Telekom: Glasfaseranschluss kann künftig in Sekunden aktiviert werden

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Die Telekom meldet eine Million Glasfaseranschlüsse in Berlin. Doch die Zahl wirft Fragen auf. Gleichzeitig gibt es eine weitere wichtige Info für Mieter: Im Mehrfamilienhaus kann die Aktivierung eines Glasfaseranschlusses bald sehr schnell gehen.
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der Telekom
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der TelekomBildquelle: inside digital / Thorsten Neuhetzki

Die Telekom skaliert in Berlin den Vollausbau von Mehrfamilienhäusern, wenn sie dort einmal Glasfaser installiert. Dieses Verfahren hat sie vor etwa einem halben Jahr eingeführt. Das betrifft auch Mieter, die zunächst keinen Glasfaseranschluss buchen. Denn weitere Wohnungen können laut Telekom später ohne neue Bauarbeiten und teils binnen Sekunden online gehen. Voraussetzung ist aber, dass mindestens eine Wohnung mit einer gebuchten Glasfaserleitung versorgt wird.

Warum 1 Million Leitungen nicht immer 1 Million Leitungen ist

Die Telekom meldet rund eine Million Glasfaseranschlüsse in Berlin. Dieses Ziel wollte die Telekom ursprünglich erst Ende 2026 erreichen. Doch die Zahl klingt besser, als sie ist. Während Telekom-Deutschland-Chef Rodrigo Diehl in einem YouTube-Video bei einer Kundin klingelt und ihr mitteilt, sie bekomme jetzt den einmillionsten Anschluss in Berlin, liegen die Fakten anders. Denn die meisten der Anschlüsse sind sogenannte Homes-Passed-Anschlüsse. Das heißt: Ein Haushalt liegt im erreichbaren Ausbaugebiet. Er kann also grundsätzlich Glasfaser bekommen, die Leitung liegt in der Regel auch schon vor dem Haus. Was aber in der Regel noch fehlt, ist die Leitung ins Haus und in die Wohnungen. Erst recht ist kein Vertrag aktiv. Insofern ist die Aussage, es gebe nun eine Million Telekom-Glasfaseranschlüsse, zumindest irreführend. Allerdings ist nach Telekom-Angaben die Buchbarkeit gegeben. Bis der Anschluss dann geschaltet wird, können Wochen oder Monate vergehen.

Mit dem jetzt eingeführten Vollausbau wird das zumindest dann anders, wenn die Telekom einen Kunden im Haus gewinnt. In der Praxis heißt das: Wenn die Telekom einmal im Haus ist, soll der Ausbau möglichst nicht im Keller enden. Stattdessen sollen alle Wohnungen im Mehrfamilienhaus vorbereitet werden. Das gilt aber nur, wenn die nötigen Genehmigungen vorliegen. Gerade in Berlin ist dieser Punkt entscheidend. Viele Menschen wohnen dort zur Miete. In solchen Häusern entscheidet der einzelne Kunde nicht allein. Eigentümer, Hausverwaltung oder Wohnungsunternehmen müssen den Ausbau zulassen.

Glasfaser künftig binnen Sekunden aktivierbar

Stimmt die Eigentümerseite zu, kann die Telekom die Glasfaser laut eigener Darstellung direkt weiter in die Wohnungen legen. Das spart später Aufwand. Weitere Mieter müssen dann nicht warten, bis erneut Handwerker kommen.

Ist das der Fall, gibt es laut dem Berliner Telekom-Technikchef Anton Renner einen deutlichen Vorteil für künftige Kunden: Ein vorbereiteter Anschluss könne teilweise in Sekunden aktiviert werden. Neu ist übrigens auch, dass die Telekom innerhalb der Wohnung nun bei der Glasfaserverlegung auf ein transparentes, aufklebbares Glasfaserkabel setzt. Es sei einfach zu montieren, könne beispielsweise nahezu unsichtbar auf Fußleisten geklebt und auch überstrichen werden. „Kleben ist das neue Bohren“, nannte Telekom-Konzernchef Tim Höttges das Projekt erst künftig auf der Hauptversammlung der Telekom. Ein ähnliches Produkt kannst du inzwischen auch eigenständig im Handel kaufen.

Glasfaser-Ausbau in Berlin geht weiter – aber nicht ohne Konkurrenz

Für die Telekom ist Berlin ein wichtiges Vorzeigeprojekt. Seit 2021 baut das Unternehmen nach eigenen Angaben in allen Berliner Bezirken aus. Mehr als 220 Ausbaugebiete nennt die Telekom. Dazu kommen mehr als 2.900 Kilometer verlegte Glasfaser.

Bis 2030 will die Telekom in Berlin zwei Millionen Haushalte, Schulen und Unternehmen erreichen, in ganz Deutschland sogar 25 Millionen. Die genannte Million in Berlin ist damit eine Zwischenmarke. Hinzu kommen Glasfaseranschlüsse anderer Anbieter wie dem Vodafone-Joint-Venture OXG sowie von kleineren, für Privatkunden interessanten Anbietern wie DNS:net, Deutsche Glasfaser oder Eurofiber. Teilweise werden Häuser allerdings auch von zwei Anbietern parallel erschlossen. Dieses Jahr will die Telekom noch in den Bezirken Lankwitz, Britz, Charlottenburg, Französisch Buchholz, Hakenfelde, Heiligensee, Hellersdorf, Johannisthal, Karow, Kladow, Konradshöhe, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Reinickendorf, Schmargendorf, Staaken, Steglitz, Tegel, Wedding, Westend und Wilhelmstadt ausbauen.

Telekom-Glasfaser in Berlin: Eine Karte zeigt, wo schon gebaut wird und wurde
Telekom-Glasfaser in Berlin: Eine Karte zeigt, wo schon gebaut wird und wurde Image source: Telekom

Die Telekom ermöglicht ihren Kunden bis zu 2.000 Mbit/s Datenrate. Das brauchen wohl die wenigsten Haushalte wirklich. Die eigentlichen Vorteile eines Glasfaseranschlusses sind aber an anderer Stelle zu finden: Latenz, Stabilität und mehr Upstream. Viele Kunden befürchten aber, mehr zahlen zu müssen als bei DSL. Das ist aber faktisch nur bei den Einsteigertarifen der Fall.

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