Snapdragon 865: Das kann der neue Top-Prozessor von Qualcomm

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Qualcomm hat auf deinem jährlichen Tech Summit eine Reihe neuer Prozessoren vorgestellt. Einer der wohl interessantesten ist der Snapdragon 865, der neue Raketenchip. Doch der kann mehr als nur schnell rechnen. Wir haben uns den neuen Spitzenprozessor genauer angesehen und zeigen dir, was er kann.
Qualcomm-Logo des Snapdragon 865 auf einem Smartphone
Qualcomm-Logo des Snapdragon 865 Bildquelle: Qualcomm

Moderne Smartphone-Chips sind keine reinen Rechenmaschinen mehr. Die sogenannten Systems on a Chip (SoC) sind viel mehr das Herzstück eines jeden neuen Handys. Neben der reinen Rechnerei sind sie für die Verarbeitung von Funksignalen via 3G, LTE oder auch dem neuen Standard 5G verantwortlich. Dazu laufen über sie die Bildverarbeitung, dass Energiemanagement und selbstverständlich auch die Erzeugung der bildlichen Ausgaben wie Benutzeroberflächen und Grafiken unter anderem beim Spielen. Jetzt hat Qualcomm seinen neuen Spitzenprozessor Snapdragon 865 vorgestellt.

Snapdragon 865: Ein Prozessor für die Flaggschiffe

Der Snapdragon 865 von Qualcomm ist das neue Meisterstück der amerikanischen Prozessorschmiede. In der 8xx-Serie packt man bei Qualcomm alles hinein, was man derzeit zu bieten hat. Heraus kommen Prozessoren, die schon seit Generationen die Spitzenmodelle der Smartphone-Hersteller antreiben. Das will der neue Prozessor ebenfalls leisten. Doch die Konkurrenz ist mittlerweile groß. Unter anderem hat Samsung mit der Exynos-Reihe und Huawei mit der Kirin-Reihe eigene Prozessoren entwickelt. Der Snapdragon 865 schleudert ihnen einiges an technischer Ausstattung entgegen.

Zuerst ist es die CPU und die GPU, die zu erwähnen sind. Hier bietet Qualcomm einen Octacore-Prozessor mit Kryo-585-Kernen. Der Hauptkern taktet mit maximal 2,84 Ghz. Drei weitere Cortex A77-Kerne sind mit maximal 2,4 Ghz getaktet. Vier andere Cortex A55 sollen die Grundlast sparsam abarbeiten. Das ganze soll zu einer Leistungssteigerung von 25 Prozent sorgen. Genau so viel soll die Energieeinsparung betragen.

Dazu kommt der Snapdragon Adreno 650, eine GPU, die 20 Prozent mehr leisten soll, als der Vorgänger. Die CPU soll ein Viertel mehr Power haben. Eine der anspruchsvollsten Aufgaben für die beiden ist das Gaming. Hier hat sich Qualcomm etwas Außergewöhnliches ausgedacht. Der GPU-Treiber ist jetzt mittels Softwarepaket aus dem Play-Store aktualisierbar. Dazu hat man nun Vorabrendering verbaut und will die Gamingleistung auf Desktop-Niveau gehoben haben. Erste Demos mit speziellen Lichteffekten, die auch bei Spiegelungen mit Schatten und Reflexen ausgestattet sind, machen auf den ersten Blick schon einmal Eindruck.

5G – Snapdragon X55 verbaut

In den Snapdragon 865 ist auch das 5G-Modem Snapdragon X55 verbaut. Damit ist der Prozessor bereit für den Anschluss an das neue Netz. Mit mmWave und sub-6GHz Standalone und Non-Standalone mit FDD und TDD ist man bereit für die Zukunft. Den hohen Stromverbrauch der bisherigen 5G-Smartphones will Qualcomm mit 5G PowerSave entgegenwirken. Hier werden Tests zeigen müssen, was der Energiesparmodus für 5G wirklich bringt.

Der Snapdragon 865 wählt sich bei Bedarf global in 5G-Netz ein. Das gelingt auch mit Multi-SIM-Unterstützung. Die theoretisch möglichen Geschwindigkeiten sind schwindelerregend. Downloads können bis zu 7,5 GB/s, 5G-Uploads bis zu 3 GB/s schnell erledigt werden.

Bei den anderen Netzwerk-Optionen wird ebenfalls nicht gekleckert: WLAN 6 mit simultaner Nutzung von 2,4 und 5 Ghz-Band ermöglichen Geschwindigkeiten bis 1,774 GB/s. Wem das alles immer noch zu langsam ist, dem bietet Qualcomm auch das hauseigene WLAN mit 60 Ghz. Das schafft in der Spitze 10 GB/s. Bluetooth ist in der Version 5.1 vorbereitet. Hier haben sich viele schon den neuen Standard Bluetooth 6 gewünscht.

Audio, Video und Kamera

Bei den Multimedia-Verarbeitungsmöglichkeiten schraubt Qualcomm ebenfalls noch einmal an den Spitzenwerten. Bei der Bildverarbeitung setzen die Amerikaner auf einen Signalprozessor namens Spectra 480, der 2 Gigapixel in der Sekunde verarbeiten kann. Das ermöglicht Fotos mit maximal 200 Megapixel und ein globales Auslesen von bis zu 64 Megapixel. Will man ein Video aufnehmen, kann man bei 4K-Videos gleichzeitig 64-Megapixel-Bilder erzeugen. 4K ist auch nicht die Spitze der Videoleistung, obwohl damit 120 Bilder/Sekunde möglich sind. Der Snapdragon 865 kann nämlich auch Videos in 8K aufnehmen.

Bei der Audioverarbeitung kommt der Qualcomm Aqstc audio codec zum Einsatz. Das Bluetooth-Modul erlaubt die Übertragung von APTX-Qualität und es gibt einen Verstärker für Smart Speaker.

Bei der Ausgabe schafft der Prozessor bis zu 60 Hz mit 4K-Displays und bis zu 144 Hz bei QHD+-Auflösung. Externe Displays können mit einem 4K-Signal mit 60 Hz angesteuert werden. HDR 10 und HDR10+ sind ebenfalls Standard. Dazu kommt der Support für Vulkan 1.1 und HDR-Gaming mit 10-bit Farbtiefe.

Die weitere Ausstattung des Snapdragon 865

Der Snapdragon 865 bietet Quick Charge 4+. Damit soll noch schneller geladen werden als bisher. Dazu soll das Laden durch AI smarter werden. GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS und SBAS sind zur Ortung an Bord. Speicher können an den Prozessor bis hin zum Standard LP-DDR5 geflanscht werden. Bei der Sicherheit kann ein 3D-Fingerabdrucksensor mit Ultraschall, ein herkömmlicher Fingerabdrucksensor, ein Iris-Scanner oder auch eine Gesichts- beziehungsweise Spracherkennung genutzt werden.

Die ersten Smartphones mit dem neuen Chip sind erst im neuen Jahr zu erwarten. Erste Modelle könnten das OnePlus 8 Pro oder das LG V60 sein. Das Samsung Galaxy S11 wird wohl ebenfalls, zumindest in einer Version, mit dem Snapdragon 865 auf den Markt kommen.

Bildquellen:

  • Qualcomm-Logo des Snapdragon 865: Qualcomm
Synchronübersetzer von Qualcomm ausprobiert: Ich kann Chinesisch!
Natürlich kann ich kein Chinesisch, Aber man fühlt sich schon recht weltmännisch, wenn die AI des neuen Snapdragon 865 loslegt und das einfache Geplapper, das man ins Mikrofon quasselt, innerhalb von Augenblicken in Schriftzeichen übersetzt, die man nicht einmal im Ansatz lesen kann. Dann hilft aber der nette Kollege und bestätigt, dass man auch das Richtige angezeigt bekommt.

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