Neues 1&1-Netz: Darum ist der Netzausbau schon jetzt ein Problem

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Die Entscheidung ist gefallen, der Vertrag aber noch nicht unterschrieben: 1&1 kann für dein eigenes Handynetz in Deutschland O2 als Roaming-Partner nutzen. Doch kaum ist die Vereinbarung klar, mahnt schon die Bundesnetzagentur zu einem zügigen Aufbau des Netzes.
Das 1&1 Logo
Bildquelle: David Gillengerten / inside handy

Schon seit Juni 2019 ist 1&1 nach dem Ende der Frequenzauktion im Besitz der notwendigen Frequenzen, um ein eigenes Mobilfunknetz aufzubauen. Bei der damaligen Auktion hatte der Anbieter entsprechende Nutzungsrechte ersteigert. Bis heute aber sind die Frequenzen – von einigen wenigen Testsendern abgesehen – vollkommen ungenutzt. Dabei sind Frequenzen ein rares Gut und die Nutzung eigentlich vorgeschrieben.

Bundesnetzagentur macht Druck

So mahnt auch die Aufsichtsbehörde über den Markt, die Bundesnetzagentur, zur Eile. „Jetzt ist es an 1&1 Drillisch, den Netzaufbau zu beginnen und die erworbenen Frequenzen effizient einzusetzen“, sagt der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann in einer Pressemitteilung zur Einigung.

Die Vereinbarung mit Telefónica O2 kam demnach durch eine Begleitung der Europäischen Kommission zustande. Diese habe die Bundesnetzagentur aktiv unterstützt, heißt es von der Bonner Behörde. In für die Bundesnetzagentur ungewöhnlich deutlichen Worten in einer Pressemitteilung heißt es abschließend in dem Schriftstück: „Mit dem Vorliegen einer Roaming-Vereinbarung ist die wesentliche Forderung der 1&1 Drillisch erfüllt. Die Bundesnetzagentur erwartet, dass 1&1 Drillisch schnellstmöglich mit dem Netzaufbau beginnt und die Frequenzen einer effizienten Nutzung zuführt.“

Aber auch ohne diesen verbalen und medialen Druck muss 1&1 jetzt aufs Gaspedal drücken. Denn mit den ersteigerten Nutzungsrechten an den Frequenzen hat 1&1 auch Ausbauverpflichtungen akzeptiert. Demnach muss das Unternehmen bis Ende 2023 – das sind nur noch etwas mehr als 22 Monate – 25 Prozent der Haushalte in Deutschland mit seinem neuen Netz versorgen. Bis Ende 2025 sind es dann 50 Prozent. Ergänzend dazu muss 1&1 mindestens 1.000 5G-Basistatationen errichten. Es reicht also nicht aus, ein LTE-Netz aufzubauen.

1&1: Drei Frequenzbereiche, wenig Reichweite

Problematisch wird für 1&1 Drillisch, dass der Anbieter ausschließlich Frequenzen nutzen kann, die eine übersichtliche Reichweite haben. Dabei handelt es sich einerseits um die 5G-Frequenzen um 3,6 GHz (50 MHz). Zusätzlich hat sich der Anbieter aber auch Frequenzspektrum im bisherigen UMTS-Band gesichert (2 x 10 MHz). Dieses ist aber erst ab 2026 nutzbar. Im Frequenzband um 2,6 GHz verfügt 1&1 Drillisch über weitere 2×10 MHz, die man von Telefónica überlassen bekommen hat. Aber auch diese Frequenzen eignen sich nur für Großstädte – und die Nutzungserlaubnis endet Ende 2025.

Um die Städte mit einem einigermaßen flächendeckenden Netz bis Ende 2023 versorgen zu können und so die geforderten etwa 10 Millionen Haushalte zu erreichen, muss 1&1 Drillisch also eine ganze Reihe Sendemasten errichten. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Eigene Standorte wird man in dieser Zeit kaum anbieten können. Daher ist man wohl auf die Kooperation der Funkturmgesellschaften der Mitbewerber angewiesen und wird hier Standorte anmieten.

Mit Vantage Towers (u.a. Vodafone-Standorte) und American Tower (Telefónica-Standorte) gibt es zwei Firmen, die als eigenständig gelten und ein Interesse an jeglichen Mieteinnahmen haben. Darüber hinaus gibt es die Telekom-Tochter Deutschen Funkturm, die zwar auch an Mitbewerber vermietet, aber wohl nicht ganz so erpicht auf einen neuen Konkurrenten für die Muttergesellschaft sein dürfte.

Mit den Standorten ist es aber für 1&1 Drillisch noch nicht getan: Man brauch einen Systemlieferanten für die Sendetechnik, man braucht Techniker oder eine beauftragte Firma für den Aufbau des Netzes und last not least: Man braucht für jeden einzelnen Standort eine Genehmigung der Bundesnetzagentur. Und diese lassen erfahrungsgemäß schon mal länger auf sich warten.

In Montabaur und Maintal, den beiden Standorten von 1&1 und Drillisch, hatte man seit der Auktion 18 Monate Zeit. Bleibt zu hoffen, dass diese Zeit genutzt wurde und die Mietverträge und Anträge für die Sender unterschriftsreif in der Schublade liegen.

O2 als Backup jenseits der Großstadt

Dort, wo 1&1 Drillisch kein eigenes Netz aufbaut, hast du als Kunde im künftigen 1&1-Netz das O2-Netz als Backup. Angesichts der Frequenzausstattung ist das vor allem für ländliche und halbstädtische Gebiete dringend notwendig. Allerdings: 5G kannst du im National Roaming mit O2 nicht nutzen. Die Vereinbarung bezieht sich ausdrücklich nur auf GSM und LTE – und das bis zum 1&1-Start wohl abgeschaltete UMTS-Netz.

Immerhin: An Kunden wird es 1&1 Drillisch wohl nicht mangeln. Über diverse Discount-Marken wie simply, yourfone oder Smartmobil und die Muttermarke 1&1 hat das Unternehmen bereits mehrere Millionen aktive Kunden. Sobald das neue 1&1-Netz eine nennenswerte Netzabdeckung hat, ist zu erwarten, dass diese Kunden eine neue SIM-Karte bekommen und anschließend Kunde im Netz von 1&1 sind.

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