Wer am Steuer zum Smartphone greift, soll künftig in ganz Deutschland automatisch erwischt werden können. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will die sogenannten Handyblitzer bundesweit möglich machen. Aber wie funktioniert die Technik, was ändert sich für dich als Autofahrer und was bedeutet das für Blitzerwarner?
Darum geht es bei den Plänen
Laut Bilger gehen jedes Jahr mehr als tausend Unfälle auf Handys und andere elektronische Geräte am Steuer zurück, Tendenz steigend. Damit die Kameras überall eingesetzt werden dürfen, fehlt bislang eine bundesweite Rechtsgrundlage. Die soll nun im Straßenverkehrsgesetz geschaffen werden, nach Angaben des Ministers auch auf Wunsch der Bundesländer. Thema war das zuletzt auf der Verkehrsministerkonferenz im Oktober. Einen Zeitplan für die Einführung gibt es jedoch bisher nicht.
So funktioniert ein Handyblitzer
Das für Deutschland vorgesehene System heißt Monocam. Eine hochauflösende Kamera wird etwa an einer Autobahnbrücke montiert und fotografiert schräg von oben durch die Windschutzscheibe ins Auto. Eine Software achtet auf zwei Merkmale: ein Handy im Bereich des Fahrers und eine dazu passende Handhaltung. Erst wenn beides zutrifft, löst die Kamera aus. Laut ADAC arbeitet sie bei Tag und Nacht sowie bei jedem Wetter. Ein Bußgeld gibt es aber nicht automatisch: Geschulte Polizisten oder Beamte sichten jedes Foto und entscheiden, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt.
Rheinland-Pfalz ist schon weiter
Bislang setzt nur Rheinland-Pfalz die Monocam im Regelbetrieb ein. Nach einer Testphase und einer Änderung des Landesrechts läuft sie dort seit April 2025. Schon in den ersten Monaten wurden mehr als 300 Verstöße erfasst. Im September vergangenen Jahres kündigte das Land an, die Technik flächendeckend einsetzen zu wollen. Offen bleibt, wie zuverlässig sie arbeitet. Denn belastbare Fehlerquoten sind nicht bekannt. Auch was ein bundesweiter Betrieb kosten würde, ist unklar.
Was sich für dich als Autofahrer ändert
Die wichtigste Botschaft vorab: An den Regeln selbst ändert sich nichts, denn das Handy in der Hand ist schon heute während der Fahrt verboten. Es bleibt bei 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg, wenn du mit dem Smartphone am Ohr erwischt wirst. Gefährdest du andere, werden 150 Euro fällig, bei einem Unfall mit Sachschaden 200 Euro. Dann kommen zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot hinzu.
Was sich aber ändert, ist das Risiko, erwischt zu werden. Bisher musste ein Polizist den Verstoß mit eigenen Augen sehen. Künftig übernimmt das eine Kamera. Automatisch und bei jedem Wetter. Der ADAC geht nach einer eigenen Untersuchung von rund einer Milliarde Verstößen gegen das Handyverbot pro Jahr aus. Der Club befürwortet die Kontrollen grundsätzlich, fordert aber eine klare Rechtsgrundlage, einen hohen Datenschutzstandard und möglichst einheitliche Regeln in allen Ländern.
Erlaubt bleibt im Auto das Telefonieren über eine Freisprecheinrichtung, ein fest eingebautes System im Auto oder ein Bluetooth-Headset. Das Smartphone darfst du dafür aber eben nicht in die Hand nehmen. Auch nicht, um die Telefonnummer im Adressbuch zu suchen.
Helfen Blitzerwarner wie der Ooono Co-Driver No3?
Kann man sich vor den Handyblitzern schützen? Viele Autofahrer nutzen Verkehrswarner wie den neuen Ooono Co-Driver No3, den wir bereits ausführlich getestet haben. Wichtig ist dabei die Rechtslage: Nach § 23 Absatz 1c StVO darfst du während der Fahrt kein Gerät betreiben, das Maßnahmen der Verkehrsüberwachung anzeigt. Ein Handyblitzer ist eine solche Maßnahme. Eine Warnung davor wäre damit genauso unzulässig wie die vor einer Radarfalle. Nutzt du entsprechende Apps oder Gadgets trotzdem, drohen 75 Euro Bußgeld und ein Punkt.
Erlaubt sind dagegen Warnungen vor Unfällen, Baustellen und anderen Gefahrenstellen. Und hier haben etwa der Ooono Co-Driver No3 oder auch die Smartphone-App Waze trotzdem ihre Vorteile. Denn für ihre Warnungen musst du das Smartphone nicht extra in die Hand nehmen. Den sichersten Schutz vor dem Handyblitzer aber bietet nur eines: das Handy während der Fahrt einfach liegen zu lassen.
Dass die Monocam in der Fläche nach Deutschland kommen soll, überrascht mich nicht. Neu ist für Autofahrer ja nicht das Verbot, sondern die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden. Bevor die Kameras bundesweit stehen, sollten die Länder aber offenlegen, wie oft die Technik falsch anschlägt und wie mit den Fotos umgegangen wird. Und wer jetzt auf seinen Blitzerwarner hofft: Bei Apps wie Blitzer.de oder Gadgets wie dem Ooono Co-Driver No3 bleibt eine Blitzer-Warnung während der Fahrt verboten. Das Handy wegzulegen ist die einfachere Lösung.
