Handytarife: Warum Rabatte seltener werden

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Deutschlands Mobilfunkmarkt wächst kaum noch über neue Verträge. Telekom, O2 und 1&1 melden nur kleine Zuwächse oder Stillstand, Vodafone verliert. Rabatte zählen weniger, der Umsatz pro Vertrag mehr. Das hat Folgen. Eine Analyse.
Vier Handys mit den Logos der Mobilfunker, im Hintergrund Sendemasten im Vordergrund Geld
Mobilfunk: Rabatte werden weniger werdenBildquelle: KI-generiert: ChatGPT

Die Mobilfunkanbieter in Deutschland gewinnen im ersten Quartal 2026 kaum noch zusätzliche Mobilfunkverträge. Alle vier Netzbetreiber haben in dieser Woche ihre Quartalszahlen vorgelegt. Sie zeigen eine deutliche Abkühlung des Mobilfunk-Marktes. Das betrifft auf lange Sicht vor allem Neukunden und Wechsler, weil Anbieter stärker auf den Erlös pro Vertrag und weniger auf Wachstum um jeden Preis setzen.

Kundenzahlen im Überblick

Die Telekom weist in Deutschland 75,32 Millionen Mobilfunkkunden aus. Darin enthalten sind nicht nur klassische Handyverträge, sondern auch Maschinen-Karten. Am Ende bleiben aber 27,924 Millionen Vertragskunden übrig. Das sind 184.000 mehr als Ende 2025. Unter den eigenen Marken meldet die Telekom 200.000 neue Vertragskunden. Das ist – nicht zuletzt aufgrund der hohen Preise der Telekom – beachtlich. Offenbar kommt die Strategie der Rabattierung der Grundpreise bei der Bündelung mehrerer Verträge zum Tragen – auch wenn zuletzt im April zahlreiche Preise erhöht wurden. Der Serviceumsatz im Mobilfunk steigt um 2,1 Prozent.

Bei Vodafone zeigt sich ein anderes Bild. Die Zahl der Mobilfunk-Vertragskunden bei Vodafone, SIMon und Otelo sinkt von Januar bis März um 77.000 auf rund 28,8 Millionen. Gleichzeitig steigt der Serviceumsatz im Kalenderquartal um 1,3 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das zeigt den Kern des Marktes: Weniger Verträge bedeuten nicht automatisch weniger Umsatz. Vodafone verliert vor allem im Prepaid-Markt und zählt hier jetzt 165.000 Nutzer weniger.

Vodafone erklärt die Entwicklung auch mit höherem Wholesale-Umsatz. Wholesale heißt: Ein Anbieter vermietet Netzleistung an andere Anbieter. In diesem Fall nutzt 1&1 das Vodafone-Netz dort, wo das eigene Netz nicht reicht. Und das sind gemessen an der Fläche Deutschlands weit über 90 Prozent. Vodafone schreibt, dass mehr als 12 Millionen 1&1-Kunden inzwischen das bundesweite 5G-Netz von Vodafone nutzen. Der Mobilfunk-Serviceumsatz wächst dadurch, obwohl die eigene Vertragsbasis sinkt.

O2 spürt genau die Gegenseite dieses Effekts. Telefónica Deutschland verliert Wholesale-Umsatz, weil 1&1 nicht mehr wie früher im O2-Netz hängt. Telefónica nennt die 1&1-Migration als Belastung für Umsatz und Ergebnis. Trotzdem gewinnt O2 im ersten Quartal 48.000 Mobilfunkverträge hinzu. Die Kündigungsrate der Marke O2 bleibt laut Telefónica bei 1,1 Prozent. Der Zuwachs fällt aber deutlich kleiner aus als zuvor. In den vier Quartalen davor lag O2 jeweils bei mehr als 150.000 neuen Mobilfunk-Vertragskunden. Der Umsatz von O2 Telefónica sank im ersten Quartal um 8,6 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro. Auffällig sind auch die Prepaid-Zahlen. Mit 446.000 SIM-Karten weniger ist die Zahl hier tiefrot, sodass Telefónica unterm Strich 222.000 Kunden weniger hat.

1&1 wächst bei den Mobilfunkverträgen nicht weiter

1&1 meldet für das erste Quartal insgesamt 12,48 Millionen Mobilfunkverträge. Der Vertragsbestand bleibt damit gegenüber Ende 2025 konstant und auch gegenüber Q3 2025 konstant. Der Serviceumsatz sinkt leicht um 1,2 Prozent auf 899,7 Millionen Euro. 1&1 bringt keinen neuen Wachstumsschub in den Markt. Der Anbieter baut sein eigenes Netz weiter aus und zahlt für National Roaming. Er gewinnt zwar neue Kunden, doch unterm Strich gleichen diese gerade einmal jene Kunden aus, die 1&1 verlassen.

Freenet zeigt, wie Provider auf Marge achten

Freenet ist kein Netzbetreiber wie Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1. Der Anbieter verkauft Mobilfunktarife in fremden Netzen. Trotzdem passt Freenet gut in das Bild. Denn auch dort zählt nicht nur Wachstum, sondern die Qualität der Verträge. Laut freenet AG steigt die Zahl der Postpaid-Kunden im ersten Quartal um 29.000 auf 8,270 Millionen. Zusätzlich kommen 182.000 Postpaid-Verträge im Reselling hinzu. Der Postpaid-ARPU sinkt dagegen um 5,4 Prozent auf 16,6 Euro.

ARPU steht für den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde oder Vertrag. Der Wert ist wichtig, weil er zeigt, wie viel Geld ein Anbieter im Schnitt monatlich aus einem Vertrag holt. Bei Freenet sinkt dieser Wert. Gleichzeitig spricht das Unternehmen von höheren Margenvorgaben. Das passt zum Gesamtbild: Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis.

Was das für deine Tarife bedeuten kann

Für laufende Verträge ändert sich durch die Quartalszahlen erst einmal nichts. Dein laufender Vertrag bleibt bestehen. Die Quartalszahlen zeigen aber, wohin sich der Markt bewegt. Anbieter wollen Kunden weniger stark über hohe Rabatte gewinnen. Das macht auch Vodafone-Deutschland-Chef Marcel de Groot deutlich. In einem Statement gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Wir setzen nicht auf Neukunden um jeden Preis.“ Vodafone nimmt weniger Kundenzuwachs in Kauf, wenn neue Verträge zu wenig einbringen.

Das kann Folgen haben. Neukundenaktionen könnten kürzer laufen. Partnerkarten und Kombiangebote könnten wichtiger werden. Sehr aggressive Rabatte dürften gezielter eingesetzt werden und seltener werden. Anbieter können stärker auf Zusatzkarten, Kombivorteile, Hardwarebündel und größere Datenpakete setzen. Auch hier haben wir schon Preiserhöhungen gesehen in den vergangenen Monaten, beispielsweise auch durch die Erhöhung der MultiSIM-Kosten bei der Telekom, aber auch bei 1&1.Dennoch: Für Kunden heißt das nicht automatisch höhere Preise. Es heißt aber: Der billigste Einstiegspreis wird nicht mehr der einzige Maßstab sein.

ARPU ist dabei der Schlüsselbegriff. Er steht für den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde. Der Markt wird nicht billiger, nur weil das Kundenwachstum schwächer wird. Im Gegenteil. Wenn die Anbieter weniger über Masse wachsen, steigt der Druck, aus bestehenden Kunden mehr Umsatz zu holen. Für Verbraucher lohnt sich deshalb der Vergleich kurz vor Vertragsende stärker denn je. Wer einfach automatisch verlängert, verpasst eher die wenigen starken Aktionen, die es weiterhin geben wird. Die besten davon sammelt unsere Deal-Redaktion und stellt sie dir vor. Mit unserem WhatApp Deal-Alarm bekommst du diese Deals direkt auf dein Handy.

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