Man kennt das: Die Videokonferenz dröhnt, das Kind schreit, und der Postbote klingelt. In dieser post-pandemischen Arbeitswelt, in der das Wohnzimmer zur Zweigstelle mutiert ist, verspricht Dell nun die ultimative Rettung für die Ohren. Die Pro Plus Earbuds sollen nicht einfach nur Schallwellen in den Gehörgang drücken, die das Hirn als Musik erkennt. Sie sollen einen reibungslosen Ablauf zwischen Teams-Call und Kaffeeküche ermöglichen. Kopfhörer für die Cloud-Arbeiterklasse, die den Spagat zwischen Business und privater Beschallung wagen. Dabei bricht Dell mit der Tradition des klobigen Call-Center-Headsets. Statt Bügelmikrofon gibt es minimalistisches Schwarz im In-Ear-Format. Ist das alles mehr als nur der Versuch, die Ästhetik der Generation AirPods in die Welt der Tabellenkalkulationen zu retten?
Tragekomfort und Bedienung der Kopfhörer
Die Dell Pro Plus haben ein schlichtes, fast schon asketisches Design. Mit vier unterschiedlich großen Gummipolstern schmiegen sie sich in verschieden große Gehörgänge, ohne dabei zu drücken. Bei der Bedienung endet jedoch die Harmonie. Dell setzt auf eine eigenwillige Mischung aus Knopfdruck und Kneif-Geste am Stiel der Kopfhörer. Was in der Theorie nach Präzision klingt, entpuppt sich im Alltag oft als feinmotorische Geduldsprobe.
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Besonders die Lautstärkeregelung via Wisch-Kneif-Kombination erfordert die Fingerfertigkeit eines Uhrmachers. Man fragt sich, warum das Bewährte – das einfache Tippen – einem System weichen musste, das selbst nach zwei Wochen Testzeit noch für frustriertes Fummeln am Ohr sorgt. Immerhin: Die Trageerkennung funktioniert tadellos und pausiert die Musik, sobald man sich der Realität wieder zuwenden muss.

Klang und ANC
Wenn es um die Stimme geht, macht Dell niemandem etwas vor. Die Earbuds sind auf Sprachverständlichkeit getrimmt, wie ein Nachrichtensprecher der alten Schule. In Teams-Meetings und Zoom-Calls klingen die Gesprächspartner scharf und präsent, fast so, als säßen sie mit am Küchentisch. Die eigene Stimme kommt bei dem Gegenüber ziemlich bassgeschwängert an. Musikliebhaber hingegen müssen Hand anlegen: In der Standardeinstellung fehlt es dem Klang etwas an Tiefe und Brillanz, er wirkt ein wenig zu sehr auf Funktionalität gebügelt. Wer jedoch den Equalizer in der App bemüht, kann den Bässen Beine machen und ein durchaus respektables, wenn auch nicht audiophiles Klangbild erzwingen.
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Das Active Noise Cancelling (ANC) ist eher ein sanfter Vorhang als eine schalldichte Mauer. Während die stetigen Geräusche eines Büros oder das Brummen eines Zuges effektiv gefiltert werden, dringen Stimmen und plötzliche Geräusche oft noch durch. Es ist ein weiches ANC, das einen nicht komplett von der Welt abschneidet. Das mag im Büro von Vorteil sein, in einer lauten Großstadt aber stellt sich der Wunsch nach der totalen ANC-Stille von Sony oder Bose ein. Wer die absolute Isolation sucht, wird hier enttäuscht, wer nur den Fokus im Büro bewahren will, kommt auf seine Kosten.

Akkulaufzeit und Besonderheiten
In puncto Ausdauer erweisen sich die Dell-Kopfhörer als echte Marathonläufer. Mit über 30 Stunden Gesamtlaufzeit inklusive Ladecase lassen sie manch teurere Konkurrenz alt aussehen. Und 8 Stunden Musikhören mit eingeschaltetem ANC ist eine Kunst, die andere, vergleichbar teure Kopfhörer nicht mal so eben schaffen. Besonders die Schnellladefunktion rettet den Tag: Fünf Minuten am Strom liefern genug Saft für eine Stunde Konferenz-Marathon. Das Case selbst ist zwar etwas klobig geraten – man merkt ihm die Business-Gene an, die eher für die Aktentasche als für die enge Jeans gemacht sind –, beherbergt aber praktischerweise den USB-C-Dongle für eine latenzfreie Verbindung zum Rechner.
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Ein echtes Highlight für das digitale Nomadentum ist das Multipoint-Bluetooth. Die nahtlose Verbindung zwischen Laptop und Smartphone funktioniert so reibungslos, wie man es sich von der Technik des 21. Jahrhunderts wünscht: Musik auf dem Handy hören, ein Klick am PC, und man ist im Meeting, ohne jemals die Einstellungen öffnen zu müssen. Die dazugehörige App bietet zudem nette Spielereien wie "Find my Earbuds", falls die Stöpsel mal wieder im Chaos auf dem Schreibtisch verloren sind.
Dell Pro Plus im Test: Das Fazit
Die Dell Pro Plus Earbuds sind keine Kopfhörer für Musik-Puristen, sondern ein solides Werkzeug für die arbeitende Bevölkerung am Bildschirm. Sie glänzen dort, wo es im Berufsalltag zählt: bei der Sprachqualität und der Zuverlässigkeit der Verbindung. Trotzdem isolieren sie Turbinenlärm im Flieger und geben die Lieblingsplatten in guter Soundqualität wieder. Mit gut 200 Euro sind sie zwar kein Schnäppchen, aber ersetzen womöglich den Kauf von zwei Geräten: In-Ears zum Musikhören und einem gescheiten Headset, das man für die Arbeit benötigt.

Diese Kopfhörer sind also das ideale Investment für alle, die ihren Arbeitstag in Videokonferenzen verbringen, aber keine Lust auf sperrige Headsets mit Mikrofonarmen haben. Sie sind für die pragmatischen Profis gemacht, die zwischen Homeoffice, Büro und Bahn pendeln und ein Gerät suchen, das einfach funktioniert – solange man nicht versucht, damit eine Sinfonie in Studioqualität zu genießen oder die Welt komplett stummzuschalten.

Pro
- Gute Sprachqualität in Meetings
- Lange Akkulaufzeit
- Hoher Tragekomfort
Contra
- Kneif-Bedienung unnötig kompliziert
- Durchschnittliches ANC
- Klang etwas flach – mit EQ wird's besser
- Wuchtiges Gehäuse






