Oppo Find X2 Pro im Test: Der Geheimtipp unter den Flaggschiffen

9 Minuten
Groß, schlank, elegant. So lässt sich das Oppo Find X2 Pro in drei Worten beschreiben. Guckten europäische Verbraucher beim Find X noch in die Röhre, traut sich Oppo mit den neuen Flaggschiffen auch hierzulande auf den Markt. Dabei gilt das Find X2 Pro schon jetzt als geheimer Konkurrent für Samsung, Apple und Co. Ob die inneren Werte mit dem äußeren Erscheinungsbild mithalten können, zeigt der Test.
Oppo Find X2 Pro im Test

Wer ist eigentlich Oppo? Das fragen sich wahrscheinlich die meisten deutschen Verbraucher. Ist der Hersteller in seinem Heimatland China bereits ein starker Vertreter in der Smartphone-Branche, beginnt das Abenteuer für Oppo innerhalb Europas erst jetzt. Ähnlich wie erst vor wenigen Wochen bei Xiaomi, tastet sich nun auch Oppo langsam auf den hiesigen Markt. Zunächst mit dem Oppo Reno 2 im Winter des vergangenen Jahres.

Nun trumpft der Hersteller mit einem echten Flaggschiff auf, das als geheime Alternative und Konkurrenz zu Samsung, Apple und Co. gilt: das Oppo Find X2 Pro.

Oppo Find X2 Pro im Test: Die Hardware

Urteilt man nach dem reinen Datenblatt, hebt sich das Oppo Find X2 Pro nicht unbedingt von seinen Konkurrenten ab. Wer sich für das Smartphone entscheidet, bekommt ein klassisches Oberklasse-Smartphone zur Hand.

Die Technik ist dementsprechend auf höchstem Niveau: Das prachtvolle Display erstreckt sich über eine Diagonale von 6,7 Zoll und bietet eine sehr gute QHD+-Auflösung. Unter der Haube arbeitet Qualcomms aktueller Highend-Prozessor Snapdragon 865 samt Unterstützung eines 12 GB großen Arbeitsspeichers. Die Triple-Kamera mit zwei Sony-Sensoren sowie eine 32-Megapixel-Kamera auf der Front runden das Angebot ab. Auch auf einen Staub- und Wasserschutz gemäß IP68-Zertifizierung müssen Nutzer nicht verzichten.

Oppo Find X2 Pro
Oppo Find X2 Pro
Software Android 10
Prozessor Qualcomm Snapdragon 865
Display 6,7 Zoll, 1.440 x 3.168 Pixel
Arbeitsspeicher 12 GB
interner Speicher 512 GB
Hauptkamera 8000x6000 (48,0 Megapixel)
Akku 4.260 mAh
induktives Laden
USB-Port
IP-Zertifizierung
Gewicht 200 g
Farbe
Einführungspreis 1.199 €
Marktstart Mai 2020

Trotz dessen gibt es auch Bereiche, in denen das Oppo Find X2 Pro schwach auf der Brust ist. So fehlt dem Flaggschiff die Möglichkeit, kabellos über Qi aufgeladen werden zu können. Ein Feature, das die meisten Kunden für ein über 1.000 Euro teures Gerät durchaus erwarten würden und auch durchaus erwarten dürfen. Darüber hinaus bietet das Find X2 Pro weder eine Dual-SIM-Option noch die Chance, den internen Speicher mittels Micro-SD-Karte zu erweitern. Eine klassische Klinkenbuchse fehlt ebenso.

Auch der Akku ist im Hinblick auf das große Display mit 4.260 mAh eher durchschnittlich bemessen. Die durch den GFXBench ermittelte Zeit liegt bei 201 Minuten, während das Smartphone auf 2.518 Frames kommt. Damit ist der Akku des Find X2 Pro beispielsweise leistungsschwächer als jener des Samsung Galaxy Note oder des Honor 20 Pro.

Die reine Hardware-Bewertung läuft somit auf folgende hinaus:

  • Gehäuse: 4,5 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 3,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 4 von 5 Sternen
  • Software: 4,5 von 5 Sternen
  • Akku: 2,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 4 von 5 Sterne

Oppo Find X2 Pro Praxistest: Das ist das Kerngeschäft

Display: Groß, farbenfroh und schnell

Der Bildschirm ist das, womit sich ein Smartphone auf den ersten Blick präsentiert. Das Find X2 Pro überzeugt mit seinem OLED-Panel auf Anhieb. Es erstreckt sich auf eine Größe von 6,78 Zoll und lässt etwaige Display-Ränder fast gänzlich verschwinden – im Gegenteil: Es wird nur noch von einer feinen, schwarzen Linie umrandet. Dadurch, dass sich das Display-Glas um den Gehäuserand schmiegt, wirkt der Bildschirm abermals größer.

Die Auflösung liegt mit 1.440 x 3.168 Pixeln im QHD+-Bereich und erreicht insgesamt eine sehr gute Pixeldichte von 519 ppi. Auch bei der Display-Performance lässt sich Oppo nicht lumpen: Das Find X2 Pro arbeitet mit einer Bildwiederholrate von 120 Hz – also 120 Bildern pro Sekunde. Das kommt vor allem Gamern zugute, denn durch die hohe Wiederholrate ist eine flüssige Performance gesichert. Daneben macht sie sich aber auch in alltäglichen Aufgaben wie im Anschauen von Videos oder in der generellen Bedienung des Smartphones bemerkbar. Ruckler sind hier Fehlanzeige.

Farben stellt Oppos Flaggschiff kontrastreich und scharf dar. Der Hersteller gibt einen Farbraum von „F3“ an sowie die Fähigkeit, durch eine 8+2-Bit-Technologie über 1 Milliarde Farbtöne und Farbtiefen herausarbeiten zu können. Hinzu kommt, dass das Find X2 Pro eine Helligkeit von bis zu 1.200 Nits erreichen kann. Wer den Kontrast dennoch personalisieren oder den Blaulichtfilter aktivieren möchte, findet dazu einige Einstellungen im Menü.

Eine Triple-Kamera für ein Halleluja

Verbauen die meisten Hersteller, wie beispielsweise Samsung in seinem Galaxy S20 Ultra oder Huawei in seinem P40 Pro, immer mehr Kameras, beschränkt sich Oppo auf eine Hauptkamera mit drei Objektiven. Im Detail setzt sie sich wie folgt zusammen:

  • Weitwinkel-/Hauptkamera mit 48 Megapixeln, f/1,7-Blende, 1/1,4 Zoll Sensorgröße, Sony IMX689
  • Ultraweitwinkelkamera mit 48 Megapixeln, f/2,0-Blende, 120 Grad, Sony IMX586
  • Periskop-Telekamera mit 13 Megapixeln, f/3.0-Blende, 10fachen Hybridzoom, 60facher Hybridzoom
  • Selfie-Kamera mit 32 Megapixeln, f/2,4-Blende, Sony IMX616

Interessant ist hier vor allem der Einsatz von Sonys Sensor IMX689. Auch wenn 48 Megapixel im Kamera-Datenblatt angegeben sind, so schießt das Find X2 Pro Fotos tatsächlich mit 12 Megapixeln. Der Grund? Der Sony-Sensor wendet das sogenannte 4×4-Verfahren an, was bedeutet, dass vier Pixel zu einem Pixel vereint werden. Daraus ergibt sich ein sogenannter„Superpixel“ mit einer Pixelfläche von 1,6 Mikrometern. Diese sogenannte „Binning“-Technologie sorgt letztlich dafür, dass die Kamera mehr Licht aufnehmen kann. Zur Orientierung: Samsungs Galaxy S20 Ultra arbeitet im 3×3-Verfahren und kommt auf 2,4 Mikrometer.

Das können die Fotos

Die Fotoergebnisse des Find X2 Pro können überzeugen. Die Triple-Kamera liefert kontrastreiche Bilder, die eine natürliche Farbgebung aufweisen. Beeindruckend ist dabei vor allem das Detailreichtum in den Bildern selbst: Auch kleinere Motive im Bild bleiben scharf, wenn man in das Foto hinein zoomt.

Oppo Find X2 Pro Testfotos

Links: Weitwinkel im Makromodus, mittig: die „normale“ Nahaufnahme, rechts: Zoom

Nahaufnahmen machen mit Oppos Pro-Modell schlicht und ergreifend Spaß: Ist der Makro-Modus aktiviert, kann man mit dem Smartphone bis auf wenige Zentimeter an das gewünschte Motiv herangehen. Der Mehrwert beim Find X2 Pro ist – im Vergleich zu vielen anderen Smartphone-Kameras – dass man selbst im Makromodus noch zoomen kann. Das Ergebnis: Feine Härchen oder kleinste Details macht die Triple-Kamera sichtbar. Verschwommene Bildränder oder Unschärfen lassen sich im Foto nicht entdecken.

Die 13-Megapixelkamera mit Periskop-Zoom ermöglicht es, Motive um das zehnfache per Hybrid-Zoom verlustfrei zu vergrößern. Zusätzlich bietet das Find X2 Pro auch einen 60fachen digitalen Zoom. Mit diesem kann man zwar Bilder schießen, aber die Ergebnisse sind nur wenig brauchbar. Zwar sind grobe Formen und Farben zu erkennen, das Motiv an sich ist allerdings recht schwammig , Bildrauschen wird groß geschrieben. Apropos Bildrauschen: Das Smartphone bietet auch einen Nachtmodus. Dieser lässt Gegenstände auch in dunkleren Ecken um Leben erwecken. Trotzdem besteht hier noch Optimierungsbedarf.

Auffälliges Äußeres im Edellook

Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch die Optik des Oppo Find X2 Pro. Das Smartphone bietet der Hersteller nicht nur in einer glänzend schwarzen Version, sondern auch in Korallrot an. Das Besondere: Die Rückseite ist nicht mit Glas, sondern Kunstleder bestückt. Das verhindert nicht nur ein auffälliges Sammelsurium an Fingerabdrücken, sondern auch, dass das Smartphone permanent aus der Hand rutscht. Das Kunstleder fasst sich kühl und angenehm an.

Auch die Triple-Kamera auf der Rückseite fügt sich bescheiden in das Gesamtdesign ein. Klotzen viele Hersteller nicht nur bei der Anzahl der verbauten Kameras, sondern auch mit einem immer mehr Raum einnehmenden Design, reihen sich die Kameras beim neuen Oppo-Smartphone untereinander an. Umrandet wird die Kameraaussparung von einem roségoldenen Rahmen, der sich im Gehäuserahmen des Smartphones widerspiegelt. Einziger Nachteil: Die Kamera steht so weit hervor, dass das Find X2 Pro wie verrückt wackelt, sobald es auf einer geraden Fläche aufliegt.

Oppo Find X2 Pro Kunstleder

Ein Hingucker: Die Kunstleder-Rückseite in Korallrot.

Die Front gestaltet sich ebenfalls elegant und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Geschuldet ist das den schmalen Display-Rändern, aber auch den zur Seite abgerundeten Bildschirmgläsern. Die Frontkamera ist klein in der linken oberen Ecke verordnet. Gelungen ist zudem die Platzierung der physischen Button am Rand. Trotz der enormen Größe von 165,2 Millimetern sind die Lautstärkewippe sowie der Power-Button einfach erreichbar – auch für kleine Hände.

Fazit zum Oppo Find X2 Pro

Auch wenn Oppo in europäischen beziehungsweise deutschen Gewässern bislang nur wenigen Menschen ein Begriff ist, so muss der Hersteller sich keineswegs hinter den Platzhirschen Apple, Samsung oder Huawei verstecken. Mit dem Find X2 Pro hat der Hersteller einen echten Geheimtipp in petto. Das Smartphone überzeugt recht schnell durch sein sehr gutes Display, das nicht nur flüssig arbeitet, sondern auch Farben kontrastreich darstellen kann. In die gleiche Kerbe schlägt die generelle Performance des Pro-Modells, für das Ruckler oder sonstige Verzögerungen ein Fremdwort sind.

Fotografieren macht mit der verbauten Triple-Kamera Freude: Die Ergebnisse sind sowohl in Landschafts- als auch Makroaufnahmen detailreich. Die Farben bleiben auch bei aktiver KI natürlich. Schwächen offenbart das Find X2 Pro in puncto Kamera hauptsächlich im Nachtmodus sowie beim digitalen Zoom.

Wo Licht, ist auch Schatten

In das Premium-Konzept des Smartphones passen allerdings einige fehlende Features nicht. Dazu zählt, dass das Find X2 Pro nicht kabellos geladen werden kann. Auch die fehlende Dual-SIM-Option und die die Verwehrung der Speichererweiterung sind bei einem 1.000-Euro-Smartphone ein großes Manko. Musikfreunde müssen außerdem auf einen Adapter zurückgreifen, sofern sie Kopfhörer nicht per Bluetooth anschließen wollen. Eine herkömmliche Klinkenbuchse gibt es nämlich nicht.

Testsiegel Oppo Find X2 Pro

Pros des Oppo Find X2 Pro

  • schönes und elegantes Design
  • tolles Display
  • sehr gute Kamera
  • rasante Performance

Kontras des Oppo Find X2 Pro

  • kein Dual-SIM
  • fehlende Speichererweiterung
  • kein kabelloses Laden möglich
  • hoher Preis

Oppo Find X2 Pro: Preis und Verfügbarkeit

Oppos neue Find-Serie umfasst insgesamt zwei Modelle: das Find X2 und Find X2 Pro. Allerdings kommt nur das Pro-Modell im Mai auf den deutschen Markt. Oppo verlangt für das Find X2 Pro mit 5G-Fähigkeit sowie 512 GB Speicherplatz 1.199 Euro.

Wer bis Mai nicht warten und lieber auf einen bekannten Hersteller zurückgreifen will, kann sich prinzipiell in der aktuellen Oberklasse der Smartphone-Welt bedienen. Samsung, Huawei, Apple, OnePlus und Co. haben Alternativen im Gepäck, die eine ähnliche Ausstattung bieten. Bei Huawei solltest du aber darauf achten, dass dein Wunsch-Smartphone auch Zugriff auf den Play Store von Google hat. Ansonsten musst du ein eingeschränktes App-Angebot in Kauf nehmen.

Bildquellen

  • Oppo Find X2 Pro Testfotos: Simone Warnke
  • Oppo Find X2 Pro im Test: Simone Warnke
  • Testsiegel Oppo Find X2 Pro: Simone Warnke
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1 KOMMENTAR

  1. Ich habe mir vor 2 Wochen in Thailand dieses Handy gekauft. Preis in der schwarzen Pro Version war 1050 Euro plus reichlich Zugaben wie 1x Boardcase, Powerbank, Bluetoth Beatbox, Autodadestecker, In-ear Kopfhörer, Cover.
    Da ich jetzt hier in Bangkok festsitze, habe ich einen schönen Zeitvertreib.
    Btw: Mein Oppo Find X2 Pro hat 2 SIM-Karten Plätze

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