Telekom-Rekord mit Haken: Viele neue Kunden haben vier Räder

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Mehr als zwei Millionen neue SIM-Karten in nur drei Monaten. Die Deutsche Telekom meldet starke Quartalszahlen. Doch hinter dem Plus stecken vorwiegend vernetzte Autos. Was die Zahlen zu Mobilfunk, Glasfaser und MagentaTV wirklich zeigen? Wir verraten es dir hier.
Logo der Deutschen Telekom an einem Gebäude.KI-generiertes Bild
Die Deutsche Telekom hat viele neue "Kunden" gewonnen. Aber es sind in der Mehrzahl gar keine echten Kunden. Bildquelle: inside digital

Mehr als zwei Millionen neue Mobilfunkkunden. Die Deutsche Telekom hat ihren Kundenboom auch im dritten Quartal 2026 fortgesetzt. Und zwar so erfolgreich wie seit drei Jahren nicht mehr. In Summe stieg die Zahl der aktiven SIM-Karten im Telekom-Netz um 2,01 Millionen auf jetzt 78,75 Millionen.

Telekom steigert Zahl der aktiven Prepaid-Karten im Mobilfunk deutlich

Besonders kräftig legte zwischen Juli und September die Zahl der Prepaid-Kunden zu. Sie kletterte um 1,69 Millionen auf 50,28 Millionen. Es war der stärkste Prepaid-Neukundenzuwachs seit dem ersten Quartal 2021, war allerdings getrieben durch M2M-basierte Karten aus der Automobilbranche. Ein Großteil des Wachstums war also auf vernetzte Autos zurückzuführen, nicht auf echte neue Kunden.

Steigern konnte die Telekom im abgeschlossenen Quartal aber auch die Zahl der besonders werthaltigen Vertragskunden. Sie legte um 322.000 auf 28,47 Millionen zu. Allein 284.000 neue Vertragskunden konnte die Telekom durch eigene Marken (Telekom, Congstar) gewinnen. Die Datennutzung mit dem Handy liegt gegenwärtig unter den Privatkunden der Telekom bei durchschnittlich fast 25 GB pro Monat. Das sind 32 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Mehr Breitband-, aber weniger Festnetzkunden

Ebenfalls war Wachstum im Breitband-Segment zu verzeichnen. Hier kletterte die Kundenzahl nach einem Minus von 25.000 vor einem Jahr jetzt um 11.000 auf 15,09 Millionen. Rund 14,4 Millionen Haushalte und Unternehmen können bei der Telekom inzwischen einen Glasfaseranschluss (FTTH) buchen. Fast 60 Prozent der Breitbandkunden haben einen Tarif mit mindestens 100 Mbit/s. Gleichzeitig verlor die Telekom 86.000 klassische Festnetzanschlüsse. Zum Stichtag Ende September waren noch 16,53 Millionen dieser Zugänge geschaltet.

Ein Grund für den Rückgang: Immer mehr Menschen telefonieren nur noch über ihr Handy. Und sie nutzen für den Zugang zum Internet einen anderen Anbieter als die Deutsche Telekom, der keinen Festnetzanschluss voraussetzt. Ebenfalls weiter rückläufig ist die Zahl der von Telekom-Wettbewerbern für eigene Breitbandzugänge geschalteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL). Sie gingen im dritten Quartal 2026 um 31.000 auf 1,44 Millionen zurück. Endkunden wechseln zu anderen Anbietern, und Wholesale-Partner ziehen ihre Kunden auf eigene Netze um, heißt es dazu von der Telekom.

Auch die Zahl der TV-Kunden nimmt weiter zu

Wiederum erfreulich: Immer mehr Kunden schauen über die Deutsche Telekom fern. Einen MagentaTV-Vertrag für den TV-Empfang über IPTV oder Satellit nutzen inzwischen 4,81 Millionen Kunden. Allerdings lag das Wachstum im abgeschlossenen Quartal bei nur 8.000 hinzugewonnenen TV-Kunden. Rechnet man die Vertragskunden für die reine App-Variante (OTT) dazu, waren es im Quartal aber sogar 66.000 neue TV-Kunden.

In anderen Ländern Europas kletterte die Zahl der Telekom-Mobilfunkkunden im jüngst beendeten Quartal um 461.000 auf 47,47 Millionen – davon 25,89 Millionen Vertragskunden. Die Zahl der Breitbandanschlüsse nahm um 77.000 auf 7,83 Millionen, die der Festnetzanschlüsse um 36.000 auf 9,09 Millionen zu. Und auch das TV-Geschäft legte zu: um 40.000 auf 4,55 Millionen. In den USA kann die Telekom mit ihrem US-Ableger T-Mobile US auf weitere 34,97 Millionen Postpaid-Kundenkonten blicken. Hier lag das Quartalswachstum bei 274.000.

Finanziell steht die Telekom auf gesunden Beinen

Und was heißt das alles aus finanzieller Perspektive? Der Umsatz legte bei der Deutschen Telekom im dritten Quartal verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 7,5 Prozent auf 31,10 Milliarden Euro zu. Davon wurden mehr als 78 Prozent im Ausland erwirtschaftet. Der Service-Umsatz kletterte um 6,1 Prozent auf 26,05 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 8,8 Prozent auf 13,79 Milliarden Euro.

Unter dem Strich blieb davon ein bereinigter Konzerngewinn in Höhe von 3,01 Milliarden Euro übrig. Ein Plus von fast 13 Prozent. Und davon sollen auch Aktionäre profitieren. Die Dividende soll auf einen neuen Rekordwert in Höhe von 1,10 Euro pro Aktie steigen.

Neue Kundenzahlen von Vodafone und Telefónica Deutschland gibt es für das dritte Quartal übrigens noch nicht. Beide Netzbetreiber haben aber für kommende Woche neue Quartalszahlen angekündigt.

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Kommentar

Von Hayo Lücke

Auf den ersten Blick sieht das Wachstum bei der Deutschen Telekom nach einem waschechten Kundenrausch aus. Doch der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich: Den Großteil des Prepaid-Plus stellen SIM-Karten in Autos, nicht neue Handynutzer. Aussagekräftiger finde ich die 284.000 neuen Vertragskunden bei Telekom und congstar und die Trendwende beim Breitband. Für dich als Kunde heißt das aber auch: Wer so gut verdient, hat wenig Grund, an der Preisschraube nach unten zu drehen.

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