Tagesgeld-Vergleich: Wo es jetzt die meisten Zinsen gibt

Wer heute einen Tagesgeld-Vergleich aufruft, sieht Zinssätze von mehr als vier Prozent und übersieht dabei fast zwangsläufig die Fußnote. Die Europäische Zentralbank hat am 10. September den Einlagensatz von 2,25 auf 2,50 Prozent angehoben. Es ist die zweite Erhöhung in diesem Jahr, wirksam ab dem 16. September 2026. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,65 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,90 Prozent. Banken bekommen also mehr Geld dafür, überschüssige Mittel über Nacht bei der Notenbank zu parken. Einen Teil davon geben sie weiter. Nur eben nicht an jeden. Und nicht dauerhaft.

Welche Bank zahlt im Tagesgeld-Vergleich die meisten Zinsen?

Der Spitzenzins im aktuellen Tagesgeld-Vergleich liegt bei 4,25 Prozent pro Jahr. Er gilt vier Monate, für Neukunden, danach fällt das Konto auf 1,25 Prozent. Wer das übersieht, verschenkt bei 10.000 Euro rund 50 Euro im Jahr an die Konkurrenz. Und das, obwohl er sich für den vermeintlich besten Anbieter entschieden hat.

Stand dieses Vergleichs: 11. September 2026. Zinssätze: Angaben der Anbieter. Anlagesumme 10.000 Euro. Wir aktualisieren diesen Ratgeber monatlich sowie nach jeder EZB-Zinsentscheidung. Nächster Termin: 29. Oktober 2026.

Diese fünf Anbieter führen den Tagesgeld-Vergleich nach beworbenem Zinssatz an:

BankAktionszins p. a.DauerBasiszins danach
Revolut4,25 %4 Monate1,25 %
Renault Bank direkt4,10 %4 Monate2,00 %
Ayvens Bank4,00 %3 Monate2,30 %
Chase4,00 %4 Monate2,00 %
Ikano Bank3,91 %3 Monate1,51 %

Bei allen genannten Instituten ist dein Geld über eine gesetzliche europäische Einlagensicherung geschützt – in der Regel bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Zur schwedischen TF Bank steht weiter unten ein eigener Abschnitt. Dort gilt eine andere Grenze und ein zusätzliches Risiko.

Tagesgeld-Vergleich: Warum der höchste Werbezins selten der beste ist

Fast alle Spitzenangebote sind Aktionszinsen. Sie laufen drei bis sechs Monate, danach greift der Basiszins – und der unterscheidet sich zwischen den Anbietern um mehr als anderthalb Prozentpunkte. Entscheidend ist deshalb nicht die Zahl auf dem Werbebanner, sondern was nach zwölf Monaten auf dem Konto liegt.

Wir haben es für 10.000 Euro durchgerechnet: Aktionszins für die beworbene Dauer, danach Basiszins bis zum Monat zwölf.

Der Anbieter mit dem höchsten Werbezins landet auf Platz vier. Zwischen Erstem und Letztem liegen 68 Euro – bei Werbezinsen, die sich um 0,75 Prozentpunkte unterscheiden.

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Drei Punkte solltest du deshalb vor der Kontoeröffnung prüfen:

  • Wie lange gilt der Aktionszins? Drei Monate bei Ayvens und Ikano, vier bei Revolut, Renault und Chase, sechs bei VW Bank und 1822direkt.
  • Bis zu welcher Summe? Manche Banken deckeln den Aktionszins, bei Revolut endet er bei 25.000 Euro. Alles darüber wird zum Basiszins verzinst.
  • Wie oft werden Zinsen gutgeschrieben? Monatliche oder vierteljährliche Gutschrift bringt dir einen Zinseszinseffekt, jährliche nicht.

Was passiert, wenn die Aktion ausläuft

Der Durchschnitt zeigt, wie weit Werbung und Alltag auseinanderliegen. Der biallo-Index für Tagesgeld ist seit Jahresbeginn von 1,37 auf 1,74 Prozent gestiegen. Der Spitzenzins liegt bei 4,25 Prozent. Diese Lücke von zweieinhalb Prozentpunkten erklärt sich fast vollständig aus Neukundenaktionen: Die jüngsten Zinserhöhungen der Banken galten beim Tagesgeld überwiegend nur für Neukunden. Wer sein Konto seit zwei Jahren führt, spürt vom EZB-Entscheid wenig bis nichts.

Daraus folgt eine simple Routine:

  1. Enddatum des Aktionszeitraums direkt bei Kontoeröffnung in den Kalender eintragen, mit zwei Wochen Vorlauf.
  2. Zwei Wochen vorher den aktuellen Tagesgeld-Vergleich prüfen.
    Bei Bedarf neues Konto eröffnen, Geld überweisen, altes Konto behalten oder schließen.
  3. Tagesgeld ist täglich verfügbar, Kündigungsfristen gibt es nicht. Der Wechsel kostet dich eine halbe Stunde. Bei 10.000 Euro bringt er, gemessen am Unterschied zwischen Spitzen- und Durchschnittszins, deutlich mehr als 100 Euro im Jahr.

Was die EZB-Entscheidung für dein Konto bedeutet

Bis Juni 2026 lag der Einlagensatz fast ein Jahr lang bei 2,00 Prozent. Am 11. Juni hob die EZB erstmals seit September 2023 wieder an, im Juli folgte eine Pause, am 10. September der zweite Schritt.

Begründet hat die Notenbank den Schritt mit dem anhaltenden Preisdruck aus dem Nahost-Konflikt; die Inflation dürfte länger deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent liegen. Für Sparer heißt das kurzfristig: Es geht weiter nach oben. Die für das biallo-Zinsbarometer befragten Banken rechnen allerdings damit, dass der Anstieg der Sparzinsen zum Jahresende ausläuft. Bei der nächsten Sitzung am 29. Oktober wird nach aktueller Markterwartung nichts passieren.

Tagesgeld-Vergleich und Inflation: Was von den Zinsen übrig bleibt

Die Inflationsrate in Deutschland lag im August 2026 bei 2,9 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juli und 2,3 Prozent im Juni. Haupttreiber waren erneut die Energiepreise, die binnen eines Jahres um 10,5 Prozent zulegten.

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Die Rechnung fällt ernüchternd aus

  • Durchschnittliches Tagesgeld: 1,74 Prozent gegen 2,9 Prozent Inflation. Macht minus 1,16 Prozentpunkte – auf 10.000 Euro rund 116 Euro Kaufkraftverlust im Jahr.
  • Bestes Angebot nach Effektivzins: 2,73 Prozent. Auch das liegt unter der Teuerungsrate, wenn auch nur um 0,17 Punkte.
  • Nach Steuern: Sobald der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist, ziehen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag weitere 0,72 Punkte ab. Aus 2,73 Prozent werden dann 2,01 Prozent.

Kein Tagesgeldkonto schlägt derzeit die Inflation. Das ist kein Argument gegen Tagesgeld – für den Notgroschen und für Geld, das du in den nächsten Monaten brauchst, gibt es kaum eine Alternative. Es ist ein Argument dagegen, größere Summen dauerhaft dort liegen zu lassen.

Einlagensicherung: Wo 100.000 Euro nicht 100.000 Euro sind

Innerhalb der EU sind Einlagen gesetzlich bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank abgesichert. Bei Banken außerhalb der Eurozone gilt die Summe in Landeswährung. Die schwedische TF Bank etwa sichert bis 1.150.000 schwedische Kronen ab, umgerechnet derzeit rund 105.000 Euro.

Experten-Regel: So viel Geld sollte mindestens auf deinem Konto liegen

Der Haken steckt in der Währung: Entschädigt wird in Kronen, umgerechnet zum Kurs am Tag der Insolvenz. Fällt die Krone bis dahin, sinkt der Euro-Gegenwert deiner Absicherung. Wer bewusst unter der 100.000-Euro-Marke bleibt, ist davon nicht betroffen. Wer die Grenze ausreizt, sollte den Puffer einkalkulieren.

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Achte außerdem darauf, ob du das Konto direkt bei der Bank eröffnest oder über eine Zinsplattform. Beides ist zulässig, die Abwicklung unterscheidet sich aber – bei Plattformen läuft dein Geld über ein Konto der Partnerbank.

Steuern: Freistellungsauftrag erteilen, sonst zahlst du zu viel

Zinsen sind Kapitalerträge und damit steuerpflichtig. Der Sparerpauschbetrag liegt 2026 unverändert bei 1.000 Euro pro Person, bei zusammenveranlagten Ehepaaren bei 2.000 Euro (§ 20 Abs. 9 EStG). Bis zu dieser Grenze bleiben deine Zinsen steuerfrei. Vorausgesetzt, du hast bei der Bank einen Freistellungsauftrag eingerichtet. Ohne ihn führt die Bank ab dem ersten Euro 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli ab, die du dir erst über die Anlage KAP zurückholen kannst.

Zur Einordnung: Bei einem Effektivzins von 2,73 Prozent ist der Pauschbetrag eines Singles ab etwa 36.600 Euro Anlagesumme ausgeschöpft.

Kinderdepot bei DKB, ING und Co.: 13.384 Euro steuerfrei. Der Haken kommt mit 18

Ein zusätzlicher Punkt bei ausländischen Banken: Viele von ihnen führen keine deutsche Abgeltungsteuer ab und nehmen auch keinen Freistellungsauftrag entgegen. Dann musst du die Zinserträge selbst in der Steuererklärung angeben. Das ist kein Beinbruch, aber eine Pflicht und ein Argument für Anbieter mit automatischem Steuerabzug, wenn du dir den Aufwand sparen willst.

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Alternative Festgeld: mehr Zinsen, kein Zugriff

Wenn du eine Summe längere Zeit nicht brauchst, zahlt Festgeld derzeit spürbar mehr – und schlägt als einzige der beiden Anlageformen die Inflation.

Der Preis dafür ist die fehlende Verfügbarkeit: Während der Laufzeit kommst du in der Regel nicht an dein Geld. Dazu kommt das Zinsänderungsrisiko in beide Richtungen. Wer sich jetzt zehn Jahre bindet, sichert sich das aktuelle Niveau, verpasst aber jede weitere Erhöhung. Und Vorsicht bei Angeboten, die deutlich aus dem Rahmen fallen: Es gab in den vergangenen Jahren mehrfach betrügerische Festgeld-Angebote mit gefälschten Bankdokumenten.

Häufige Fragen zum Tagesgeld-Vergleich

6 Fragen
Welche Bank zahlt im September 2026 die höchsten Tagesgeldzinsen?

Den höchsten beworbenen Zins zahlt Revolut mit 4,25 Prozent pro Jahr, begrenzt auf vier Monate und 25.000 Euro. Über zwölf Monate gerechnet liegt die Ayvens Bank mit einem Effektivzins von 2,73 Prozent vorn.

Was ist der Unterschied zwischen Aktionszins und Basiszins?

Der Aktionszins gilt nur für Neukunden und nur für einen begrenzten Zeitraum, meist drei bis sechs Monate. Danach wird das Guthaben zum Basiszins verzinst, der zwischen 0,60 und 2,30 Prozent liegt.

Lohnt sich Tagesgeld bei 2,9 Prozent Inflation?

Als Parkplatz für den Notgroschen ja, als Geldanlage nur eingeschränkt. Selbst das beste Angebot liegt nach zwölf Monaten knapp unter der Inflationsrate. Für Geld, das du länger als ein Jahr entbehren kannst, zahlt Festgeld derzeit mehr.

Wie oft sollte ich das Tagesgeldkonto wechseln?

Immer dann, wenn der Aktionszeitraum endet. Bei den aktuellen Angeboten sind das drei bis sechs Monate. Tagesgeld ist täglich verfügbar, ein Wechsel kostet keine Gebühren.

Muss ich Tagesgeldzinsen versteuern?

Ja. Bis 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr (2.000 Euro bei Ehepaaren) bleiben sie über den Sparerpauschbetrag steuerfrei, wenn ein Freistellungsauftrag vorliegt. Darüber fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an.

Ist mein Geld auf dem Tagesgeldkonto sicher?

Innerhalb der EU greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Bei Banken außerhalb der Eurozone gilt der Betrag in Landeswährung, der Euro-Gegenwert schwankt mit dem Wechselkurs.

So vergleichen wir

Berücksichtigt werden Tagesgeldkonten mit gesetzlicher Einlagensicherung innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums und deutschsprachigem Kundenzugang. Grundlage der Zinssätze sind Anbieterangaben, Datenstand ist im Text ausgewiesen. Die Effektivzins-Berechnung ist eine eigene Modellrechnung ohne Zinseszins und unterstellt einen konstanten Basiszins nach Ablauf der Aktion. Dieser Artikel ist eine redaktionelle Marktbeobachtung und keine Anlageberatung. Er enthält Partner-Links: Schließt du über einen solchen Link ein Produkt ab, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Konditionen nichts.

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