Samsung Galaxy S20 Ultra im Test: Houston, wir haben ein Problem!

7 Minuten
Das Galaxy S20 Ultra ist Samsungs Spitzenklassenmodell des Jahres 2020. Bis zum Rand ist es vollgestopft mit High-End-Technik. Mehr noch: In Form des Kameramoduls auf der Rückseite kann man die Technik-Eruption sogar sehen und fühlen. Unter anderem soll ein 100-fach Space Zoom den Interessenten zum Kauf verführen. Doch wie gut ist dieser Weltall-Zoom? Und was fehlt der Ultra-Edition des Galaxy S20 womöglich?
Samsung Galaxy S20 UltraBildquelle: Blasius Kawalkowski

 

Vom ersten Galaxy-Modell an, das vor genau zehn Jahren auf den Markt kam, nummerierte Samsung seine Smartphones der Spitzenklasse durch. Mit dem Galaxy S10 fand diese Nomenklatur ein Ende. Dieses Jahr, 2020, folgt das Galaxy S20. Und noch ein Novum gibt es: Erstmals in der Galaxy-S-Serie gibt es eine Ultra-Edition. Das heißt, dass Samsung das Galaxy S20 und sogar das Galaxy S20+ degradiert und mehr in Richtung Mittelklasse drängt.

Galaxy S20 Ultra: Die Hardware im Test

Doch was zeichnet das Galaxy S20 Ultra aus? Nehmen wir uns zunächst die technischen Daten vor. Vom High-End-Prozessor aus der eigenen Chip-Schmiede, dem Exynos 990, gepaart mit wahlweise 12 oder gar 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem 5.000-mAh-Akku verspricht das Datenblatt volle Power für einen langen Zeitraum.

Hinzu kommt ein 6,9 Zoll großes AMOLED-Display, das mit 1.440 x 3.200 Pixeln auflöst. Erstmals bietet ein Samsung-Smartphone einen Bildschirm, der eine Bildwiederholrate von 120 Hertz aufweist. Das ermöglicht eine besonders flüssige Darstellung von sich bewegenden Inhalten.

Das Highlight findest du aber auf der Rückseite: So verfügt das Galaxy S20 Ultra über insgesamt vier Kameras. Eine 108-Megapixel-Hauptkamera, eine Zoom-Kamera mit 100-fach Space Zoom und 48-Megapixel-Sensor, ein Ultraweitwinkelobjektiv sowie eine Kamera zur Berechnung der Tiefenschärfe.

Samsung Galaxy S20 Ultra
Samsung Galaxy S20 Ultra
Software Android Android 10
Prozessor Samsung Exynos 990
Display 6,9 Zoll, 1.440 x 3.200 Pixel
Arbeitsspeicher 12 GB
interner Speicher 128 GB
Hauptkamera 12032x9024 (108,6 Megapixel)
Akku 5.000 mAh
induktives Laden
USB-Port
IP-Zertifizierung (Schutz gegen Untertauchen)
Gewicht 220 g
Farbe
Einführungspreis 1.349 €
Marktstart März 2020

Wo es viel Licht gibt, da gibt es auch Schatten. So sind der Klinkenanschluss sowie die Benachrichtigungs-LED wohl endgültig aus der Oberklasse verschwunden. Ebenso auffällig: Das Display will vollends überzeugen. An die Auflösung und Pixeldichte eines Xperia 1 kommt es aber nicht heran. Zudem hat die geballte Technik auch ihren Preis – und damit ist nicht der Verkaufspreis gemeint, wenn auch dieser mit bis zu 1.550 Euro unglaublich hoch ist. Vielmehr wirkt sich die gebündelte Energie auf das Gewicht aus. Rund 220 Gramm bringt das Galaxy S20 Ultra auf die Waage. Das nur minimal kleinere Galaxy Note 10+ wiegt 20 Gramm weniger! Dementsprechend liegt das aktuelle Spitzenmodell auch schwer in der Hand.

Die Hardware-Wertungen im Einzelnen

  • Gehäuse: 4 von 5 Sternen
  • Display: 4,5 von 5 Sternen
  • Ausstattung: 4,5 von 5 Sternen
  • Kamera: 5 von 5 Sternen
  • Software: 5 von 5 Sternen
  • Akku: 5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen

Das Design der Ultra-Edition

Auch was seine Größe angeht, ist das Galaxy S20 Ultra mit einer Höhe von fast 167 Millimetern und einer Breite von 76 Millimetern nicht besonders handlich. Die Bedienung mit einer Hand ist kaum möglich, da das Display schlichtweg zu groß ist. Selbst Menschen mit großen Händen werden zum Umgreifen gezwungen.

Trotz dessen ist das Galaxy S20 Ultra keinesfalls klobig, im Gegenteil: Der schmale, im Licht schillernde Aluminiumrahmen lässt das Smartphone optisch schlank wirken. Hinzu kommt die abgerundete Glasrückseite sowie die leicht gebogenen Display-Ränder. Das Infinity-O-Display ist durch geschrumpfte Bildschirm-Balken am oberen wie unteren Rand abermals gewachsen, gar randloser geworden. Die Hauptkamera auf der Rückseite steht leicht aus dem Gehäuse heraus, sodass das Smartphone wackelt, sobald es auf einer geraden Fläche aufliegt. Eine passende Schutzhülle dürfte diesen Umstand jedoch beheben.

Schade ist, dass man als Käufer aus lediglich zwei langweiligen aber auch zeitlosen Farben auswählen kann: Schwarz und Grau.

Galaxy S20 Ultra: 100-facher Space Zoom – und sonst?

Schauen wir uns zunächst die Kameraausstattung aus der Sicht eines Ingenieurs an:

  • Ultraweitwinkel: 12 Megapixel, f/2.2
  • Weitwinkel: 108 Megapixel, f/1.8, OIS
  • Teleobjektiv: 48 Megapixel, f/3.5, OIS
  • Depth Vision
  • Space Zoom (10-facher Hybrid Zoom / 100-facher “Super Resolution Zoom”)
Samsung Galaxy S20 Ultra

Softwareseitig schraubt der Hersteller am Können der Kamera-App und ergänzt nicht nur die Möglichkeit, Videos in 8K-Qualität aufzunehmen. Das Galaxy S20 Ultra bekommt außerdem einen verbesserten Nacht- und Pro-Modus. Die Mission: Auch bei schlechten Lichtverhältnissen sehr gute Fotos schießen können.

Foto bei Nacht aufgenommen mit dem Galaxy S20 Ultra
Foto bei Nacht aufgenommen mit dem Galaxy S20 Ultra

Wie gut das funktioniert, haben wir bereits in zwei umfangreichen Tests auf die Probe gestellt. Einerseits musste das Galaxy S20 Ultra gegen das Huawei P30 Pro antreten. Andererseits bekam es das Flaggschiff mit einem 300-Euro-Handy zu tun. Beide Ergebnisse überraschen, wenn auch die Mission nicht gefährdet ist.

Was die Fotoqualität bei Tageslicht angeht, leistet sich Samsungs Spitzenmodell kaum Schnitzer. Fotos sind gewohnt scharf und gut belichtet. Bei der Farbgebung neigt das S20 Ultra, wie auch viele andere Samsung-Smartphones, zum Übertreiben. Was dem Spitzenmodell fehlt, ist eine dedizierte Makrokamera. Man kann sich aber mit dem Teleobjektiv behelfen und ein Objekt dennoch recht nach heranholen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen:

Nahaufnahme mit dem Samsung Galaxy S20 Ultra

Der Space Zoom hingegen stammt eher aus der Feder eines kreativen Marketing-Mitarbeiters. Denn in der Praxis ist das zwar eine nette Spielerei. Wirklich tolle Fotos gelingen jedoch nicht, wie unser umfangreiche Test zeigt. Das Weltall fotografieren? Wenn der Mond anschließend aussieht wie auf dem folgenden Bild – äh, nein danke! Das Space Shuttle explodiert also schon kurz nach dem Start ins Weltall.

Samsung Galaxy S20 Ultra: 100-fach Space Zoom ausprobiert

Akkulaufzeit

Satte 5.000 mAh weist der Akku des Galaxy S20 Ultra auf. Damit übertrumpft das Spitzenmodell Samsungs alle anderen Smartphones der Oberklasse. Nun könnte man meinen, dass eine derart hohe Kapazität sich in einer besonders langen Akkulaufzeit widerspiegelt. Jedoch darfst du keine Wunder erwarten. Mit dem Smartphone kommst du locker über den Tag – auch zwei Tage sind bei sparsamem Umgang drin. Dann jedoch muss das Gerät an die Steckdose.

Im Akku-Benchmark-Test liegt das Galaxy S20 Ultra auf dem Niveau eines Google Pixel 3a, das jedoch mit einem vergleichsweise kleinen 3.000-mAh-Akku ausgestattet ist. Das OnePlus 7T und das Xiaomi Mi Note 10 schneiden hier aber deutlich besser ab. Dennoch: Es kommt nicht zuletzt auf das Nutzungsverhalten an.

Preis-Leistung

Das Samsung Galaxy S20 Ultra ist ab 1.350 Euro erhältlich. Dafür bekommst du die Version mit 128 GB internem Speicher und 12 GB RAM. Wer bereit ist, dieser Stange Geld noch 200 Euro dabei zu legen, bekommt das Gerät mit 512 GB Speicher und 16 GB RAM. Ob dieser Aufpreis gerechtfertigt ist? Vermutlich nicht. Aber das entscheidet der Käufer am Ende selbst.

Geht man von dem günstigeren Modell aus, bekommt man für sein Geld nahezu alles, was ein Handy derzeit bieten kann. Doch mit dem 100-fach Zoom sollte man sich nicht locken lassen.

Galaxy S20 Ultra im Test: das Fazit

Wer sich einen teuren Vertrag leisten will oder die Summe direkt bar auf den (digitalen) Verkaufstresen legt, darf sich auf ein Smartphone mit tollem Display, einer langen Akkulaufzeit, 5G und einer wirklich guten Kameraausstattung freuen. Letztere muss sich aber auch Kritik gefallen lassen. So ist der 100-fache Space Zoom eher ein Marketing-Gag denn ein tolles Feature. Und auch die Nachtaufnahmefunktion wirkt hier und da etwas überholt. Insgesamt können die vorhandenen Objektive aber trotzdem überzeugen und ersetzen auch die letzte kompakte Digitalkamera.

Schade ist, dass das Gerät aktuell nur in zwei Farben erhältlich ist. Und auch, dass der Klinkenanschluss sowie die LED für Benachrichtigungen wohl endgültig ausgedient haben. Das üppige Gewicht fällt ebenso negativ auf. Dafür ist der Klang beim Abspielen von Videos oder Musik über die Bordlautsprecher wirklich beeindruckend. Hier konnte die Galaxy-S-Serie aber schon seit jeher überzeugen.

Samsung Galaxy S20 Ultra

Apropos überzeugend: Das beiliegende In-Ear-Headset von AKG bietet einen erstaunlich guten Klang. Schaut man sich den gesamten Lieferumfang an, fällt auf, dass Samsung im Vergleich zu den Vorgängermodellen sparsamer geworden ist. Gab es einst etwa einen Adapter von USB-C auf Klinke muss man sich diesen selbst besorgen, möchte man Musik über ein paar kabelgebundene Kopfhörer mit Klinke hören.

Pro

  • Tolles Display mit 120 Hz
  • Gute Akkulaufzeit
  • Wasserdicht
  • Gute Kameras
  • Toller Klang
  • USB 3.2

Contra

  • Schwer
  • 100-fach Zoom ist ein Witz
  • Kein Klinkenanschluss
  • Sehr teuer

Das Galaxy S20 Ultra ist ein tolles Smartphone – auch wenn es mir persönlich ein bisschen zu schwer ist. Mir gefallen der Klang der Lautsprecher und das Display. Die Kameras hingegen sind genauso gut wie die eines ein Jahr alten Huawei P30 Pro. Der 100-fach Zoom ist höchstens eine nette Spielerei. Doch so sehr es mir auch gefällt: Ich würde keine 1.350 Euro dafür ausgeben. Das ist es mir nicht wert.

Simone Warnke

Die Zweite Meinung

Von Simone Warnke

Immer höher, immer weiter. Von Anfang an war ich überrascht, als Samsung mit dem Galaxy S20 Ultra auftrumpfte. Wo war das neue Galaxy S10e hin? Im Hinblick auf den Konkurrenzkampf ist das Modell verständlich, aus Perspektive der Verbraucher weniger. Drei Highend-Geräte auf einen Schlag, von denen sich zwei fast gar nicht unterscheiden und das dritte als Nonplusultra beworben wird.

Meiner Meinung nach hätte Samsung gutgetan, das Galaxy S20+ zum Premium-Modell zu verwandeln. Die Größe hat es bereits als "Plus" im Namen. Verbraucher könnten letztlich leichter zwischen den Modellen unterscheiden. Kurzum: Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Bildquellen

  • Samsung Galaxy S20 Ultra: Blasius Kawalkowski
  • Samsung Galaxy S20 Ultra: 100-fach Space Zoom ausprobiert: Blasius Kawalkowski
  • Samsung Galaxy S20 Ultra: Blasius Kawalkowski
  • Testsiegel Samsung Galaxy S20 Ultra: Blasius Kawalkowski
  • Samsung Galaxy S20 Ultra: Blasius Kawalkowski
Galaxy S20: Ist es Samsungs schlechtestes Top-Smartphone aller Zeiten?
Schlechter Akku, schwache Leistung und keine besonders gute Kamera: Das Galaxy S20 muss viel Kritik einstecken. Doch ist es das schlechteste Top-Model, das Samsung je auf den Markt gebracht hat? Und welche Gründe hat das?

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4 KOMMENTARE

  1. Zitat: Mit einer Höhe von fast 167 Zentimetern und einer Breite von 76 Zentimetern ist das Galaxy S20 Ultra nicht besonders handlich.
    Das glaube ich gerne, das ist wirklich groß 😉

    • Vielen Dank für den Hinweis! Da hatte ich im ganzen Trubel Tomaten auf den Augen – ich berichtige das 🙂

      Liebe Grüße aus der Redaktion!

  2. Ich persönlich halte den Verzicht auf eine „e“ bzw. „Mini“- Variante (wie die Bezeichnung der kompakten Varianten der Galaxy S’s bis zum 5 ja lautete) grundsätzlich für falsch. Meine Meinung.

    Gerade die Kunden, die ein kompaktes, handliches Smartphone suchen, bleiben bei den 20ern jetzt „außen vor“. Leider. 😪
    UND, SO groß waren die Abstriche beim S10e im Vergleich zu seinen „großen“ Brüdern nun auch nicht.

    Letztendlich wird Samsung aber daran nicht „genug“ verdient haben und sich der Verzicht auf diese Kunden schon rechnen.
    Wenn ich den aktuellen Hype in Bezug auf die Vorbestellung insbesondere das Galaxy S20 Ultra so betrachte, scheint Samsung damit sogar irgendwie Recht zu haben.

    Die Kunden scheinen ja richtig „heiß“ darauf zu sein, Samsung 1.300,00/ 1.500,00 Euro FÜR EIN SMARTPHONE (!) überweisen zu WOLLEN. 🤔 Beim Note20 „knackt“ man dann möglicherweise sogar die 2.000,00 Euro- Grenze (das „Fold“ hat(te) da ja schon vorgelegt).
    FLAGGSCHIFFE müssen nur noch GROSS und TEUER sein, alles andere „wünscht“ DER Kunde scheinbar nicht mehr.

  3. Ich denke, wenn die Hersteller für jede 100€ UVP einen goldenen Punkt auf die obere Kante drucken würden, könnten sie beliebig viel Geld aufrufen, egal, was die Hardware taugt. Hauptsache, jeder sieht, dass es teuer war. Prinzip Apple/Audi halt…

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