Revolution beim Glasfaserausbau der Telekom: Klebefolie ersetzt die Bohrmaschine!

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Die Deutsche Telekom redet beim Netz gern in großen Zahlen. 36.000 Mobilfunkstandorte, mehr als 99 Prozent 5G-Abdeckung, Millionen neue Glasfaseranschlüsse. Auf der Hauptversammlung 2026 hat Vorstandschef Tim Höttges den nächsten Schritt aufgezeigt: Glasfaser soll geklebt werden.
Ein Glasfaser-Leerrohr der Telekom
Glasfaser: So funktioniert die Einrichtung bei der TelekomBildquelle: Deutsche Telekom

Das beste Netz, starke Fortschritte, weiterhin hohe Investitionen. Das ist das Bild, das Höttges gerne von seinem Konzern zeichnet. Doch dieses Jahr war auch etwas anderes in der Rede von Höttges auffällig: Er sprach an mehreren Stellen offen über die Schwächen, die viele Verbraucher längst aus dem Alltag kennen. Er sprach über Funklöcher trotz fast flächendeckender Versorgung, über zähe Genehmigungen, über schwierigen Ausbau in Naturschutzgebieten und über ein Glasfaserproblem, das viel banaler ist, als es jede Werbekampagne vermuten lässt: Viele Menschen wollen schlicht nicht, dass für den Anschluss Wände und Treppenhäuser aufgerissen werden. Das will die Telekom jetzt lösen.

Fast ganz Deutschland versorgt und trotzdem kein Empfang

Auf dem Papier sieht das Netz der Telekom stark aus. Höttges sagte, in Deutschland funken inzwischen über 36.000 Mobilfunkstandorte, mehr als 99 Prozent der Bevölkerung würden mit 5G versorgt. Für den Konzern ist das die Bestätigung der eigenen Premium-Strategie, die er sich auch gerne mit Premium-Preisen bezahlen lässt. Doch Netzabdeckung in Prozent sagt noch lange nicht, dass überall dort Empfang ist, wo Menschen ihn tatsächlich brauchen. Schon wenige Lücken entlang von Landstraßen, an Bahnstrecken, in Tälern oder an Waldrändern reichen aus, damit der Eindruck vom guten Netz schnell kippt. Denn gemessen wird die Netzabdeckung in der Regel nach Haushalten, nicht nach Flächendeckung.

Telekom-Chef Tim Höttges
Telekom-Chef Tim Höttges Image source: Deutsche Telekom

Genau das hat Höttges selbst mit einem Beispiel aus seiner Heimatstadt Solingen beschrieben. Dort gebe es an der Landstraße 74 „keine Mobilfunkversorgung“, weil die Straße mitten durch ein Naturschutzgebiet laufe. „Kammmolche und Bachneunaugen haben dort das Sagen“, sagte er. Und das sagte er nicht mit großer Verbitterung darüber, dass die Natur wichtiger ist als der Mobilfunk. Deutschland brauche nicht „ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch“. Dann nennt er seine Formel: „Flora, Fauna und Fortschritt.“ Manche Lücken ließen sich nicht einfach mit dem nächsten Mast schließen. Einige Gebiete seien „immer noch unerreichbar, zu morastig, zu steinig, zu waldig“.

Die Lösung, die die Telekom dafür in Aussicht stellt, hatte sie bereits auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor wenigen Wochen kurz angekündigt: „Ab 2028 ergänzen wir deshalb unser Mobilfunknetz mit Satelliten. Damit haben Sie auch dort Empfang, wo sich Molche und Neunaugen gute Nacht sagen.“ Der Kooperationspartner dafür ist Starlink. Wo ein Mast am Standort, an der Zufahrt, am Naturschutz oder an der Wirtschaftlichkeit scheitert, soll künftig Technik aus dem All helfen.

Das wahre Glasfaserproblem beginnt oft erst im Haus

Beim Festnetz ist es ähnlich: Die Telekom nennt auch hier große Zahlen. Laut Höttges sind inzwischen 12,6 Millionen Haushalte mit Glasfaser angeschlossen, bis 2030 sollen es 25 Millionen werden. Auf der Bühne der Hauptversammlung klang das nach Tempo, tatsächlich sind es aber die umstrittenen Ausbauzahlen bei Homes Passed. Die Glasfaser liegt vor dem Haus, ist buchbar. Aber bis sie genutzt werden kann, vergehen mitunter Monate, da der Ausbau ins Haus und im Haus noch erfolgen muss.

Fast interessanter ist aber der Satz, den Höttges direkt danach liefert. „Wir haben beim Glasfaserausbau unterschätzt, wie lange der manchmal dauert.“ Das ist bemerkenswert ehrlich. Höttges nennt dafür einen sehr alltagsnahen Grund. Gerade in Mehrfamilienhäusern sei das Problem häufig, „dass die Kunden sagen, wir wollen nicht, dass der Putz aufgerissen wird“. Damit benennt er ein Hindernis aus der Praxis. Der Anschluss bis zum Haus ist das eine. Der Weg in die Wohnung ist oft das eigentliche Problem, gerade in Mehrfamilienhäusern.

„Kleben ist das neue Bohren“

Genau an dieser Stelle kündigt Höttges eine Technik an. Die Telekom habe „eine neue Technologie entwickelt, nämlich Glasfaser als Klebefolie“. Die Leitung könne man „einfach auf den Putz, in eine Ecke, in einen Winkel, auf die Fußleiste“ kleben. Und dann folgt der Satz, der hängen bleibt: „Kleben ist das neue Bohren.“ Ein solches System ist auch von Huawei bekannt. Das Unternehmen hat Glasfaser zum Kleben inzwischen in den Handel gebracht.

Wenn diese Technik funktioniert, könnte sie ein echtes Problem lösen. Vor allem in Altbauten und Mehrfamilienhäusern, in denen aufwendige Bauarbeiten viele Bewohner abschrecken. Weniger Dreck, weniger Eingriffe, weniger Streit im Haus. Genau das könnte am Ende wichtiger sein als die nächste große Ausbauzahl. Apropos Ausbau: Der Ausbau der Glasfaser soll nun vermehrt auf dem Land erfolgen, wie Höttges erneut sagte. Dort sei die Nachfrage höher.

Naturschutz, Regeln und Genehmigungen bleiben ein Problem

Neben Technik und Bauaufwand spielt noch ein anderer Punkt eine große Rolle: die Bürokratie. Höttges sagte, Genehmigungen für Mobilfunk und Glasfaser gingen mittlerweile zwar schneller. Zugleich schob er aber nach: „Aber wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt doch noch ein Gesetz daher.“ Dabei spielte er auf die geplante Änderung des Telekommunikationsgesetzes an, bei der die Telekom keine zentrale Rolle spielt. Sie soll ihr DSL-Kupfernetz zugunsten von Glasfaser abschalten – auch wenn nur ihre Wettbewerber, nicht aber die Telekom, im betreffenden Bereich Glasfaser ausgebaut haben.

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