Starlink als Handynetz in Deutschland? Mobilfunk-Chef sieht große Hürden

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SpaceX kauft in den USA Mobilfunkfrequenzen und will mit Starlink selbst Netzbetreiber werden. Die Börse ist nervös, die Telekom-Aktie rutscht ab. Doch was heißt das für dein Handy in Deutschland? 1&1-Netzchef Michael Martin hat nachgerechnet. Mit ernüchterndem Ergebnis.
Starlink-Login auf einem Smartphone
Kommt Starlink auf die Handys in Deutschland?Bildquelle: FellowNeko / Shutterstocl

Elon Musk will dir einen Handyvertrag verkaufen. Nicht heute. Nicht morgen. Und erst einmal auch nicht in Deutschland. Denn Starlink Mobile startet in den USA. Dort hat SpaceX vereinbart, landesweite Mobilfunkfrequenzen im 800-MHz-Band zu kaufen. Niedrige Frequenzen wie diese reichen weit und kommen gut durch Wände. Es geht um bis zu 14 MHz gepaartes Spektrum, also je ein Funkkanal für Hin- und Rückrichtung. Verkäufer ist der Finanzinvestor Grain Management, der die Lizenzen zuvor von T-Mobile US übernommen hatte. Preis laut „Wall Street Journal“: rund acht Milliarden Dollar. Die US-Regulierungsbehörde FCC muss noch zustimmen.

Partner sein ist das eine. Konkurrent sein das andere. Bisher war Starlink für US-Netzbetreiber wie T-Mobile US ein Zulieferer, der Handys in Funklöchern per Satellit versorgt. Jetzt will SpaceX selbst Netzbetreiber werden. Schon 2025 hatte der Konzern für 17 Milliarden Dollar Frequenzen von EchoStar gekauft. Nun kommt Spektrum für Antennen am Boden dazu.

Die Börse reagierte prompt. Verizon, AT&T und T-Mobile US verloren laut „Financial Times“ zusammen rund 45 Milliarden Dollar an Börsenwert. Auch die Aktie der Deutschen Telekom, Mutter von T-Mobile US, rutschte deutlich ab.

Kommt jetzt der fünfte Netzbetreiber aus dem All? So schnell nicht. Das sagt jemand, der es wissen muss. Michael Martin ist Chef der 1&1 Mobilfunk GmbH, also des vierten und jüngsten Netzbetreibers in Deutschland. Auf den Connect Innovation Days in Berlin diskutierte er diese Woche über hybride Netze aus Mobilfunk, WLAN und Satellit. Und er wurde deutlich. Spricht 1&1 mit Starlink? Ja. „Wir sprechen mit denen, ich glaube, jeder spricht mit denen“, sagt Martin. „Aber das ist schon speziell. Also: Nimm, friss oder stirb.“

Warum Satelliten allein nicht reichen

Dann rechnete Martin vor: Ein Netzbetreiber, der ganz Deutschland versorgt, betreibt nach seiner Rechnung rund 30.000 Basisstationen. Jeder hat etwa 150 bis 200 MHz Spektrum. Starlink hat über Deutschland gleichzeitig vielleicht eine höhere zweistellige Zahl an Satelliten, schätzt Martin. Und Aussicht auf etwa 20 MHz.

Rechnerisch kommen damit auf einen Satelliten mehrere Hundert Basisstationen am Boden. Um gleichzuziehen, müsste Musk also Zehntausende Satelliten nur für Deutschland ins All schießen. Und sich 200 MHz Spektrum sichern, in jedem europäischen Land einzeln. „Ich glaube, da geht noch ein bisschen Zeit verloren“, sagt Martin. Trockener geht es kaum.

Dazu kommt die Haltbarkeit. „Diese Satelliten fallen nach ein paar Jahren wieder runter, müssen wieder nachgeschossen werden“, so Martin. „So wie wenn ich alle fünf Jahre 30.000 neue Basisstationen bauen soll.“

1&1 Mobilfunk-Chef Michael Martin auf den Connect Innovation Days
1&1 Mobilfunk-Chef Michael Martin auf den Connect Innovation Days Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Aber Vorsicht: Das sind Martins Einschätzungen auf einem Diskussionspanel, keine offiziellen Zahlen. Und sie sind eine Momentaufnahme. Denn SpaceX legt nach. Anfang Oktober hat die FCC eine neue Generation von Starlink-Mobile-Satelliten genehmigt, bis zu 15.000 Stück. Laut SpaceX bieten sie mehr als hundertmal so viel Kapazität wie die erste Generation.

Kleinreden will Martin Starlink nicht. Wo es riesige, menschenleere Flächen gibt, spielt der Satellit seine Stärken aus. Nur: „Wir haben in Deutschland und auch in Österreich kein Wyoming“, sagt der Österreicher. Als Festnetzersatz mit eigener Schüssel auf dem Dach sei Starlink dagegen „total brauchbar“.

Und die Handys? Direct-to-Cell, also die direkte Verbindung vom Satelliten zum ganz normalen Smartphone, müsse man als Mobilfunker ernst nehmen. Sein Szenario: Musk bringt Satelliten günstig ins All. Er bekommt das Spektrum. Und er schließt einen Deal mit einem WLAN-Hersteller, sodass dein Handy nahtlos zwischen Satellit und WLAN wechselt. Ganz ohne Mast. „Ich glaube, spätestens dann ist ein vollwertiger Mobilfunknetzbetreiber entstanden“, sagt Martin. Und schiebt hinterher: „Ich glaube nur, dass das noch 10, 20 Jahre dauern wird.“

Wie SpaceX sich Starlink Mobile vorstellt, steht im Antrag bei der FCC. Geplant ist ein hybrides Netz. Satellit oben, Antennen unten. Die 800-MHz-Frequenzen sollen dorthin, wo der Satellit scheitert: in Gebäude. Das „Handelsblatt“ berichtete, die Starlink-Antenne auf dem Dach solle zum Handymast werden. Klingt spektakulär. Im öffentlich einsehbaren Antrag steht es so aber nicht. Dort schreibt SpaceX allgemein von Funkanlagen auf Masten, Dächern und anderen Bauwerken. Ob auch die Dächer von Starlink-Kunden gemeint sind, lässt das Papier offen.

Spannend ist aber etwas anderes. Selbst SpaceX setzt nicht allein auf Satelliten. Für Gebäude und Städte plant auch Musk mit Antennen am Boden. Damit stützt der Antrag ausgerechnet Martins Kernargument: Satelliten allein ergeben noch kein vollwertiges Handynetz.

Warum Musk es in Deutschland schwerer hat

In den USA werden Frequenzlizenzen zwischen Unternehmen gehandelt, die FCC muss nur zustimmen. SpaceX hat genau das genutzt. In Deutschland geht das so nicht. Hier vergibt die Bundesnetzagentur das Mobilfunkspektrum, meist per Auktion. Und es liegt bei den vier Netzbetreibern Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1. Eine Weitergabe ist unter Auflagen möglich. Bedenkt man aber, dass 1&1 schon Schwierigkeiten hat, eigentlich zugesagte Low-Band-Frequenzen von den Mitbewerbern zu bekommen, dürfte es für Musk aussichtslos sein, auf diesem Weg an Spektrum zu kommen. In einer Auktion hingegen könnte er das Preisniveau in ungeahnte Höhen treiben.

Bleibt das Spektrum für den Satellitenfunk. Das sogenannte 2-GHz-Band für mobile Satellitendienste wird in Europa neu verteilt, weil die aktuellen Lizenzen 2027 auslaufen. Die EU-Kommission will darüber auf EU-Ebene entscheiden und europäische Anbieter bevorzugen. SpaceX warnt vor Einschränkungen.

Laut „Politico“ wollen Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange enger zusammenarbeiten, um Starlinks Vormacht bei Satelliten etwas entgegenzusetzen. Den Anstoß gab Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Ein Spaziergang wird Europa für Musk also nicht.

Satellit im Handy: Das kommt zuerst

Der Satellit kommt ins Handy. Aber als Rettungsanker, nicht als Netz. Die Telekom will ab Anfang 2028 gemeinsam mit Starlink Smartphones direkt per Satellit anbinden, auch in Deutschland. Verliert dein Handy das Netz am Boden, soll es automatisch umschalten. Telefonie, SMS und Daten laufen dann weiter. Was das kostet? Noch offen. Vodafone setzt für dasselbe Ziel auf den US-Anbieter AST SpaceMobile.

Das deckt sich mit Martins Prognose. Erst kommen die weißen Flecken, also Gegenden ganz ohne Netz. Echtes Wechseln zwischen Satellit und Boden, während du unterwegs bist, braucht länger. Und den Takt geben nicht die Netzbetreiber vor, sondern die Smartphone-Hersteller.

Ein fünfter Netzbetreiber aus dem All? Geht es nach Martin: nicht in diesem Jahrzehnt.

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