BYD Atto 3 Evo Test: Neuer E-Auto-Geheimtipp!

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Der BYD Atto 3 Evo ist mehr als nur ein Facelift – er ist ein klares Statement, wohin sich moderne Elektro-SUVs entwickeln. Schon der bisherige Atto 3 war ein solider Einstieg in die Elektrowelt, doch mit der Evo-Version wird deutlich: BYD hat genau verstanden, wo europäische Kunden mehr erwarten.
BYD Atto 3 Evo mit Hayo Lücke in der Lüneburger Heide.
Wir haben den neuen BYD Atto 3 Evo für dich getestet.Bildquelle: Mario Roman Lamprecht

Bereits beim ersten Kontakt fällt auf, dass sich das Design nur behutsam verändert hat. Neue Stoßfänger, schärfere Linien und ein sportlicherer Dachspoiler sorgen für einen moderneren Auftritt, ohne die bekannte Silhouette zu verlieren. Mit 4,46 Metern Länge bleibt der Atto 3 Evo angenehm kompakt, wirkt aber durch die klareren Proportionen erwachsener. Die neuen 18-Zoll-Felgen unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich – wirken in den großen Radkästen zuweilen aber etwas verloren.

BYD Atto 3 Evo in der Seitenansicht.
BYD Atto 3 Evo in der Seitenansicht.

BYD Atto 3 Evo im Test: Gangwahlhebel statt Gangwahlschalter an der Mittelkonsole

Im Innenraum zeigt sich dann der eigentliche Fortschritt. BYD hat das Cockpit nicht komplett neu erfunden, aber gezielt optimiert. Der Wegfall des klassischen Gangwahlhebels zugunsten eines Lenkstock-Wählers schafft mehr Platz und sorgt für ein aufgeräumteres Gefühl. Gerade im Alltag merkt man schnell, wie angenehm die neue Anordnung zwischen Mittelkonsole und Lenkrad ist. Die Mittelkonsole wirkt luftiger, und Ablagen sind besser erreichbar. Das gilt aber weniger für die beiden USB-C-Anschlüsse vorn, die nur sehr schwer zugänglich sind. Vielleicht ist das aber auch genau so gewollt, damit während der Fahrt nicht zu viel an den Buchsen gefummelt wird. Ergänzend dazu steht ein Ladepad für das Smartphone mit 50 Watt zur Verfügung.

Das zentrale Element im Cockpit bleibt das große 15,6-Zoll-Display in horizontaler Ausrichtung, das sich als Touchscreen nutzen lässt. Hinter dem Lenkrad darfst du dich auf ein Info-Display (8,8 Zoll) freuen, das alle wichtigen Fahrzeugdaten (etwas klein) anzeigt – ergänzt durch ein Head-up-Display im direkten Sichtfeld des Fahrers beim etwas teureren Allradmodell. Neu ist die tiefere Integration von Google-Diensten, wodurch Navigation, Apps und Sprachsteuerung ("Hi BYD") deutlich besser funktionieren als zuvor. Der Sprachassistent versteht natürliche Befehle und reagiert schnell, was im Alltag einen echten Unterschied macht.

Materialseitig legt BYD ebenfalls nach. Weiche Oberflächen, sauber verarbeitete Details und eine insgesamt hochwertigere Anmutung sorgen dafür, dass der Atto 3 Evo sich nicht mehr wie ein Preis-Leistungs-Geheimtipp anfühlt, sondern wie ein ernst zu nehmender Konkurrent etablierter Marken. Allerdings: Stellenweise wäre etwas mehr Schlichtheit schön gewesen.

  • drehbare Türgriffe mit integrierten Boxen statt Griffe zum Ziehen
  • Schnüre im Stil von Gitarrensaiten an den Innenseiten der Türen (die auch klingen und so manche Eltern während langer Fahrten in den Wahnsinn treiben könnten)
Türgriff im BYD Atto 3 Evo.
Türgriff im BYD Atto 3 Evo mit integrierter Lautsprecherbox.

E-Auto mit angenehmerem Fahrgefühl

Doch der größte Fortschritt zeigt sich beim Fahren. Die neue e-Plattform 3.0 bildet die technische Basis und bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Einer der wichtigsten: Statt auf einen Fronantrieb setzt das E-Auto auf einen Heckantrieb oder – wie bei unserem Testwagen – sogar auf einen Allradantrieb. Vier Fahrmodi (Eco / Normal / Sport / Schnee) lassen sich auswählen, um in jeder Alltagssituation den passenden Vortrieb nutzen zu können.

BYD Atto 3 Evo Heckansicht.
Das Heck des BYD Atto 3 Evo zeigt sich nicht gerade grazil.

Unser Eindruck: Mehr Stabilität und Präzision beim Fahren! Auf kurvigen Landstraßen fühlt sich das SUV spürbar kontrollierter an. Die Karosserie neigt sich weniger, und Unebenheiten werden abseits von sehr langsamen Reisegeschwindigkeiten sauber weggefiltert. Innerstädtisch geht es aber recht straff über Kopfsteinpflaster und mäßig gute Fahrbahnen. Gleichzeitig bleibt der Komfort aber auf einem hohen Niveau – ein Spagat, den viele Fahrzeuge in dieser Klasse nicht so gut hinbekommen. Die Rekuperation lässt sich in zwei Stufen einstellen, 1-Pedal-Drive ist aber nicht möglich.

Auffällig ist bei diesem E-Auto auch die hohe Laufruhe. Es dringen auch bei höheren Geschwindigkeiten kaum störende Wind- oder Rollgeräusche in den Innenraum. In Kombination mit dem gut abgestimmten Fahrwerk sorgt das für ein sehr angenehmes Fahrgefühl.

BYD Atto 3 Evo in der Frontansicht.
Bullig: die Front des neuen BYD Atto 3 Evo.

Zwei Modelle zu haben

Besonders beeindruckend ist die von uns getestete Allrad-Version, die den Namen "Excellence" trägt und mit bis zu 200 km/h unterwegs ist. Mit 330 kW (449 PS) und 560 Nm Drehmoment katapultiert sich der Atto 3 Evo unter optimalen Bedingungen in nur 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Das ist nicht nur schnell – das ist Sportwagen-Niveau. Im Test ließ es das Auto aber etwas gemächlicher angehen. Die Kraft wird sauber verteilt, die Traktion ist hervorragend. Nur das Lenkgefühl könnte für unseren Geschmack gerne noch etwas direkter sein.

Die Heckantriebsvariante "Design" mit 230 kW (313 PS) zeigt sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 180 km/h etwas zurückhaltender, aber für die meisten Interessenten immer noch mehr als ausreichend motorisiert. Mit 5,5 Sekunden auf 100 km/h ist sie im Alltag mehr als ausreichend motorisiert und bietet dabei sogar die bessere Effizienz. Mit bis zu 510 Kilometern WLTP-Reichweite ist sie vielleicht sogar die vernünftigere Wahl für Vielfahrer. Das AWD-Modell schafft nur maximal 470 Kilometer, ist dafür aber ab Werk unter anderem auch mit einem Panoramaglasdach inklusive Schiebedachfunktion ausgestattet.

BYD Atto 3 Evo in der seitlichen Frontansicht.
BYD Atto 3 Evo in der seitlichen Frontansicht.

Ein echtes Highlight beim BYD Atto 3 Evo ist die weiterentwickelte Ladeleistung. Dank 800-Volt-Architektur lädt der Atto 3 Evo mit bis zu 220 kW – und einer, so verspricht es der Hersteller, nicht zu schnell abfallenden Ladekurve. In der Praxis bedeutet das: Eine Kaffeepause von 25 Minuten reicht, um von 10 auf 80 Prozent zu kommen. Gerade auf langen Strecken reduziert das die Reisezeit spürbar und macht das Elektroauto deutlich alltagstauglicher. An einer AC-Ladesäule oder an einer heimischen Wallbox sind maximal 11 kW abrufbar.

Wärmepumpe serienmäßig

Auch beim Thema Effizienz zeigt sich das Fahrzeug trotz seines Gewichts von knapp zwei Tonnen ausgereift. Wir sind rund 100 Kilometer rund um Hamburg unterwegs gewesen und sind dabei bei hauptsächlicher Fahrt auf Autobahn und Landstraße auf einen Verbrauch von rund 19 kWh gekommen. Die Wärmepumpe gehört zur Serienausstattung und hilft, den Energieverbrauch im Winter zu senken. In Kombination mit der aerodynamisch optimierten Karosserie ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.

Im Alltag überzeugt der Atto 3 Evo primär durch seine Vielseitigkeit. Der Kofferraum fasst 490 Liter und lässt sich auf bis zu 1.360 Liter erweitern. Ein tiefes Fach im Unterboden lässt das Verstauen eines AC-Ladekabels zu. Dazu kommt der 95-Liter-Frunk, der besonders praktisch für Ladekabel oder kleinere Gepäckstücke ist. Diese Kombination macht das Fahrzeug sowohl für Familien als auch für Freizeitaktivitäten interessant.

Frunk des BYD Atto 3 Evo.
Zusätzlicher Stauraum unter der Fronthaube im BYD Atto 3 Evo.

Ein weiteres Highlight ist die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), die ebenfalls Teil der Serienausstattung ist. Damit könnt Ihr externe Geräte mit Strom versorgen – ob beim Camping, auf der Baustelle oder im Garten. Bis zu 3 kW Leistung stehen zur Verfügung, was in der Praxis erstaunlich vielseitig nutzbar ist.

BYD spart auch nicht bei der Sicherheit

Auch im Hinblick auf die Sicherheit lässt BYD nichts anbrennen. Sieben Airbags, eine umfangreiche Assistenzpalette mit adaptivem Tempomat, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner und 360-Grad-Kamera sorgen für ein hohes Sicherheitsniveau. Besonders positiv fällt auf, dass die Systeme zuverlässig arbeiten und nicht übermäßig eingreifen. Wir hatten allerdings während unserer Testfahrt Schwierigkeiten, den Fahrspurassistenten nach unseren Wünschen arbeiten zu lassen.

Ein oft unterschätzter Punkt ist die Batterie selbst. Die netto knapp 75 kWh große Blade-Batterie von BYD setzt auf LFP-Technologie, die als besonders langlebig und sicher gilt. Durch die Integration in die Fahrzeugstruktur (Cell-to-Body) wird zusätzlich die Steifigkeit erhöht, was sich wiederum positiv auf das Fahrverhalten auswirkt.

Natürlich gibt es auch kleinere Kritikpunkte. Wie erwähnt: Das Design im Innenraum ist etwas verspielt und trifft nicht jeden Geschmack. Und während das Platzangebot vorn gut ist, ist es hinten ziemlich eingeschränkt. Gerade langgewachsene Menschen bekommen das zu spüren, was bei 2,72 Metern Radstand nicht weiter verwunderlich ist. Erschwerend kommt hinzu: Je größer du bist, desto mehr wird dir auffallen, dass die Oberschenkel hinten nicht auf der Sitzfläche aufliegen. Das schränkt den Reisekomfort gerade bei längeren Strecken ein, ist aber kein Problem, wenn hinten primär Kinder mitreisen sollen. In der Excellence-Version ist die Rückbank übrigens sogar beheizt! Stark!

BYD Atto 3 Evo
BYD Atto 3 Evo: Der Blick vom Fahrersitz nach hinten ist durch die kleine Heckscheibe mäßig. Allerdings hilft eine Rückfahrkamera beim Rangieren.

Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass die Marke BYD in Europa noch nicht so etabliert ist wie klassische Hersteller – was sich unter anderem auf den Wiederverkaufswert auswirken könnte. Allerdings arbeitet BYD intensiv daran, in die eigene Zukunft zu investieren. Und auch das BYD-Händlernetz wächst von Monat zu Monat.

Was kostet der BYD Atto 3 Evo?

Preislich startet der Atto 3 Evo bei rund 44.990 Euro, die Allrad-Version liegt bei mindestens 50.990 Euro. Trotz aller gebotenen Ausstattungsmerkmale ist das nicht gerade ein Schnäppchen. Die Gemengelange ändert sich aber spürbar, wenn man berücksichtigt, dass es neben der staatlichen Förderung von bis zu 6.000 Euro aktuell auch noch einen BYD E-Bonus von 10.000 Euro gibt. Im besten Fall sind die beiden Atto-3-Evo-Modelle deswegen derzeit für 28.900 Euro und 33.990 Euro zu haben. Und das ist dann schon eher ein fettes Ausrufezeichen am hart umkämpften E-Automarkt.

Zusammengefasst zeigt der BYD Atto 3 Evo eindrucksvoll, wie schnell sich neue Hersteller im Markt etablieren können. Er kombiniert starke Performance, moderne Technik, hohe Alltagstauglichkeit und schnelle Ladezeiten zu einem Gesamtpaket, das sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss.

Hayo Lücke vor dem BYD Atto 3 Evo.
Hayo Lücke, Redakteur von inside digital, mit dem BYD Atto 3 Evo in der Lüneburger Heide.

Wenn du ein Elektro-SUV mit sechs Jahren Garantie suchst, das sowohl im Alltag überzeugt als auch beim Beschleunigen ein Grinsen ins Gesicht zaubert, dann ist dieses Modell definitiv einen genaueren Blick wert. Anhänger ziehen? Maximal 1,5 Tonnen Anhängelast sind mit dem BYD Atto 3 Evo jetzt möglich.

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