Technik mit Gegensätzen: Xiaomi verkauft die Redmi Watch 6 als günstige Smartwatch, die optisch und beim Display in einer höheren Liga mitspielen will. Für knapp 100 Euro bekommst du ein großes, strahlend helles AMOLED-Panel, eine üppige Akkulaufzeit und mehr als 150 Sportmodi. Klingt nach einem Rundum-sorglos-Paket. Genau das bietet diese Smartwatch aber nicht ganz. Wir haben uns angeschaut, wo die Uhr überzeugt und wo Xiaomi den niedrigen Preis für dich dann doch spürbar macht.
Design: schick, leicht – und unübersehbar bei Apple abgeguckt
Optisch bewegt sich die Redmi Watch 6 klar im Fahrwasser der Apple Watch. Das eckige Gehäuse, die abgerundeten Ecken, die seitliche dreh- und drückbare Krone: Wer die Uhr auf dem Handgelenk sieht, denkt nicht sofort an ein Original von Xiaomi. Das muss aber kein Nachteil sein. Die Formsprache ist stimmig, und mit 44 Gramm mit Armband trägt sich die Uhr angenehm leicht. Der Aluminiumrahmen wirkt für die Preisklasse wertiger, als man es erwarten würde, und mit 9,9 Millimetern Bauhöhe fällt die Uhr flacher aus als die Vorgängerin.
Neu ist eine zweite Taste neben der Krone, über die du direkt ins Kontrollzentrum springst oder – dreimal gedrückt – einen Notfallkontakt anrufen kannst. Eine kleine Detailverbesserung, die im Alltag tatsächlich etwas bringt. Ebenfalls erfreulich: Das Armband lässt sich per Schnellverschluss ohne Werkzeug tauschen.

Display: das klare Highlight
Der 2,07 Zoll große AMOLED-Bildschirm ist das stärkste Argument der Uhr. Mit 432 × 514 Pixeln, 324 ppi und schmalen Rändern (der Bildschirmanteil liegt bei 82 Prozent) wirkt die Darstellung scharf, die Farben sind kräftig, die Schwarzwerte AMOLED-typisch tief. Vor allem die Helligkeit überzeugt: Xiaomi gibt bis zu 2000 cd/m² (Nits) Spitzenhelligkeit an, und im Freien bleiben Inhalte auch bei direktem Sonnenlicht gut ablesbar. Ein Helligkeitssensor, der die Displayhelligkeit an das Umgebungslicht anpasst, ist integriert. Du kannst die Helligkeit aber auch stufenlos manuell einstellen. Ein Always-on-Display (AOD) ist an Bord, muss aber bei Bedarf manuell aktiviert werden.
Verblüffend ist: Gerade bei günstigen Uhren merkt man sonst schnell, wo gespart wurde. Zum Beispiel in Form eines zu dunklen Panels, bei breiten Rändern oder trägen Animationen. Bei der Xiaomi Redmi Watch 6 ist das deutlich besser gelöst. Das große Display sorgt außerdem dafür, dass sich Benachrichtigungen und Trainingsdaten übersichtlicher ablesen lassen und du dich weniger durch Menüs scrollen musst.
Die Trainingsdaten während eines Workouts vom Display abzulesen, gestaltet sich strukturiert. Ein etwas größeres Schriftbild hätten wir uns aber irgendwie doch gewünscht. Der Vergleich ist zwar ob des Preises nicht ganz fair, doch in dieser Disziplin hat uns die Samsung Galaxy Watch Ultra 2 (Test) beim Joggen viel besser gefallen. Und noch eine kleine Einschränkung: Mit 60 Hz Bildwiederholrate arbeitet die Xiaomi Redmi Watch 6 NFC zwar flüssig, aber nicht auf dem Niveau teurer Modelle mit höheren Frequenzen. Aber stellenweise muss man bei einer 100-Euro-Smartwatch halt Abstriche machen.

Akku: stark – aber die versprochenen 24 Tage sind Marketing
Reden müssen wir über die Akkulaufzeit. Xiaomi wirbt mit bis zu 24 Tagen Laufzeit. Diese Zahl solltest du aber mit Vorsicht genießen: Sie gilt nur, wenn du reihenweise Funktionen abschaltest – dauerhafte Stress- und Blutsauerstoffmessung (SpO₂) aus, kein Always-on-Display, Herzfrequenzmessung nur alle zehn Minuten. Realistischer sind die Herstellerangaben von 12 Tagen bei normaler und 7 Tagen bei intensiver Nutzung.
Im Praxiseinsatz mit aktiviertem Always-on-Display und durchgehenden Messungen sind wir bei rund 9 Tagen gelandet. Selbst das ist für diese Preisklasse ein sehr guter Wert. Wer die Uhr etwas sparsamer konfiguriert, kommt problemlos in den Bereich von knapp zwei Wochen. Die Akkulaufzeit ist damit klar eine Stärke, nur eben nicht in der Höhe, die die große Zahl im Datenblatt suggeriert.
Und wie immer gilt an dieser Stelle unser Hinweis: Die tatsächliche Akkulaufzeit hängt stark von der individuellen Konfiguration ab. Je nach Einstellung kann sich die Laufzeit deiner Smartwatch stark positiv (etwa im Stromsparmodus) oder auch negativ (etwa bei viel GPS-Einsatz) verändern.
Fitness und Gesundheit: solide Basis, keine ultimative Präzision
Beim Tracking deckt die Redmi Watch 6 die üblichen Verdächtigen ab: Herzfrequenz, Blutsauerstoff, Stresslevel, Schlafphasen, dazu über 150 Sportmodi. Neu ist ein GNSS mit zwei L1-Antennen (GPS, Galileo, Glonass, BeiDou, QZSS), das meist fünf bis zehn Sekunden für eine Positionsbestimmung benötigt. Die GPS-Qualität ist auch in engen Kurven gut, aber in engen Häuserschluchten nicht immer optimal. Wenn du in der freien Natur unterwegs bist, darfst du dich aber auf genaue GPS-Daten freuen. Mit 5 ATM ist die Uhr bis 50 Meter wasserdicht, Schwimmen im Pool ist also kein Problem – für heiße Duschen, Sauna oder Tauchgänge ist sie dagegen nicht gemacht.
Bei der Genauigkeit der Pulsmessung fällt unser Urteil gemischt aus. In einem Intervalltraining mit scharfen Pulsanstiegen zeigte sich die Uhr in einem Test weniger präzise als bei Dauerläufen. Dass eine Smartwatch bei schnellen Pulsanstiegen weniger präzise reagiert als ein Brustgurt, ist aber normal und der optischen Messung über die Sensoren auf der Rückseite geschuldet. Für Schrittzählen (einen Kilometerzähler gibt es nur in der zugehörigen App auf dem Smartphone), Schlaftracking und normale Trainings reicht die Genauigkeit der Redmi Watch 6 vollkommen aus. Ambitionierte Sportlerinnen und Sportler, die sich auf jeden Wert verlassen wollen, sind mit einer spezialisierten Sportuhr aber besser bedient.

Grundsätzlich gilt: Die Gesundheitsdaten sind gut für Trends und den Alltag, aber nicht medizinisch präzise. Nicht ungewöhnlich in dieser Preisklasse ist, dass eine EKG-Funktion fehlt. Schon ärgerlicher ist, dass keine HRV-Messung stattfindet. Also eine Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität. Auch bei der Auswertung ist Luft nach oben: Die Mi-Fitness-App macht ihren Job, wirkt aber für unseren Geschmack bei Langzeittrends, Trainingsanalyse und Datenexport eher zweckmäßig als elegant.
Der größte Haken: Eine Smartwatch ist sie nur halb
Und dann müssen wir auch noch auf das Betriebssystem zu sprechen kommen. Denn hier wird es kritisch. Hier grenzt sich die Redmi Watch 6 von anderen, hochwertigeren Smartwatches ab. HyperOS ist hier ein geschlossenes System ohne App-Store – anders als auf Xiaomi-Smartphones setzt die Uhr nicht auf ein Android-basiertes System. Spotify oder Google Maps mal eben nachinstallieren? Geht nicht. Das Lesen von WhatsApp-Nachrichten ist trotzdem direkt am Handgelenk möglich. Einige Emojis wurden im Test mit einem iPhone aber nicht korrekt angezeigt.
Erfreulich ist aber, dass du Benachrichtigungen aufs Handgelenk bekommst, wenn sie auf dem Smartphone eingehen. Du kannst sie lesen, eine vollwertige Antwortfunktion fehlt aber. Ebenso Navigation oder Trainingspläne. Auch an dieser Stelle merkt man, dass für einen günstigen Preis an der einen oder anderen Stelle der Rotstift angesetzt werden musste. Streng genommen ist die Uhr damit eher rein funktional ein Fitnesstracker in einem schicken Smartwatch-Gehäuse.
Noch heikler wird es beim Bezahlen. Das Basismodell hat kein NFC. Kontaktloses Bezahlen am Handgelenk ist damit schlicht nicht möglich. Xiaomi bietet aber auch eine separate Redmi Watch 6 NFC an, mit der kontaktloses Bezahlen möglich ist. Aber auch dieses Modell löst das Problem nur halb. Google Pay bzw. Google Wallet läuft grundsätzlich nämlich nicht. Stattdessen kommt Xiaomi Pay zum Einsatz. Und das unterstützt in Deutschland bislang nur eine Handvoll Kartenausgeber. Etwa Curve, EURO Kartensysteme oder ZEN.com. Viele gängige Bankkarten werden schlicht abgelehnt. Wer trotzdem bezahlen will, muss über einen Umweg mit einer Curve-Karte gehen. Das ist aber eher umständlich und für viele ein K.-o.-Kriterium.

Und noch ein Punkt für iPhone-Nutzer: Unter iOS läuft die Uhr zuverlässig, solange du sie als Fitness- und Schrittzähler nutzt. Bei NFC-Zahlungen (keine Anbindung an Apple Pay) und interaktiven Nachrichtenantworten solltest du die Erwartungen aber deutlich herunterschrauben. Kompatibel ist die Uhr mit iPhones, auf denen mindestens iOS 14.0 läuft. Bei Android-Smartphones wird mindestens Android 8.0 vorausgesetzt.
Was du sonst noch wissen solltest
- Die Uhr bietet zwar eine Bluetooth-Freisprechfunktion, die Audioqualität ist jedoch sehr einfach gehalten. Der eingebaute Lautsprecher klingt bei Telefonaten recht blechern, und das Mikrofon filtert Umgebungsgeräusche (z. B. Wind oder Straßenverkehr) kaum heraus.
- Zwar ist nun ein eigenständiger Musikplayer an Bord, der interne Speicher ist mit 512 MB jedoch recht knapp bemessen. Zudem lässt sich Musik nur auf recht umständlichem Weg (und nur von Android-Geräten aus) als MP3 auf die Uhr übertragen. Streaming-Dienste offline zu nutzen, ist nicht möglich.
- Das Gehäuse hat mit seinem recht großen Display spürbare Ausmaße und kann an schlanken Handgelenken klobig wirken.
Was kostet die Xiaomi Redmi Watch 6 NFC?
Xiaomi ruft für die Redmi Watch 6 einen unverbindlichen Verkaufspreis (UVP) von 99,99 Euro auf. Erhältlich ist die Uhr in den Farben Obsidian Black, Silver Gray und Glacier Blue. Die NFC-Variante, erhältlich nur in Silber und Schwarz, gibt es direkt beim Hersteller für knapp 120 Euro. Der nachfolgende Preisvergleich gibt dir einen Überblick über die aktuellen Marktpreise im Onlinehandel.
Tipp: Aus technischen Gründen zeigt der oben genannte Preisvergleich nicht den Preis bei Amazon an. Gerade der ist aber interessant. Er liegt für die schwarze NFC-Variante aktuell bei knapp 85 Euro. Wenn du ohnehin mit dem Kauf liebäugelst, lohnt sich immer ein Vergleich beider Versionen. Ist die NFC-Uhr gerade im Angebot, gibt es kaum einen Grund, zur Ausführung ohne Bezahlchip zu greifen. Auch wenn die Bezahlfunktion via Xiaomi Pay, wie oben beschrieben, in Deutschland ihre Tücken hat.
Fazit: ein starkes Display-Schnäppchen mit klaren Kompromissen

Die Redmi Watch 6 ist ein ehrliches Angebot: großes, erfreulich helles Display, sehr ordentliche Akkulaufzeit, ein leichtes Gehäuse und ordentliches GPS. Und das (ohne NFC) für unter 100 Euro. In dieser Preisklasse macht die Uhr vieles richtig und fühlt sich hochwertiger an, als auf dem Preisschild steht.
Der Preis hat aber seine Logik. Wer eine Uhr sucht, die das Smartphone in vielen Situationen ersetzt, mit App-Vielfalt, zuverlässigem Bezahlen und tiefen Smart-Funktionen, wird mit diesem Wearable wahrscheinlich weniger glücklich. Das geschlossene System, das wenig erquickende Bezahl-Erlebnis rund um Xiaomi Pay und die an manchen Stellen fehlende Präzision bei der Pulsmessung sind reale Einschränkungen, keine Kleinigkeiten.

Wenn du aber eine günstige, schicke Uhr fürs Schrittzählen, für Benachrichtigungen am Handgelenk und für einfaches Fitness-Tracking suchst und dazu mit langer Akkulaufzeit belohnt werden möchtest, ist die Redmi Watch 6 ein ausgezeichneter Deal. Willst du mit deiner Uhr bezahlen, navigieren oder viele Apps nutzen können, die du von deinem Smartphone schon kennst, greif lieber zu einer echten Smartwatch – auch wenn die dann mehr kostet.
Vorteile der Xiaomi Redmi Watch 6
- Großes, helles AMOLED-Display
- Lange Akkulaufzeit
- Leichtes, flaches Gehäuse mit Aluminiumrahmen
- Dual-L1-GNSS und über 150 Sportmodi
- Fairer Preis
Nachteile der Xiaomi Redmi Watch 6
- Geschlossenes System ohne App-Store
- NFC-Variante nur mit stark eingeschränktem Xiaomi Pay
- Keine vollwertige Antwortfunktion, keine Navigation, keine Trainingspläne
- Pulsmessung bei schnellen Anstiegen etwas sprunghaft
- Unter iOS einige Einschränkungen
Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 3.200.065 (Juli 2026).
Ich finde: Für unter 100 Euro macht die Xiaomi Redmi Watch 6 erstaunlich viel richtig. Das große, knackig helle Display sieht klasse aus, der Akku hält lange durch, und optisch wirkt die Uhr deutlich teurer, als sie ist. Was mich im Alltag aber gestört hat: Sie ist ganz schön groß. An einem eher schmalen Handgelenk trägt das eckige Gehäuse ordentlich auf und wirkt schnell klobig. Wer kräftige Handgelenke hat, wird die Größe der Uhr lieben. Alle anderen sollten die Uhr vor dem Kauf lieber einmal anprobieren.






