Amazfit T-Rex Ultra 2 Test: Titan-Brocken mit genialem Gratis-Extra

9 Minuten
Eine Uhr, die kaum kaputtzukriegen ist, wochenlang ohne Ladekabel auskommt und dich auch ohne Handy zuverlässig navigiert: Die Amazfit T-Rex Ultra 2 klingt nach dem perfekten Outdoor-Begleiter. Doch an einer Stelle patzt sie im Test.
Amazfit T-Rex Ultra 2 am Handgelenk von Hayo Lücke im Test.
Kann die Outdoor-Smartwatch Amazfit T-Rex Ultra 2 im Test überzeugen? Wir geben dir die Antwort.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Amazfit hat bei der T-Rex-Reihe noch nie mit Understatement gearbeitet, aber die T-Rex Ultra 2 hebt den Anspruch auf ein neues Level. Titan der Güteklasse 5, Saphirglas, bis zu 30 Tage Akku und topografische Offline-Karten ohne Abo. Damit greift die Uhr offen nach dem Revier von Garmin Fenix und Apple Watch Ultra. Das ist für den aufgerufenen Preis von knapp 550 Euro eine Ansage. Ob der Brocken die in ihn gesteckte Erwartung einlöst oder ob am Ende vorwiegend sein Gewicht in Erinnerung bleibt … wir verraten es dir – hier und jetzt.

Design und Verarbeitung: gebaut für die Apokalypse

Fangen wir bei dem an, was diese Uhr sofort verkörpert: Robustheit. Lünette, Tasten und Gehäuserückseite bestehen aus Titan der Klasse 5, das Display schützt kratzfestes Saphirglas. Dazu kommen eine Zertifizierung nach MIL-STD-810H sowie eine Wasserdichtigkeit von 10 ATM, die sogar Tauchgänge bis 45 Meter abdeckt. Selbst bei Minusgraden bis −30 Grad Celsius soll die Uhr weiterarbeiten. Wer sie bei einer Bergtour oder beim Tauchen an die Grenze bringen will, muss sich schon Mühe geben.

Der Preis für diese Panzerung ist allerdings unübersehbar. Und das im wahrsten Sinne. Mit 51 × 51 × 14,3 Millimetern und rund 92 Gramm inklusive Armband ist die T-Rex Ultra 2 kein Leichtgewicht, sondern ein echter Klotz am Handgelenk. An kräftigen Unterarmen wirkt das souverän, an schmalen Handgelenken schlicht überdimensioniert. Das Gewicht ist zu spüren, aber der eine oder andere Uhrenträger sucht vielleicht auch genau das. Wer eine unauffällige Alltagsuhr sucht, ist hier grundfalsch. Das ist keine Kritik im engeren Sinn, sondern eine Ansage: Diese Uhr weiß, was sie ist, und entschuldigt sich dafür nicht.

Amazfit T-Rex Ultra 2 am Handgelenk von Hayo Lücke
Amazfit T-Rex Ultra 2: Die Uhr fällt in die Kategorie: wuchtig!

Display: hell, scharf – und schnell voller Fingerabdrücke

Beim Bildschirm gibt es wenig zu meckern. Das 1,5 Zoll große AMOLED-Panel löst mit 480 × 480 Pixeln auf und erreicht eine Spitzenhelligkeit von bis zu 3.000 Nits. In der Praxis heißt das: Selbst im gleißenden Sonnenlicht auf einem Gipfel bleibt alles ablesbar. Farben sind kräftig, Schwarz wirkt tief, die Touch-Bedienung reagiert flüssig.

Ein Always-on-Display und eine automatische Helligkeitsregelung sind an Bord. Zwei kleine Wermutstropfen gibt es trotzdem: Das Saphirglas spiegelt je nach Lichteinfall sichtbar, und die Oberfläche zieht Fingerabdrücke geradezu magisch an. Beides ist kein Beinbruch, fällt im Alltag aber eben auf.

Amazfit T-Rex Ultra 2 Widgets
Widgets geben dir auf der Amazfit T-Rex Ultra 2 einen tiefen Einblick in unzählige Smartwatch-Funktionen.

Akku und Laden: Hier spielt sie ihre Klasse aus

Der 870-mAh-Akku ist das zweite große Verkaufsargument. Amazfit nennt bis zu 30 Tage im Smartwatch-Modus. Ein Wert, den man mit aktivem Always-on-Display, häufigem GPS und dauerhafter Sensorik zwar nicht erreicht, der aber selbst halbiert noch souverän über eine Woche reicht. Im präzisen Dual-Frequency-GNSS-Modus sind laut Hersteller bis zu 50 Stunden durchgehende GPS-Nutzung drin. Das ist genau die Kategorie Ausdauer, die eine Uhr für mehrtägige Touren erst brauchbar macht, weil du das Ladekabel getrost zu Hause lässt.

Geladen wird über eine magnetische Ladeschale. Das dauert von 0 auf 100 Prozent knapp zwei Stunden. Schnelles Laden klappt besonders gut im Fenster zwischen 20 und 80 Prozent, in dem sich die Uhr nach Möglichkeit ohnehin immer befinden sollte, um den Akku zu schonen. Schade: Kabelloses Qi-Laden gibt es nicht. Für eine Outdoor-Uhr ist das verkraftbar. Denn man lädt sie ohnehin selten, und wenn, dann meist am heimischen Schreibtisch.

Navigation: der eigentliche Trumpf gegen Garmin

Wenn eine Sache diese Uhr über den Status eines robusten Fitness-Trackers hinaushebt, dann ist es die Navigation. Zur Ortung greift die T-Rex Ultra 2 auf sechs Satellitensysteme mit Dualband-Empfang zurück. Vor allem aber bringt sie topografische Offline-Karten samt Turn-by-Turn-Navigation direkt auf das Handgelenk. Und das ohne gekoppeltes Smartphone und ohne Abo. Genau an diesem Abo-Zwang verdient sich die Konkurrenz oft eine goldene Nase, weshalb dieser Punkt schwerer wiegt, als es auf dem Datenblatt zunächst aussieht.

Amazfit T-Rex Ultra 2 mit Offline-Karte.
Echter Mehrwert: Offline-Karten auf der Amazfit T-Rex Ultra 2.

In der Praxis ist der GPS-Empfang trotz "nur" Dualband bemerkenswert präzise und stabil, grobe Ausreißer sind die Ausnahme. Und das nicht nur unter freiem Himmel, sondern auch in schwierigerem Gelände. Auch im Wald oder zwischen Gebäuden bleibt die Streckenaufzeichnung verblüffend stabil und genau. Allenfalls leichte Positionsabweichungen waren hier im Test zu beobachten. Für Wanderer, Trailrunner und Radfahrer, die sich abseits befestigter Wege bewegen, ist das ein handfestes Kaufargument. Leichte Abstriche musst du beim Höhenmesser machen, der im Test nicht immer zuverlässig die korrekte Höhe anzeigte.

Ein Wort zum GPS-Fix: Bis die T-Rex Ultra 2 eine Position ermittelt hat, vergehen im Freien in der Regel 10 bis 15 Sekunden. Ein Wert, der für eine Uhr dieser Ausrichtung noch in Ordnung geht. Dank Dualband-Empfang und sechs Satellitensystemen sitzt der Fix danach stabil. Kurz: Du drückst auf Start und kannst quasi sofort loslaufen, statt am Wegrand (zu) lange auf die Ortung zu warten. In den GPS-Einstellungen der Uhr kannst du übrigens zwischen "Genauigkeit", "Automatisierung", "Stromsparmodus" und einem benutzerdefinierten GPS-Modus auswählen.

Software und Bedienung: Zepp OS mit bekannten Grenzen

Auf der Uhr läuft Amazfits hauseigenes Zepp OS. Das System ist schnell und übersichtlich, die Steuerung über vier physische Tasten plus Touchscreen gelingt auch mit Handschuhen zuverlässig. Doch hier zeigt sich die typische Amazfit-Schwäche: Ein offenes App-Ökosystem gibt es nicht, die Auswahl nachladbarer Apps bleibt überschaubar, und wer von einer Wear-OS-Uhr kommt, wird den Funktionsumfang einer echten Smartwatch vermissen.

Auch die Begleit-App ist Geschmackssache. Sie deckt Gesundheit und Alltag ordentlich ab, ist für ambitionierte Sportauswertung aber weniger tief aufgestellt als spezialisierte Plattformen. Ein weiterer Ärgernis-Punkt speziell für den deutschen Markt: Kontaktloses Bezahlen läuft über Zepp Pay, das hierzulande nur über den Umweg des Drittanbieters Curve funktioniert. Das ist umständlich und wirkt für eine Uhr dieser Preisklasse nicht zeitgemäß.

Fitness und Gesundheit: viel Ausstattung, ein klarer Schwachpunkt

Sportlich fährt die T-Rex Ultra 2 ein breites Programm auf: über 180 Trainingsmodi, inklusive Tauchen und Multisport. Für die Messung sorgt der BioTracker-6.0-Sensor. Dazu kommen Höhenmesser, Barometer, Kompass, Temperatur- und Umgebungslichtsensor. Auf der Gesundheitsseite gibt es Herzfrequenz, SpO₂ (Blutsauerstoffsättigung), Herzfrequenzvariabilität (HRV), Stresslevel-Tracking, Hauttemperatur-Analyse und Atemfrequenz, gebündelt in Kennzahlen wie dem Erholungswert BioCharge und dem Aktivitätsindex PAI.

Amazfit T-Rex Ultra 2 Trainingsmodus
So sieht der klassische Trainingsmodus auf der Amazfit T-Rex Ultra 2 aus.

Was zunächst nach Gimmick klingt, entpuppt sich im Gelände als echter Helfer. Die T-Rex Ultra 2 hat an der Kopfseite eine integrierte LED-Taschenlampe an Bord, die mit bis zu rund 300 Lux erstaunlich hell leuchtet. Für den Weg zum Zelt, das Kramen im Rucksack oder eine ungeplante Rückkehr in der Dämmerung reicht das locker. Praktisch ist zudem, dass sich neben Weiß auch grünes Licht einstellen lässt. Das schont in der Dunkelheit die Augen und lässt sich auch mit Nachtsichtgeräten nutzen. Wer die Uhr wirklich im Outdoor-Einsatz nutzt, wird die Lampe schneller vermissen, als er denkt, sobald er mal ohne sie unterwegs ist. On top lässt sich über die Taschenlampe auch ein optisches SOS-Signal aktivieren. Einfach die Quick-Buttons aufrufen (von oben nach unten über das Display wischen) und "SOS" antippen.

Amazfit T-Rex Ultra 2 Taschenlampe.
Taschenlampe in einer Smartwatch? Wenn sie so gut funktioniert wie in der Amazfit T-Rex Ultra 2: ein unbedingtes Ja!

Der große Haken sitzt ausgerechnet bei einer Kerndisziplin: der optischen Herzfrequenzmessung. Die liefert am schweren, sich bewegenden Handgelenk erfahrungsgemäß keine durchgehend verlässlichen Werte, gerade bei schnellen Belastungswechseln. Wer sich auf die reine Handgelenksmessung verlässt, wird laut unserem Test besonders bei Intervallen enttäuscht. Für ernsthaftes Herzfrequenztraining solltest du deshalb einen externen Brustgurt koppeln. Erfreulicherweise unterstützt die Uhr dafür den ANT+-Standard. Damit bekommt man ein rundes Tracking. Leider fehlen ein EKG und eine Sturzerkennung, was im Umfeld von Apple Watch Ultra und Co. auffällt.

Preis und Einordnung

Mit einem unverbindlichen Verkaufspreis (UVP) in Höhe von 549,90 Euro positioniert sich die T-Rex Ultra 2 klar im Premium-Segment. Sie bleibt aber preislich unterhalb einer Apple Watch Ultra 3 und je nach Modell auch unter einer Garmin Fenix. Teil der Wahrheit ist aber auch: Eine eigenständige Mobilfunkverbindung gibt es nicht. Ohne Smartphone bleibt die Uhr in ihren smarten Funktionen beschnitten, was durch die integrierte Navigation aber deutlich abgefedert wird. Der nachfolgende Preisvergleich zeigt dir, wo du die Uhr schon jetzt mit Rabatten kaufen kannst.

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Fazit zur Amazfit T-Rex Ultra 2

Amazfit T-Rex Ultra 2 Testsiegel

Die Amazfit T-Rex Ultra 2 ist eine kompromisslose Outdoor-Uhr, die genau zwei Dinge herausragend beherrscht: durchhalten und navigieren. Titan-Gehäuse, Saphirglas, 10-ATM-Tauchtauglichkeit, wochenlange Laufzeit und – das eigentliche Highlight – kostenlose topografische Offline-Karten machen sie für Bergsteiger, Taucher und Trail-Enthusiasten zu einer ernsthaften Alternative zur (noch) teureren Konkurrenz.

Wer allerdings eine alltagstaugliche Smartwatch mit schlankem Design, ausgereiftem App-Ökosystem, präziser Handgelenks-Herzfrequenz oder Features wie EKG und LTE erwartet, ist hier falsch. Die Uhr ist groß, schwer und in der Software eigen. Sie ist ein Spezialist, kein Alleskönner. Als Outdoor-Experte ist sie aber ziemlich gut. Ob sie zu dir passt, entscheidet sich schlicht daran, ob du ihre Stärken wirklich brauchst.

Amazfit T-Rex Ultra 2 in der Seitenansicht.
Amazfit T-Rex Ultra 2: Schlicht ist diese Smartwatch nicht.

Stark auch: 64 GB Speicherplatz (von denen rund 30 GB für das Offline-Kartenmaterial in Anspruch genommen werden) sind ein hervorragender Wert. In diesem Speicher kannst du auch Musik für deine Offline-Abenteuer ablegen. Wer es braucht, kann über ein gekoppeltes Smartphone auch am Handgelenk telefonieren.

Die vier wichtigsten Vorteile

  • Kostenlose Offline-Navigation: Topografische Karten und Turn-by-Turn-Routing direkt am Handgelenk – ohne Smartphone und ohne Abo.
  • Kompromisslose Robustheit: Titan 5, Saphirglas, MIL-STD-810H und 10-ATM-Tauchtauglichkeit bis 45 Meter machen die Uhr nahezu unzerstörbar.
  • Ausdauernder Akku: Rund 14 Tage im Alltag und rund 50 Stunden mit präzisem Dual-Frequency-GPS
  • Helles, gut geschütztes Display: 1,5-Zoll-AMOLED mit bis zu 3.000 Nits

Die vier größten Nachteile

  • Groß und schwer: Mit 92 Gramm und 14,3 Millimetern Bauhöhe trägt die Uhr wuchtig auf und passt kaum an schmale Handgelenke.
  • Schwächelnde Handgelenks-Herzfrequenz: Die optische Messung ist bei Belastungswechseln unzuverlässig
  • Geschlossenes Zepp-OS-Ökosystem: Kaum (brauchbare) nachladbare Apps und eine für Profi-Sportauswertung nur mittelmäßige Begleit-App.
  • Umständliches Bezahlen und fehlende Extras: Zepp Pay läuft in Deutschland nur über Curve, dazu fehlen EKG, Sturzerkennung und Mobilfunk.

Abschließender Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 4.10.5.1. Etwaige nachträgliche Änderungen oder Erweiterungen finden keine Berücksichtigung.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Mir gefällt die T-Rex Ultra 2 – gerade weil sie auf Schnickschnack verzichtet und einfach macht, wofür sie gebaut ist. Das puristische Titan-Design mag wuchtig sein, hat für mich aber einen ehrlichen Reiz. Schade finde ich nur, dass sie an einigen wichtigen Stellen beschnitten bleibt: Das Zepp-OS-Ökosystem ist eng, die Handgelenks-Herzfrequenz teilweise etwas zu unzuverlässig, EKG und Mobilfunk fehlen, und Bezahlen klappt in Deutschland nur über Umwege. So bleibt eine starke Spezialistin mit vermeidbaren Lücken. Wahr ist aber auch: Outdoor-Freunde werden sie lieben.

Bildquellen

  • Amazfit T-Rex Ultra 2 am Handgelenk von Hayo Lücke: Hayo Lücke / inside digital
  • Widgets auf der Amazfit T-Rex Ultra 2.: Hayo Lücke / inside digital
  • Amazfit T-Rex Ultra 2: Offline-Karten: Hayo Lücke / inside digital
  • Trainingsmodus auf der Amazfit T-Rex Ultra 2.: Hayo Lücke / inside digital
  • Amazfit T-Rex Ultra 2 Taschenlampe.: Hayo Lücke / inside digital
  • Amazfit T-Rex Ultra 2 Testsiegel: inside digital
  • Amazfit T-Rex Ultra 2 in der Seitenansicht: Hayo Lücke / inside digital
  • Amazfit T-Rex Ultra 2 am Handgelenk von Hayo Lücke im Test.: Hayo Lücke / inside digital

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