Die Gehälter der Senderchefs veröffentlichen ARD und ZDF selbst. Der WDR-Intendant kam zuletzt auf 427.900 Euro im Jahr, Kai Gniffke als damaliger SWR-Intendant und ARD-Vorsitzender auf 392.530 Euro. Zusammen landen die Intendantengehälter bei rund 3,1 Millionen Euro jährlich. Das ist kein Taschengeld. Das ist eine Summe, bei der selbst abgebrühte Beitragszahler kurz den Atem anhalten und sich fragen, ob der Rundfunk nicht ein wenig zu komfortabel eingerichtet ist.
Die Rechtfertigung für die Millionen
Gniffke verweist auf die Verantwortung für rund 15 Millionen Menschen im Sendegebiet und mehrere tausend Beschäftigte. Das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Führung kostet Geld, große Organisationen ebenfalls. Nur sitzt der Einwand der Kritiker trotzdem. Ein Rettungssanitäter trägt ebenfalls Verantwortung, oft unmittelbarer und unter härteren Bedingungen, und bekommt keinen Intendantenbonus. Die Gehaltsdebatte ist deshalb kein Phantom, sondern echt. Nur endet sie dort, wo manche Wutbürger gleich die nächste Verschwörung wittern.
Hohe Gehälter können unangemessen wirken. Sie können arrogant aussehen, überzogen, schwer vermittelbar. Sie machen aber keine einzige Nachricht automatisch falsch. Der Streit über Bezahlung ist ein Kostenstreit. Der Streit über Einseitigkeit ist ein Medienstreit. In den Kommentarspalten werden beide dauernd in denselben Topf geworfen, vermutlich weil das einfacher ist, als sauber zu unterscheiden.
Quelle: Seriöse Zeitung
Und dann tauchen die frei erfundenen Zahlen auf. „99,7 Prozent der Gebühren gehen für Gehälter drauf, nur 0,3 Prozent ins Programm“, schreibt eine Leserin und verweist auf eine „seriöse Zeitung“, die sie nicht nennt. Die Zahl ist Quatsch. Der größte Teil des Etats fließt ins Programm, also in Produktionen, Lizenzen, Sport- und Filmrechte, Technik und Verbreitung. Beim ZDF liegt der Programmaufwand laut KEF-Berichten sogar bei mehr als der Hälfte des Gesamtaufwands. Personal ist teuer. Aber eben nicht 99,7 Prozent teuer.
ARD, ZDF und die Millionen: Das Gehalts-Urteil
Die Gehälter sind hoch und öffentlich. Das ist ein legitimer Kostenstreit, kein Beleg für Einseitigkeit. Die Zahl mit den „99,7 Prozent“ ist erfunden. Und der Reflex, aus jedem teuren Intendantengehalt gleich einen Beweis für den moralischen Verfall des gesamten Systems zu basteln, ist ziemlich menschlich. Leider auch ziemlich billig.
➡️ Das war einer von fünf Vorwürfen. Im großen Faktencheck haben wir über 550 GEZ-Kommentare sortiert – Einseitigkeit, Staatsnähe, Knast-Mythos und Propaganda inklusive: ARD und ZDF unter Beschuss: Wo die GEZ-Kritiker recht haben. Und wo nicht.
