Handytarif: Darum zahlst du für etwas, das du nie nutzt

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Unbegrenzt surfen. 100 Gigabyte. Datenvolumen ohne Ende. Die Mobilfunkanbieter überbieten sich mit immer größeren Paketen. Doch ob du die überhaupt brauchst, verrät dir dein Handy. Ein Blick in die Einstellungen kann dir jedes Jahr mehrere Hundert Euro sparen.
Prepaid Auflade-Karten von verschiedenen Anbietern wie Vodafone, Telekom und klarmobil
Der falsche Tarif kostet schnell zu vielBildquelle: VGV MEDIA / Shutterstock.com

8,4 Gigabyte. So viel Datenvolumen hat eine aktive SIM-Karte in Deutschland 2025 im Schnitt pro Monat verbraucht. Beworben werden dagegen Tarife mit 50, 100 Gigabyte oder gleich unbegrenztem Volumen. Wie passt das zusammen?

Warum große Pakete so verlockend sind

Das Muster der Mobilfunkanbieter bei den Tarifen ist simpel. Je mehr Gigabyte im Tarif stecken, desto teurer lässt er sich verkaufen. Und je teurer der Tarif, desto günstiger wirkt oft das Smartphone, das es dazu gibt. Wer das neue Top-Handy für kleines Geld will, landet schnell in den großen Tarifen. Bezahlt wird trotzdem. Nur eben über 24 Monate, verteilt auf die Grundgebühr. Dazu kommt die Angst vor der Drosselung. Ist das Inklusivvolumen aufgebraucht, surfst du im Schneckentempo. Das will niemand. Also bucht man lieber zu viel als zu wenig. Verständlich, aber teuer.

Und der Durchschnitt? Taugt nur als grobe Orientierung. Wer keinen Festnetzanschluss hat, im Zug täglich Serien streamt oder den Laptop per Hotspot versorgt, verbraucht ein Vielfaches. Andere hängen fast immer im WLAN und kommen mit wenigen Gigabyte aus. Entscheidend ist deshalb nicht der Schnitt, sondern dein eigener Verbrauch. Gehörst du aber zum Durchschnitt, dann zahlst du für Datenvolumen, das du gar nicht brauchst.

Der Trick: Schau nach, was du wirklich verbrauchst

Dein Smartphone zählt jedes Megabyte mit, das über das Mobilfunknetz läuft. Du musst nur wissen, wo du nachschauen musst.

Am iPhone findest du die Zahl unter Einstellungen, Mobilfunk. Dort steht der Verbrauch unter „Aktueller Zeitraum“. Aufgepasst: Der Zähler läuft nicht pro Monat, sondern seit dem letzten Zurücksetzen. Wann das war, steht ganz unten auf der Seite. Das kann Jahre her sein. Setz die Statistik deshalb zu Beginn deines Abrechnungszeitraums zurück und schau nach einem Monat wieder rein.

Bei Android-Handys heißt der Menüpunkt je nach Hersteller etwas anders. Bei Googles Pixel-Smartphones findest du ihn unter Netzwerk & Internet, Internet. Tipp dort auf das Zahnrad neben deinem Mobilfunkanbieter. Oben steht der Gesamtverbrauch, unter App-Datennutzung die Details. Bei Samsung geht es über Verbindungen, Datennutzung, Mobile Datennutzung. Praktisch: Android lässt dich den Stichtag deines Abrechnungszeitraums hinterlegen und zeigt den Verbrauch dann passend zur Rechnung.

Noch bequemer geht es oft über die App oder das Kundencenter deines Anbieters. Dort siehst du den Verbrauch je Abrechnungsmonat, häufig auch für die zurückliegenden Monate.

Verlass dich nicht auf einen einzigen Monat, sondern schau dir drei bis sechs an. Urlaub, Umzug oder ein kaputter Router zu Hause verzerren das Bild. Nimm den höchsten Wert und leg ein paar Gigabyte Puffer drauf. Das ist dein Bedarf.

So viel kostet zu viel Volumen: drei Rechnungen

Wie viel Geld im falschen Tarif steckt, haben wir für drei Verbrauchsprofile durchgerechnet, den Puffer schon eingeplant. Zuerst bei den vier Netzbetreibern: Angesetzt ist jeweils der günstigste Laufzeitvertrag ohne Smartphone, dessen Volumen reicht. Alle Preise pro Monat, einmalige Anschlusspreise sind nicht eingerechnet. Preisstand: 30. Oktober 2026.

Alle Preise pro Monat, einmalige Anschlusspreise sind nicht eingerechnet. Preisstand: 30. Oktober 2026. Ohne Neukundenaktionen.

Bei 1&1 kostet übrigens auch die All-Net-Flat S mit nur 10 GB 14,99 Euro. Wer da den kleinen Tarif nimmt, verschenkt Volumen zum selben Preis.

Der richtige Tarif: So günstig kann es gehen

Und was kosten dieselben Profile abseits der Netzbetreiber-Verträge? Hier die günstigsten seriösen Alternativen, die wir in jedem Netz gefunden haben, ohne kurzfristige Aktionspreise. Viele davon rechnen alle vier Wochen ab, also 13-mal im Jahr, oder werden als Jahrespaket bezahlt. Wir haben sie deshalb auf den Kalendermonat umgerechnet. Aus 8,99 Euro je vier Wochen werden so rechnerisch 9,74 Euro im Monat.

Profil (Bedarf mit Puffer)Telekom-NetzVodafone-NetzO2-Netz1&1-Netz
Wenignutzer, 5 GB (bis 10 GB)5,83 Euro (Kaufland mobil Jahrespaket, 60 GB für 69,99 Euro im Jahr)5,83 Euro (Lidl Connect Jahrestarif XS, 60 GB für 69,99 Euro im Jahr)4,99 Euro (Lebara Allnet 20 GB Flex) 5,99 Euro (Yourfone 10 GB, 24 Monate)
Normalnutzer, 15 GB (rund 20 GB)8,33 Euro (congstar Jahrespaket, 240 GB für 100 Euro im Jahr)8,33 Euro (Lidl Connect Jahrestarif S, 250 GB für 99,99 Euro im Jahr)4,99 Euro (Lebara Allnet 20 GB Flex)6,99 Euro (Yourfone 20 GB, 24 Monate)
Vielnutzer, 40 GB (rund 50 GB)15,00 Euro (fraenk 50 GB)15,16 Euro (Lidl Connect Smart M, 13,99 Euro je 4 Wochen)8,99 Euro (Lebara Allnet 50 GB Flex)14,99 Euro (1&1 All-Net-Flat M)

Lebara ist monatlich kündbar und kostet einmalig 19,99 Euro Anschlusspreis. Yourfone bindet dich 24 Monate, beim 10-GB-Tarif kommen 29,99 Euro Aktivierung dazu. Bei den Jahrespaketen zahlst du einmal und teilst dir das Volumen über 365 Tage selbst ein.

Fakt 1: Wenig Volumen kostet wenig Geld

Für wenig Volumen musst du nicht viel zahlen – egal in welchem Netz. Am günstigsten ist derzeit das O2-Netz. Lebara verlangt für 20 GB 4,99 Euro im Monat, für 50 GB 8,99 Euro. In den anderen Netzen sind Jahrespakete die Sparlösung: Rund 250 GB kosten etwa 100 Euro im Jahr, rechnerisch 8,33 Euro im Monat. 60 GB gibt es für knapp 70 Euro, also 5,83 Euro im Monat. Der Haken: Wer im Frühjahr zu großzügig surft, sitzt im Herbst auf dem Trockenen. Und 60 GB im Jahr sind rechnerisch genau 5 GB im Monat, ohne Puffer. Lieber im Vier-Wochen-Takt? Dann kosten 25 GB bei ja! mobil, Lidl Connect und Aldi Talk einheitlich 8,99 Euro je vier Wochen.

Fakt 2: Netzbetreiber ist nicht gleich Netzbetreiber

Bei 1&1 kosten 50 Gigabyte exakt so viel wie 10. Zu viel Volumen kostet dort schlicht nichts. Für den Vielnutzer ist 1&1 damit so günstig wie die Discounter im Telekom– und Vodafone-Netz. Auch O2 liegt deutlich unter Telekom und Vodafone. Doch letztlich muss das Netz zu deinen Aufenthaltsorten passen.

Fakt 3: Mehr Datenvolumen wird schnell sehr viel teurer

Bei Telekom und Vodafone kostet jede Tarifstufe regulär 10 Euro im Monat mehr. Wer 15 Gigabyte braucht und aus Vorsicht den MagentaMobil M mit 50 GB bucht statt des XS, zahlt 20 Euro im Monat mehr. Aufs Jahr sind das 240 Euro. Für Gigabyte, die am Monatsende verfallen.

Fakt ist aber auch: Tarife in Deutschland sind schwer miteinander vergleichbar. Einige Beispiele: Lebara, ja! mobil, fraenk und Yourfone surfen mit höchstens 50 Mbit/s, congstar im Prepaid sogar nur mit 25 Mbit/s. Lidl Connect und Aldi Talk erlauben bis zu 100 Mbit/s. Die Netzbetreiber liefern bis zu 300 Mbit/s und packen Extras dazu. Die Telekom etwa Datenvolumen für Reisen außerhalb der EU und für Neukunden derzeit bis zu 240 Euro Cashback. Das 1&1-Netz ist das jüngste; wo eigene Antennen fehlen, funkt es über Vodafone. Für Messenger, Navigation und Musik reicht das Discount-Tempo locker. Und wer im Telekom-Netz volles Tempo will, ohne den Vertragspreis zu zahlen: Der MagentaMobil Prepaid M bringt 20 GB mit bis zu 300 Mbit/s für 9,95 Euro je vier Wochen, rechnerisch 10,78 Euro im Monat.

Aufgepasst bei Yourfone: Der Anbieter bucht über eine Datenautomatik bis zu dreimal kostenpflichtig Volumen nach, wenn dein Inklusivvolumen aufgebraucht ist. Die solltest du im Kundenportal abschalten. Sonst wird aus dem Spartarif die nächste Kostenfalle.

Aber der Preis ist allerdings nicht alles. Ein günstiger Tarif nützt dir nichts, wenn das Netz dort schwächelt, wo du wohnst und arbeitest. Welcher Anbieter wo das bessere Netz hat, haben wir für dich zusammengefasst.

Fazit

Zu viel Datenvolumen ist nicht überall eine Kostenfalle. Beim Discounter und bei 1&1 kostet ein großzügiger Puffer kaum oder gar keinen Aufpreis. Teuer wird es bei Telekom und Vodafone, wo jede Tarifstufe regulär 10 Euro im Monat mehr kostet. Ein Blick in die Einstellungen oder ins Kundencenter sagt dir, welche Stufe du wirklich brauchst. Brauchst du Unlimited? Wahrscheinlich nicht. Und wenn doch, muss es nicht das teuerste Angebot sein.

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