Der e Vitara ist das erste vollelektrische Auto von Suzuki. Mit dem bekannten Verbrenner-Vitara teilt er im Grunde nur den Namen. Basis ist die eigens für Elektroautos entwickelte Plattform Heartect-e, gebaut wird im indischen Suzuki-Werk Gujarat. Dort läuft auch sein technischer Zwilling vom Band, der Toyota Urban Cruiser. Mit 4,28 Metern Länge, 1,80 Metern Breite, 1,64 Metern Höhe und 2,70 Metern Radstand tritt der Japaner im Segment der kleinen Stadt-SUV an. Der Wendekreis von 10,4 Metern macht ihn in der Stadt angenehm handlich.
Suzuki e Vitara und die Qual der Wahl
Suzuki bietet drei Antriebe an. Den Einstieg bildet eine 49-kWh-Batterie mit 144 PS und Frontantrieb. Darüber rangiert die 61-kWh-Batterie mit 174 PS, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. Mein Testwagen hatte den Allradantrieb „Allgrip-e“. Hier unterstützt ein zweiter Motor an der Hinterachse mit 48 kW, die Systemleistung liegt bei 135 kW (183 PS) und 307 Newtonmetern. Die Batterie setzt auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) und wird je nach Situation aktiv gekühlt oder beheizt. Nach WLTP soll der Allradler 395 Kilometer weit kommen und dabei 16,6 kWh pro 100 Kilometer verbrauchen. Im reinen Stadtzyklus verspricht Suzuki sogar 526 Kilometer. Mit 1.935 Kilogramm Leergewicht ist die Allradversion rund 100 Kilogramm schwerer als das frontgetriebene Pendant. Zur tatsächlichen Langstrecken-Reichweite kommen wir später noch ausführlicher.

Innenraum und Bedienung: Viel Vernunft, einige Ärgernisse
Positiv fällt sofort auf: Suzuki verzichtet nicht auf Tasten. Die wichtigsten Klimafunktionen bedienst du über physische Knöpfe unterhalb des zentralen Displays, ohne erst durch Menüs wischen zu müssen. Auch der Tempomat lässt sich ganz klassisch per Taste am Lenkrad aktivieren und in 1- oder 5-km/h-Schritten einstellen. Gestartet wird per Start-Stopp-Knopf, die Fahrstufen wählst du über einen Drehknopf auf der Mittelkonsole. Richtig praktisch im Alltag: Eine Taste links unterhalb des Lenkrads aktiviert unter anderem eine seitliche Kamera, mit der du beim Einparken den Bordstein auf der rechten Seite siehst. Das schont die Felgen.
Weniger gelungen: Auto-Hold-Funktion und die favorisierte Rekuperationsstufe setzen sich nach jedem Motorstart zurück. Du musst beides also bei jeder Fahrt neu über die passenden Knöpfe an der Mittelkonsole aktivieren. Schaltwippen zur Steuerung der Rekuperation gibt es nicht, stattdessen wechselst du über den Touchscreen zwischen drei Stufen. Echtes One-Pedal-Driving ist damit aber leider nicht möglich. Dazu kommen die Fahrmodi Eco, Normal und Sport. Beim Allradler schaltest du den Antrieb optional außerdem zwischen den Modi Auto und Trail um. Letzterer ist für schwieriges Gelände oder extrem rutschigen Untergrund ideal. Denn es wirkt unter anderem eine gezielte Traktionshilfe bei durchdrehenden Rädern.
Entertainment-System zu träge
Das Infotainment mit 10,25-Zoll-Kombiinstrument und 10,1-Zoll-Touchscreen bindet dein Smartphone kabellos per Apple CarPlay und Android Auto ein. Das ist auch gut so, denn das System des Autos selbst überzeugt weniger. Die Menüs sind eher altbacken und verschachtelt. In manchen Situationen reagiert die Software spürbar träge. Ebenfalls auffällig: Die Kameras liefern in so mancher Situation nur ein recht grobes Bild. Zu schwach ist ihre Auflösung.

Bei der Haptik zeigt sich der e Vitara bodenständig. Türen und Heckklappe klingen beim Zuschlagen eher blechern. Die stark glänzende Oberfläche der Mittelkonsole zieht Fingerabdrücke und Staub magisch an. Selbst im Topmodell gibt es nur eine 1-Zonen-Klimaautomatik, und die Sonnenblende für das Glasdach schiebst du von Hand. Je zwei USB-Anschlüsse (USB-A und USB-C) gibt es vorn wie hinten.
Die Vordersitze sind auch auf längeren Etappen bequem, könnten aber etwas mehr Seitenhalt bieten. Große Fahrer stören sich zudem an der hohen Mittelkonsole: Zwischen Knie und Konsole bleibt nur wenig Luft.
Platz und Kofferraum: Klein, aber erfreulich variabel
In der zweiten Reihe geht es klassenbedingt eng zu. Wer 1,90 Meter oder größer ist, stößt mit dem Kopf an den Dachhimmel. Ein cleveres Detail hat Suzuki aber eingebaut: Die Rückbank lässt sich um 16 Zentimeter verschieben, die Lehnen sind in der Neigung verstellbar und im Verhältnis 40:20:40 umklappbar. Du entscheidest also selbst, ob die Passagiere hinten oder das Gepäck mehr Platz bekommen.
Das ist auch nötig, denn der Kofferraum ist klein. Suzuki gibt bei aufrechter Lehne je nach Position der Rückbank 238 bis 310 Liter an. In der hinteren Sitzposition passt also kaum mehr hinein als ein klassischer Koffer. Klappst du die Lehnen um, sind es 562 Liter, maximal 1.052 Liter. Einen Unterboden im eigentlichen Sinne gibt es nicht, nur einige kleinere Fächer. Immerhin bleibt dir eine hohe Ladekante erspart. Einen Frunk unter der Fronthaube bietet der e Vitara nicht.

Die Heckklappe öffnest und schließt du manuell. Für groß gewachsene Menschen schwingt sie leider nicht hoch genug auf. Kopfstoßgefahr! Eine Hundebox für einen Golden Retriever oder Labrador (91 x 58 x 61 Zentimeter) passt nur in den Kofferraum, wenn du zwei der drei Rücksitzplätze umlegst. Wer einen Anhänger ziehen will, muss sich bescheiden: Gebremst wie ungebremst sind maximal 750 Kilogramm erlaubt, die Stützlast liegt bei 75 Kilogramm. Für einen Fahrradträger auf der Kupplung reicht das, für einen Wohnwagen kaum. Höchstens Kleinst- und Leichtwohnwagen können mit auf die Reise gehen.
Antrieb und Fahrwerk: Kräftig, aber hart
Mit 183 PS ist der Allrad-Vitara ordentlich motorisiert. Den Sprint auf Tempo 100 schafft er laut Hersteller in 7,4 Sekunden, der Antritt aus dem Stand ist entsprechend kräftig. Laut Datenblatt endet der Vortrieb bei 150 km/h, im Test zeigte das Display in der Spitze 162 km/h an. Für Autobahnetappen reicht das allemal.
Wichtig auch: Der Allradantrieb macht den e Vitara nicht zum lupenreinen Geländewagen. Mit Trail-Modus, Bergabfahrhilfe und 18 Zentimetern Bodenfreiheit bist du aber auf nassen Wiesen, verschneiten Nebenstraßen oder steilen Feldwegen besser aufgehoben als mit den meisten kompakten E-SUV, denn Allrad ist in dieser Klasse selten.

Das Fahrwerk ist recht straff abgestimmt. Über Unebenheiten rumpelt der Wagen spürbar, Stöße aus dem Asphalt kommen deutlich im Innenraum an. Trotz der straffen Abstimmung und der 19-Zoll-Felgen reist es sich auf der Autobahn insgesamt angenehm. Ab etwa 110 km/h sind allerdings Windgeräusche unüberhörbar.
Verbrauch und Reichweite: Der Herbst zeigt die Grenzen
Und dann wäre da noch der Verbrauch. Hier liegt die vielleicht größte Schwäche des e Vitara. Denn die Verbrauchswerte während der zu unseren Testfahrten vorherrschenden Herbsttemperaturen waren auf zahlreichen Fahrten überdurchschnittlich hoch. Die folgenden Werte zum Verbrauch habe ich ermittelt:
| Strecke | Durchschnitt | Spanne | WLTP-Wert |
|---|---|---|---|
| Stadt | 19,5 kWh/100 km | 16,7 bis 22,7 kWh | 12 kWh |
| Landstraße | 20,1 kWh/100 km | 15,2 bis 23,8 kWh | 15,0 kWh |
| Autobahn (bei meist 125 km/h) | 28,0 kWh/100 km | 25,6 bis 29,4 kWh | 21,8 kWh |
Besonders in der Stadt klafft eine große Lücke zum Normwert des Herstellers. Und das, obwohl serienmäßig eine Wärmepumpe an Bord ist. An kühlen Herbstmorgen, wenn Heizung, Sitzheizung und Scheibenheizung gleichzeitig arbeiten, waren auf Kurzstrecken sogar rund 30 kWh pro 100 Kilometer nicht ausgeschlossen. Im Winter dürfte es entsprechend nicht besser werden.
Und auch auf der Autobahn lautet unser Tipp: Nicht schneller als 125 km/h fahren. Denn schon bei 130 km/h schnellt der Verbrauch pro 100 Kilometer auf über 30 kWh. An dieser Stelle lässt dann auch die E-Mobilität deinen Geldbeutel bluten.

Rechnest du mit der 61-kWh-Batterie, ergeben sich im Stadt- und Landverkehr rechnerisch etwa 300 Kilometer Reichweite. Die von Suzuki für den Stadtverkehr angegebenen 526 Kilometer sind bei Herbstwetter nicht einmal annähernd erreichbar. Auf der Autobahn kommst du realistisch bei dezenter Fahrweise nur rund 200 Kilometer weit, bevor du an die Ladesäule musst. Von den versprochenen 395 Kilometern ist der Allrad-Vitara also schon im Herbst weit entfernt.
Laden: Gemütlich statt schnell
Den Ladeanschluss findest du vorn links. An der Wallbox lädt der e Vitara mit bis zu 11 kW. Laut Suzuki dauert eine Ladung von 10 auf 100 Prozent rund 5,5 Stunden, über Nacht zu Hause ist das problemlos machbar. Am Schnelllader startete er im Test bei knapp 50 kW und kletterte auf maximal 63 kW. Für diese Preisklasse ist dieser Spitzenwert heute eher mau. Zumal die Batterie über ein aktives Thermomanagement verfügt.

Die gute Nachricht: Die Ladekurve bleibt lange stabil. Bei 70 Prozent lagen noch 52 kW an, bei 80 Prozent 50 kW. Erst danach bricht die Leistung ein, bei 85 Prozent waren es nur noch 29 kW. Bei 10 Grad Außentemperatur dauerte ein Ladestopp von 20 auf 80 Prozent 38 Minuten. Damit liegt der e Vitara im Rahmen der Werksangabe (10 auf 80 Prozent in 45 Minuten). Von 15 auf 95 Prozent vergeht rund eine Stunde.
Kombinierst du die etwa 200 Kilometer Autobahnreichweite mit knapp 40 Minuten Ladepause, wird klar: Für regelmäßige Langstrecken ist der e Vitara nicht gemacht. Dazu passt, dass die Navigation keine Ladestopps in die Route einplant. Ladesäulen lassen sich auf der Karte des Auto-Navis zwar antippen und als Ziel auswählen, einen Filter, der gezielt nur Ladestationen anzeigt, gibt es aber nicht. Für längere Touren greifst du besser zu einer Lade-App auf dem Smartphone. Die hauseigene App Suzuki Connect ist vier Jahre lang kostenlos. Sie zeigt den Ladezustand, steuert den Ladevorgang aus der Ferne und kann die Batterie bei Kälte vorbereiten.

Assistenzsysteme: Ein echtes Sicherheitsproblem
Auch zahlreiche Assistenzsysteme sind im Suzuki e Vitara natürlich mit an Bord. Ein Punkt hat mich im Test aber ziemlich erschrocken. Ist der Radius einer Kurve zu scharf, steigt der Spurhalteassistent aus. Das kann zwar auch in anderen Autos passieren, ist also kein Alleinstellungsmerkmal des e Vitara, dochh gefährlich kann es trotzdem enden. Statt der Fahrbahn zu folgen, lenkte der Wagen im Test wiederholt in Richtung Gegenverkehr. Und das nicht nur auf der Landstraße, sondern auch innerstädtisch bei nicht viel mehr als 50 km/h. Verlassen solltest du dich auf das System also keinesfalls. Hände ans Lenkrad und Aufmerksamkeit sind in diesem E-Auto Pflicht.
An Bord sind unter anderem ein adaptiver Tempomat, eine Müdigkeitserkennung, ein Toter-Winkel-Warner und ein Ausparkassistent. Die Systeme sind allerdings sehr sensibel eingestellt. Im Cockpit bimmelt und piept es häufig. Auch eine Verkehrszeichenerkennung ist als Teil der Serienausstattung an Bord, im Top-Modell ersetzt zudem eine 360-Grad-Kamera eine einfache Rückfahrkamera.
Sprachsteuerung: Durchwachsen
Die Sprachsteuerung habe ich mit sechs typischen Befehlen getestet. „Navigiere mich zur Allianz Arena“ klappt, die Routenberechnung dauert aber recht lange. Auch „Schalte die Sitzheizung ein“ versteht der e Vitara. Das Fenster öffnen, den Radiosender Sunshine Live einschalten oder die Temperatur direkt auf 22 Grad stellen funktioniert dagegen nicht. Immerhin dreht die Klimaanlage mit „Erhöhe die Temperatur“ in 0,5-Grad-Schritten nach oben. Den Kofferraum öffnet die Sprachsteuerung ebenfalls nicht, was bei einer manuellen Heckklappe aber auch kaum verwundert.

Preise und Ausstattung
Der Suzuki e Vitara startet in der Ausstattung Club mit 49-kWh-Batterie bei 29.990 Euro. Die Linie Comfort mit großer Batterie kostet ab 36.490 Euro, das Topmodell Comfort+ ab 40.490 Euro. Für den Allradantrieb Allgrip-e verlangt Suzuki beim Comfort+ 2.500 Euro Aufpreis, mein Testwagen kommt damit auf mindestens 42.990 Euro. Allradantrieb mit etwas weniger Ausstattung (Comfort) gibt es ab 39.490 Euro.
Bis auf Arctic White kosten alle Metallic-Farben 890 Euro Aufpreis. Eine Zweifarblackierung gibt es nur im Comfort+ für zusätzlich 400 Euro, bei Wahl der Farbe Opulent Red pauschal für 1.290 Euro.
Dafür ist der Comfort+ gut ausgestattet. Sitz- und Lenkradheizung, eine in Teilbereichen beheizbare Frontscheibe, ein zehnfach elektrisch verstellbarer Fahrersitz, ein Glasdach, das Infinity-Soundsystem mit sechs Lautsprechern und Subwoofer, eine kabellose Ladeschale für das Smartphone, ein adaptiver Fernlichtassistent und 19-Zoll-Alufelgen sind an Bord. Suzuki gewährt drei Jahre Neuwagengarantie bis 100.000 Kilometer. Gegen Aufpreis lässt sie sich um zwei oder drei Jahre verlängern.
Fazit: Sympathischer Allrad-Stromer für die Region
Der Suzuki e Vitara Allgrip-e ist ein Elektroauto mit klarem Einsatzprofil. Seine Stärken spielt er im Alltag aus: Allrad für schlechtes Wetter und Feldwege, kräftiger Antritt, eine praxisnahe Bedienung mit echten Tasten, eine variable Rückbank und eine umfangreiche Ausstattung. Wer täglich in der Region pendelt und zu Hause laden kann, findet hier einen soliden Begleiter.
Für die Langstrecke taugt der e Vitara dagegen kaum. Der hohe Verbrauch auf der Autobahn, die gemächliche Ladeleistung und die fehlende Ladeplanung im Navi machen Reisen mühsam. Dazu kommen das harte Fahrwerk, ein kleiner Kofferraum und vor allem der Spurhalteassistent, der im Test in scharfen Kurven gefährlich danebenlag. Rund 43.000 Euro sind für dieses Gesamtpaket kein Schnäppchen. Bevor du zuschlägst, solltest du also genau prüfen, ob dein Fahrprofil zum e Vitara passt.

Vorteile Suzuki e Vitara
- Allradantrieb mit Trail-Modus: In der Klasse der kompakten E-SUV ist das eine Seltenheit. Ideal bei Schnee, Matsch und auf Feldwegen.
- Kräftiger Antrieb: 183 PS und 7,4 Sekunden auf Tempo 100 sorgen für souveränen Vortrieb.
- Praxisnahe Bedienung: Physische Klimatasten, Tempomat per Lenkradtaste und eine Bordsteinkamera erleichtern den Alltag.
- Variable Rückbank: Sie ist um 16 Zentimeter verschiebbar und 40:20:40 umklappbar, so lässt sich der Platz flexibel aufteilen.
- Umfangreiche Ausstattung: Im Comfort+ sind 360-Grad-Kamera, Glasdach, Soundsystem und Heizfunktionen serienmäßig an Bord.
Nachteile Suzuki e Vitara
- Hoher Verbrauch: Auf der Autobahn sind es 28 bis über 30 kWh pro 100 Kilometer. Real bleiben auf Langstrecke selbst bei 125 km/h Reisegeschwindigkeit nur rund 200 Kilometer.
- Langsames Schnellladen: Im Test gab es maximal 63 kW, dazu keine Ladeplanung im Navi.
- Unzuverlässiger Spurhalteassistent: Im Test lenkte der Wagen in scharfen Kurven trotz eingeschaltetem Spurhalteassistenten wiederholt Richtung Gegenverkehr.
- Hartes Fahrwerk und Windgeräusche: Unebenheiten kommen deutlich durch, ab 110 km/h wird es laut.
- Wenig Platz: Der Kofferraum ist klein und es gibt keinen Frunk. Hinten ist die Kopffreiheit eingeschränkt, und die manuelle Heckklappe öffnet nicht hoch genug.
Für mich ist der Suzuki e Vitara ein sympathisches E-Auto mit klarem Profil. Der Allradantrieb, der kräftige Antritt und die vielen echten Tasten haben mir im Alltag gefallen. Auf der Autobahn kam ich im Herbst aber nur rund 200 Kilometer weit, und am Schnelllader war bei 63 kW Schluss. Wer vorwiegend in der Region pendelt und zu Hause laden kann, wird mit diesem E-Auto glücklich. Vielfahrer hingegen sicher nicht.






