Telekom schaltet 1,3 Millionen Telefonanschlüsse ab

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Die Telekom stellt rund 1,3 Millionen alte Telefonanschlüsse um. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die nur telefonieren und kein Internet haben. Wer die Post der Telekom ignoriert, steht am Ende ohne Anschluss da. Wir zeigen dir, worauf du jetzt achten musst.
Mehrere Würfel mit Telekom-Logo
Telekom schaltet alte Anschlüsse abBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Du telefonierst noch ganz klassisch über das Festnetz? Kein Internet, kein Router, nur das Telefon auf der Kommode? Dann kommt in den nächsten Monaten wahrscheinlich Post von der Telekom. Die gehört nicht ins Altpapier. Der Bonner Konzern stellt rund 1,3 Millionen alte Telefonanschlüsse auf neue Technik um. Und wer nicht reagiert, verliert seinen Anschluss. Die Umstellung betrifft vor allem Menschen, die ihren Anschluss nur noch zum Telefonieren nutzen. Häufig sind das ältere Kunden, viele davon Rentner. Und gerade sie sind oft nur über das Festnetz erreichbar.

Warum die Telekom umstellt

Es ist nicht die erste Umstellung dieser Anschlüsse. Vor rund zehn Jahren hat die Telekom ihre alten Analoganschlüsse auf IP-Technik umgestellt, also auf Telefonie über die Internettechnik im Netz. Bei Anschlüssen mit DSL war das einfach. Reine Telefonanschlüsse brauchten dagegen eine Zwischenlösung namens MSAN-POTS. Vereinfacht gesagt sitzt dabei im Netz der Telekom ein Gerät, das dein altes Telefon in die neue Technik übersetzt.

Genau diese Zwischenlösung ist jetzt am Ende. Ersatzteile gibt es kaum noch. Die Technik ist störanfällig. Bis Ende 2028 will die Telekom sie komplett abschalten. Statt der alten Technik bekommen die Kunden je nach Standort eine Funk-Box, DSL oder Glasfaser.

Nicht alle trifft es auf einmal. Zuerst sind Anschlüsse dran, an denen es ohnehin Störungen gibt. Wichtig ist: Ende 2028 ist nicht dein persönlicher Stichtag. Der steht im Schreiben der Telekom, und er kann deutlich früher liegen. Und nein, nicht jeder Festnetzanschluss in Deutschland wird abgeschaltet. Wer schon DSL oder Glasfaser mit Telefon hat, ist nicht gemeint.

Was passiert, wenn du nicht reagierst

Von allein läuft hier nichts. Die Umstellung musst du nicht selbst anstoßen, die Telekom meldet sich bei dir. Den neuen Tarif musst du aber aktiv vereinbaren. Laut Telekom bekommen Betroffene bis zu drei Schreiben. Eine Ankündigung. Eine Kündigungsmitteilung. Und gegebenenfalls eine Erinnerung. Dazu kann ein Anruf kommen. Die Kündigung kommt also von der Telekom, nicht von dir. Vereinbarst du bis zum genannten Vertragsende keinen neuen Tarif, ist dein Anschluss danach weg. Ausnahmen sieht die Telekom nicht vor. Für die Umstellung selbst verlangt die Telekom kein Geld. Bezahlen musst du den neuen Tarif und gegebenenfalls die Box.

Eine Anschlusskündigung ist übrigens das gute Recht der Telekom. Was viele vergessen: Das Kündigungsrecht gilt immer für beide Parteien. Auch ein Glasfaser- oder Mobilfunkanbieter kann dir zum Ende der Vertragslaufzeit kündigen.

So funktioniert die neue Box

Für viele Betroffene hat die Telekom eine eigene Lösung gebaut: die Telefon-Box „Call Connect via Funk“. Sie kommt in die Steckdose, dein Telefon steckst du wie gewohnt in die mittlere TAE-Buchse. Der Anruf läuft danach nicht mehr über die Telefonleitung, sondern über das Mobilfunknetz der Telekom, konkret über 4G/LTE. Eine SIM-Karte musst du nicht einlegen, sie steckt schon drin.

Ein Bild des Call Connect via Funk
Call Connect via Funk löst den Analoganschluss ab Bildquelle: Telekom

Laut Telekom ist die Einrichtung nach rund 15 Minuten erledigt. Einen Techniker brauchst du nicht, das schafft man allein oder mit einer vertrauten Person. Deine Festnetznummer bleibt, auch für ausgehende Anrufe. Dein bisheriges Telefon kannst du in der Regel weiter nutzen.

Voraussetzung ist guter Telekom-Empfang dort, wo die Steckdose ist. Reicht der nicht, bleibt nur ein Wechsel auf DSL oder Glasfaser. Die Telekom prüft nach eigenen Angaben vorab, welche Lösung an deinem Standort funktioniert. Tipp: Je näher die Steckdose an einem Fenster ist, desto besser der Empfang.

Was das kostet

Die Box kostet 3,95 Euro im Monat oder einmalig 99,99 Euro. Dazu kommt ein Tarif. Die Telekom nennt in ihrer Mitteilung zwei. „Call Basic via Funk“ kostet 22,95 Euro im Monat und enthält 120 Freiminuten. „Call Comfort via Funk“ kostet 32,45 Euro und bietet eine Flatrate ins deutsche Festnetz. Beide laufen mindestens zwölf Monate. Daneben gibt es den „Call Start via Funk“ für 23,95 Euro, ohne Mindestlaufzeit, aber auch ohne Freiminuten. Internet ist in keinem der Tarife enthalten, technisch über die Box auch gar nicht möglich.

Mit gemieteter Box zahlst du für Basic oder Comfort also 26,90 oder 36,40 Euro im Monat. Aufs Jahr gerechnet sind das 322,80 beziehungsweise 436,80 Euro. Nur fürs Telefonieren.

Ein Detail kann dabei teuer werden. Die Flatrate gilt nur für Festnetznummern. Rufst du oft bei Kindern oder Enkeln auf dem Handy an, kostet das extra. Nämlich stolze 19 Cent pro Minute. Gespräche ins Festnetz außerhalb der Freiminuten kosten 2,9 Cent pro Minute.

Es geht auch günstiger. Aber nicht mit deiner Nummer

Zum Vergleich: Handytarife mit Allnet-Flat gibt es schon ab rund fünf Euro im Monat. Verivox rechnet mit einer Ersparnis von 215,52 Euro im Jahr. Mit gemieteter Box wird die Lücke noch größer.

Bevor du zum billigsten Angebot greifst, stell dir eine Frage: Wie wichtig ist dir deine Nummer? Eine Festnetznummer mit Ortsvorwahl kannst du nicht in einen normalen Handyvertrag mitnehmen. Wer seit Jahrzehnten unter derselben Nummer erreichbar ist, für den ist das kein Detail. Freunde, Arztpraxis, Pflegedienst. Alle bräuchten die neue Nummer. Mit der Telekom-Box bleibt sie. Beim Wechsel zu einem anderen Festnetzanbieter auch, die Mitnahme ist kostenlos.

Wer damit leben kann, hat eine günstige Alternative: das Mobilfunk-Tischtelefon. Es sieht aus wie ein normales Festnetztelefon, oft mit großen Tasten, funktioniert aber mit einer SIM-Karte. Achte darauf, dass das Gerät LTE beherrscht.

Für 20 Euro monatlich bekommst du bereits einen DSL-Anschluss mit 16 Mbit/s und Telefonflatrate. Dorthin kannst du deine Nummer mitnehmen. Kündige aber nicht selbst, bevor die Rufnummernmitnahme geklärt ist. Das erledigt der neue Anbieter für dich.

Hausnotruf: Hier musst du selbst ran

Das ist der heikelste Punkt. Hängt an deinem Anschluss ein Hausnotruf, eine Alarmanlage oder ein anderes Sondergerät, läuft das nicht automatisch weiter. Die Telekom schreibt ausdrücklich, dass Kunden die Funktion selbst mit dem jeweiligen Anbieter klären müssen. Ruf also vor der Umstellung beim Hausnotruf-Anbieter an.

Dazu kommt der Strom. Die Box braucht eine Steckdose. Fällt in der Wohnung der Strom aus, ist das Telefon tot. Ein klassisches Schnurtelefon lief am alten Anschluss auch ohne Strom. Hast du ohnehin ein schnurloses Telefon, ändert sich hier wenig, das brauchte schon immer Strom. Die Box selbst verbraucht laut Telekom weniger als 2,2 Watt.

Wenn es deine Eltern betrifft

Viele Betroffene wollen sich mit Technik nicht mehr befassen. Dann bleibt es an den Kindern oder Enkeln hängen. Vielleicht also an dir. Die wichtigsten Schritte sind schnell erledigt. Schau in die Post, ob ein Schreiben der Telekom da ist. Notier dir das Vertragsende. Prüf die Rechnung. Ruf beim Hausnotruf-Anbieter an. Und teste den Handyempfang dort, wo das Telefon steht.

Vorsicht bei unangekündigten Vertretern an der Haustür. Nicht jeder, der von einer bevorstehenden Abschaltung erzählt, kommt wirklich von der Telekom. Wer unsicher ist, ruft die kostenlose Hotline der Telekom unter 0800 33 01000 an. Am Telefonieren selbst ändert sich am Ende wenig. Hörer abnehmen, wählen, klingeln. Ignorieren darf man die Sache diesmal aber nicht.

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Bildquellen

  • Call Connect via Funk löst den Analoganschluss ab: Telekom
  • Telekom: DSL statt Glasfaser: Thorsten Neuhetzki / inside digital

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