Kia EV4 Test: Starker Auftritt, klare Kante

11 Minuten
Der Kia EV4 kombiniert futuristisches Design mit hoher Reichweite und viel Komfort im Alltag. Im Test zeigt der elektrische Kompaktwagen, wie gut Kia inzwischen moderne Technik, effizienten Antrieb und ein hochwertiges Fahrerlebnis miteinander verbindet. Bereit? Los geht’s.
Kia EV4 an einem See in Emmen geparkt.
Kia EV4: Kompakter Stromer als Alternative zum VW ID.3.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Mit dem Kia EV4 erweitert der koreanische Hersteller sein Elektroauto-Angebot um einen modernen Kompaktwagen mit klarer Ausrichtung auf Alltag, Effizienz und Reichweite. Anders als viele aktuelle Modelle setzt Kia beim EV4 nicht auf eine typische SUV-Optik, sondern auf eine flache, dynamischere Karosserie mit klassischer Linienführung. Genau das macht den EV4 zu einer spannenden Option für Fahrer, die ein komfortables Elektroauto als Alternative zu VW ID.3, Cupra Born oder Tesla Model 3 suchen. Ecken und Kanten zeigt er aber auch – nicht nur beim Exterieur.

Optisch orientiert sich der Kia EV4 an der modernen Kia-Designsprache "Opposites United". Die markante Frontpartie mit den schmalen LED-Leuchten sorgt für einen ungemein futuristischen Auftritt. Gleichzeitig wirkt der EV4 angenehm klar gezeichnet und verzichtet auf übertriebene Designspielereien. Die aerodynamische Form verbessert zudem die Effizienz und trägt zu Verbesserungen hinsichtlich der Reichweite bei.

Kia EV4 in der Seitenansicht.
Kompakt und gut - mit kurzen Überhängen: der Kia EV4.

Innenraum und Platzangebot im Kia EV4

Mit rund 4,43 Metern Länge positioniert sich der Kia EV4 in der beliebten Kompaktklasse. Dank des vergleichsweise langen Radstands von 2,82 Metern bietet das Elektroauto jedoch überraschend viel Platz im Innenraum. Vor allem auf den vorderen Sitzen entsteht ein angenehmes Raumgefühl, das eher an größere Fahrzeuge erinnert. Die nicht durchgehende Mittelkonsole sorgt für viel Beinfreiheit.

Auch im Fond überzeugt der Kia EV4 mit guter Beinfreiheit und ausreichend Platz für Erwachsene. Aber nur, solange Fahrer oder Beifahrer nicht zu weit mit ihrem Sitz nach hinten rücken. Dann wird es nämlich schnell eng. Die Kopffreiheit hinten ist ab einer Körperlänge von circa 1,85 Metern eingeschränkt.

Zweite Sitzreihe im Kia EV4.
In der zweiten Sitzreihe kann es im Kia EV4 eng werden.

Der Kofferraum fällt alltagstauglich aus und bietet genügend Stauraum für Einkäufe, Gepäck oder Familienausflüge. Kia stellt 435 Liter, erweiterbar auf bis zu 1.415 Liter, in Aussicht. Zum Vergleich: Der kürzlich neu vorgestellte VW ID.3 Neo kommt nur auf 385 Liter, die sich auf bis zu 1.336 Liter erweitern lassen.

Eine hohe Laderampe musst du beim Be- und Entladen des Kofferraums nicht überwinden. Der Unterboden ist sehr flach gehalten, tiefe Fächer suchst du hier vergeblich. Ausreichend Platz für Zubehör und AC-Ladekabel ist trotzdem vorhanden. Und das ist wichtig, denn ein Frunk unter der Motorhaube gibt es beim Kia EV4 nicht.

Kia EV4 Kofferraum
Ausreichend Platz für den Alltag bietet auch der Kofferraum des Kia EV4.

Kofferraum reicht nicht für eine große Hundebox

Für Hundebesitzer interessant: Eine Box (91 × 58 × 61 Zentimeter) zum Transport eines Vierbeiners in der Größe eines Golden Retrievers oder Labradors passt beim Kia EV4 nur dann in den Kofferraum, wenn du zwei der drei Sitze im Fond umklappst. Dann können also nur noch drei Personen plus Fellnase mitreisen.

Das Cockpit präsentiert sich modern und hochwertig. Zwei große 12,3-Zoll-Displays sind Teil der Serienausstattung und bilden die digitale Schaltzentrale des Fahrzeugs. Außerdem ist dazwischen noch ein drittes Touchdisplay (5,3 Zoll) für die Darstellung und Bedienung aktueller Klimafunktionen nutzbar. Je nach Sitzposition wird dieses "Extra-Display" aber durch das Lenkrad verdeckt. Eine klare Sicht auf den Extra-Bildschirm ist oft nicht möglich.

Teilweise etwas verschachtelte Bedienung

Die Bedienung des Touchscreens ist in manchen Situationen etwas verschachtelt. Sicherlich ist das aber auch eine Frage der Gewöhnung. Positiv ist, dass Kia weiterhin physische Tasten für die Einstellung wichtiger Funktionen wie der Klimasteuerung über Wippschalter integriert. Dadurch lässt sich der EV4 im Alltag in weiten Teilen unkompliziert bedienen.

Cockpit des Kia EV4.
Modernes, schlicht gehaltenes Cockpit im Kia EV4.

Die weißen Sensortasten zwischen Display und Lüftungsdüsen lassen sich mit ihrer weißen Hintergrundbeleuchtung je nach Lichteinfall aber nicht gut ablesen. Die Materialqualität bewegt sich abseits dessen auf einem guten Niveau. Verarbeitung und Oberflächen wirken hochwertig, ohne dabei künstlich überladen zu sein. Insgesamt hinterlässt der Innenraum einen modernen und angenehm aufgeräumten Eindruck.

Tipp: Stört dich der Warnton, der nach jedem Motorstart immer dann ertönt, wenn du die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitest? Langes Drücken der Lautstärketaste am Lenkrad schaltet diesen Warnton ab.

Kia EV4 Reichweite: Bis zu 625 Kilometer möglich

Einer der wichtigsten Punkte beim Kia EV4 ist die hohe Reichweite. Das Elektroauto wird mit zwei Batteriegrößen angeboten: 58,3 kWh und 81,4 kWh. Mit dem großen Lithium-Ionen-Akku, der auch in unserem Testwagen verbaut war, sind laut WLTP, abhängig von der montierten Reifengröße, rund 600 Kilometer Reichweite möglich.

Wir haben den Wagen auch auf der Langstrecke getestet und sind dort mit einer Akkuladung bei sommerlichen Temperaturen rund 440 Kilometer weit gekommen. Dabei war die Klimaanlage eingeschaltet und wir sind auf der Achse zwischen Münsterland, Osnabrücker Land, Ostwestfalen und Ruhrgebiet – soweit möglich – mit maximal 130 km/h unterwegs gewesen. Damit eignet sich der Kia EV4 problemlos für Pendler, aber auch für Vielfahrer und längere Reisen.

Der Verbrauch im Test

  • Stadt: 14,8 kWh / 100 km
  • Landstraße: 15,4 kWh / 100 km
  • Autobahn: 20,2 kWh / 100 km

Wichtig: Bist du auf der Autobahn mit mehr als 130 km/h unterwegs – in der Spitze sind 177 km/h vom Digitaltacho ablesbar –, steigt der Verbrauch deutlich an. Mit 160 km/h musst du beispielsweise mit einem Verbrauch von 27 bis 28 kWh pro 100 Kilometer rechnen.

Leistung und Fahrverhalten des Kia EV4

Für den Antrieb sorgt ein Elektromotor mit 150 kW / 204 PS an der Vorderachse. Übrigens bei allen EV4-Modellen, unabhängig von Ausstattung und Batteriegröße. Das maximale Drehmoment von 283 Nm steht – ganz E-Auto-typisch – sofort zur Verfügung und sorgt für eine direkte Beschleunigung. Im Alltag fährt sich der Kia EV4 angenehm souverän und ausreichend dynamisch.

Motorraum des Kia EV4.
Motorraum des Kia EV4 – leider ohne nutzbaren Frunk.

Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert das Elektroauto in knapp acht Sekunden. Damit gehört der EV4 zwar nicht zu den sportlichsten E-Autos, bietet aber mehr als genug Leistung für den täglichen Einsatz. Und ganz wichtig: Fahrspaß ist auch damit garantiert.

Das Fahrwerk ist klar auf Komfort ausgelegt. Unebenheiten filtert der Kia EV4 sauber weg, gleichzeitig bleibt das Fahrzeug auch bei höheren Geschwindigkeiten stabil. Die Lenkung arbeitet präzise, dürfte für sportliche Fahrer aber etwas mehr Rückmeldung liefern.

Leise fahren, sportlich im Detail

Sehr positiv fällt die Geräuschdämmung auf. Wind- und Abrollgeräusche bleiben angenehm zurückhaltend, wodurch der EV4 besonders auf der Autobahn einen hochwertigen Eindruck vermittelt. Gestartet wird Kias kompakter Stromer über einen Knopf am Gangwahlschalter hinter dem Lenkrad. Anfangs ist das ungewohnt.

Weitere Extras: Schaltwippen hinter dem Lenkrad, um die Stärke der Rekuperation in drei Stufen (plus Segelmodus) einstellen zu können. Auch komfortables 1-Pedal-Fahren ist im sogenannten i-Pedal-Modus möglich. Zudem stellt der Kia EV4 drei Fahrmodi bereit, zwischen denen du über eine "Drive-Modi"-Taste am Lenkrad wechseln kannst. On top lässt sich die Lenkung zwischen "Normal" und "Sport" für ein agileres Lenkverhalten mit sportlicherem Fahrgefühl anpassen.

Kia EV4 Ladeleistung und Schnellladen

Beim Laden setzt Kia (leider nur) auf eine 400-Volt-Architektur. Die maximale Ladeleistung liegt je nach Batteriegröße bei 101 oder 128 kW. Damit zählt der Kia EV4 zwar nicht zu den absoluten Schnelllade-Meistern, im Alltag sind die Ladezeiten dennoch konkurrenzfähig.

  • Ladeleistung am Schnelllader im Test: bei 17 Grad Celsius von 19 auf 80 Prozent in 28 Minuten mit den maximal versprochenen 128 kW. Weiter auf 90 Prozent in 43 Minuten.
Kia EV4 an einer Ladesäule von IONITY.
Kein Lademeister, aber absolut alltagstauglich: der Kia EV4 an einer Schnellladesäule.

Was überrascht: Kia bekommt es über das Energiemanagement hin, die Ladeleistung ziemlich lange auf einem hohen Niveau zu halten. Bis zu einem Akkustand von etwa 65 % fließt neue Energie mit Höchstleistung in den Akku, ehe die Ladeleistung auf rund 115 kW abfällt und dann langsam weiter absinkt. Ab 80 % fließt neue Energie noch mit knapp 60 kW, ab 90 % mit rund 30 kW.

Zu Hause lädt der Kia EV4 serienmäßig mit bis zu 11 kW an der Wallbox. Ein Upgrade auf 22 kW ist auch gegen Aufpreis nicht möglich. Praktisch: Der Ladeanschluss ist bei diesem E-Auto vorne rechts (auf der Beifahrerseite) zu finden. Das macht unnötiges Rangieren an vielen Ladesäulen erfreulicherweise überflüssig.

Kia EV4 an einer Ladesäule von IONITY in der Heckansicht.
Kia EV4: Kompakter Stromer für den Alltag.

Ebenfalls gut: Das Navigationssystem berücksichtigt auf der Langstrecke auch notwendige Ladestopps. Was hingegen stört, ist die teilweise fehlerhafte Nutzung von Artikeln der deutschen Sprache. Etwa wenn von "die Albersloher Weg" oder "die Osttor" die Rede ist. Klar, das Navi bezieht sich auf "die Straße XY". Und trotzdem hört sich das jedes Mal falsch an.

Technik und Ausstattung im Kia EV4

Auch technisch präsentiert sich der Kia EV4 modern. Zur Ausstattung gehören unter anderem kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, zahlreiche Assistenzsysteme sowie Over-the-Air-Updates. Damit bleibt der Wagen über viele Jahre auf dem aktuellen Stand. Im Test konnte nicht nur die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage überzeugen, die sich intuitiv über das Multifunktionslenkrad (3-Speichen-Ausführung nur im GT-Line-Modell, sonst 2-Speichen-Design) steuern lässt, sondern auch der Spurwechselassistent. Beides ist serienmäßig ab dem günstigsten Basismodell an Bord. Manche Assistenten gibt es aber nur gegen Aufpreis. Etwa den aktiven Totwinkelassistenten mit Monitoranzeige, den wir im Test als sehr komfortabel wahrgenommen haben, oder den Auspark-Kollisionsvermeidungsassistenten.

Hinzu kommen moderne Komfortfunktionen wie ein KI-gestützter Sprachassistent (nur ein Jahr kostenlos), der im Test fast alle gängigen Sprachbefehle anstandslos ausführte und nur am Wechsel eines Radiosenders scheiterte. Immer wieder wurde das mit der Ansage quittiert, die gewünschten Sender seien aktuell nicht verfügbar – obwohl sie in der Senderliste zu finden waren. Nur optional an Bord: Vehicle-to-Load (V2L). Darüber kann das Elektroauto externe Geräte mit Strom versorgen – praktisch beispielsweise beim Camping oder unterwegs. Du möchtest Smartphones oder Tablet-PCs während der Fahrt mit Strom versorgen? Kein Problem. Sowohl vorn als auch in der zweiten Sitzreihe stehen serienmäßig je zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung. Hinten sind sie etwas versteckt in die Seiten der Vordersitze integriert.

Kia EV4 Preis: Was kostet das Elektroauto?

Preislich startet der Kia EV4 bei 37.590 Euro. Für diesen Preis gibt es aber nur das Basismodell mit kleinem Akku und schmaler(er) Ausstattung. Modelle mit großem Akku und umfangreicher Ausstattung kosten mehr. Das von uns getestete Top-Modell (GT-Line) mit 19-Zoll-Leichtmetallfelgen (statt sonst 17 Zoll), Premium-Soundsystem, ungemein angenehmen Mesh-Komfort-Kopfstützen und einer sonst aufpreispflichtigen Wärmepumpe startet bei 49.440 Euro.

Kia EV4 Frontansicht
Schmale Scheinwerfer zeichnen die Front des Kia EV4 aus.

Ein Glasdach mit elektrischem Schiebedach kostet 990 Euro extra. Wenn sich die Heckklappe elektrisch öffnen und schließen soll, musst du bereit sein, auch dafür einen Aufpreis zu zahlen, versionsabhängig 1.190 oder 1.390 Euro. Auch ein Head-up-Display und eine praktische Rundumsichtkamera kosten über optionale Pakete einen Aufpreis. Acht Lackierungen stehen zur Wahl, nur in Carraraweiß wird kein Aufpreis fällig. Andere Farben kosten zwischen 790 und 1.600 Euro extra.

Fazit: Lohnt sich der Kia EV4?

Der Kia EV4 ist ein modernes Elektroauto für Fahrer, die bewusst keinen SUV fahren möchten. Das Modell überzeugt mit hoher Reichweite, effizientem Antrieb, komfortablem Fahrverhalten und einem modernen Innenraum.

Heck des Kia EV4
Der Kia EV4 besitzt durch sein steil abfallendes Heck hinten ein recht wuchtiges Erscheinungsbild.

Besonders im Alltag punktet der Kia EV4 mit viel Platz, guter Geräuschdämmung und einer gelungenen Bedienung. Schwächen zeigt das Elektroauto lediglich bei der maximalen Ladeleistung und beim Preisniveau der besser ausgestatteten Varianten.

Unterm Strich liefert Kia mit dem EV4 einen überzeugenden Elektro-Kompaktwagen, der sich mit einem Gewicht von knapp zwei Tonnen als ernsthafte Alternative zu etablierten Modellen wie dem Tesla Model 3 (Test) oder VW ID.3 (Test) positioniert. Ausprobieren? Auf jeden Fall!

Vorteile Kia EV4

  • effizienter Antrieb
  • viel Beinfreiheit für Fahrer und Beifahrer
  • Komfortables Fahrwerk
  • alltagstaugliche Schnellladeeigenschaften
  • konkurrenzfähiger Einstiegspreis

Nachteile Kia EV4

  • leider keine 800-Volt-Technik
  • kein Frunk nutzbar
  • hinten kann es schnell eng werden
  • Wärmepumpe nicht immer serienmäßig
  • zahlreiche attraktive Extras kosten extra

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