Glasfaser-Ausbau bei der Telekom: Dieses Detail war bisher geheim

4 Minuten
Der Glasfaserausbau in Deutschland läuft. Allein die Telekom baut nach eigenen Angaben pro Jahr 2,5 Millionen Haushalte aus. Doch aus einem Detail hat sie bisher ein großes Geheimnis gemacht, das sie nun selbst enttarnt.
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der Telekom
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der TelekomBildquelle: inside digital / Thorsten Neuhetzki
Warum du uns vertrauen kannst
Unsere Deal-Expert:innen durchforsten täglich das Netz nach den besten Preisen und Rabatten von vertrauenswürdigen Händlern. Wenn du über unsere Links shoppst, erhalten wir manchmal eine Provision – für dich bleibt der Preis natürlich gleich.

Ein Glasfaseranschluss hat viele Vorteile. Er gilt als deutlich ausfallsicherer, hat eine deutlich niedrigere Latenz, was flüssigeres Surfen und natürlich Spielen ermöglicht, und ist deutlich schneller als jeder andere Internetanschluss. In der Praxis ist noch oft bei 1 Gbit/s im Downstream Schluss, was mit der eingesetzten GPON-Technik zusammenhängt. Doch schon vor Langem hat die Telekom damit begonnen, die nächste Glasfaser-Generation XGS-PON in ihrem Netz zu verbauen. Damit sind technisch bis zu 10 Gbit/s symmetrisch möglich, angeboten werden dir als Kunde im ersten Schritt 2 Gbit/s im Down- und 1 Gbit/s im Upstream. Doch um die Verfügbarkeit dieser Anschlüsse hat die Telekom bisher ein großes Geheimnis gemacht.

Glasfaser mit 2 GBit/s: Das muss die Telekom machen

Klar ist: Damit du 2 Gbit/s (und künftig noch mehr) im Downstream bekommen kannst, muss die Telekom ihr Netz umbauen. Damit aus 1 Gbit/s 2 Gbit/s werden, reicht kein Tarif-Update. Die Telekom baut die Netztechnik im Central Office um und wechselt von GPON Richtung XGS-PON:

  • GPON-Module (SFPs) oder ganze OLT-Karten werden gegen XGS-fähige Technik getauscht.
  • Technisch sind damit symmetrisch bis zu 10 Gbit/s möglich, kommerziell wird aber zunächst MagentaZuhause 2.000 freigeschaltet.
  • Zusätzlich wird nach unseren Informationen das Splitter-Verhältnis angepasst: von 1:32 auf 1:64. Das erhöht die Zahl der Kunden, die an einem OLT-Port hängen.

Die Umschaltung läuft operativ mit Wartungsfenster und Remote-Betrieb. Für Kunden ist dabei ein Ausfall einkalkuliert: im Beispiel rund 30 Minuten ohne Internet. Gearbeitet wird nachts im erweiterten Wartungsfenster von 1:00 bis 5:30 Uhr.

Wo baut die Telekom Glasfaser mit XGS-PON aus?

MagentaZuhause 2.000 wird nach unseren Informationen überall dort ausgerollt, wo die Telekom neue OLTs einbaut. OLTs sind die zentrale aktive Technik im Netz, die Glasfaseranschlüsse in einem Gebiet bedient – quasi die Vermittlungsstelle. Die Regel dahinter ist klar: Wenn die Telekom im Central Office modernisiert, soll danach auch das 2-Gbit/s-Produkt möglich sein. Ob das allerdings in aller Konsequenz erfolgt, ist nicht bekannt.

Auch wo der Umbau erfolgte, war bisher ein Geheimnis der Telekom. Bisher war nur bekannt, dass die Telekom als Pilotstädte Berlin (allerdings nur Teile der Stadt) und das bayerische Gunzenhausen ausgewählt hatte. Doch auf der eigenen Verfügbarkeitskarte im Internet zeigt die Telekom nun deutlich, in welchen Regionen Glasfaser mit 2 Gbit/s überall zur Verfügung steht. So gibt es diese echten Highspeed-Anschlüsse beispielsweise in Teilen von Hamburg, Kiel, Hannover und München.

Das brauchst du für 2 GBit/s

Ob dein Wohngebiet schon dabei ist, findest du auf der T-Map der Telekom heraus. Hier musst du auf den Bereich Festnetz umstellen und kannst dann Glasfaser oder DSL auswählen, das dir auf der Karte angezeigt wird. Für Glasfaseranschlüsse gibt es drei verschiedene Kategorien: Glasfaserausbau geplant sowie Glasfaser bis 1.000 Mbit/s und Glasfaser bis 2.000 Mbit/s.

T-Map: Glasfaser-Ausbau in Hamgurg
T-Map: Glasfaser-Ausbau in Hamgurg / Bildquelle: Telekom

Aber nicht nur die Telekom muss ihr Netz fit machen für XGS-PON. Auch auf deiner Seite muss die Hardware mitspielen. Denn für die schnellen Anschlüsse brauchst du Modems, die XGS-PON unterstützen. Das sind beispielsweise die FRITZ!Box 5690 XGS sowie 5530 und 5590 mit XGS-PON-SFP-Modul. Die Kosten für den Telekom-Anschluss: 141,95 Euro monatlich.

Ob du einen Anschluss mit 2.000 MBit/s Downstream und 1.000 Mbit/s Upstream wirklich brauchst, steht sicherlich auf einem anderen Blatt. Wirklich sinnvoll dürften derartige Bandbreiten nur für wenige Kunden sein – etwa wenn sie extrem viele Datenmengen zwischen verschiedenen Standorten verschieben müssen oder ins Internet hochladen. Für einen normalen Haushalt reichen nach unserer Einschätzung auch in den nächsten Jahren noch Anschlüsse mit 100 bis 300 Mbit/s im Downstream. Wer die Möglichkeit hat, Glasfaser zu bekommen, sollte die Chance allerdings nutzen. Alle Experten gehen davon aus, dass DSL-Leitungen schon in wenigen Jahren nicht mehr ausreichend sein werden. Zudem steht die Abschaltung von DSL in Deutschland langfristig auf dem Programm.

Mitreden

2 KOMMENTARE

  1. Nutzerbild Reichert

    Problematisch ist für die Kunden wo jetzt ausgebaut wird mit GPON und dann ein Update auf XGS-PON kommt aber auch noch Mal ein Hardware Austausch kommt.

    Austausch: DSL>>GPON>>XGS-PON

    Antwort
  2. Nutzerbild Isidor

    Ich hatte meinen ersten PC schon zu Zeiten, als es noch Modems gab und man zum Download einer mp3 Datei 30 Minuten brauchte. Seither sind die Anforderungen stetig gewachsen. Ein Privathaushalt mit 2 Kindern beispielsweise hat im Normalfall 4 Smartphones, 3 – 4 PCs, 3 Smart-TV-Geräte mit Streamingdienst. In modernen Häusern kommt dazu eine Smarthome-Steuerung, mit der ich Heizung oder Rollläden von unterwegs bedienen kann und vielleicht Überwachungskameras, deren Bild ich von Unterwegs abrufen kann. Die Welt des Gaming ist auch zunehmend auf dem Weg ins WWW, was den Vorteil hat, dass ich keinen teuren Gamingrechner benötige, sondern mit minimalen Systemanforderungen, auf den Servern der Anbieter spielen kann. Ein 100Mbit/s-Anschluss, wie er heute im ländlichen Raum üblich ist, wird bald nicht mehr ausreichen, so dass ich jede Beschleunigung begrüße. Nur sollte der ländliche Raum dabei nicht abgehängt werden. Die Tatsache, dass die Telekom mit dem Ausbau in den Großstädten beginnt und dann erst nach und nach den ländlichen Raum versorgt, führt dazu, dass die Industrie den ländlichen Raum meidet. Natürlich kann ich die wirtschaftlichen Interessen der Telekom nachvollziehen, hier müsste der Staat den ländlichen Ausbau stärker fördern. In anderen Ländern ist man da deutlich weiter.

    Antwort

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein