Starlink-Alternative? Warum Telekom, Vodafone und O2 jetzt zusammenarbeiten wollen

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Ausgerechnet die vier großen Rivalen wollen sich gemeinsam um Satellitenfrequenzen für Europa bewerben. Eine Antwort auf Starlink? Ein Satz am Ende ihrer Mitteilung lässt daran zweifeln.
Ein stilisiertes Bild, das ein Handy zeigt, das per Satellit kommuniziertKI-generiertes Bild
Telekom, Vodafone und O2 wollen mit Orange bei Satelliten-Frequenzen zusammenarbeitenBildquelle: ChatGPT

Die vier großen Mobilfunk-Rivalen in Europa tun sich zusammen. Zumindest ein bisschen. Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica als Mutterkonzern von O2 und die französische Orange haben eine Absichtserklärung unterschrieben. Darin vereinbaren sie, ein gemeinsames Gebot für Frequenzen für mobile Satellitendienste in Europa zu prüfen. Prüfen. Nicht abgeben. Bis über diese Frequenzen tatsächlich Dienste laufen, vergehen noch Jahre. Doch der Weg ist bezeichnend.

Worum es geht: das 2-GHz-Band

Überraschend kommt der Schritt nicht. Bloomberg hatte bereits im September berichtet, dass die vier in frühen Gesprächen über ein Konsortium seien, das um europäisches Satellitenspektrum bieten und Telefonie, SMS und Daten direkt auf normale Handys bringen solle. Erst vergangene Woche hatte 1&1-Netzchef Michael Martin im Gespräch über Starlink als Handynetz die Hürden für Elon Musk in Europa beschrieben. Jetzt ist der Schulterschluss der großen Mobilfunker offiziell.

Konkret geht es um das 2-GHz-Band für mobile Satellitendienste, kurz MSS. Es gilt als gut geeignet für Direct-to-Device, also die direkte Verbindung vom Satelliten zum ganz normalen Smartphone. Die Nutzung ist seit 2008 europaweit harmonisiert, die aktuellen Lizenzen halten Viasat und EchoStar. Doch sie laufen im Mai 2027 aus. Die Chance für die Mobilfunker, der Frequenzen Herr zu werden.

Die EU-Kommission will die Frequenzen selbst vergeben. Am 27. Mai 2026 hat sie ein EU-weites Auswahlverfahren vorgeschlagen. Ein Drittel des Bandes soll an einen EU-Betreiber für staatliche Nutzung gehen, etwa für Sicherheitsbehörden und Militär, verzahnt mit dem geplanten europäischen Satellitennetz IRIS². Zwei Drittel sind für kommerzielle Dienste wie Direct-to-Device vorgesehen. Davon steht eine Hälfte nur europäischen Anbietern offen, die andere auch Anbietern von außerhalb der EU.

Das trifft vor allem Musk. EchoStars Lizenzen sollen zwar im Rahmen des großen Frequenzdeals an SpaceX gehen, nach dem Plan der Kommission müsste SpaceX sich in Europa aber neu bewerben. Und wann? Parlament und Rat müssen noch zustimmen. Die Kanzlei Greenberg Traurig rechnet mit einer Verabschiedung Ende 2027 oder 2028, dem Auswahlverfahren 2028 bis 2029 und der Zuteilung der neuen Rechte 2029.

Die Konzerne bauen am Boden, nicht im All

Was die vier Netzbetreiber selbst beisteuern wollen: Infrastruktur am Boden sowie Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen in Europa. An einer Satellitenkonstellation wollen sie sich nicht direkt beteiligen. Die soll ein Partner liefern, der noch ausgewählt wird. Laut Mitteilung soll er bewährte Technik und Erfahrung beim Aufbau solcher Systeme mitbringen.

Allen Mobilfunkanbietern in Europa versprechen die vier offenen und diskriminierungsfreien Zugang. Das schließt dann auch 1&1 ein, das bei dem Bündnis nicht dabei ist, sofern man in Montabaur Interesse hat.

Europäische Kontrolle, offener Zugang, Souveränität. Klingt gut. Doch genau hier liegt der Haken. Wer heute Erfahrung damit hat, normale Smartphones direkt aus dem All zu versorgen, sitzt vor allem in den USA. Die Denkfabrik European Space Policy Institute warnte vergangene Woche, ein gemeinsames Gebot europäischer Netzbetreiber könne darauf hinauslaufen, dass das Spektrum an eine Gruppe mit nichteuropäischem Satellitenpartner gehe. Europa würde dann sinngemäß das Etikett behalten und die Substanz verlieren. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn sich die Mobilfunker am Ende wieder mit Musk und Starlink zusammentun. Doch mit der SES aus Luxemburg, die inzwischen den US-Mitbewerber Intelsat übernommen hat, gibt es auch europäische Satellitenbetreiber. Die SES hat angekündigt, künftig Satelliten sogar selbst bauen zu wollen. In Luxemburg.

Partner und Konkurrent zugleich

Bemerkenswert ist ein Satz am Ende der Mitteilung der vier Mobilfunker. Die Absichtserklärung ersetze keine bestehenden Satellitenpartnerschaften. Und die gibt es. Die Telekom will ab Anfang 2028 gemeinsam mit Starlink Smartphones direkt per Satellit anbinden, auch in Deutschland. Sie bewirbt sich im Zweifel also gegen den eigenen Partner um Frequenzen.

Bei Vodafone ist es kaum einfacher. Der Konzern hält die Hälfte an einem Gemeinschaftsunternehmen mit AST SpaceMobile aus Texas. Diese 50:50-Struktur würde nach dem Kommissionsvorschlag laut Bloomberg nicht als europäisch kontrolliert gelten. Übrigens ist dieses Gemeinschaftsunternehmen, Satellite Connect Europe, auch Vertragspartner von Telefónica und Orange. Alle vier Mobilfunker sind also schon mit nichteuropäischen Partnern verbandelt.

Die Konzerne fahren also zweigleisig. Klappt es mit den Frequenzen, haben sie ein Standbein, das nicht von Musk abhängt. Klappt es nicht, bleiben die bestehenden Deals. Aus ihrer Sicht ist das schlau. Ob es auch Europas Souveränität dient, hängt am Ende davon ab, wer die Satelliten baut. Eine Starlink-Alternative also? Vielleicht. Aber nicht vor 2029. Und bei IRIS² sogar noch später.

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