Telekom erklärt ihr Glasfaser-Problem: „Der Kunde entscheidet, nicht wir“

6 Minuten
Deutschlands Glasfaserausbau kommt voran. Doch viele Kunden wollen den Anschluss nicht. Die Telekom sieht das gelassen. „Wir forcieren niemanden in eine bestimmte Richtung“, heißt es aus dem Vorstand. Das Problem der Telekom ist hausgemacht.
Bauarbeiter der Telekom vor einem Haus
Deutschland baut Glasfaser, aber die Kunden zögernBildquelle: Deutsche Telekom

Auch wenn die Nachfrage gering bleibt: Die Telekom baut weiter Glasfaser aus. Neu ist aber, wie offen der Konzern über das Problem der schwachen Nachfrage spricht. Viele Haushalte können Glasfaser bekommen. Sie bestellen sie aber nicht. Und damit liegt die teure Glasfaserleitung ungenutzt in der Erde und bringt kein Geld. Erst wenn Kunden buchen, rechnet sich der Ausbau schneller. Dabei ist die Telekom in einer recht komfortablen Lage: Viele Kunden bringen auch ohne Glasfaser Umsatz – über DSL und VDSL.

Warum viele Kunden bei Kupfer bleiben

Auf der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Telekom sagte Finanzvorstand Christian Illek einen entscheidenden Satz: „Der Kunde entscheidet, nicht wir.“ Kurz darauf legte er nach: „Wir forcieren niemanden in eine bestimmte Richtung.“ Das klingt nach Wahlfreiheit. Für den Glasfaserausbau ist es aber der Kern des Problems. Letztlich redet Illek das Problem klein, da Kapital in einer Wette auf die Zukunft gebunden ist.

Das alte Kupfernetz der Telekom ist in vielen Regionen noch gut genug. Wer 100 oder 250 Mbit/s bekommt, sieht oft keinen akuten Grund für Glasfaser. Illek sagte dazu: „Wenn Leute sagen, die Bandbreite, die mir gegeben wird mit 250 Megabit, ist ausreichend für mich, dann ist das nur eine Frage der Zeit, wann die irgendwann auf Glasfaser gehen.“ Denn hier sind sich alle Branchenkenner einig: Die Nachfrage nach höheren Datenraten wird steigen – aber vielleicht erst in einigen Jahren.

Nachfrage nach mehr Bandbreite wächst

Tatsächlich ist der Trend zu mehr Bandbreite schon heute zu beobachten. Die Nachfrage steigt spürbar, aber nicht sprunghaft. Die in dieser Woche vorgestellte VATM-Marktstudie von Dialog Consult zeigt, dass Ende 2026 bereits 29,1 Prozent der aktiven Breitbandanschlüsse 250 Mbit/s oder mehr liefern. Das sind 8,2 Millionen Anschlüsse zwischen 250 Mbit/s und 1 Gbit/s sowie 2,9 Millionen Anschlüsse mit 1 Gbit/s oder mehr. Möglich ist das technisch nur mit Glasfaser oder Kabel. Gleichzeitig bleiben 27 Prozent der Anschlüsse unter 50 Mbit/s. Der größte Block liegt weiter zwischen 50 und 250 Mbit/s. Auch die Telekom sieht mehr Bedarf an höheren Geschwindigkeiten: In ihrer Bilanzpräsentation weist sie aus, dass 57 Prozent der eigenen Festnetzkunden inzwischen einen Tarif mit mindestens 100 Mbit/s gebucht haben. Ein Jahr zuvor waren es 52 Prozent. Der Markt bewegt sich also klar nach oben. Doch viele Kunden wechseln nicht direkt in Gigabit-Tarife, sondern erst einmal in mittlere und höhere Bandbreiten. Und das ist auch gut so, da die wenigsten Haushalte Gigabit-Datenraten wirklich brauchen.

Für Kunden ist das bequem. Für die Telekom ist es schwierig. Sie baut ein neues Netz, verdient aber weiter mit dem alten. Glasfaser, auch FTTH genannt, geht direkt bis in die Wohnung oder ins Haus. Das ist technisch um Längen besser als DSL. Im Alltag merkst du den Vorteil aber erst deutlich, wenn dein bisheriger Anschluss langsam, instabil oder ausgelastet ist oder du spezielle Anforderungen hast: einen höheren Upstream oder eine niedrigere Latenz.

Telekom will eine Million Glasfaser-Neukunden pro Jahr

Trotzdem will die Telekom die Kundenzahl deutlich steigern. Illek verwies auf interne Ziele: „Wir haben uns ja ein Ziel gegeben für dieses Jahr: 750.000 Neukunden und im nächsten Jahr 1 Million Neukunden.“ Gemeint sind neue Glasfaserkunden. Damit setzt die Telekom darauf, dass die Nachfrage nicht sprunghaft kommt, sondern Jahr für Jahr wächst.

Tarifvergleich mit DSL und Glasfaser für deine Region

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Dieser externe Inhalt von Tariffuxx ergänzt den Artikel. Du hast die Wahl, ob du diesen Inhalt laden möchtest.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass externer Inhalt geladen wird. Personenbezogene Daten werden womöglich an Drittplattformen übermittelt. Nähere Informationen enthält die Datenschutzerklärung.

Die VATM-Marktanalyse zeigt, wie groß diese Lücke im Gesamtmarkt ist. Ende 2026 sollen 32 Millionen Haushalte und kleinere Betriebe mit Glasfaser erreichbar sein. Erreichbar heißt Homes Passed. Homes Passed heißt: Die Glasfaser liegt in der Nähe, aber noch nicht im Haus. Das erklärt auch die nächsten Zahlen: Aktiv genutzt werden laut Studie aber erst 7,8 Millionen Glasfaseranschlüsse. Die Take-up-Rate liegt damit im Branchendurchschnitt bei 24,4 Prozent. Nur diese Anschlüsse werden tatsächlich genutzt und bezahlt. Interessant ist der Unterschied zwischen Telekom und Wettbewerbern. Die Glasfaser-Wettbewerber können 30,2 Prozent aller möglichen Kunden zu einer Buchung überzeugen, bei der Telekom sind es nur 17,9 Prozent.

Die Telekom will näher ans Haus

Telekom-Chef Tim Höttges räumte ein: „Natürlich sind wir mit knapp 18 Prozent nicht zufrieden, da wollen wir die Penetrationsrate erhöhen.“ Der Konzern will deshalb anders ausbauen. Es geht nicht mehr nur darum, Glasfaser in eine Straße zu legen. Entscheidend ist, ob der Anschluss auch wirklich bis ins Gebäude kommt. Höttges brachte das auf die Formel: „Nicht nur Homes Passed, sondern Homes Connected.“ Homes Connected heißt: Das Gebäude ist wirklich angeschlossen, die Glasfaser liegt idealerweise schon in der Wohnung, mindestens aber bis vor die Wohnungstür. Dann kann der Anschluss theoretisch binnen Sekunden aktiviert werden.

Video: Darum lehnen Kunden die Glasfaser ab

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Dieser externe Inhalt von YouTube ergänzt den Artikel. Du hast die Wahl, ob du diesen Inhalt laden möchtest.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass externer Inhalt geladen wird. Personenbezogene Daten werden womöglich an Drittplattformen übermittelt. Nähere Informationen enthält die Datenschutzerklärung.

Der erste schwierige Punkt sind die Mehrfamilienhäuser. Dort braucht die Telekom Zugang zum Haus. Oft müssen Eigentümer, Vermieter oder Hausverwaltungen zustimmen. Höttges sagte dazu: „Wir haben auch nach wie vor Probleme, in diese Häuser reinzukommen.“ Eigentümerversammlungen können den Ausbau zusätzlich bremsen. Findet eine solche Versammlung nur einmal im Jahr statt und wird der Punkt verpasst, verzögert sich der Anschluss.

Für Mieter heißt das: Du kannst Glasfaser wollen und trotzdem warten müssen. Wenn der Hausanschluss fehlt, hilft ein Ausbau in der Straße wenig. Das ist einer der Gründe, warum verfügbare Glasfaser in der Statistik gut aussieht, beim Kunden aber nicht ankommt.

Telekom geht verstärkt aufs Land

Der zweite Punkt sind Einfamilienhäuser. Dort sieht die Telekom mehr Nachfrage. Höttges sagte, man habe bei diesen Häusern „eine viel höhere Akzeptanz“ festgestellt. Der Grund ist einfach: Ein Glasfaseranschluss kann den Wert einer Immobilie steigern. Außerdem entscheidet dort oft ein Eigentümer allein. Das macht den Ausbau einfacher als in großen Wohnanlagen.

Der dritte Punkt betrifft ländliche Gebiete. Dort ist der Abstand zwischen altem DSL und Glasfaser oft größer. Je größer der Unterschied bei der Geschwindigkeit, desto eher wechseln Kunden. Die Telekom will deshalb stärker dorthin, wo Glasfaser wirklich einen sichtbaren Sprung bringt. Dabei verweist Höttges auch auf sinkende Ausbaukosten. „Unsere Kosten sind zwischen 10 und 15 Prozent gesunken über die letzten Jahre und dieses Geld investieren wir in mehr Haushalte“, sagte er. Das ist wichtig, weil der Ausbau auf dem Land meist teurer ist als in der Stadt.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein