der 1&1-Sprecher aber auch aus, dass die D-Netz-Tarife auf Wunsch weiterhin buchbar seien – telefonisch über die 1&1-Kundenhotline.

Dieser Schritt mag auf der einen Seite überraschen, ist auf der anderen Seite aber auch ein klarer Fingerzeig. Bei 1&1 und Konzernmutter United Internet bereitet man sich im Hintergrund längst darauf vor, das Geschäftsmodell radikal umzustellen. Statt als Wiederverkäufer möchte Dommermuth mit seinem Unternehmen viel lieber als selbstständiger Netzbetreiber auftreten. Jüngst hatte der ehrgeizige Manager in einem Interview im „Handelsblatt“ gesagt: „Wir sind quasi ein Exot – dem langfristig das Geschäftsmodell verloren gehen wird.“

Fokus auf das Telefónica-Netz

Wohl auch deswegen entledigt sich 1&1 alter, nicht mehr geliebter und letztlich vielleicht auch überflüssiger Zöpfe. Der Fokus liegt immer stärker auf einer Zusammenarbeit mit Telefónica Deutschland. Die läuft schließlich mindestens noch rund zehn Jahre. Denn Telefónica hatte sich im Rahmen der Fusion mit E-Plus verpflichtet, einem inzwischen von 1&1 übernommenen Wettbewerber (Drillisch) technologieneutralen Zugang auf bis zu 30 Prozent der eigenen Netzkapazitäten zu gewähren – National Roaming inklusive. Deswegen ist es 1&1 auch möglich, zumindest einen Teil seiner Allnet-Flat-Tarife im Telefónica-Netz inklusive 5G anzubieten.

Theoretisch könnte 1&1 sein geplantes 5G-Netz also jederzeit mit Zugriff auf das Telefónica-Netz starten. Wohlgemerkt: theoretisch. 1&1-Chef Dommermuth ist nämlich als harter Verhandler bekannt und aktuell noch der Auffassung, dass die von Telefónica aufgerufenen Konditionen für einen Neueinsteiger am deutschen Mobilfunkmarkt zu hoch sind. Die Bundesnetzagentur ist jetzt angerufen, als Schlichter in den festgefahrenen Verhandlungen zu vermitteln. Wie weit diese Gespräche inzwischen fortgeschritten sind, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

1&1 unter Druck: Netzbetreiber arbeiten immer stärker zusammen

Die nun erfolgte Einstellung der Vermarktung von Vodafone-Tarifen – die übrigens keine Auswirkungen für Bestandskunden hat, sie können ihre Tarife „bis auf weiteres“ wie gewohnt weiter nutzen, wie es von 1&1 offiziell heißt – könnte aber in jedem Fall ein Vorbote darauf sein, dass sich 1&1 in Zukunft tatsächlich voll und ganz auf die Zusammenarbeit mit Telefónica konzentrieren möchte. Und vielleicht auch muss.

Denn Telefónica, Vodafone und die Deutsche Telekom arbeiten inzwischen beim Mobilfunk-Netzaufbau in Deutschland an immer mehr Stellen zusammen. Vor allem die Beseitigung von weißen und grauen Flecken haben sich die drei deutschen Netzbetreiber auf die Fahnen geschrieben. Das gefällt natürlich auch der Bundesnetzagentur: „Kooperationen der Betreiber können wesentlich zu einer besseren Mobilfunkversorgung in Deutschland beitragen“, sagte der Präsident des Regulierers, Jochen Homann, am Dienstag.

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