Polestar 3 Long Range Single Motor Test: Premium-SUV zum Wohlfühlen

10 Minuten
Ist der Polestar 3 noch ein SUV? Oder doch eher schon ein Sportwagen? Eine Mischung aus beidem wird dem E-Auto wohl am ehesten gerecht. Und wir haben uns die Single-Motor-Ausführung dieses Premium-E-Autos in einem ausführlichen Test bis ins kleinste Detail angesehen.
Polestar 3 in der seitlichen Frontansicht.
Polestar 3 im Test: Wie gut ist der Sportwagen-SUV wirklich?Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Der Polestar 3 Long Range Single Motor mit Heckantrieb markiert einen wichtigen Schritt für die schwedische Elektromarke. Als großes, vollelektrisches Premium-SUV positioniert er sich zwischen sportlicher Eleganz, moderner Technik und einem klaren Fokus auf Effizienz. Wir verraten dir in unserem Testbericht, wie sich der Polestar 3 im (winterlichen) Alltag schlägt, welche Stärken er hat und für wen sich die Single-Motor-Variante im Gegensatz zum Modell mit Allradantrieb besonders lohnt.

Design: Minimalistisch, kraftvoll, eindeutig Polestar

Optisch bleibt der Polestar 3 der skandinavischen Linie treu. Klare Flächen, präzise Kanten und ein in Summe sehr selbstbewusster Auftritt prägen das Design. Die geschlossene Front, die schmalen LED-Scheinwerfer und das aerodynamisch optimierte Heck sorgen nicht nur für Wiedererkennungswert, sondern auch für einen niedrigen Luftwiderstand.

Mit 4,90 Metern Länge wirkt das 2,4 Tonnen schwere SUV stattlich, aber nicht übertrieben. Große Leichtmetallfelgen und die hohe Schulterlinie unterstreichen den Premium-Anspruch. Insgesamt präsentiert sich der Polestar 3 Long Range Single Motor modern, hochwertig und angenehm unaufgeregt. Aber: Ab einer Geschwindigkeit von rund 120 km/h haben wir hörbare Windgeräusche rund um die Vordertüren ausgemacht.

Polestar 3 in der Seitenansicht.
Sportliche Gene sind am Polestar 3 unübersehbar.

Ebenfalls auffällig: Wer durch den Rückspiegel nach hinten blickt, muss mit einem recht schmalen Blickfeld durch die Heckscheibe auskommen. Hinzu kommt eine recht wuchtige C-Säule, die beim Abbiegen das Sichtfeld über die Schulter einschränkt. Zum Glück sind aber fünf Außenkameras an Bord, die auf digitale Art für ausreichend Rundumsicht sorgen.

Innenraum & Verarbeitung: Premium ohne Schnörkel

Im Innenraum setzt Polestar auf Nachhaltigkeit, Qualität und Übersichtlichkeit. Hochwertige Materialien, optionale Wollstoffe und vegane Alternativen sorgen für ein angenehmes Ambiente. Alles ist logisch angeordnet, nichts wirkt überladen. Zudem strömt viel Tageslicht durch ein Panorama-Glasdach in den Innenraum.

Der große zentrale Touchscreen (14,5 Zoll, vertikal ausgerichtet) läuft mit Android Automotive OS inklusive Google Maps, Google Assistant und Play Store. Die Bedienung ist schnell, intuitiv und im Alltag deutlich besser als bei vielen andderen Infotainmentsystemen. Das digitale Kombiinstrument (9 Zoll) liefert hinter dem Lenkrad alle wichtigen Fahrinformationen auf einen Blick. Gegen Aufpreis ist auch ein Head-up-Display nutzbar. Subjektives Empfinden zu den Sitzen in unserem Testwagen: Eher hart und insbesondere am Rücken weniger komfortabel gepolstert.

Cockpit im Polestar 3
Angenehm schlicht gestaltet: das Cockpit im Polestar 3.

Ordentlich Platz für alle Passagiere

Platzangebot und Komfort sind auf hohem Niveau. Sowohl vorn als auch hinten reist man nicht zuletzt wegen 2,99 Metern Radstand bequem und mit viel Kopf- und Beinfreiheit. Pluspunkt für Passagiere in der zweiten Sitzreihe: Sie können die 3-Zonen-Klimaautomatik über ein serienmäßiges, separates Bedienfeld am Ende der Mittelkonsole nach den persönlichen Wünschen einstellen, ohne die Wunschtemperatur der Insassen vorn zu beeinflussen. Hinten wie vorn stehen je zwei USB-C-Anschlüsse zur Verfügung, eine Ladeschale für induktives Aufladen eines Smartphones gibt es nur vorn – mit einer Leistung von 15 Watt.

Auffällig: Die recht hohe Mittelkonsole, die besonders bei großen Menschen die Beinfreiheit etwas einschränken kann, verfügt nur über ein Lautstärke-Drehrad. Ansonsten wird hier auf physische Knöpfe verzichtet. Etwas störend: Die Plastikoberfläche in glänzender Ausführung ist anfällig für Flecken und Fingerabdrücke. Und das Handschuhfach lässt sich nur über den Touchscreen öffnen. Die sonstige Verarbeitung mit einer Stoffoberfläche auf dem Armaturenbrett und Holzoptiken als Verkleidung ist aber gut.

Ordentlich Platz im Kofferraum

Der Kofferraum bietet hinter einer elektrischen Klappe mehr als nur ausreichend Volumen (597 Liter) für Alltag und Reise. Wier konnten im Test fünf Getränkekisten unterbringen. Sogar eine Box für einen Hund der Größe eines Golden Retrievers (91 x 58 x 61 Zentimeter) findet hier Platz, ohne auch nur einen Sitz der Rückbank umlegen zu müssen. Wer die Rücksitze doch umlegt, kann das Ladevolumen auf bis zu 1.411 Liter erweitern.

Ein Hund im Kofferraum des Polestar 3.
Einen Hund im Kofferraum des Polestar 3 transportieren? Auch in einer Box kein Problem.

Unter der Fronthaube ist ein zusätzliches Staufach, ein sogenannter Frunk, zu finden. Nutzbar, um dort etwa ein AC-Ladekabel verstauen zu können. Ladevolumen hier: 32 Liter. Einen klappbaren Laderaumboden um Kofferraum gibt es hingegen nur gegen Aufpreis. Und wer einen Anhänger ziehen möchte: Immerhin bis zu 1.500 Kilogramm Anhängelast sind möglich. Zum Vergleich: Die Allrad-Varianten des E-Autos schaffen bis zu 2.200 Kilogramm.

Frunk im Polestar 3
Zusätzlicher Stauraum im Frunk des Polestar 3.

Antrieb & Fahrleistung: Effizient statt brachial

Im Polestar 3 Long Range Single Motor arbeitet ein Elektromotor an der Hinterachse mit 299 PS (220 kW). Das maximale Drehmoment liegt bei 490 Nm. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt laut Hersteller in rund 7,8 Sekunden – kein Sportwagenwert, aber absolut ausreichend für ein SUV dieser Größe. In der Spitze lässt sich eine Reisegeschwindigkeit von 180 km/h erreichen. Vom Digitaltacho lassen sich maximal 184 km/h ablesen.

Der Fokus liegt klar auf Effizienz und Reichweite. Das Fahrverhalten ist souverän, leise und komfortabel. Im Gegensatz zu den Allrad-Modellen fehlt es bei der Single Motor-Variante aber an der aktiven Luftfederung. Das Fahrwerk ist entsprechend ziemlich straff und sportlich abgestimmt. Unebenheiten auf der Fahrbahn sind in manchen Situationen deutlich zu spüren. Die elektrische Servolenkung arbeitet präzise. Besonders auf langen Strecken überzeugt der Polestar 3 mit hoher Stabilität und angenehmem Abrollkomfort. Wer mag, kann 1-Pedal-Drive nutzen. Die Rekuperation – einstellbar in drei Stufen – ist dann so stark, dass das E-Auto binnen weniger Sekunden bis zum Stillstand verzögert.

An verschiedenen Stellen kannst du das Auto ferner an deine eigenen Vorlieben anpassen. So kannst du etwa den Lenkwiderstand in drei Stufen (leicht, mittel, fest) auf das für dich optimale Lenkgefühl einstellen. Eine Lenkradheizung gibt es aber nur gegen Aufpreis. Ebenso ist dann auch die elektrische Verstellmöglichkeit der Lenksäule gegeben.

Seitliche Heckansicht im Polestar 3.
Flach abfallende Dachlinie samt Dachkantenspoiler am Polestar 3.

Gut gelöst: Die Gänge werden nicht über einen Knopf an der Mittelkonsole eingelegt, sondern über einen Gangwahlhebel rechts hinter dem Lenkrad. Hier lässt sich auch die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) ein- und ausschalten. Eine nachträgliche Anpassung der gewählten Reisegeschwindigkeit ist in 1- und 5-km/h-Schritten möglich.

Reichweite & Laden: Die große Stärke

Ein echtes Highlight auf dem Papier ist die Reichweite. Dank der im Unterboden verbauten 111-kWh-Batterie sind nach WLTP bis zu 706 Kilometer Reichweite möglich. Das lässt auf der Autobahn auf Reichweiten um die 500 Kilometer hoffen. Doch bei unseren Winter-Testfahrten haben wir diesen Wert bei Weitem nicht erreicht. Der Verbrauch war teilweise trotz serienmäßiger Wärmepumpe so hoch – jenseits der 30-kWh-Schwelle pro 100 Kilometer –, dass es nur für 325 Kilometer Winter-Reichweite gereicht hat.

Einmal mehr hat sich in diesem Zusammenhang gezeigt, wie stark kalte Luft im Winter den Energieverbrauch eines E-Autos nach oben schnellen lassen kann. Im Schnitt lag der Strombedarf auf der Autobahn nämlich bei 31,3 kWh pro 100 Kilometern. Klingt erst einmal nur nach einer nackten Zahl, doch es steckt weit mehr dahinter. Es handelt sich nämlich um den höchsten Verbrauchswert, den wir jemals in einem unserer E-Auto-Tests dokumentieren mussten. Schade!

Polestar 3 Frontansicht
Sportliche Front am Polestar 3.
Polestar 3 Heck
Schmales Fenster am Heck des Polestar 3.

Deutlich weniger stromhungrig zeigte sich der Polestar 3 LRSM auf der Landstraße. Hier lag der Strombedarf bei durchschnittlich 23,7 kWh pro 100 Kilometer. Einen nochmals niedrigeren Wert haben wir in der Stadt ermitteln können, wo der Verbrauch im Schnitt bei nur 20,7 kWh pro 100 Kilometer lag. Teil der Wahrheit ist aber auch: Für die Stadt sind selbst das hohe Verbrauchswerte. Normalerweise liegt der Strombedarf innerstädtisch von wenigen Ausnahmen abgesehen (zum Beispiel im Aiways U5, Volvo EC40 oder im Smart #3 Brabus) bei unter 20 kWh pro 100 Kilometer.

Richtig gut: die Reichweitenprognose im auf Google Maps basierenden Navigationssystem. Wer nicht zu schnell und dynamisch unterwegs ist, bekommt hier eine verblüffend präzise Vorhersage zum Akkustand am Zielort.

Ladeleistung im Test

Geladen wird der Polestar 3 in der Single-Motor-Variante über ein 400-Volt-System mit bis zu 250 kW am Schnelllader. Damit lässt sich der Akku laut Hersteller in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen. Das Info-Display hinter dem Lenkrad informiert während des Ladens erfreulich übersichtlich über die aktuellen Ladedaten.

Info-Display im Polestar 3 während des Ladens.
Übersichtlich und informativ: das Info-Display im Polestar 3 während des Ladens.

Und wie verhält sich das E-Auto an der Schnellladesäule im Winter? Wir haben zwei Tests gemacht:

  • HPC-Aufladung 1 von 4 auf 80 Prozent bei 2 Grad Celsius Außentemperatur nach einer vorherigen Autobahnfahrt in 40 Minuten – weiter auf 90 Prozent in 50 Minuten. Start mit 145 kW, maximal 150 kW abrufbar. Der Wagen hat also deutlich langsamer als versprochen geladen, aber in einer akzeptablen Zeit.
  • HPC-Aufladung 2 von 23 auf 80 Prozent bei 22 Grad Celsius Außentemperatur ohne vorherige Autobahnfahrt in 46 Minuten. Start mit 65 kW, nur langsam steigend auf maximal 107 kW.

Ab 80 Prozent liegt die Ladeleistung in der Regel noch bei 80 bis 85 kW. Wer einen Akku-Ladestand von 90 Prozent erreicht hat, kann noch mit rund 60 kW neue Energie in den Akku fließen lassen. AC-Laden an einer Wallbox oder an einer Normalladesäule ist mit bis zu 11 kW möglich. Der Ladeanschluss befindet sich am Polestar 3 hinten links. Das Navigationssystem berücksichtigt auch alle notwendigen Ladestopps.

Polestar 3 an einer Ladesäule von Aral Pulse
Turbo-Laden klappt mit dem Polestar 3 im Winter leider nicht.

Während des Ladens kannst du übrigens diverse Apps nutzen, die du auch von deinem Smartphone kennst. Etwa YouTube, Prime Video oder auch den Chrome-Browser. Auch Spotify ist als App für die Bordunterhaltung verfügbar.

Assistenzsysteme & Sicherheit: Oberklasse-Niveau

Polestar stattet seinen 3er serienmäßig mit zahlreichen Assistenzsystemen aus. Dazu zählen adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Notbremsfunktion, Totwinkelüberwachung und ein umfangreiches Kamerasystem. Der Warnton bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ist vergleichsweise dezent gewählt. Bei Bedarf lässt er per Shortcut auf dem Touchscreen schnell komplett ausschalten.

Das Sicherheitsniveau ist insgesamt sehr hoch und entspricht dem Premium-Anspruch des Fahrzeugs. Überzeugend ist auch die Sprachsteuerung, die die meisten gängigen Sprachbefehle anstandslos umsetzt. Nur das Öffnen der Fenster hat in unserem Test über das gesprochene Wort nicht funktioniert.

Preis & Konkurrenz: Premium hat seinen Preis

Der Polestar 3 Long Range Single Motor startet bei rund 79.090 Euro. Damit bewegt er sich klar im Premium-Segment. Im Vergleich zu so manch anderem SUV-Modell der Oberklasse punktet der Polestar primär mit Design, Nachhaltigkeit und (Sommer-)Reichweite. Aber auch mit einer sehr einfachen Bedienung, die im Alltag das Gefühl aufkommen lässt, jederzeit gerne in das Auto einzusteigen.

Fazit: Premium-SUV mit Fokus auf Effizienz

In unserem Winter-Test überzeugt der Polestar 3 Long Range Single Motor als hochwertiges, komfortables, aber leider wenig effizientes Elektro-SUV. Er bietet dir viel Platz, moderne Technik und ein ruhiges, souveränes Fahrgefühl. Wer kein Performance-Monster sucht, sondern ein luxuriöses Langstrecken-E-Auto mit skandinavischem Charakter, findet hier eine der aktuell spannendsten Optionen im Premium-Segment.

Polestar 3 in der seitlichen Frontansicht.
Überzeugendes Gesamtpaket: Polestar 3 Long Range Single Motor.

Und für Musikliebhaber sei an dieser Stelle noch empfohlen, auf jeden Fall einen Blick auf das Premium-Soundsystem von Bowers & Wilkins zu werfen. Statt 300 Watt gibt es dann 1.610 Watt Systemleistung mit 25 statt nur zehn Lautsprechern. Selbst in den vorderen Kopfstützen sind dann Lautsprecher integriert, was Audiogenuss vom Feinsten ermöglicht – wie in einem Live-Aufnahmestudio. Der Aufpreis liegt über das optionale Plus-Paket mit weiteren Ausstattungsextras allerdings bei stolzen 6.000 Euro. Übrigens: Ab dem Modelljahr 2026 will Polestar seinen 3er auf ein 800-Volt-System mit verbesserten Ladeeigenschaften stellen.

Vorteile Polestar 3 LRSM

  • tolle Fahreigenschaften
  • hochwertige Verarbeitung
  • viel Platz im Innenraum

Nachteile Polestar 3 LRSM

  • hoher Verbrauch und mäßige Reichweite im Winter
  • nur 400-Volt-System || mäßige Ladeeigenschaften
  • alles andere als ein Schnäppchen

Kommentar

Von Hayo Lücke

In einem Polestar unterwegs zu sein, macht einfach richtig viel Spaß. So auch im Polestar 3, der auch beim Basismodell ohne Allradantrieb viel Leistung auf die Straße bringt. Dass dem Auto zum Modelljahr 2026 endlich 800-Volt-Technik spendiert wird, sorgt für die Beseitigung der vielleicht größten Schwäche.

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