Kinderdepot bei DKB, ING und Co.: 13.384 Euro steuerfrei. Der Haken kommt mit 18

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DKB, ING, Trade Republic und Co. werben derzeit massiv für Kinderdepots. Doch viel wichtiger als jede Prämie sind ein Steuerhebel und eine rechtliche Besonderheit, die viele Eltern übersehen. Ein 100-Euro-Geschenk der DKB wird dabei zur Nebensache.
Kinderdepot bei DKB, ING und Co.: 13.384 Euro steuerfrei. Der Haken kommt mit 18
Kinderdepot bei DKB, ING und Co.: 13.384 Euro steuerfrei. Der Haken kommt mit 18Bildquelle: Наталия Негребецкая / Unsplash

Die DKB zahlt aktuell 100 Euro fürs erste Kinderdepot, ING, Trade Republic und Scalable Capital haben ihre Konditionen für Juniordepots zuletzt ebenfalls nachgeschärft. Die Prämie ist der Aufhänger. Die eigentliche Geschichte liegt woanders: bei einem Steuerfreibetrag von bis zu 13.384 Euro, den kaum ein Vergleichsportal ausspricht. Und bei einer Regel, die Eltern mit dem 18. Geburtstag des Kindes jede Kontrolle über das eingezahlte Geld nimmt.

Der Steuerhebel, über den selten gesprochen wird

Kinder verfügen über einen eigenen Steuerfreibetrag auf Kapitalerträge, unabhängig von dem der Eltern. Für 2026 bedeutet das: Bis zu 13.384 Euro an Kapitalerträgen bleiben steuerfrei, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – zusammengesetzt aus Grundfreibetrag (12.348 Euro), Sparerpauschbetrag (1.000 Euro) und Sonderausgaben-Pauschbetrag (36 Euro).

Dadurch lassen sich Kapitalerträge rechtmäßig beim Kind statt bei den Eltern versteuern. Für Familien oder Großeltern, die ohnehin Vermögen übertragen wollen, ergibt sich daraus ein Gestaltungsspielraum, der über den bloßen Freistellungsauftrag hinausgeht: Kombiniert mit den Schenkungsteuer-Freibeträgen (400.000 Euro pro Elternteil, alle zehn Jahre neu nutzbar) lässt sich Vermögen frühzeitig und steuerlich günstig auf die nächste Generation übertragen. Auch Großeltern können auf diesem Weg unkompliziert einzahlen, ohne selbst Vertragspartner des Depots zu werden. Bei einigen Anbietern reicht dafür ein einfacher Dauerauftrag auf das Verrechnungskonto des Kindes. Die meisten Übersichten enden an dieser Stelle bereits beim Hinweis auf den Freistellungsauftrag und lassen den eigentlichen Gestaltungsspielraum links liegen.

Der Punkt, den Werbetexte gern klein schreiben

Mindestens ebenso wichtig: Das Geld im Juniordepot gehört ab dem Zeitpunkt der Einzahlung ausschließlich dem Kind. Nicht den Eltern, nicht der Familie. Mit dem 18. Geburtstag geht die vollständige Verfügungsgewalt automatisch über. Ohne Übergangsfrist, ohne elterliches Vetorecht. Eltern können dann weder bestimmen, wofür das Geld verwendet wird, noch eine Auszahlung verhindern

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Eine hundertprozentige Zweckbindung gibt es dabei nicht. Wer verhindern will, dass aus dem Studienfonds mit 18 spontan ein Auto wird, hat im Wesentlichen zwei Auswege: Entweder das Geld gar nicht erst aufs Kind laufen lassen, sondern in einem eigenen Depot der Eltern ansparen und später schenken. Dann greift der Kinderfreibetrag allerdings nicht mehr. Oder frühzeitig das Gespräch mit dem Kind suchen, sobald es alt genug ist, um Erwartungen zu verstehen. Ein Vertrag, der das rechtlich absichert, existiert nicht. Wer lediglich Geld für Ausbildung oder Studium zurücklegen möchte, sollte sich diese Abwägung vor der Depoteröffnung bewusst machen, nicht danach.

Die DKB-Aktion in aller Kürze

Wer zwischen dem 15. Juli und dem 5. August 2026 sein erstes DKB-Einzeldepot oder Juniordepot eröffnet, mindestens ein Wertpapier kauft oder einen Sparplan einrichtet und diesen bis zum 15. November mindestens dreimal ausführen lässt, erhält im Dezember 100 Euro auf das Kinderkonto. Voraussetzung ist ein DKB-Girokonto als Verrechnungskonto. Die Aktion gilt für die ersten 10.000 Depots, die sämtliche Bedingungen erfüllen.

Rechnerisch ist das attraktiv. Bei der Mindestsparrate von 25 Euro und drei Ausführungen müssen lediglich 75 Euro investiert werden. Selbst nach Sparplangebühren von insgesamt 4,50 Euro bleibt eine Rendite, die klassische Tagesgeldangebote deutlich übertrifft. Auch die dauerhaft kostenlose Depotführung spricht für die DKB.

Gut, mit Haken

Kurz gesagt: Ja, ein gutes Angebot. Die 100 Euro gehören derzeit zu den höchsten Barprämien im Markt, die Einstiegshürde ist niedrig, das Depot bleibt dauerhaft kostenlos. Ganz ohne Einschränkungen ist das Ganze aber nicht.

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Die DKB verlangt zwingend ein eigenes Girokonto für das Kind als Verrechnungskonto. Wer bislang kein Kunde ist, eröffnet also nicht nur ein Depot, sondern verlagert die gesamte Bankverbindung des Kindes zur DKB. Auch bei den laufenden Kosten gehört die Bank nicht zu den günstigsten Anbietern: Mit 1,50 Euro pro Sparplanausführung liegt sie über Trade Republic oder Scalable Capital, die ETF-Sparpläne grundsätzlich kostenlos anbieten. Für langfristige ETF-Sparer kann der Bonus deshalb nach einigen Jahren durch höhere Gebühren wieder aufgezehrt werden.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die DKB ist mit ihrer Aktion kein Einzelfall. Nahezu alle großen Anbieter haben ihre Kinderdepot-Angebote in den vergangenen Monaten überarbeitet. Während die DKB mit einer hohen Einmalprämie wirbt, setzen Trade Republic und Scalable Capital auf dauerhaft kostenlose Sparpläne, ETF-Rückvergütungen und Guthabenzinsen. ING, Consorsbank und comdirect punkten mit größerer Produktauswahl oder flexibleren Kontomodellen.

Welcher Anbieter der beste ist, hängt deshalb weniger von der Prämie als vom eigenen Sparverhalten ab. Wer jahrzehntelang monatlich ETFs bespart, sollte stärker auf die laufenden Gebühren achten als auf einen einmaligen Bonus.

Warum plötzlich alle Banken Kinderdepots entdecken

Dass derzeit fast alle großen Anbieter ihre Kinderangebote verbessern, dürfte kein Zufall sein. Im Hintergrund steht die geplante Frühstart-Rente. Nach den bisherigen politischen Plänen sollen Kinder künftig ab dem sechsten Lebensjahr einen staatlichen Zuschuss von monatlich 10 Euro erhalten, der in ein Wertpapierdepot fließt. Der Start ist derzeit für 2027 vorgesehen, rückwirkend für den Jahrgang 2020. Das Gesetz ist noch nicht endgültig verabschiedet, die politischen Eckpunkte stehen jedoch weitgehend fest. Sollte das Modell kommen, entsteht praktisch über Nacht ein riesiger neuer Markt für Kinderdepots.

Aus dieser Perspektive wirken die 100 Euro der DKB weniger wie Großzügigkeit als wie klassische Kundengewinnung. Wer heute die Depotbeziehung zur Familie aufbaut, muss morgen nicht mehr um dieselben Kunden werben. Das ist keine Aussage über die Motive der DKB. Auffällig ist aber das Muster: Mehrere große Anbieter schärfen ihre Kinderangebote nahezu gleichzeitig nach, während sich mit der Frühstart-Rente ein neuer Milliardenmarkt abzeichnet.

Fazit: Was denn nun?

Die DKB-Aktion ist objektiv attraktiv. Wer ohnehin ein DKB-Konto nutzen möchte oder ohnehin ein Kinderdepot eröffnen wollte, nimmt die 100 Euro sinnvoll mit.

Die Prämie sollte aber nicht der alleinige Entscheidungsgrund sein. Wichtiger sind die laufenden Kosten, die passende Depotlösung und die zwei Punkte, die in den meisten Werbetexten ziemlich wenig Aufmerksamkeit bekommen: die steuerlichen Möglichkeiten eines Juniordepots und die Tatsache, dass das Vermögen rechtlich von Anfang an dem Kind gehört. Die 100 Euro sind nicht die eigentliche Geschichte. Sie sind nur der Anlass, sich ein Thema genauer anzusehen, das für viele Familien in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden dürfte.

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