Laut der Lageübersicht der Wirtschaftlichen Landesversorgung vom 21.10. ist die Energieversorgung in der Schweiz derzeit „grundsätzlich sichergestellt“. Bei Diesel und Kerosin sei die Versorgung jedoch „sehr angespannt“ oder sogar „gefährdet“. Die Gründe hierfür sind zahlreich. Sie erstrecken sich über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran, bis hin zu einem Niedrigwasser auf dem Rhein, das Mineralöl-Lieferungen in die Schweiz einschränkt. Um der Treibstoffknappheit entgegenzuwirken, ergriff die Schweizer Regierung bereits erste Maßnahmen. Und nun wird auch ein neues Tempolimit auf Autobahnen geprüft.
Schweizern droht ein Tempolimit
Um die drohende Versorgungslücke zu überbrücken, gab Roland Pfister, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung, die Pflichtlager frei. Konkret 45.000 Kubikmeter Diesel und 30.000 Kubikmeter Kerosin. Durchaus beachtliche Mengen, die den Landesbedarf jedoch nur kurzfristig decken können und daher eher als Ergänzung fungieren sollen.
Darüber hinaus soll das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ein Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen prüfen, um Treibstoff zu sparen. Gegenüber dem Portal Nau.ch bestätigte BWL-Sprecher Thomas Grünwald, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung „zu den vorzubereitenden Maßnahmen gehört“. Demnach würde sie im Fall einer schweren Mangellage bereits laufende Bezüge aus den Pflichtlagern begleiten und diese mit einem zusätzlichen Spareffekt unterstützen. Details zur Umsetzung sind jedoch noch nicht bekannt. Auch ist unklar, ob E-Autos sich ebenfalls an das drohende Tempolimit werden halten müssen.
Das mögliche Einsparpotenzial der Maßnahme ist beachtlich. Nach Angaben des ADAC bringt beispielsweise das Absenken der Fahrgeschwindigkeit von 130 auf 100 km/h eine Kraftstoffeinsparung in Höhe von 25 Prozent. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten fällt die Einsparung allerdings etwas geringer aus. Ferner fahren nicht alle Autofahrer stets mit der in der Schweiz erlaubten Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h. In der Praxis ist der tatsächliche Nutzen der Maßnahme also nur schwer zu berechnen.
Hohe Bußgelder drohen
Für Schweizer Autofahrer mit Bleifuß birgt ein neues Tempolimit ein besonderes Risiko. Denn die Bußgelder für das Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit fallen hier spürbar höher aus als in Deutschland. Bereits bei einer Überschreitung von 6 bis 10 km/h werden auf der Autobahn stolze 60 CHF fällig (rund 65 Euro). Bei 16 bis 20 km/h sind es 180 CHF (etwa 195 Euro) und bei 21 bis 25 km/h kommt man auf 260 CHF (etwas über 281 Euro). Bei höheren Überschreitungen drohen ein unbestimmtes Bußgeld, Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen.

Krisen-Tempolimit auch in Deutschland?
Hierzulande forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bereits Anfang des Jahres ein Tempolimit als Sofortmaßnahme nicht nur für den Klimaschutz, sondern konkret auch als Mittel gegen eine Treibstoffknappheit – Bezug nehmend auf die Blockade der Straße von Hormus.
„Während in ersten EU-Ländern schon Treibstoff rationiert wird, setzt die Bundesregierung mit der Sprit-Steuersenkung weiter auf ungebremsten Verbrauch“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Ein geringerer Verbrauch entlaste zudem die Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger um bis zu 9,5 Milliarden Euro jährlich.
Gefordert wurde damals allerdings ein weniger drastisches Tempolimit als nun in der Schweiz. Zumindest mit Blick auf die Autobahn. So setzte sich die DUH für 100 km/h auf der Autobahn ein, 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts.
Ob ein Tempolimit auch hierzulande eingeführt werden könnte, bleibt ungewiss. Als solches wurde die Idee bereits mehrfach von der Regierung abgeschmettert. Andererseits beschränkt sich die aktuelle Ölknappheit nicht auf die Schweiz. In Frankreich sind etwa 12 Prozent der rund 9.900 Tankstellen von Lieferengpässen betroffen (Stand: 28.10.2026). Und auch in Deutschland kommt es mittlerweile zu Engpässen. Wobei sich die Dieselknappheit laut der Internationalen Energieagentur (IEA) noch bis weit in das Jahr 2027 erstrecken soll.
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