Die Sparkasse startet ein neues Angebot für 20 Millionen Kunden: Trade-Republic-Killer oder Rohrkrepierer?

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Die Sparkasse hat in Deutschland rund 50 Millionen Kunden. Doch ein entscheidendes Angebot fehlte bislang. Jetzt aber greifen die Sparkassen mit ebendiesem Angebot Trade Republic und Co. an. Aber reicht das wirklich, um junge Anleger zurückzuholen?
Die Sparkasse startet neues Angebot für 20 Millionen Kunden: Trade-Republic-Killer oder Rohrkrepierer?
Die Sparkasse startet neues Angebot für 20 Millionen Kunden: Trade-Republic-Killer oder Rohrkrepierer?Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Knapp 20 Millionen Menschen in Deutschland nutzen die App der Sparkasse. Kaum eine andere Bank hat so direkten Zugang zu so vielen Kunden. Trotzdem fehlte der größten deutschen Finanzgruppe bisher etwas, das bei jungen Anlegern längst zum Standard geworden ist: ein wirklich günstiges, einfaches Depot direkt in der App. Während Neo-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Zero Millionen Nutzer mit Ein-Euro-Trades und schicken Apps einsammelten, mussten Sparkassenkunden oft weiter mit alten Gebührenmodellen, komplizierten Oberflächen und teuren Wertpapierdepots leben. Selbst Direktbanken wie die ING oder DKB sind bei günstigen Depots und ETF-Sparplänen seit Jahren weiter. Jetzt wollen die Sparkassen das ändern.

Sparkasse: Millionen Kunden profitieren

Das neue Angebot heißt S-Neo und soll genau die Kunden zurückholen, die in den vergangenen Jahren zu den Neo-Brokern abgewandert sind. Die Idee dahinter ist simpel: Wertpapierhandel direkt in der App der Sparkasse, ohne separates Depot-System, ohne klassische Filialbank-Anmutung und zu Preisen, die sehr nah an der Konkurrenz liegen.

Das neue Depot kostet laut Sparkasse 95 Cent pro Trade, Depotgebühren sollen wegfallen. Nutzer bekommen Zugang zu rund 21.000 Wertpapieren, darunter Aktien, ETFs und Fonds. Die Depoteröffnung läuft direkt in der Sparkassen-App, also dort, wo viele Kunden ohnehin täglich ihr Girokonto prüfen. Genau das ist der eigentliche Kern der Strategie: Die Sparkassen wollen nicht unbedingt die beste Trading-App Deutschlands bauen. Sie wollen ihre enorme Reichweite nutzen.

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Denn Reichweite haben sie. Sehr viel sogar. Sparkassen-Präsident Ulrich Reuter spricht von rund 20 Millionen aktiven App-Nutzern, von denen etwa zehn Millionen bisher noch gar kein Wertpapierdepot besitzen. Für die Sparkassen ist das ein gigantischer Markt direkt vor der eigenen Haustür. Das Problem ist nur: Reichweite allein macht noch keinen erfolgreichen Neo-Broker.

Konkurrenzfähig oder zu schwaches Gesamtpaket?

Wer sich die Konditionen genauer anschaut, merkt schnell, dass S-Neo zwar deutlich moderner wirkt als die bisherigen Sparkassen-Depots, aber eben trotzdem nicht ganz auf dem Niveau der aggressiven Fintech-Konkurrenz liegt. Trade Republic verlangt einen Euro pro Order, Depotgebühren gibt es dort nicht. ETF-Sparpläne sind kostenlos. Dazu kommen ein kostenloses Girokonto, eine Visa-Karte und inzwischen sogar Tagesgeld-Angebote. Auch Scalable Capital bewegt sich preislich in derselben Liga. Die ING wiederum ist zwar meist etwas teurer als die Neo-Broker, bietet aber seit Jahren ein etabliertes Direktbank-Modell mit kostenlosen ETF-Sparplänen und vergleichsweise günstigen Konten.

Die Sparkassen dagegen tragen ein Problem mit sich herum, das sich nicht einfach mit einer günstigen Trading-App lösen lässt: das Gesamtpaket. Denn viele junge Kunden verbinden die Sparkasse bis heute mit Kontoführungsgebühren, Gebühren für Girokarten, teuren Überziehungen und komplizierten Preisverzeichnissen. Genau diese Kosten haben Neo-Broker und Direktbanken jahrelang genutzt, um sich als moderne Alternative zu positionieren. Wer heute Anfang 20 ist und bereits bei Trade Republic oder Scalable Capital investiert, hat sich oft bewusst gegen klassische Banken entschieden. Nicht nur wegen des Depots, sondern wegen des gesamten Bankmodells. Deshalb wirkt S-Neo eher wie ein Verteidigungsprojekt als wie eine echte Revolution.

Alternative zu Trade Republic und Co.?

Die Sparkassen versuchen damit vor allem, die eigenen Kunden im System zu halten. Wer ohnehin sein Girokonto bei der Sparkasse hat, könnte künftig einfach zusätzlich ein Depot eröffnen, statt zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Für diese Zielgruppe ist das Angebot durchaus attraktiv. Die Depoteröffnung läuft unkompliziert direkt in der bekannten App, die Preise sind erstmals konkurrenzfähig und viele Menschen vertrauen ihrer Sparkasse mehr als einem Fintech. Gerade ältere Kunden oder Einsteiger könnten genau das schätzen. Aber die entscheidende Frage lautet: Reicht das, um junge Trader wirklich von anderen Plattformen wegzulocken?

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Vermutlich eher nicht. Denn Neo-Broker verkaufen längst nicht mehr nur günstige Orders. Sie verkaufen ein Lebensgefühl aus Einfachheit, Geschwindigkeit und digitaler Selbstverständlichkeit. Push-Mitteilungen, Zinsen aufs Guthaben, kostenlose Karten, schnelle Kontoeröffnung, moderne Apps: All das gehört inzwischen zum Gesamtpaket. Genau dort haben klassische Banken über Jahre Vertrauen verspielt.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das die Sparkassen bis heute begleitet. Anders als zentral organisierte Anbieter entscheidet bei der Sparkassen-Finanzgruppe jede Sparkasse selbst über die Teilnahme und die konkreten Konditionen. Das bedeutet: Nicht jeder Kunde wird S-Neo sofort nutzen können. Und selbst wenn das Angebot verfügbar ist, könnten Preise und Leistungen regional unterschiedlich ausfallen. Für Kunden ist das schwer nachvollziehbar. Bei Trade Republic oder Scalable Capital gibt es dagegen bundesweit einheitliche Produkte.

Sparkasse verliert Kunden

Teilweise zeigen sich diese Unterschiede schon jetzt. Einige Pilot-Sparkassen verlangen einen Euro pro Order, andere 1,75 Euro oder zusätzliche Depotkosten ab bestimmten Vermögensgrenzen. ETF-Sparpläne sind mal kostenlos, mal kosten sie extra. Genau diese Zersplitterung könnte zum Problem werden. Und trotzdem wäre es ein Fehler, S-Neo zu unterschätzen.

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Die Sparkassen haben etwas, worum Neo-Broker sie beneiden dürften: Vertrauen und Sichtbarkeit. Millionen Menschen öffnen die Sparkassen-App ohnehin jeden Tag. Wenn dort plötzlich prominent ein einfacher ETF-Sparplan auftaucht, werden viele Kunden zum ersten Mal überhaupt mit dem Thema Börse in Berührung kommen. Für den deutschen Aktienmarkt könnte das sogar ein wichtiger Schritt sein. Nur der große Angriff auf Trade Republic und Co.? Der wirkt bislang eher begrenzt.

Dafür kommt „S neo“ vermutlich zu spät und bleibt im Kern zu sehr Sparkasse. Die günstigen Trades allein reichen nicht aus, wenn das restliche Bankmodell weiterhin teurer und komplizierter wirkt als bei der digitalen Konkurrenz. Wer bereits komplett bei einem Neo-Broker oder einer Direktbank angekommen ist, hat aktuell wenig Gründe, zurückzuwechseln. Am Ende könnte S-Neo deshalb vor allem eines werden: ein Werkzeug, um bestehende Sparkassenkunden nicht weiter zu verlieren. Und vielleicht ist genau das schon Erfolg genug.

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